Iulöaer Anzeiger
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^182- 1928
Fulda, Samstag, 4. August
5. Jahrgang
Deutschland an zweiter Stelle.
Mf dellische Sieger in Amsterdam
Helbig, Straßberger, Radke, Mayer, Hensel. > Die Fortsetzung der Olympiakämpfe brachte in Msterdam für Deutschland große Erfolge. In dem 800- Mk-Laufen aus der Aschenbahn war es ebenso eine rau, die für Deutschland eine goldene Medaille holen tonnte» wie beim Florettfechten der Damen eine xMe Siegerin blieb. Auch im geistigen Kampf, dem „Wischen W e t t b e w e r b s ü r K u n st, errang Deutsch- W große Erfolge. Im ganzen entfallen auf Deutschland fünf Goldene Medaillen und wir sind dicht hinter »ein an der Spitze der Wettbewerbe stehendem Amerika an die Zweite Stelle gerückt.
Oie Reihenfolge der Rationen.
I Durch seine Erfolge kam Deutschland in der bissigen Gesamtwertung auf den zweiten Platz; die bereinigten Staaten behalten die Führung.
1. Vereinigte Staaten
41 Punkte
2. Deutschland
29
3. Finnland
23 „
4. Frankreich
23
5. England
18
6. Schweden
16
7. Kanada
13
8. Holland
11
9. Schweiz
10
*
»
Sie Olympiasiege der deutschen Iranen.
Es hat nicht an Stimmen gefehlt, die die Beteili- kW der Frauen an den Olympiakämpfen überhaupt ge- IM haben. Daß die Frauen im Sport meistens weniger ■ leisten als die Männer — man kann hier vielleicht nur M Tennis absehen — ist ja eine bekannte Tatsache und Ml auch in Amsterdam in Erscheinung. Aber die Frau Iw sich ganz allgemein im Sport als Kameradin und Mkurxentin nèden den Mann gestellt und infolgedessen ii! auch nichts dagegen einzuwenden, wenn sie bei den ihmpiakämpfen mit den Vertreterinnen ihres Geschlechts M ben Lorbeer ringt.
Eine eigenartige Fügung hat cs nun gewollt, daß Mde die deutschen Frauen es waren, die sich mehrfach in Amsterdam die Goldene Medaille, also den ersten -iegcsprcis, geholt haben und durch ihr Können Beran- Mung gaben, daß die deutsche Nationalhymne als Aus- deutschen Sieges gespielt werden konnte. Frau nadle (Breslau) lies bekanntlich im 800-Meter-Laufen men Mitkämpferinnen einfach aus und davon und schuf Mcrdem mit der Zeit von 2,18 einen Weltrekord, der put nicht weniger als sieben Sekunden den bestehenden Tamenweltrekord verbesserte. Ebenso schlug im Florett-
Frau Radke, Siegerin im 800-Meter-Lauf.
Echten
der Damen Fräulein Helene Mayer (Ossen- M) alle Gegnerinnen; außerdem wurde Frau Llkers mtte Siegerin und gleich dahinter kam noch eine Kutsche. ' .
Vielleicht lieaen die Gründe für die Siege der deutschen pamen darin, daß wir im Frauensport, der ja überhaupt lauesten Datums ist, nicht so viel nachzuholen haben wie V Tportkanlpf der Männer. Diesen waren nämlich am Donnerstag endgültige Erfolge nicht beschieden. Unter N drei Deutschen, die sich für die Endentscheidung im M-Meter-Lauf qualifiziert hatten, vermochte keiner an drei ersten Stellen zu enden; Wichmann wurde nur gerier. In den 400-Meter-ZwischenIällfen vermochten sich i^^Halle, vor allem Büchner (Magdeburg). der die beste des Tages erzielte, für die Endentscheidung zu Pla-
' Im Speerwerfen hat sich übrigens nicht der Bres- ib Stoschek für die Entscheidung quaÜfiziert, sondern LJ1' der Ittsterburger Schl 0 ka 1 gewesen, der sich mit
®urf von über 63 Metern an die fünfte Stelle setzt«.
I mn Endsieg kam er allerdings nicht in Frage. Ibeiitu den Kämpfen der Fechter vermochte C a s m i r die I Mn Farben zum Siege zu führen im Florettfechten
der Herren. Er erkämpfte sich die zweite Stelle;'erster Sieger wurde der Franzose Gaudin. Dafür vollbrachte aber im Fünfkamps der Polizeileutnant Kahl im Fechten womöglich noch bessere Leistungen: er vermochte sich an die zweite Stelle zu placieren. Hölter und Hax stehen an fiinfter bzw. sechster Stelle.
