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Zulöaer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön ua- Vogelsberg»

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^, 183 1928

Fulda, Montag, 6. August

5. Jahrgang

Der Seutsch-franzSsische Gegensah.

Von Dr. A, von Baligand, ; deutscher Gesandter in Lissabon.

^»z den Äußerungen namhafter französischer Politiker - w c§ wiederholt heraus, daß die Wurzel des deutsch-fran- -üuHip Gegensatzes nicht in dem Problem Elsaß-Lothringen, I Liltlctn vielmehr in dem deutschen Drang nach dem Osten zu suchen und zu finden ist. Vor dem letzten großen Kxjege tarnte man in Frankreich allerdings keinen anderen i Stein des Anstoßes als Elsaß-Lothringen und man kommt dar- k tun in die Versuchung, anzunehmen, daß die Verlegung des I Gegensatzes nach den deutschen Ostgrenzgebieten ex post kon- I [triiicrt worden ist, um den Gegensatz zwischen Deutschland und | Frankreich zu verewigen.

Es liegt Deutschland gänzlich fern, irgendeine Hegemonial-

> Politik zu betreiben. Darum ist das Streben der deutschen

I Äußciipolitik im Osten auch nicht auf irgendwelches fremdes I (iJebiet oder auf die Vorherrschaft über ein solches Gebiet ge­züchtet. Es ist lediglich das natürliche Streben eines Volkes I nach Gesundung von einem von fremder Unsachgemäßheit kwillkiirlich vorgenommenen Eingriff in feinen Körper. Es

I ist die Selbstverständlichkeit, mit der kein Volst der. Erde sich I Hfinden" wird, daß man mitten aus seinem Staatsgebiet ein I Stiicf uralten Mutterlandes herausreißt und die auf ihm seit I nickn Jahrhunderten lebenden Staatsbürger zu Hundert- ttmifenben aus den von ihnen gegründeten und gehegten ? tobten und Dörfern und von der Scholle ihrer Ahnen ver- I treibt, um fremde Staatsangehörige dort anzusiedeln und zu Eigentümern des jahrhundertealten Besitzes derausgetriebe-

i neu Nation" zu machen. Welches Volk der Erde würde solche t Mißgriffe brutaler Machtpolitik stillschweigend hinnehmen? 1 Auch das deutsche Volk kann und wird darum niemals den r®uufdj auf Korrtgierung der Ostgrenzen auf- I geben. Es wird ihn stets lebendig halten und es wird im teairauen auf die doch schließlich obsiegende Gerechtigkeit bis »zur endgültigen Regelung nichts unterlassen, um alles vorzu- I bereiten, daß dieser Gefahrenherd im Osten beseitigt 1 Wen kann. Deutschland hat sich der Politik des Wffliedens verschrieben und es wird von dieser aus eigener M Aijeugung übernommenen Pflicht auch gegenüber der Ost- frage nicht abweichen.

K in der Linie dieser Politik haben wir im letzten Grunde He S ocarnoverträge abgeschlossen und sind Mitglied des WZSllcrbun d e s geworden. Wir haben in steter Einhaltung I dirfn Linie nach Kräften zum Ausbau des Schiedswesens bei- I fragen und nichts unversucht gelassen, um die allgemeine Ab- I èng endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Wir haben uns 1M von allen geheimen und Sonderbündnissen gehalten und I alle Bestrebungen unterstützt, deren Ziel die Verhütung künf- I Kriege ist Wir haben auch unter wiederholter Hirrtan- Riktzmig eigener Vorteile immer wieder versucht, mit P 0 lenzu » mein befriedigenden Wirtschaftsabkommen zu gelangen.

