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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön ua- Vogelsberg» ZsVa- und Haunetal Zui-aer Kreisblatt

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Alt.

1731928

Fulda, Mittwoch, 25. Juli

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Das Reichskabiuett hat sich damit einverstanden erklärt, daß die Reichsbahn die Entscheidung des Reichsbahngerichts in der Frage der Tariferhöhung anruft.

* Mit Zustimmung der Reichsregierung werden Verhand-- Inngen darüber geführt, die Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin zu belassen.

* In Paris finden zur Zeit Besprechungen Poincarss und Parker Gilberts über den Dawes-Plan statt.

Hparsamteit undSicherheit.

Der Reichsverkehrsminister beabsichtigt dem Ver­nehmen nach eine Besprechung mit dem General­direktor der Reichsbahn Dr. Dorpmüller, in der auf Wnmb des Berichtes der nach München entsandten Untersuchungskommission eine Verständigung über die Fortführung der Untersuchung herbeigeführt werden soll. An der bisherigen Untersuchung sind ,nu Beamter des Reichsverkehrsministeriums und Vertreter der baperischen Regierung beteiligt.

Kurz nach dem großen Eisenbahnunglück bei S i e - Alsdorf in Bayern sagte ein Lokomotivführer, der seit 25 Jahreri auf der Schnellzuglokomotive steht, zu einem Käsenden das tiefsinnige und richtige Wort:Von uns ^komotivführern nimmt das Publikum erst dann Notiz, wenn wir vor dem Strafrichter stehen!" Diese Männer, denen das Leben von Hunderten anvertraut ist und die ein Zufall, ein Versehen, eine kleine Unachtsamkeit selbst E der Bahn und ans dem Leben werfen kann, verrichten ohne viel Aufhebens ihre Pflicht auf der Maschine. Gerade do aber die Anforderungen, die an den Dienst dieser Männer gestellt sind, immer größer werden, sollte man och den' Lokomotivführer angesichts der schweren Un- Msfällc der letzten Zeit eingehender befragen, weil er ja schließlich am besten weiß, wie die Strecke aussieht, auf der ci ost den Zug mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern fährt. Er vermag am besten zu sagen, ob sch die gesteigerten Anforderungen, die in betriebstcch- Wer oder personeller Beziehung gestellt werden, über- dApt noch im Bereiche des ,nenschlich und sachlich Mög- lWn halten. Obwohl diese Männer schweigsam sind, Mgerrr^resen, sind aus ihren Kreisen jetzt doch die Stimmen immer lauter und lauter geworden, die von einer Whrdung des Betriebes zugunsten der Beschlennigung sprechen und hier die eigentliche Quelle der Gefahren und der Unglücksfälle sehen. Und immer wieder wird in diesen Kreisen der eigentlichen Praktiker, der für alles wirklich Verantwortlichen, die Ansicht laut, daß auf den deutschen Eisenbahnen die Stärke und die Güte des O b e r b a u s samt Brücken, Kurvenerhöhungen usw. diesen Anforderungen des beschleunigten Verkehrs, namentlich bei den viel stärker gewordenen Lokomotiven, eiitfad) nicht mehr genügen. Daß infolgedessen die Vor- Mssetzungen fehlen für die fast überall angestrebte und dnrchgefübrte Verkehrsbeschleunigung, daß darum die Be­triebsunfälle sich häufen. Wieweit es außerdem richtig ist, daß auf der einen Seite erhöhte Anforderungen an das Vetriebspersonal gestellt wurden, man aber andererseits zu einer Herabsetzung der Beamten- und Angestelltenziffer, der allem zu einer auffallend starken Verminderung der Arbeiter; ah l geschritten ist. dürfte vermutlich in den ein­zelnen Direktionen verschieden zu beantworten sein. Aller- ; dings geht das Streben der Reichsbahn z. B. dahin, sich durch Schaffung betriebseigener Werkstätten von der Avatwirtschaft möglichst unabhängig zu machen, eine Kadenz, die gleichfalls gewisse Gefahren in sich schließt, [ teil hier auch Sparsamkeit bis zum äussersten verlangt

