Zulöaer Anzeiger
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5^174 — 1928
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Fulda, Donnerstag, 26. Zuli
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5. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
' * Gegen den Neichsmgsabgeordnelen Lambach erkannte der Landesverband Potsdam II auf Ausschließung aus der Deuischnationalen Volkspartei wegen seines bekannten Ar- Gels über Monarchismus und Republik.
* Bei einem Deckeneinsturz im Weimarer Fernsprechamt witrbc ein Beamter getötet, zahlreiche Telephonistinnen wur- den verletzt.
k * Tie Stralsunder Festlichkeiten schlossen mit einer deutsch- schwedischen Feier im alten Rathaussaale.
* An die chinesische Regierung in Nanking sandten die Ver- : einigten Staaten eine Note, die die Bereitschaft ausspricht zu Mhandlungen über die Aufhebung der ungleichen Verträge»
Englische Gorgen.
L Der schöne Wahlspruch Alt-Englands vor dem Kriegr und auch noch in der ersten Zeit des Krieges selbst: ^Business as usual" — „das Geschäft geht wie gewöhnlich" — gilt dort nicht mehr. In der Nachkriegszeit ist NN trotz des Sieges über den gefährlichen deutschen Kon- Meuten wirtschaftlich aus den Sorgen nicht heraus- xtommen und so mancher Kaufmann in der Londoner eich, der einst nur ein paar Stunden in sein Geschäft ging, Mallem ein mehr als ausgiebiges Weekend veranstaltete, muß jetzt eifrig arbeiten und überall sitzt in den Kontoren das graue Gespenst der Sorge.
In den letzten Jahren ist es eigentlich immer Wimmer geworden; vergeblich versuchte man, der Heson- dns notleidenden K 0 h l e n i n d u st r i e mit Unter- sitzungen zu Hilfe zu kommen, die England 400 Millionen Marl kosteten und mit dem Ausbruch des großen, fast un- beilbare Wunden schlagenden Bergarbeiterstreiks endeten. Auch der Sieg über die Arbeiterschaft führte dann nicht za einer Gesundung; so unrecht hat der Führer der Arbeiterpartei im Unterhaus, Macdonald, nicht, wenn ti jetzt in einer großen Debatte über die englische Wirt- MMagc es als Tatsache festnagelte, daß 200 000 eng- UW Bergarbeiter nicht mehr damit rechnen könnten, aus ' /Sm A r b e i t s l 0 s i g k e it heraus- und wieder in ihre Beschäftigung Hineinzukommen. Grau in grau malte die Wirtschaftslage auch der englische Ministerpräsident lialdw i n, der freilich zusammen mit seiner Partei alles tmansetzen muß. möglichst bald wenigstens etwas bessere Ärhältnisse zu schaffen. Denn die Wahlen stehen vor der Mi, und es wird nicht zuletzt von den Stimmen der Arbeiterschaft abhängen, wie die künftige Regierung aus- scheu wird.
Das eine steht jedenfalls nach den Ausführungen Naldwins in der Unterbaussitzung fest: Englands Regierung will, um eine bessere Beschäftigung der Industrie bcrbeizuführen, in noch ausgiebigerem Maße zu ihrer ^ochschutzzollpolitik zurückkehren, als das bisher schon ge- chehen ist und dahin führte, daß in Deutschland ernsthaft die Kündigung des Handelsvertrages mit England erwogen wird. Baldwin selbst wird kaum damit rechnen, daß die von ihm geplanten Maßnahmen — dabei letzt die soeben durchgefübrte Herabsetzung der Kohleu- irachttarife im Vordergrund — mehr als Wirkungen für den Augenblick oder die nächste Zeit haben können. Er hetzt genau, wo das Übel eigentlich steckt. Es ist die durchaus mangelhafte Modernisierung weiter Gebiete der eng- Ren Industrie. Nicht etwa trifft dies bloß bei der Wc zu, sondern auch bei der kaum minder wichtigen H'sen- und Stahlindustrie. Auch hier soll jetzt der Hoch- Mchzoll die ausländische Konkurrenz fernhalten. Dieser Wirtschaftszweig ist zurzeit nur für etwa 60 Prozent Kiner Erzeugungsmöglichkeit