R ist die deutsche Politik der Nachkriegszeit trotz aller »Widrigkeiten, die ihr durch die geringe Einsicht des Aus- gemacht worden sind, unbeirrt auf den Frieden und den I I Miiche» Ausgleich mit allen seinen Nachbarn gerichtet. Sie I Zschaus den Glauben, daß die da und dort bemerkbar wer- | I -"K Arbeit verantwortungsbewußter Führer auch die anderen I

Deutsch-polnisches Abkommen, /

Die Unterzeichnung des Abkommens. I

v -M fast fünf Monate langen Verhandlungen wur- *

V v^ Wir suns wtonare rangen neroanorungen mur- .

n S^ mehrere Abkommen zwischen der Freien

1 Danzig und der Republik Polen unterzeichnet, durch Anzahl von Streitfragen zwischen beiden Staaten lausig geregelt wird. Der Danziger Senat erhofft da- etne weitere Verständigung und wirtschaftliche An- \Iltn9 zwischen beiden Staaten.

;:. A^f toiebtigfte der drei Vertragswerke ist ein vorläu- bn , Dwen über eine teilweiseFreigabedes u Lichen Mu nitro nsentladebeckens auf k ^ e r p l a t t e für Handelszwecke; unter kiff iw7 einer beiderseitigen sechswöchigen Kündigungs- ?as Munitionsbecken auf der Westerplatte nicht «üitA!c vlsher ausschließlich dem Umschlag und der Durch- K/Serung von Kriegsmaterial und Explosivstoffell

.9emü6 den Beschlüssen des Völkerbundrates iwbiern auch ein Teil des Wiunitionsbeckens bc- lur die Entladung von Handelsschiffen benutzt wn v Danziger Polizeipräsident soll das Recht der Ebm esterplatte zu betreten, um sich jederzeit von ^uneit rt ung ^^ Sicherheitsvorschriften überzeugen zu

bo» zweite Abkommen betrifft die Frage des Anlegens Hafen ^ °" Kriegsschiffen im Danziger X rr hatte ein diesbezügliches Abkommen vom tm vorigen Jahre gekündigt. Die jetzigen daß ^anitA^ haben nunmehr zu dem Ergebnis geführt, bn§ U,,^w diese Kündigung einstweilen zurücknimmt und lvird. ommen bis zum 1. Juli 1931 verlängert der jto^L^l6 Abkommen betrifft die Wiederherstellung valmtarik- Danzig und Polen bisher gebrochenen Eisen-

^w Einführung einheitlich durchgerechneter Kiefer 1. November 1928 ab. Zur Regelung ^bber 19% vlwv der Danziger Senat mit bem 1. No- whreit bi» rltne ueue Eisenbahnverkehrsordnung aus- ^bmni» r cn9 an die polnische Eisenbahnverkehrs- bJiofetu nilL, ^011 wird. Die Hoheitsrechte Danzigs sind J "whrt, gl^ es künftige Änderungen der polni­

Nationen zu einer höheren Stufe des Verständniffes für die allen gemeinsamen Interessen gebracht werden könnte. Der pessimistische Fatalismus, der den Selbstzerfleischungswahn ^er europäischen Nationen für natürlich gebunden und unaus- -rottbar hält, kann in dem gegenwärtigen Zeitalter der Ent­wicklung nur als ein heilloser Verstoß gegen den Zeitgeist be. dauert werden. Freilich, noch sind nicht alle Völker reif zum gemeinsamen Beschreiten des Weges zum großen internatio­nalen Ausgleich. Aber es genügt vorerst, daß die Führer bic

Notwendigkeit solcher Gemeinsamkeit erkannt haben und es sich zur Pflicht machen, das Denken und Fühlen der breitesten "Schichten der Völker auf dieses große bem Frieden der Mensch­heit dienende Werk einzustellen. Es bedarf hierzu überall noch tiefgehender Wandlungen. Die Entwicklung kann nirgends besser und sieghafter ihren Ausgang nehmen als von der Ver­st ä n d i g u n g zwischen dem deutschen und d e ^ französischen Volke. Es ist hierzu Voraussetzung, das' man in Frankreich die friedfertige Einstellung des deut­schen Volkes und seiner Führer zu den Dingen der Gegenwart lind Zukunft und zu derneuen Ordnung der Dinge" erkennt, und es ist notwendig, daß Frankreich zugleich den Lebensnot­wendigkeiten Deutschlands mit Verständnis entgegenkonimt. Dann wird es das deutsche Streben nach Revision seiner Ost­grenzen nicht mehr als eine Wurzel des deutsch-französischen Gegensatzes ansprechen, und es werden alle Hemmungen, die sich da und dort noch der Verständigung in den Weg legen unb» die Entwicklung verzögern, bald beseitigt werden.

