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M-aer Anzeiger

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5. Jahrgang

Fulva, Samstag, 21. Juli

Meine Zeitung für eilige Leser

* « Mi 8. August wird Reichspräsident v. Hindenburg der Flotte einen Besuch in Kiel abstatten.

I * Deutsche Oskar Slater, der vor fast 20 Jahren in !Lettland wegen angeblichen Mordes zum Tode verurteilt iwurbc, ist jetzt im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen Ivordcu. .,

' # Die Leiche des kürzlich verschwundenen Bankiers Löwen- istein wurde im Kanal gefunden und nach Calais gebracht.

- * König Fuad von Ägypten hat durch einen Staatsstreich k^ Parlament aufgelöst und für drei Jahre ausgeschaltet.

Opfer der Leidenschaft.

, Eine traurige Rubrik Attentate Friedensströmungen.

I Mit dem Sommer, wenn die Hunderttausende in die AHngwelt der Alpen ziehen, taucht alsbald in den Zei- Ktiiitgen die traurige Rubrik auf: Opfer der Berge.

aber ist diese Bezeichnung eigentlich »nrichtig, weil IM immer der Verunglückte nicht ein Opfer des Berges, Bfonbern ein Opfer eigenen Leichtsinns, der über- Mätzung der eigenen Kraft und schlechter Altsrüstung ist.

in diesem Jahre weist diese dunkle Rubrik schon Kivieber eine nicht unbeträchtliche Ziffer auf und auch in k diesem Jahre stehen wieder obenan die Opfer des Leicht- Mnns. Die Unglücksfälle namentlich am Matterhorn, Meinem der schwersten Objekte der Bergtouristik, illustrieren vielleicht am deutlichsten. Ohne Führer, ohne eine gute alpine Bergausrüstung. klettert an diesem Berg das MmWolk Herunt. Schweres Leid liegt über den Eltern, Iwbem das fast selbstverständliche Unglück geschehen ist. «Und immer wieder muß man warnend darauf Hinweisen: ibcr Sera ist kein Tanzplatz! Aber man gehe einmal in Idas Mine Museum in München, wo sich eine Art Scherz- beimbet Da sieht man z. B. hohe Damenabsätze, die Kei dem Erklettern irgendeines ernsthafteren Berges MMee gefunden Word?» sind. Wer je in den Alpen war Fiwb tobet nur einen Tropfen Tonristenblutes in sich fühlt, M M achselzuckend an manche Begegnung erinnern, ie ihm ein harmloses weibliches Wesen im weißen Kleid itb Stöckelschuhen zeigte. Wer da eine Warnung aus- bricbt, erntet meist nur eine spöttische Gegenbemerkung, is das Unglück da ist und dieOpfer der Berge" ämmerlich um Hilfe schreien. Als 1922, einem Jahre, ^ sich außerdem noch durch besonders ungünstige Witte- iing anszeichnete, das Deutsche Turnfest in München WMunW hatte, zogen von dort aus auch viele, viele Nenbe in die bayerischen Berge, meist nur schlecht iber gar nicht ausgerüstet und borbereitet für Hoch- onren; da erreichte die Zugspitze ihren traurigsten Re- orb dadurch, daß an ihren Flanken nicht weniger wie 42 «äst tödlich verlaufene Abstürze erfolgten.