Md durchgeführt wird. . ,

Man sollte also gerade zu diesem technisch hoch guali- sizierten Betriebspersonal, wie es die Lokomotivführer darstellen, im Interesse der Sicherheit des Gesamtbetriebes stärkeres Vertrauen haben und darauf achten, wenn es mahnt. Durch einen verhängnisvollen Zufall oder durch ein schlechtes Funktionieren des Betriebes ist die War- nung eines Lokomotivführers über die Gefahren der Siegelsdorfer Strecke unbeachtet geblieben; vielleicht wären heute noch zwei Dutzend Menschen mehr am Leben, wenn man schleunigst der damaligen Mahnung des Praktikers Gehör geschenkt hätte. Jetzt wird wieder eine Unter­suchung über das andere Unglück am Münchener vauptbahnhof veranstaltet aber zu einem Wirklichen Resultat dürfte man doch nur kommen, wenn Hubei auch die Männer der Praxis gehört werden. Nicht '" Massenversammlungen kann hier zutage geförderr werden, was i st, eher was nicht sein sollte.

Man scheue sich dann, wenn wirklich eine gründliche Untersuchung des Betriebes bei den Deutschen Neickrs- erfolgt, nun aber auch nicht davor, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Schließlich weiß doch jeder. Huß die Deutsche Reichsbahn A.-G. infolge der Zahlungs- i hrrpflichtungen des Dawes-Vertrages bis aufs Meiste zu kämpfen hat, um die notwendige Betriebs- cherheit nicht unter dem unbedingten Zwang zur Spar- nunkeit leiden zu lassen. Man kann nicht mehr so aus Vollen wirtschaften, wie einst in der Vorkriegszeit, allein schon die Preußisch-Hessische Eisenbahugemein- chaft im Jahre einen Überschuß von weit über 500 Mil­anen erbrachte und Preußen deswegen ein Land war, L. "um die Steuern sehr niedrig sein konnten. Jetzt liegen M Dinge leider ganz, ganz anders, aber die Eisenbahn ^b auch, daß sie selbst am meisten darunter leidet, wenn Ruf der Betriebssicherheit weiter so er- Mite.rt wird, wie das in der letzten Zeit geschehen ist;

, immer und laut spricht man ja von UnglUckssällen, " weniger aber von der gewaltigen Leistung auf den

Die Eisenbahn weiß, daß der Ausbau sonstiger , hhrsmittel ihr eine überaus scharfe Konkurrenz be-' wie auch z. B. das Automobil ihr zahllose Vassa-

Mussolini über die

Neue Nachforschungen nach Amundsen.

Der italienische Ministerpräsident hat sich in einem Ministerrat ausführlich zu den Vorwürfen geäußert, die gegen Nobile als den Führer derJtalia"-Expedition laut geworden sind. Natürlich nahm Mussolini seine Landsleute energisch in Schutz; er erklärte, daß erst dann, wenn alle im Bereich der Möglichkeit liegenden Nach­forschungen zur Auffindung der anderen Gruppe von Schiffbrüchigen durchgeführt sein werden, eine objek­tive und normale Untersuchung der Ent­wicklung des Unternehmens, der Hilfsexpeditionen und aller Phasen dieser Tragödie stattfinden könne. Diese nor­male Untersuchung werde

natürlich in Italien von Italienern durchgeführt werden. Jede andere Hypothese sei absurd und verletzend. Sollte sie, von wem es auch immer sei, vorgeschlagen werden, sie müßte sie unverzüglich abgelehnt werden.

An diese Ausführungen schloß Mussolini einen Dank an alle, die zur Rettung der Schiffbrüchigen beigetragen hätten, besonders an den russischen EisbrecherKrassin".

Im übrigen hat sich vieles, was in den letzten Wochen über Nobile und seine Leute verbreitet worden ist, als unwahr erwiesen. Es ist nicht wahr, daß Nobile um Die Erlaubnis gebeten hat, an den weiteren Suchexpedi­tionen des russischen EisbrechersK r a s s i n" teilzu­nehmen. Es ist nicht wahr, daß Mariano, einer der beiden geretteten Begleiter Malmgrens, auf derCitta bi Milano" gestorben ist. Wahr ist, daß er sich vor einigen Tagen einer Operation unterzog, bei der ihm das rechte Bein unterhalb des Knies abgenommen wurde und daß er sich jetzt auf dem Weae der Genesung befindet. Ob

200000 Turner in Köln.

K ö r U , 24. Juli.