Bei den Rudervorläufen schlug die Kaisermannschaft des Berliner „Sturmvogel" im Vierer mit Steuermann ihre Gegner ebenso wie die „Amicitia"-Mann- heim im Abstand von einigen Längen vor der französischen Konkurrenz durchs Ziel aina.
Fräulein Mayer, die deutsche Siegerin im Florettfechten.
Oie Auszeichnungen für stuttfr.
Beim olympischen Wettbewerb für Kun st gewann Deutschland einen ersten, zwei zweite und fünf dritte Preise. In dem Wettbewerb für Architekturprojekte siegte Hensel für sein „Stadion in Nürnberg". Im Wettbewerb für Literatur wurde R. Binding (Deutschland) Zweiter, Weiß (Deutschland) Dritter, ebenso mit seiner „Eisbahn" der Maler Klemm (Deutschland). N. Heldbauer (Deutschland) erhielt den dritten Preis in der Klasse der Graphiker. In der Skulpturenklasse wurde Frau Sintenis (Deutschland) Dritte für einen „Fußballspieler". Scharf (Deutschland) bekam für eine Plakette, den „Bogenschützen" darstellend, den dritten Preis.
*
Oie Resultate des Freitags.
/ Im Endkampf um die 5000 Meter, wobei Deutschland nicht beteiligt war, siegte der Finne Ritola vor seinem Landsmann Nurmi und dem Schweden Wide.
Bekanntlich war im 400-Meter-Lauf der Deutsche Körnig zusammen mit dem Amerikaner Scholz als Dritter im Toten Rennen gelandet, so daß die Entscheidung zwischen den beiden Läufern wiederholt werden mußte, weil die Olympiavorschrift Totes Rennen nicht kennt. Infolgedessen war dieser Entscheidungslauf für Freitag nachmittag angesetzt worden; da aber der Amerikaner nicht erschien, wurde Körnig endgültig als dritter Sieger erklärt.
Bei den Ruder Wettkämpfen im Befähigungslauf der Skullermeisterschaft schied der Deutsche Flinsch endgültig aus, da er dem Dänen Schwartz unterlag.
Deutscher Bierabend.
Die deutsche Olympiade-Abordnung vereinte am Donnerstag abend die Mitglieder der anderen Abordnungen zu einem Bierabend. Rechtsanwalt Lang von der deutschen Sportbehörde begrüßte die Gäste. Darauf huldigte Oberbürgermeister Dr. Jarres- Duisburg den deutschen Teilnehmern, die durch ihr ritterliches Auftreten wahren sportlichen Geist gezeigt und zur Annäherung der Völker betgetragen hätten. Mit warmen Worten würdigte anschließend Exzellenz Lewald die Leistimgeu der deutschen Mannschaft.
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Richtigstellung aus Litauen. x
Kowno. Die Litauische Telegraphenagcntur dementier? die Meldung, daß in Olita eine Pulverexplosiou erfolgt sei und daß mehrere litauische Militärpcrsoueu infolge der Explosion getötet worden seien. Die Nachricht entbehre jeglicher Grundlage.
Steine Zeitung für eilige Leser
'* Deutschland hat bei den Olympischen Spielen in Amstev' dam bis jetzt fünf erste Sieger gestellt und steht im Gesamt- klassement an zweiter Stelle hinter Amerika.
* Der deutsche Botschafter in Paris, v. Hoesch, hatte eine wichtige Unterredung mit dem französischen Außenminister Briand, wobei die dringendsten schwebenden Fragen besprochen wurden.
* Der englische Außenminister Chamberlain ist nach dem Be^ richt der Arzte an Lungenentzündung erkrankt.
* Der englische Ozeanflieger Courtney, der auf dem Meere notgelandet war, ist von einem Dampfer gerettet worden. Zwei polnische Flieger sind zu einem Ozeanflug gestartet.
politische Rundschau.
Deutsches Reich.
Reichshilfe für die Unwettergeschädigten.
1 Im Reichsministerium des Innern fanden Verhandlungen mit den Ländervertretern zur Festsetzung des Schlüssels über die Verteilung der fünf Millionen Mark statt, deren Einstellung in den nächsten Etat das Reichskabinett beschlossen hat. Da beschlossen worden war, daß diese fünf Millionen sofort angewiesen und ausgezahlt werden sollten, war auch eine sofortige Beschlußfassung über den Schlüssel notwendig. Nach den Verhandlungen erhält Preußen etwa drei Millionen Mark. Neben einzelnen schwer betroffenen süddeutschen Gegenden wird auch Mecklenburg eine besondere Berücksichtigung zu erwarten haben, da dieses Land besonders schwer von Unwettern heimgesucht worden ist.