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Grenzt solches Beginnen schon an Selbstmordversuch, »sind in diesem Sommer die wirklichen politischen h rdversuche auffallend zahlreich. Das Attentat O b r e g o n, vorher die Schießerei in der Belgrader Mtëbertrefung was nachher kam. beweist nur wieder, $ immer der entgegengesetzte Zweck dessen eintritt, was m Attentäter mit seiner Pistole herbeiführen will. Solche ^tm erschrecken nicht, sondern erbittern nur, machen die Mische Situation nur noch zugespitzter, nur noch Wittner. Wir haben das in Deutschland ja leider auch Mach erleben müssen. aber heißer noch lodern die k'beiifhaften ans dem Balkan unb in den ja immer von ^Millionen und Attentaten zerwühlten mittel- und süd- Acrikanischen Staaten. Es ist nicht unrichtig, wenn kviand einmal gesagt hat: Die Kugel ist etwas Dummes n'b toenn sie erst einmal aus'dem Lauf ist, so kann sie die wüten Torheiten an richten. Und so folgt denn in dem M gegenseitigen fraß der Völkerschaften zerwühlten Ean Attentat auf Attentat. Erst wird der Führer des ^wdonischen Komitees erschossen, dann versucht wieder w Mazedonier ein Attentat auf einen höheren Belgrader 'Olheibeamten, schließlich fällt als Antwort wieder 'N Führer der Mazedonier znm Ovfer, angeblich, weil 'eser Mann selbst es aewesen ist. der den Mord an seinem ^lksgenyffen veranlaßt hat. Ans dem Balkan sitzen ja Geschosse schon immer sehr lose im Revolver: aber wiederholt hat solch ein Schuß das Pulversaß zur Boston gebracht. Sie sind nicht geringer geworden auf lcnt Balkan, diese Svannunaen, die 1919 durch die so- knannten Friedensstifter in Paris in ruhigere Bahnen llenkt werden sollten: eher ist durch die Arbeit der Großen Pier" eine ganze Menge geleistet worden, den jenseitigen Haß der Völkerschaften im Südosten Europas M zu verschärfen. - '

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Dafür wird zurzeit desto heftiger in dem Artikel Arbeitet, der die AufschriftFriedenspakt" trägt. Das 1 nichts Nenes in der Geschichte, und vor mehr als ändert Jahren gab es nach den Napoleonischen Kriegen eineHeilige Allianz" unter den bedeutenderen Jäten Europas. Auch sie vermochte den Frieden nur Z ein paar Jahre zu bewahren, vermochte trotz tönender tro^ schönster Vereinbarungen den Krieg nicht aus r Welt zu schaffen. Auch beim Kellogg-Pakt siud mehreren Großmächten derartige Porbehalte gemacht oroejt, daß von den ganzen Vereinbarungen eigentlich >,I Ziemlich einfache Selbstverständlichkeiten übrigblieben. L'^to diesen Selbstverständlichkeiten weiß man im ^"Ufall. nämlich dann, wennhart im Raume sich die stoßen", doch nicht so ganz genau, ob sie nicht bei- 'eaeworfen werden. Schon braut im äußersten Asien, ?er Mandschurei, sich wieder eine Gewitterwolke lammen; es ist noch gar nicht so lange her, daß bei ^"Nadai und auf der Halbinsel Schantuna die Kanonen

Die Umwälzung in Aegypten

Kuads Staatsstreich.

Zugunsten der Engländer.

Die Wegräumung der ägyptischen parlamentarischen Versaffung aus die Dauer von drei Jahren, vielleicht auch für länger, durch König Fuad im Verein mit seinem Ministervräsidenten ist zweifellos als ein Akt anzusehen,

König Fuad von Ägypten.

Das Wiener Sängerfest

Bundeskanzler Seipel begrüßt die Sangesbrüder.

Donnerstag abend fand in der riesigen, 80 000 Menschen fassenden Sängerhalle im Wiener P r a t e r die offizielle Begrüßung der Ehrengäste und der aus aller Welt herbeigeströmten deutschen Sänger statt. Gesangsvorträge des Thüringer Sängerbundes, der Sudetendeutschen, des Steierischen und des Ostmärkischen Sängerbundes leiteten die Feier ein. Dann nahm, nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Festaus­schusses, Schulrats I a k s ch, der österreichische Bundes­kanzler Dr. Seipel das Wort:

