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Möaer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Irrl-a- und Haunetal-Zulöaer Kreisblatt

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Fulda, Dienstag, 31. Juli

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5. Jahrgang

Der Ungeist der Inflation.

ssin moderner Faust würde wohl das Goethesche «^ Anfang war die Tat" umändern in:Im war das G e l d". Niemals vielleicht hat ein Volk Ir&rcS durchgemacht wie das deutsche in der Nach- f Furchtbares, das aber nicht bloß sein Äußeres blondem ihm auch tiefe Runen in die Seele schrieb. m W Inflation äußerlich überwunden wurde verhört schweren wirtschaftlichen Leiden, da wurde U» nicht alles getilgt, was an inneren Spuren zurück- H sinnier wieder gibt es neue Beweise dafür, daß der I LLw vielmehr Ungeist jener Epoche deutscher Ge- lkineswegs ganz überwunden ist, daß er vielmehr immer noch fortwirkt und daß er jenseits der deut-

j â lenzen allzu leicht freiwillige Helfer gewann. MHelfer beim Geld-Erraffen, beim Geld-Erschwmdeln L: möglichst schnellen und, wenn es nicht anders geht, aus den bedenklichsten Wegen. Immer weitere Kreise Uâdic neuesteAffäre" dieser Art, die Großschwindeleien Ujjöcr alten Kriegsanleihe. Eine Art internatio- Konsortium hatte sich gebildet zur Ausplünderung WMlands und wenn es ihm geglückt wäre, mit dem tabenbetrug durchzukommen, dann hätte sich dieser MMg mehr als gelohnt. Wenn es wirklich wahr ist, behauptet wird, daß hier 20 Milliarden angeblicher MMcgsanleihe fälschlich angemeldet sind, dann hätte dies ULmver den Betrügern rund drei Milliarden ins Netz Aber es war wie so oft ein Komplice K^ber sich von den andern betrogen glaubte und nun K feinem Wissen nicht hinter dem Berge hielt.

I ? alles sind freilich nur grelle Blitze, die besonders U Wich den Hintergrund beleuchten, doch dieser sinter* ist doch leider da. Aber man will nicht verurteilen, vorher objektiv zu beurteilen. Aus der Zeit, als kW Mmögen zerschmolz schneller als der Schnee an der E Sm? und als während der Stabilisierungszeit an- U Mmd auch die letzten Sümpfblüten der Inflation ver- P jorrim, erwuchs riesenstark die Hoffnung, auf einem ähn- l M Meilen Wege das zurückzuerobern, was man ver- ^/M^â-Und bei vielen, allzu vielen fehlte jede innere »Hemmung davor, unehrliche Abseitswege einzuschlagen. Wie Hoffnung mußte trügen, weil ein Volk nur durch f Arbeit, nicht durch Börsenspekulation reich wird. In dcr Volkswirtschaft kommt es auf die ansteigende Güter- Meugung an aber in Deutschland blieb als besonders rcrhängnisvoll, weil Massenerscheinung, dieÜbersetzung" incrhalb der Güterverteilung, im Handel, zurück. Und mn wieder, in allen seinen verschiedenen Instanzen, der Me, die Verdienstspanne möglichst auszudehnen. Auch er rächen sich schließlich die Gesetze der Volkswirtschaft, > gerade in einer Zeit des Massenkonsums immer noch k alte Kaufmannsregel ihre Bedeutung behält: Großer N kleiner Nutzen. Aber allzu viele denken gerade gekehrt. Ein Beispiel, wie verkehrt dieses Denken ist, ^et zurzeit die deutsche Textilwirtschaft. Dort besteht mhalb der Erzeugung bereits seit längerer Zeit eine äsende Krise und trotzdem zeigt der Großhandelsindex " ständiges Anziehen der Preise. Aber der Einzel­ne! ist den umgekehrten Weg gegangen; er hat durch Aeè Herabsetzen der Preise bei den Saisonausverkäufen ven wahren Massenabsatz erzielt von Ausmaßen, die Mw waren als je zuvor. Gewiß hemmt die so erheblich ^iegene Belastung durch öffentliche Abgaben, die Steige- N ber Spesen manches gute Wollen, aber andererseits übistigt die Massenerzeugung auch die Betriebskosten.