schen Eisenbahnverkehrsordnung auf Danziger Gebiet nur durchführen wird, wenn diese Aenderungen mit den Grund­sätzen des öffentlichen und privaten Danziger Rechts und mit den internationalen Verpflichtungen vereinbar sind.

Deutschland èm polnisch-li'tam'schen Strer't.

Unberechtigte polnische Angriffe.

In der polnischen Regierungspresse werden schwere Vorwürfe gegen Deutschlands Haltung im pol­nisch-litauischen Streit erhoben; das Berliner Aus­wärtige Amt stehe ganz unter dem polenseindlichen Druck der Moskauer Regierung und spare nicht an Mah­nungen, die es an Polen richte, spiele sich als gar nicht berufener Vermittler auf und verschärfe durch seine merk­würdige Haltung noch die vorhandene Erregung. Dem­gegenüber wird von deittscher amtlicher Seite erklärt, daß die Kombinationen der Warschuer Presse fehlgehen. Wie bereits wiederholt in der deutschen Presse dargelegt wordell ist, handelt es sich um eine Fortsetzitng des deutscherseits begonnenen Gedankenaustausches über die Möglichkeiten, einen Abbruch der litausch-polnischen Ver­handlungen zu verhüten und so eine Verschärfung der be­stehenden Spannung zu verhindern. Nachdem die Unter­haltungen des deutschen Gesandten in Kowno mit Herrn Woldemaras über dieses Thema abgeschlossen sind, wer­den die Besprechungen jetzt mit den Vertretern der West­mächte und Polens fortgesetzt.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die Reichsrcg'ierung beabsichtigt eine Reform des Schlich­tungswesens und hat deshalb die Vertreter der Arbeitgeber und die der Arbeitnehmer zu Beratlingeu nad). Berlin ein­berufen. v

* Der neue Versuch mit dem Opelschen Raketenwagen ist mißglückt. Der Wagen »vurde durch eine Explosion vernichtet.

* Zwischen dem Freistaat Danzig und Polen wurde eine Reihe wirtschaftspolitischer Vereinbarungen getroffen.

* Mussolini hat eine Untersuchung derJtalia'-Katastrophe Lnaeordnet.____________________________________________ ___

Deutschland an Rumänien.

Zu Verhandlungen bereit.

Der deutsche Geschäftsträger in Bukarest, Dr. Klrch- Holtes, überreichte im Ministerium des Auswärtigen die deutsche Antwort auf die rumänische Note, die die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Deutsch--- land und Rumänien vorschlägt. Die deutsche Note besagt daß eine deutsche Kommission für die Verhandlungen be­reits gebildet sei und die rumänische Kommission zur Wiederaufnahme der Verhandlungen erwartet werde. Deutschland sei bereit, unter den bekannten Voraussetzun­gen an der rumänischen Anleihe und an deH, Stabilisierungsmaßnahme teilzunehmen.

Deussche und stanzöfische Mètâ'rausgaben

Ein verblüffender Vergleich.