Im vorigen Jahr," so führte er aus,haben wir in Wien unter der Anteilnahme der ganzen Welt Beet­hoven gefeiert. Der große Sohn des Rheinlandes hat in unserem Wien den Gipfelpunkt der Musik erstiegen. Heuer feiern wir einen ganz anderen, aber wieder in seiner ganzen Art einzigen Genius unserer Stadt: Franz Schubert. Im Lied, int beschwingten und beseelten Lied, hat dieses Kind unserer Stadt das Höchste geleistet. Selbstverständlich spricht seine Kunst nur zu jenen, die die Sprache seiner Lieder ganz unmittelbar verstehen, weil eine verwandte deutsche Seele in ihm lebt, weil dieselbe deutsche Muttersprache ihm zu eigen ist. Zur Bekundung dieser Gemeinsamkeit des Geistes sind Sie, deutsche Sänger, zu uns ins Schubert-Land Österreich gekommen. Ich heiße Sie im Namen des Volkes, das in diesem Lande wohnt, und im Namen seiner Regierung aufs herzlichste willkommen."

Nach Dr. Seipel sprachen der österreichische Unter- richtsminifter Schmitz und Wiens Bürgermeister Seitz, der mit den Worten schloß:Deutsche, seid stark im Willen zur Einheit, denn die Einheit wird eure Tat sein!" Als nächster Redner wies sodann der

deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld

auf die tiefe Bedeutung des Sängerbundesfestes für die Bewertung des deutschen Kulturlebens als Einheit und für die Einordnung der besonderen österreichischen Kultur in diese Einheit hin.Wir alle," so führte Graf Lerchen­feld aus,erblicken in der österreichischen Eigenart ein Kulturgut von unschätzbarem Wert, welches in besonderem Rahmen, nämlich in dieser altehrwürdigen Stadt Wien und in dem österreichischen Polke, diesem besonderen Zweige des deutschen Volkes, eingeschlossen ist. Wer Österreich und Wien als aufmerksamer und liebevoller Beobachter durchwandert, der mutz erkennen, daß hie autzerordentliche Kulturwerte wohnen."

Sachtem Es ist fast ein Ausnahmezustand in der Welt 'auch von heute, daß nirgends ein Kriegsfeuer brennt. Und der Frieden pflegt meist dann gefährdet zu sein, wenn allzu viele Köche im Brei herumrühren. Dr. Pr.

DerEiserne Gustav" in Schwulitäten,

v Die Reklame zieht nicht mehr.

Zur allgemeinen Verwunderung der Bevölkerung traf dieser Tage die buntbewimpelte Kutsche desEisernen Gustav" ohne diesen in Andernach ein. Die Droschke wurde von einem jungen Fuhrmann geführt, der nach kurzer Rast seine Fahrt nach Remagen sortierte. Zwei Stunden später kam in einem Auto Gustav Hart-

der fast als Revolution von oben bezeichnet werden kann. Er bedeutet mehr oder minder die Rückkehr zur abso­luten Monarchie mit Hilfe der Liberalen und der Unio­nisten, die als Partei des Königs und des englischen Ober­kommissars zu betrachten sind.

Bei dem Staatsstreich wurden außer den Parlamentär rischen noch andere Verfassungsartikel aufgehoben, fo jene über die Freiheit der Presse und über die Notwendigkeit einer Neuwahl nach Auflösung der Kammer. Als Grund wird angegeben, daß die W a f d - P a r 1 e i, die im bis­herigen Parlament die weitaus größte Mehrheit hat und bereits seit langem im Konflikt mit dem jetzigen ägyp­tischen Kabinett steht, im Landeallgemeine Verwirrung angerichtet" habe. Sofort ist auch jede Wahlversammlung dieser Partei verboten und von der Regierung sind starke militärische Kräfte eingesetzt worden, um jede Umgehung dieses Verbots unmöglich zu machen. Diese Auflösung des Parlaments, und zwar beider Kammern, soll noch ver­vollständigt werden durch eine Revision des Wahlgesetzes, offenbar, um zu verhindern, daß die Wafd-Partei wieder die Mehrheit erhält, wenn das Land zu Neuwahlen auf­gerufen wird.