blieb eben noch zuviel zurück vom Geist der In-, ^uoa, vom Ungeist des Geld-Erraffens und des Geld- ttenwollens um jeden Preis und auf jedem Weg. Als l>ere Währung endlich stabilisiert war, schien cs einen Anblick, als ob die große Reinigungsaktion und das Mo Herunterdrücken der Preise in jener Zeit eine wirk - "c Rückkehr zur allgemeinen wirtschaftlichen Vernunft hütete und ein wenn auch mühseliges, wenn auch lang- «wachsendes Emporblühen unserer Wirtschaft, in erster 's unseres Exports, war die erfreuliche Folge. Aber [w nur vorübergehend. Vielleicht hat uns der breite Rom ausländischen Kapitals auch allzubald von der ncgung abgebracht, daß es oberste Aufgabe der Volks- sichast ist, aus eigenen Kräften für Kapitalneubildung vrgen. Daß ein Volk sparen muß, um wieder reich zu und daß die wahre Höhe des Volkswohlstandes vir- ^11^ das Kursniveau der Börsenaktien bestimmt sind schon einmal durch eine unerhört harte I,llkgangen, haben aber trotzdem vielfach ihre Lehren ch^A 6er. vergessen. Vielleicht ist noch ein zweiter .Mng nötig, um die letzten Spuren jenes Ungeistes zu - h den die Inflation hinterlassen hat.

®ie angebliche französische Beteiligung am Kriegsanleihebetrug.

^aris, 31. Juli. In der durch die Perhaftung des W leren Sekretärs von Hugo Stinnes jun., von Waldow W Molken Angelegenheit des Kriegsanleihebetruas war ein französischer Deputierter erwähnt worden. Es soll M um den französischen sozialistischen Abgeordneten Cal- landein, der bei der letzten Wahl kein Mandat erhal- K- 3it Calmons Umgebung beobachtet man dem dal , ^ Zufolge größtes Stillschweigen, deutet aber an, ^ ''m beabsichtige, gegen diejenigen, die ihn ver- 1 ctcit- einen Prozeß anzustrengen.

Deutsche Erfolge in Amsterdam.

Die Reichsflagge im Olympiastadion gehißt.

- Nachdem noch am Eröffnungstage der Olympischen Spiele deutsche Erfolge bei den Wettkämpfen im Gewicht­heben erzielt worden waren, in dem Helbig- Plauen im Leichtgewicht und Wölpert die dritten Plätze belegten und dafür die Goldmedaillen empfangen konnten, zeigte auch der Sonntag recht gute Leistungen der Deutschen. Allerdings bedeutete in der Entscheidung für Kugelstoßen das Auftreten Hirschfelds, aus den besondere Hoff­nungen gesetzt worden waren, eine kleine Enttäuschung. Er stieß nur 15.72 Meter aeaenüber der Rekordleistung

Deutsche Olympiavertretcr in Amsterdam.

Von links nach rechts: Körnig, Houben, Hofmeister, Corts und Dr. Wichmann.

des Amerikaners Kuck mit 1M7 Meter. Die Kapelle spielte | die amerikanische Nationalhymne, am Siegesmast und am zweiten Mast stieg das Sternenbanner hoch und am dritten Mast, nach sechzehn Jahren wieder zum erstenmal, die deutsche Flagge.

Im übrigen wurden diese olympischen Ehren auch noch nachgeholt für die Ergebnisse am Sonnabend, wobei sich die eigenartige Erscheinung abspielte, daß an einem Mast die deutsche und gleichzeitig die deutsch-österreichische Flagge hochgezogen wurden, weil die gleichen Leistungen des Deutschen und des Österreichers im Wettbewerb der Leichtgewichtsklasse Vorlagen. Dieses Ereignis gab selbst­verständlich zu manchem politischen Scherzwort Veran­lassung.

Im Vordergrund des Interesses standen die Aus - schcidungsläusc. Hier wiesen die deutschen Ver­treter sehr beachtliche Leistungen auf: im zweiten Vorlauf wurde Dr. P c l tz e r Erster. Außer ihm qualifizierten sich noch die Deutschen Engelhardt und Müller für die weiteren Ausscheidungen. Wie diese ausfallen werden, ist noch ganz offen, doch hat Dr. Peltzer Siegeschancen, wenn er sich gegenüber Lloyd Hahn, der die beste Zeit lief, ver­bessert. Ebenso vermochten sich die drei Deutschen Corts, Houben und Lammers für die Vorschlußentscheidung im 100-Meter-Lauf zu qualifizieren.

politische Rundschau.