Zur selben Zeit, wo in L u z e r n die rote Fahne mit dem weißen Kreuz bei den Vorführungen von 20 000 Turnern anläßlich des 59. Eidgenössischen Turnfestes im Winde flattern, zur selben Zeit, wo in A msterdain die letzten Vorbereitungen für die O l y m p i s ch e n Spiele getroffen werden, zur selben Zeit feiert man in K ö l n am deutschen Rhein das 14. Deutsche Turnfest. Selbstverständ-

Das > Köln enthüllte Jahn-Denkmal.

hch, daß man es auf recht turnerische Art anfing, nämlich «nbern man zuerst das Jahn-Denkmal auf der Jahn- Wiese neben dem Kölner Stadion einweihte. 50 000 Men­schen waren Zuschauer und Zeugen dieses Ereignisses, das gewissermaßen der Startschuß zum 14. Deutschen Turnfest

W

giere zahlungskräftiger Art entzogen hat. Aber gerade, weil sie vor vier Jahren den Charakter einer Privatgesell­schaft erhalten hat, ist sie verpflichtet, den Bureaukratismus so weit wie nur irgend möglich abzustreifen. Hiergegen rst zweifellos rcd)f viel gesündigt worden, es sind Menschen zum Opfer allzu großer Starrheit geworden.

Nicht wieder darf auch jetzt die Untersuchung im Sande steckenbleiben oder höchstens ein papiernes Ergeb­nis erzielen; allzuviel ist in letzter Zeit geschehen, was zu wachsenden Bedenken Anlaß gab. Man braucht freilich dabei nicht zu vergessen, wie verhältnismäßig schnell die Deutsche Reichsbahn nach der furchtbaren inneren wie äußeren Zerrüttung der Nachkriegszeit sich wieder in die Hölle gearbeitet hat. Mit allen Mitteln hat sie aber dafür zu sorgen, daß sie ihren früheren guten Ruf nicht verliert.

Nobile-Expedition.

das Gerücht, daß Z a p pst, der zweite Begleiter Malm­grens, den Verstand verloren habe, auf Wahrheit beruht, hat sich bisher nicht feststellen lassen. Was

den unglücklichen Malmgren

betrifft, so sind über sein Ende grauenhafte Gerüchte ver­breitet. Es wird nicht mehr und nicht weniger behauptet, als daß seine Leiche von Zappi und Mariano, die dem Hungertode nahe gewesen seien man scheut sich fast, es auszusprechen auf gefressen worden sei. Der Arzt an Bord desKrassin" hält es für unmöglich, daß Mariano und Zappi dreizehn Tage gehungert haben. Höchstens fünf Tage hätten sie keine Nahrung zu sich ge­nommen. Im übrigen hat der russische Flieger Tschuch- uowski erneut erklärt, daß er bei der Entdeckung der Malmgren-Gruppe bestimmt drei Personen auf dem Eise gesehen habe.

Die Hoffnung, Amundsen zu finden, hat man in Norwegen noch nicht aufgegeben.

Der Direktor des Meteorologischen Instituts in T r o m s ö , der die Polarexpedition mit meteorologi­schen Berichten versorgt, hat berechnet, wie Amundsens FlugzeugLatham", falls es bei der Bäreninsel gelandet fern sollte, weitergeflogen sein könnte. Auf Grund dieser Berechnung wird der Meteorologe D e v o l d in Beglei­tung von fünf Fischern mit dem MotorschiffTerningeu" von Tromsö nach Grönland fahren, um alle Lebensmittel­depots auf der Ostküstc Grönlands aufzusuchen.

Die italienische Regierung hat an das russische Nobile- Hilfskomitee die Bitte gerichtet, das Gerippe derItalia" aufsuchen zu lassen. Der EisbrecherKrassin" wird zur Vornahme der Reparaturen den Hafen Stavanger «n- laufen.

war. Mit einer Gesamtteilnehmerzayl von 200 000 rechnet dieses Fest!