Der Reichsvcrkehrsministcr in Hamburg.
Reichsverkehrsminister von Guèrard ist am Freitag in Begleitung von Ministerialdirektor Königs, Geheimrat Fisch und Ministerialrat Robinow in Hamburg eingetroffen und von Bürgermeister Dr. Petersen begrüßt worden. Von st—12 Uhr fanden im Hafen Besichtigungen statt. Um 12 Uhr besuchte der Rösthsverkehrsminister die Deutsche Seewarte. Am Nachmittag leistete der Minister einer Einladung des Verbandes deutscher Reeder Folge. Die Rückreise nach Berlin erfolgte abends.
Der Reichskanzler über deutsche Kolonialpolitik.
Reichskanzler Hermann Müller hat sich in Beanf« Wortung einer Umfrage „SollDeutschland Kolonialpolitik treiben?" gegen den Erwerb von Kolonien ausgesprochen. „Trotzdem dem Deutschen Reiche das Recht auf koloniale Betätigung nicht bestritten werden kann und die koloniale Schuldlüge in der früheren kolonialen Betätigung Deutschlands keine Begründung findet, soll das Deutsche Reich aus praktischen Gründen den Erwerb von Kolonien nicht anstreben. Die deutsche Wirtschaft leidet an Kapitalmangel. Wie soll auch noch das Kapital aufgebracht werden, das zur Einleitung einer nutzbringenden KolonialpoliU'in den Kolonien investiert werden müßte? Auch zur^U^)- nialen Betätigung Deutschlands durch Übernahme eiMs Kolonialmandats liegt kein Grund vor. Das Deutsche Reich soll für seine Angehörigen in allen Kolonien und Mandatsgebieten die volle Gleichberechtigung mit den anderen Nationen fordern."
Jugoslawien.
Belgrad gegen die Kroaten.
In der Sitzung der Skupschtina verlas der Ministerpräsident Dr. K 0 r 0 s e t s ch die Regierungserklärung, in der betont wird, daß die Bäuerlich-Demokratische Koalition die Grenze des gesetzlich zulässigen politischen Kampfes weit überschritten habe, als sie erklärte, daß die Entscheidungen des Belgrader Parlaments ungültig und ungesetzlich seien. Sollte der Versuch unternommen werden, das Staatsgefüge zum Schwanken zu bringen, werde der Kampf eine Form annehmen, auf die die Kroaten nicht gerechnet hätten. Die Existenz der Kroatischen Partei stehe ebenso auf dem Spiele wiH die Interessen Kroatiens.
Aus In- und Ausland.
Berlin. Der Polizeipräsident teilt mit: In dem Keller eines Hauses in der Friedrichstraße wurden von den Bea wen der Politischen Polizei 742 Gewebrpatrouen und eine Para- bettumpistole vorgefunden und beschlagnahmt. Die Gegenstände Ovaren im Besitze eines ehemaligen Hausbesitzers, der sie als ehemaliger Führer der früheren Einwohnerwehr widerrechtlich aufbewahrt rmd nicht abgeliefert hatte. Das Strafverfahren ist eingeleitet.
Berlin. Der neue englische Botschafter in Berlin, S t r Horace Rumbold, der Nachfolger Sir Ronald Lindsans, ist zur Übernahme seiner Amtsgeschäfte in Berlin eingetroffen.
Brüssel. Kammerpräsident Abg. Emile Brunet- Charleroi ist zurückgetreten, hat sein Abgeordnetenmandat niedergelegt und Brüssel verlassen. Der Grund ist auf die Starrköpfigkeit der Regierung und der Kammermehrheit zu- rückzuführen, die Militärvorlage um jeden Preis durchzupeitschen.
London. Der englische Außenminister Chamberlain ist erkrankt. Nach dem Bericht der Ärzte leidet Chamberlain an einer Lungenentzündung.
London. Das Parlament trat zu seiner letzten Sitzuyg in dieser Session zusammen und vertagte sich dann.
Belgrad. Der Gesundheitszustand Stefan Raditschs gibt zu ernster Besorgnis Anlaß. Wie aus Agram gemeldet wird, wurden der Belgrader Chefarzt Dr. Hodzitsch, der Ra- bitsch im Krankenhaus behandelt hatte, und der Wiener Arzt /Dr. Hortek dringend nach Agram berufen.
Moskau. Der deutsche Generalkonsul Walter, der für diesen Posten neu ernannt wurde, ist in Moskau eingetroffen und hat sein Amt übernommen.