beschäftigt, nicht anders erhöht es den Schiffbauwerften — und doch hofft man Kinner noch, nur durch äußere Maßnahmen, wie engste -erbindung mit den Dominions, vor allem durch eine rigorose Zollpolitik ohne Verlust den alten Stand wieder- ?Wwinnen. Baldwin ist anderer Ansicht; er sieht, wie notwendig stärkste Rationalisierung ist, verweist dabei aber °ttch auf die bittere Notwendigkeit, daß das Opfer dieser Nationalisierung aller Industriezweige zunächst einmal die jtbe j t e r s ch aft sein wird. Englands Arbeitslosen- Wer ist beträchtlich höher als die deutsche, aber die Zatsche Arbeiterschaft hat im Kohlenbergbau jene bitteren ^?lgen der Rationalisierung ebenso durchmachen müssen nie in der Schwerindustrie. Und nun gar die blühende, v "ft so blühende Textilindustrie Englands, die "le Welt versorgte! Riesige Gebiete sind für ihren Absatz "sslorengegangen. Indien vor allem, das einst Haupt- avnehmer war, hat sich ebenso unabhängig von Lancashire aomacht wie zum großen Teil auch Ägypten und Süd- '"ercka. Es ist fast so, als ob der innerlich allzu konser- L" gesinnte englische Geschäftsmann das alles nicht ein- V. £n vermag, nicht erkennen will, daß die Welt und '^'Weltwirtschaft anders geworden sind — trotz des Duschen Sieges im Weltkrieg.
Und nun kommt das Interessanteste in den Aus- ^?L0en Baldwins: die englische Regierung scheint tat- mwUch jetzt energisch daranzugehen. die Überführung .oberer Massen von Arbeitslosen in die Kolonien ZMlelten. Wieweit das allerdings möglich sein wird, «, sT uach Übersee zu schicken, hängt davon ab. ob der ^„^uslose in seiner neuen Heimat Arbeit findet, aber aniv-tt^ einigermaßen zufriedenstellende Verhältnisse .UM. 1,2 Millionen Arbeiter in England noch länger L„, " Straße beschäftigungslos herumlungern und den siir "'"ven zur Last fallen zu lassen, bält man nicht mehr j„.,Möglich und man hat deswegen bereits einen Unter» Aust><^Er auf die Reise geschickt. der in Kanada, nie if* en "vd Neuseeland die Möglichkeiten einer svste- ■Os, Le" Arbeitereinwanderung und -ansiedlnng prüfen hj,.s Lobei es sich allerdings fragt, ob diese Kolonien über , '"'Zustrom gerade sehr entzückt sein werden!
^0 hat das große englische Weltreich seine schweren
Amerika Hilst de« Chinesen.
Washington will das neue China anerkennen.
Zu Verhandlungen bereit.
In starkem, aber einigermaßen verstândNa«cw Gegensatz zu Japan stellt sich die Regierung der Verewig- tcn Staaten zu den Selbständigkeitsbestrebuugen in ^^ ?? Washington hat der amerikanische Staats- sekretar Kellogg eine Note an die nationale chinesisch, ft 8 ? Chma abgefaßt, die allem Anschein nach schon ^Mgeben worden tst In dieser Note nimmt Amerika einen durchaus freundlichen Standpunkt zu der von den ftXSft“^^ neuen Ordnung ein und erklärt sich n^er dce Wünsche aus Aufhebung der ungleichen Vertrage mit anderen Nationen zu verhandeln.
nwerikanische Note gibt bekannt, Amerika wolle gern Verhandlungen über Revision der Verträge mit ^hlua aufnehmen. Die Anerkennung der neuen Negierung soll erfolgen, wenn Gewähr dafür gegeben ist, daß genügend Vorsorge für die Sicherheit der amerikanischen Staatsangehörigen und den Schutz ihres Eigentums in China getroffen ist. Sollten die übrigen Mächte zögern dem amerikanischen Beispiel zu folgen, so würden die Vereinigten Staaten selbständig vorgehen. Die amerikanische Regierung ist gewillt, China auf halbem Wege entgegenzukommen und die Festigung des neuen Regimes zu erleichtern.
Stärkung für Nanking.
Die amerikanische Stellungnahme bedeutet natürlich eine ungeheure Stärkung der von Nanking aus Die
Solu empfängt die MW ÄlneWst.
Begrüßungsabend im Gürzenichsaal.