Oeuffches Reich.

Neichswirtschaftsrat und Arbeitsschutzgesetz.

Der Sozialpolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichs- Wirtschaftsrates hat seine Beratungen über das Arbeits­schutzgesetz abgeschlossen. Nach dem Entwurf ist die Arbert von Kindern unter 14 Jahren verboten und die Arbeit von Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahre unter einschränkende Vorschriften gestellt. Da die Dauer der Schulpflicht in den verschiedenen Ländern nicht einheitlich geregelt ist und in­folgedessen Kinder schon vor dem 14. Lebensjahre aus der Schule entlassen werden, aber nicht in ein Arbeitsverhalt- nis genommen werden können, wird in einer Entschließung eine einheitliche Regelung sowohl im Interesse der Jugend als auch der Eltern als notwendig bezeichnet. Bezüglich der Schwarzarbeit wurde mit geringer Mehrheit eine Ent­schließung angenommen, die sich für ein gesetzliches Verbot der Schwarzarbeit einsetzt.

Deutsch-litauischer Handelsvertrag.

Der soeben aus Kowno nach Berlin zurückgekehrte litauische Gesandte Sidzikauskas wird alsbald das Aus­wärtige Antt aufsuchen, um Verhandlungen über den Ab­schluß des deutsch-litauischen Handelsvertrages zu führen. Da die Verhandlungen, besonders durch die letzte Kow- noer Reise des de ritschen Gesandtschaftsrats von Schack, sehr weit fortgeschritten ftnb, stehen dem Abschluß keine nennenswerten Schwierigkeiten entgegen. Daher ist die Unterzeichnung des Vertrages in diesen Tagen zu er­warten.

Weitere Resultate

Guter deutscher Start in Amsterdam.

Jm Kugelst 0 ßen , das die erste Konkurrenz ves Sonu- tats war, konnte Hirschfeld nicht den erwarteten Sieg larden. Seinen 15,72 Metern setzten Kuck 15,87 (Weltrekord) urd Brix (beide Amerikaner) 15,75, Meter entgegen. Der Firther Turner übler belegte den fünften Platz.

Neben der Entscheidung im Kugelstoßen brachte der Sonn- tagnachmittag auf der Aschenbahn noch die im 10 000-Meter- Lars und die im Hochspruna Im Hochsprung hatten sich die drei deutschen Teilnehmer Bonneder, Huhn und Köpke zwar noch für die Entscheidung durchgekämpft, in dreser fielen sie afer bald aus. Sieger wurde der Amerikaner King mit 1,94 Meter. Der 10 000-Meter-Laus brachte einen harten Zwei- kcmps der beiden Finnen Nurmi und Ritola Nachdem Ritola die ganze Strecke über geführt halte, konnte ihn Nurmi im End- sprrt mit vier Meter schlagen Nurmi siegte in der olömpifdien Rekordzeit 30 :18,8 Der Schwede Wwe hatte sich nur anfanos zu len beiden Finnen halten können Deutsche Läufer nahmen an diesem Lauf nicht teil

Ig den IlMMeter-Ausscheidungen qualifizierten nch bte deutschen Teilnehmer Corts, Houben und Lammers für die am Montag stattfindcnden Vorschlußläufe In den 800-Meter- Äusschètdungen qualifizierten sich Dr Peltzer, Engelhardt und Müller Kr die weiteren Kämpfe, nur Tarnogrocki schied aus. In den Floretlmannschaftskämpfen konnte die deutsche Ma in» > schaft wenig erfolgreich sein: sie siegle knapp gegen Rumäi m und unterlag gegen.Dänemark. In den Wettkämpfen tm < e« wichtheben (Mittelgewicht) konnten die Deutschen am sonn ag nur durch Zinner den vierten und durch Hofmann den echsten Platz belegen

Ms glänzenden Abschluß der Schweratblettkkonkurrenten brachte der Sonntagabend einen prachtvollen Sieg des Schw-r- gewichtlers Stratzberger-München. Straßberger erreichte im Stoßw, Reißen und Drücken zusammen 372,5 Kilogramm schluz mit dieser Leistung alle übrigen Teilnehmer über en aus dem Felde, Luhaar-Estland folgte als Zweiter' mr gesamt 360 Kilogramm. Im Halbschwergewicht siegte ö« Ägypter Nosseir