Die alte Domstadt bietet schon seit mehreren Tagen ein buntes Bild. Rotweiße Fähnchen, grüne Tannenreiser, bunte Transparente und Rednertribünen geben der ehr­würdigen Stadt ein farbenfrohes Gepräge. Zwar ist Köln das Festefeiern gewöhnt, aber diesmal gilt es doch, ein ganz besonderes Fest zu feiern, das in seiner Eigenart Wohl kaum von einem anderen übertroffen werden bürste, und dessen Ruhm weit über Deutschlands Grenzen erstrahlt.

Vierzehn deutsche Turnfeste, das ist eine stattliche Zahl, und wenn man ihre Geschichte durchblättert, so liest man gleichzeitig damit einen Teil der Geschichte des deut­schen Turnens überhaupt. Die erste Veranstaltung dieser Art gab es 1860 in Kobu r g , wo Herzog Ernst den da­mals noch verfemten Turnern die Abhaltung eines Turn­festes gestattete. Die Deutsche Turnerschaft war damals knapp 30 000 Mann stark, so daß die fast 1000 Turner, die sich in Koburg ein Stelldichein gaben, eine recht stattliche Zahl bedeuteten. Schon ein Jahr darauf, 1861, fand eine Wiederholung statt, und zwar in Berlin. Die Zahl der Teilnehmer war bereits auf 6000 gestiegen. Mit einer Rekordbeteiligungsziffer wartete dann 1863 Leipzig auf, nämlich mit 20 000? Diese Zahl wurde erst nach. 35 Jahren überboten, als in Hamburg das 9. Deutsche Turnfest mit 24 600 Turnern vonstatten ging. Das, Pro­gramm wurde größer und größer, ebenso seine Vielseitig­keit; der Festzug entstand und mit all dem wuchs auch die Teilnehmerzahl. Das letzte Vorkriegsturnfest in Leip- z i g 1913 brachte bereits 63 000 Teilnehmer, zu denen noch 200 000 Zuschauer hinzukamen. Erst nach zehn Jahren fand in M ü n ch e n das nächste Fest statt, das alle seine Vorgänger in bezug auf Teilnehmerzahlen und Ausmaße weit in den Schatten stellte: den Freiübungen der 30 000 Turner und Turnerinnen sahen auf der Thcrestenwiese 300 000 Turner und Zuschauer zu.

Leider trübt in Köln ein Schatten das sonst so fröhliche Bild: Max Schwarze fehlt! Der Ober- t u r n w a r t der Deutschen Turnerschaft, der Dresdener, der so eigentlich die Seele dieses Turnfestes war, hatte kurze Zeit vor seinem Tode eine Rede gehalten, in der er treffend die Bedeutung dieser Turnveranstaltung ge­priesen hatte.

Ein Siegesfest sollte cs werden, ein Sregesfest nicht nur für die turnerische Leistung, sondern auch für den tur­nerischen Gedanken, der sich in Hilfsbereitschaft am deut­schen Volke ausdrücke. Ein Turnfest sei nicht nur zu sehen", sondern zu erleben! Der Weckruf zu turnerischer Sammlung sei nicht bloß ein Gebot der Gegenwart, er se, ein Gewinn fürs ganze Leben. Er werde auch in Köln herrschen, auf einem Boden, auf dem sich ein großer Teil der deutschen Geschichte und des deutschen Schicksals ab­gespielt habe, am Rhein, am deutschen Strom.

Vor zwei Jahren noch fremde Flaggen in Köln, heute deutsche Turnerfahnen über der deutschen Dorn­stadt welch' glückliche Wandlung!

Empfang der Deutschen Turnerschaft durch die

Stadt Köln.

Im Gürzenich-Saal sand gestern abend der offizielle Empfang der Deutschen Turnerschaft durch die Stadt Köln statt. Unter den zahlreichen Ehrengästen bemerkte man unter anderen bene Minister a. D. Külz und den Oberpräsi­denten der Rheinprovinz, Dr. Fuchs.