Es ist nicht anzunehmen, daß der König bzw. sein Ministerpräsident ohne Rücksprache mit dem englischen Oberkommissar gehandelt hat, sich vielmehr vorher in Lon­don die Zustimmung zu seinem Vorgehen einholte. An- dererseits scheint die Wafd-Partei entschlossen zu sein, diesem Verfassungsbruch durch den König mit Gewalt zu begegnen. Bisher sind allerdings nur ägyptische Truppen­abieilungen eingesetzt, während die englischen Kontingente noch zurückgehalten werden. Bekanntlich sind in der Wafd- Partei alle jene Kreise zusammengeschloffen, die aus nationalen Gründen englandfeindlich eingestellt sind.

Vor der Abendfeier, die einen glanzenden Bertauz nahm, hatte die feierliche Übergabe des Bun- desbanners stattgefunden. Der Bürgermeister von Hannover, Finke, schilderte den Zug des Banners von Stadt zu Stadt und teilte mit, daß das Banner nunmehr als immerwährendes Symbol des deutschen Männerge­sanges auch eine bleibende Stätte finden solle, nämlich das Sängermuseum in Nürnberg.

Dem Gesandten GrasLerchenfeld brachten dann vor der Freitreppe der Gesandtschaft 800 Sänger des Schlesischen Sängerbundes unter Leitung ihres Bundes­chormeisters Melcher-Breslau eine Huldigung dar, die sie mit dem Bortrag des LiedesMein Schlesierland" er­öffneten. Der Gesandte dankte mit einer längeren An­sprache, an deren Schluß er sagte:

Lassen Sie mich den Regenbogen, der sich soeben über Wien wölbt, als frohe Vorbedeutung ansehen, als Symbol der Brücke, die von einem deutschen Stamm zum anderen ohne Rücksicht auf die Grenzen geschlagen ist. Lassen Sie meinen Dank für Ihre besondere Kundgebung in den Ruf ausklingen: das deutsche Volk in allen seinen deutschen Stämmen über alle Grenzen hinaus: Heil! Heil! Heil!" In diesen Ruf stimmten alle Anwesenden begeistert ein und sangen dann das Deutschlandlied.

Der d e u t s ch e R e i ch s k a n z l e r hat an das Komi­tee des Sängerfestes eine Kundgebung gerichtet, in der er der Überzeugung Ausdruck gibt, daß nicht allein die leben­dige Macht des Liedes, sondern auch das Bewußtsein der unlöslichen inneren Verbundenheit des Deutschen Reiches mit seinen Brüdern in Österreich alle Teilnehmer erfüllen werde.

Zur Teilnahme an dem Sängerbundesfest ist Reichs- Innenminister Severing in Wien eingetroffen.

Tee zu Ehren der deutschen Sänger beim Gesandten Graf Lerchenfeld.

Der deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld gab gestern einen Tee für die namhaftesten Teilnehmer am Sängerbundes­fest, zu dem neben den Mitgliedern des Hauptvorstandes und des Wiener Festausschusses die Vorstände der großen Wiener und der teichsdeutschen Gesangvereine sowie Ver­treter der deutschen Gesangvereine im Ausland erschienen waren. An dem Empfang nahm auch Reichsminister Severing teil.

mann KiDft an, nreyr wentg verwunden, daß sein Stoß Grasmus" bereits nach seinem nächsten Bestimmungsort weitergetrabt war. Enttäuschte Leute machten ihm Vor­halte darüber, daß er sich nicht auf seiner Kutsche befand, und gaben ihm zu verstehen, daß sein Reklameschild WannseeParis und zurück" lautet. Eine Schlägerei zwischen den Enttäuschten und den Begleitern Gustavs wurde nur durch das Dazwischentreten des Wirtes ver­hindert. Gustav verließ mit seinen Begleitern eiligst das Lokal und setzte seine Reise mit dem Auto fort.

Und nun ist es wirklich höchste Zeit, daß mit dem Eisernen Gustav" endgültig Schluß gemacht wird.