Der bekannte Generalsekretär Faure fragt in einer Veröffentlichung die französische Rechtspresse, die gegen die Rheinlandräumung unter Hinweis auf die deutschen Rüstungen protestiert, ob sie daran dächte, daß sie mit ihrer Forderung nach einer vollständigen Entwaffnung Deutsch­lands und ihrem Eintreten für eine Bewaffnung Frank- reichs bis zu den Zähnen die sichere Niederlage Frank­reichs vorbereite. Die militärischen Ausgaben Deutsch­lands hätten im Jahre 1927/1928 etwa 4,3 Milliarden Frank betragen, während im gleichen Zeitraum Frank­reich für Rüstungen 7,7 Milliarden Frank ausgegeben hätte. Wenn die Deutschen gleich gut gerüstet sein wollten, hätten sie etwa 12 Milliarden Frank aufwenden müssen. Da Deutschland weder Kanonen'noch Munition Herstellen, dürfe, hätte es seineKriegsindustrie" in eineFriedens­industrie" verwandelt und seine Einkünfte dazu benutzt, das Straßennetz, die Eisenbahn und die soziale Wirtschaft rustand zu setzen. Wenn man Deutschland zwinge, sich von seinen militärischen Ausgaben ganz zu befreien, Frankreich dagegen mit Steuern belaste, die fürFeuer­werkspulver" verwandt würden, und die Franzosen mit Waffengeklirr betäube, so bereite man sicher die Nieder­lage Frankreichs vor.

Rei'chsèagung der deutschen Zugendvereine

Volk und Kirche.

Zur Reichstagung des Bundes Deutscher Jugend» vereine in Eberswalde waren aus allen Gauen Deutschlands, von der Saar und von Ostpreußen und von Riga, Tausende gekommen. Die Stadt hatte Festschmuct angelegt. Zur Aussprache stand das ProblemJugend und Volk, Jugend und Politik". Nach einleitenden Gottes­diensten sprach auf der Bundesversammlung ein Saar­länder, De Haas, überJugend und Politik". Politik sei ein Dienst, der um des Volkes willen getan werden müsse. Von diesem Gesichtspunkt aus fei es abzulehnen, wenn man die Jugendlichen der politischen Entscheidung ent» ziehen wolle.

Auf der Begrüßungsversammlung überbrachte der Bürgermeister die Grüße der Stadt, Superintendent Gels» Horn die der Kirchengemeinde, Prof. D. Dr. Stehlin die des Bundes. Die Vertreter der Saar, Ostpreußens und Rigas und Österreichs grüßten den Bund und legten ein Bekenntnis zu Volk und Kirche ab. Deutsch-Osterreich lud den Bund zu seiner nächsten Tagung ein.

Besuch des Reichspräsidenten in Bremen.

Bremen. Wie verlautet, hat der Reichspräsident dlt Einladung des Norddeutschen Lloyds zum Stapellauf des OzeanschnelldampfersBremen" angenommen. Er wird als Gast des Nodddeutschen Lloyd am 16. August in Bremen tue*"* len, und zwar wird er um 13,54 Uhr hier eintreffen unv abends Bremen wieder verlassen. Amtliche Veranstaltungen des Senats sind im Einvernehmen mit bem Reichspräsidenten nicht vorgesehen.

Mussolini uniersuchi die

Ltalia"-Katastrophe.

Zappis Bericht.

Mussolini empfing unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Rom den Lustfahrtunterstaatssckretär B a l d 0 und den Marineunterstaatssekretär S i r i a n n i zur Bericht­erstattung über dasJtalia"-Untcrnehmen und seinen unglückliche,! Verlaus. Zunächst wurde Zappis Bericht be­sprochen.

Dieser Bericht enthält alle Einzelheiten über den tragischen Marsch Malmgrens, Zappis und Marianos über das Treibeis. Dem Bericht beigefügt ist eine Mit­teilung von dem in Stockholm im Krankenhause liegen­den Mariano, in dem es heißt, daß es nur Zappis Wider­standsfähigkeit und Slusdauer zu verdanken sei, daß nicht alle drei umgekommen seien.

Ist eine Rettung der Verschollenen möglich?

Ein Mailänder Blatt veröffentlicht einen Artikel, der die Ansichten der Überlebenden derJtalia'-Besatzung über die Aussichten der Rettung der Alessandri- Gruppe wiedergibt. Danach sind sich alle Geretteten in der Hoffnung einig, daß sich die sechs Verschollenen noch am Leben befinden. Sie hätten Lebensrnittel für drei Mo­nate. Auch A m u n d f e n und seine Begleiter könnten wahrscheinlich noch lebend gerettet werden, wenn sofort dis nötigen Hilfsmaßnahmen ergriffen würden.