Nurmi Erster über 10000 Meter

Die Sensation des Tages war allerdings das Lanken des Finnen Nurmi in den 10 000 Metern. Er und sein Landsmann Ritola sowie der Schwede W i d e hatten sich bald die Spitze erkämpft und nun führte Ritola dir ganze Strecke hindurch. Wide konnte nach 7000 Metern nicht mehr mit und als die letzte Runde angeläutet wurde, lag Ritola immer noch vor Nttrmi. 100 Meter vor dem Ziel begann Nurmi aber zu spurte« und überholte um 4 Meter seinen Landsmann Ritola, den Olympiasieger von 1924. , m

Beim Fechtturnier war der b^.èe Mann in .der deutschen Vertretung Casmir, aber im Gesamttrenen wurde die deutsche Mannschaft auch hier nur dritter Sn er gegenüber Frankreich und Dänemark. Gut gehalten haben sich die Teilnehmer Deutschlands auch an der Hochsprung­konkurrenz; drei Deutsche kamen in die Entscheidung, aber auch hier zeigten sich die Amerikaner nicht unbeträchtlich überlegen; bei der Entscheidung sprangen vier Amerikaner imb ein Franzose über 1,90 Meter, so daß die Deutschen leer ausgingen. Der Abend des Sonntags brachte aber für Deutschland noch durch den Sieg Sira ß b er8er s- München im Schwergewichtsheben die dritte Goldene Me­daille und den Ersten Preis.

Die Oeuffchen am Montag.

Am Montag wurden dann wieder vor einer gewal­lten Zuschauermenge die Zwischenläufe über die 100- Meter-Strecke zur Entscheidung gebracht. Hier vermochte sich aber ein einziger Deutscher, nämlich Lammers, durch einen Sieg in die Endentscheidung zu bringen. Houben und Corts kommen nicht mehr in Frage. Glück­licher schnitten die drei deutschen Damen H 0 l d m a n n, Steinberg und Junker ab, die ihre Borläuse über die 100 Meter überlegen gewannen und sämttich in den Zwischenlauf aelanaen werden.

Aus In- und Ausland

Hamburg. In Wilhelmsburg im Bezirk Georgswerder ff eine Notgemeinfchaft der Phosgen geschädigten ge- grüntet worden. In einer stark besuchten Versammlung würd« entrüstet darüber Beschwerde geführt, daß ein Schuldiger du Schuld auf den anderen schiebe.

Speyer. Polizeikommissar Bauer, der bekanntlich in ber Zweibrücker Flaagenzwischenfall verwickelt ist bat von der französischen Besatzungsbehorde einen Aus­weisungsbefehl erhalten. Bauer hat sofort dagegen Einspruch erhoben.

Lissabon. Der Kolonialminister ist davon in Kenntnis ge- setzt worden, daß in der portugiesischen Kolonie Angola von Deportierten im Zusammenhang mit der Aufstandsbewegung in Portugal Unruhen angestiftet worden seien. Die Regie- rung entsendet die KreuzerCosta" undLaurenza", um du Ordnung wiederherzustellen.

Budapest. Das BlattHctföy Naplo" erklärt auf das be­stimmteste, daß Ministerpräsident Graf Bethle n End« August oder Anfang September nach Berlin reisen werde, um dort Handelsvertragsverhandlungen mit der deutschen Reichsregierung zu beginnen, wie er sie seinerzeit mit Musso- Uni in Rom geführt habe.

Stockholm. Der Polizeiinspektor Akerblad teilte mit, e, habe vor einigen Tagen den russischen Pressevertreter Dr. Alexandrow und den russischen Handelsgehtlfen Mtchelew unter dem Verdacht der kommunistischen Propaganda ver­haften lassen.

Buenos Aires. Senator Molinari hat mitgeteilt, daß Prä­sident Irigoyen beinahe das Opfer eines Anschlages ge­worden wäre. Die Mitteilung hat große Erregung hervor- gerufen. Molinari gab auch die Nanien der Verschwörer be- kannt. Man erwartet, daß ein Verhaftungsbefehl gegen den Gouverneur der Provinz San Juan, Dr. Frederik Camonl, erlassen wird.