Im festlich geschmückten Gürzenichsaal fand der offizielle Empfang der Deutschen Turner- schaft durch die Stadt Köln statt. Unter den zahlreichen Ehrengästen bemerkte man u. a. den Minister a. D. Külz, die Mi' isterialdirektoren Ottendorf und Malwitz, Den Oberpräsidenten der Rheinprovinz Dr. Fuchs und den Regierungspräsidenten Elfgen.
Oberbürgermeister Dr. Adenauer
hieß in seiner Rede die Erschienenen herzlich willkommen und erklärte, das Hauptziel der Deutschen Turnerschaft sei Dienst und Pflege am deutschen Volke. Im weiteren Verlauf seiner Rede betonte er, daß die Fortschritte der Technik den Krieg zu einem furchtbaren Geschehnis machen würden, und daß jeder mit allen Fasern seines Herzens darauf hinarbeiten müsse, daß die Völker sich verstehen, damit der Krieg die Menschheit verschone.
Das deutsche Volk frei zu machen, auch innerlich frei zu machen, sei ein weiteres Ziel der Jünger Jahns. Die Deutsche Turnerschaft vereinige in ihren Reihen alle Klassen, ihr oberstes Ziel sei es, sittliche Werte zu schaffen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf das Vaterland, worauf die Versammelten das Deutschlandlied sangen.
Der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft, Professor Dr. Berger, dankte dem Oberbürgermeister im Namen der Deutschen Turnerschaft. . Der Generalsekretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Dr. Diem, sprach im Namen des Reichsausschusses die besten Wünsche für das Gelingen des Turnfestes aus. Dr. N e u e n d 0 r f, der zweite Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft, legte in längeren Ausführungen die Sehnsucht der deutschen Turner nach einem deutschen Polke dar. Was die Sänger in Wien wünschten, das wünschten auch die Turner. Der Präsident des amerikanischen Turnerbundes, Seibel, überbrachte die besten Grüße der amerikanischen Turner.
*
Oie Nheinftasfel Base! —Köln.
Eine riesige Menschenmenge erwartete in Köln aus beiden Rheinufern das Eintreffen der Rheinstromstaffel. Die Schwimmer hatten bei zum Teil sehr schlechtem Wetter über 2000 Kilometer
Zurückgelegt. Mit zweistündiger Verspätung, die durch den zahlreichen Schleppverkehr und den hohen Wellengang auf dem Rhein hervorgerufen tvurde, kam Dienstag gegen
Sorgen. Schließlich ist ja in allen Staaten der Welt, auch in Amerika, das Leben nicht mehr so leicht wie in der Vorkriegszeit, ist überall ebenso der Kampf um das Dasein des einzelnen schwerer und nervenaufreibender geworden wie der Wirtschaftskampf der Staaten und Länder gegeneinander. * 1
* Die Wirtschaftsdebatte im Unterhaus endete mit der Ablehnung des von Macdonald eingebrachten Mißtrauensvotums. Es fiel mit 331 gegen 151 Stimmen. Von konservativer Seite wurde ein Zusatzantrag eingebracht, der die bereits von der Regierung abgelehnte Forderung von Eisen- und Stahlzöllen auf Grund des JndustrieschuHgesetzes vertritt. Dieser Antrag wurde mit 305 gegen 136 Stimmen abgewiesen; auch zahlreiche Konservative stimmten also gegen ihn.
endliche Befriedung des Chinesischen Reiches versuchenden stegrelchen chinesischen Südpolitiker, namentlich in einem Augenblick, in dem Japan sich bereit macht, unter Umständen mH Truppenmacht deren Wünsche zu unterdrücken, und andere interessierte Staaten, wie Frankreich und England, mindestens die kalte Schulter zeigen.
Das Marineamt in Washington ordnete die Zurückziehung von 1500 Mann Marinetruppen aus Tientsin an wodurch die amerikanischen Truppen in China um ein Drittel vermindert werden. Die Abberufung des noch in China verbleibenden amerikanischen Truppenkontinaents darf in wenigen Wochen erwartet werden.
Die amerikanische Note an die chinesische Zentralregierung.
wtb. Washington, 25. Juli. Die heute abend veröffentlichte Note des Staatsdepartements an die chinesische Zentralregierung betreffend seine Bereitschaft zu Verhandlungen über einen neuen Zolltarif ermächtigt den amerikanischen Gesandten in China Mac Murray, die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen zu vertreten und besagt, Lie Vereinigten Staaten erwarten, daß die nationalistische Regierung den Amerikanern in China angemessenen Schutz bieten und sie auf gleichem Fuß mit den Staatsangehörigen jedes anderen Landes behandeln werde. Sollte ein Vertrag von den Regierungen vereinbart und regelrecht ratifiziert werden, dann würden die Vereinigten Staaten das nationalistische Regime so gut wie anerkannt haben. Die Beamten des Staatsdepartements messen aber der Note in dieser Hinsicht keine besondere Bedeutung bei.
ein Uhr nachmittags der erste Schwimmer, ein Turner aus Leverkusen namens Hauschild, beim „Pressa'-Turm ans Ufer. Er wurde auf der großen Festwiese vom Vorsitzen-, den der Deutschen Turnerschaft, Professor Dr. Berger^ sen übrigen Vorstandsmitgliedern der Deutschen Turnerichaft und einer Abordnung der nordamerikanischen Turner, unter denen man auch den Enkel des Turnvaters Iahn bemerkte, begrüßt. Der Schwimmer überreichte den Köcher mit den verschiedenen Urkunden. Zur Erinnerung an das Deutsche Turnfest wurde ihm eine bronzene Pls- kette überreicht.
Begrüßungsfeier der Dkutfchen Turnerschaft.
wtb. Köln, 26. Juli. In der großen Festhalle dcr Pressa fand gestern abend eine Begrüßungsfeier der Deutschen Turnerjchaft statt, bei der der preußische Wohlfahrtsminister Dr. Hirtsiefer die besten Wünsche der Reichs- und dex preußischen Staalsregierung sowie der Länderregierungen überbrachte. Zu Ehren der Turner veranstaltete die Kölner Studentenschaft einen Fackelzug.
Die Stralsunder Festtage.
Deutsch-schwedische Feier im Rathaussaal.
Ein Festessen vereinigte die Ehrengäste der Stralsunder Dreihundertjahrfeier im Löwensaal, dem historischen Nathaussaal der alten Stadt. Der Vertreter der Reichsregierung, Gesandter Freytag, bewillkommnete die schwedischen Gäste auf deutschem Boden, wobei er der jahrhundertealten,
deutsch-schwedischen Freundschaft
gedachte. Er leerte sein Glas auf das Wohl des Königs Gustav V. von Schweden und auf das Gedeihen des schwedischen Volkes. Als Vertreter der schwedischen Negierung entbot dann der
schwedische Staatsminister Nibbing
dem Bürgermeister und der Bürgerschaft Stralsunds die herzlichsten Grüße und Wünsche. Es sprachen ferner als Vertreter der preußischen Staatsregierung Regierungspräsident Dr. Hausman n und der Landeshauptncann der Provinz Pommern. Die Festrede hielt Professor Dr. Wehrmann- Stargard, der die Wallenstein- und die Schwedenzeit Stralsunds und die Verdienste des damaligen Oberbürgermeisters Lembert-Steinwich schilderte.
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Die Dänholmumsegelung und das „Hohnblasen".
Unter den Veranstaltungen des dritten Festtages waren besonders charakteristisch die Umsegelung der Inselgruppe Dänholm und das „Hohnblasen'. Im Jahre 1628 hatte Wallenstein seinen Untcrfeldherrn Grafen Arnim beauftragt, den Dänholm zu besetzen. Dieser mußte aber infolge der tapferen Gegenwehr der Stralsunder den Platz wieder ausgebcn. Zur Erinnerung an diese tapfere Tat findet in jedem Jahre eine Umsegelung des Dän- Holms statt.
Ebenfalls historischen Ursprungs ist das „Hohu- blasen". Als die letzten Truppen Wallensteins die Mauern Stralsunds verließen, wurde der Abzug von den erleichtert aufatmenden Belagerten mit höhnischem Blasen begleitet. Das Ereignis wird durch das an jedem 24. Juli stattfindende Hohnblasen wachgehalten. Um dem Histori- schen Blasen beizuwohnen, hatte sich auf dem Alten Markt in Stralsund eine nach Tausenden zählende Menge eiu- aesunden.