Lulöaer Anzeiger
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Fulda, Freitag, 10. August
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5. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
, «in der Verfassungsfeier im Reichstage am H. August Reichspräsident von Hindenburg in Begleitung des Zieichskanzlers teil.
* In der für Freitag anberaumten ersten Sitzung des «eichskabinetts nach den Ferien soll über die Frage des Panzerkreuzers „A" beraten werden.
, * sür ihren Sieg im Wasserballspiel errangen die deutschen Mieter in Amsterdam die siebente Goldene Medaille, so i Deutschland wieder an die zweite Stelle in der Reihdn- i^ der Nationen rückte.
Stephan Radttschs Tod.
Nicht unerwartet, aber doch überraschend, ist nach ^scheinender Besserung der Kroatenführer Stephan Aaditsch in Agram seinen Wunden erlegen, die er bei einem Attentat in der Belgrader Skupschtina erlitt.
Er war Bauer, nur Bauer mit Leib und Seele. Er «e seine nicht geringe Begabung und seinen gewaltigen M in den Dienst des kroatischen Bauerntums. Und Mde darum Bauernführer, Bauernkönig. Gewählter Hünig der kroatischen Bauern, die ihm bedingungslos gedachten, gleichgültig, ob er Frieden befahl oder, wie M zu den Waffen rief, die in diesem Lande selbstver-
ßMjches Besitztum jedes Mannes sind. Und Habsburgs Ä treueste Soldaten nichtdeutscher Art waren die tonten, die einst unter Jellatsthitsch Wien bändigten und Ungarn niederwerfen halfen, die aber trotzdem immer Osburgs Stiefkinder blieben.
Als die Monarchie zusammenbrach, glaubte Stephan Raditsch die Stunde der Kroatischen Republik süi gekommen.' Der damals 47jährige, aber ein Mann, dem in ganz Kroatien kein Gegner mehr erstand, prokla- Mlle diese selbständige Kroatische Republik, doch es war vergebens; in Versailles entschied man anders und Belgrad erraffte sich die Beute, schlug den bewaffneten Mrsiand der Kroaten nieder in einer nicht gerade schonenden Art. Raditsch ging - nach Moskau. Der Ammunismus mag ihn weniger interessiert haben, aber daß neben dem Arbeiter der Bauer in den Sowjetbehörden saß, reizte ihn. „Maljarka Rossija", Mütterchen Rußland, war ja für ihn, der durchaus in panslawistischen Ideen ausgewachsen war, und an dem Ziel einer riesen- basten panslawischey Bauerndemokratie des Ostens und Mostens Europas hat er immer festgehalten. Die erste Etappe dazu, die Einigung seiner kroatischen Bauern, deren Herzen er besaß und deren Köpfe und Arme er beherrschte, hat er erreicht.
Vielleicht das Beste dazu tat — Belgrad, taten die Serben selbst. Sie machten ihn zum Märtyrer; jahrelang saß er als „Hochverräter" im Gefängnis, aus den« ihn sein gewandter, kluger Neffe Raditsch — auch er fiel ja in der Skupschtina den Kugeln des serbischen Mörders zum Opfer, als er den Onkel mit dem Leibe zu decken suchte — durch eine Unterredung mit dem König Alexander befreite. Aber man traute ihm — mit Recht — in Bel-
befreite. Aber man traute ihm — mit Rech W niemals; man wußte, daß sein nächst.
M niemals; man wußte, daß sein nächstes Hiel die Umbildung des serbo-kroatisch-slowenischen Königreiches Ms der Zentralisation durch Belgrad in einen wirklichen nöderniivstaat war. Der radikale Republikaner vertrug O mit dem Königtum, weil er warten konnte; denn nicht 1 °M fest stehen die Throne auf dem Balkan und über können sie, die oft über Blutlachen errichtet sind, auch wieder zerbrochen werden.
. An serbischen Machthabern, die Kroatien als Sieges- veutc betrachteten, galt sein Kampf, in den er sich mit der Wen Wucht seiner leidenschaftlichen, trotz aller hohen, mühsam errungenen Bildung fast primitiv gebliebe- M Persönlichkeit hineinwarf. Das erfüllte ihn ganz und «eil ihn nur dies erfüllte, weil dies die Seinen wußten, K" ^ ihm bedingungslos. Und weil sich nie — wie W gegen die meisten Balkanpolitiker — der Vorwurf ihn erheben konnte, eigensüchtige oder gar finan- ^ivecke zr« verfolgen. Er hätte es im Leben viel eMer gehabt, wenn er sich mit den Belgrader Macht- mern vertragen hätte; aber dann wäre er eben »icht das a en. was er schließlich war: der ungekrönte König Kroatien. Aber einer, der sich immer der Grenzen 'A Macht, der Erreichbarkeit seiner Ziele bewußt blieb. Nachfolger, feinen Neffen, warf die Kugel nieder neue kroatische Führer, Pribitsche witsch, i'»?^,radikaler als Raditsch. Das weiß man in Belgrad Mein ^^uach Zu handeln wissen. Ein Balkan im imml"' ^^^^ Jugoslawien; auf der Ostseite die noch G»^""Selöste mazedonische Frage, wo auch fast täglich bei Bomben und Pistolen krachen. Und nun auf lind m"en Seite die ebenso ungelöste kroatische Frage. Ta m^ . unsicher hin- und herschwankenden Slowenen, «eben»»? VPH1 eins: Gewalt, Truppen marschieren, ge- babV „ tt schießen lassen. Schlimm nur, daß Belgrad ^X^ Unrecht ist, weil der Knall der Schüsse in der «anz Kroatien hindröhnte, aber — M rosen „ 5^nd bisher noch nicht einmal den Mörder Weil X .N' keinen Schritt den Kroaten entgegenkam. Tür»?n,Ä h^nie wie einst in den längst vergangenen Wehten, ^n nuf dem Balkan letzten Endes als einzige Ä"^'nethode die Gewalt gilt. - durchsetzen^ wirds ^"^ ^ute oder morgen noch damit
X 6 Ministerrat in Belgrad.
?ft Herzschwäche machte dem Leben des ^ksanlicri'??'!. ^u^itsch ein Ende. Die L'iche wurde ein- f‘>ibet ant a” ?ann öffentlich ausgebahrt; die Beisetzung Q Agra.., «"^a statt. > ^'schenkân.U,, vollkommen ruhig und nirgends haben 8^(11 M<>»k^s ""^^sunden, obwohl es wiederholt zu ^Mschenansammlunaen kam.
:gends haben iederholt zu
Erste Kabinettssitzung nach den Ferien.
Der umstrittene Panzerkreuzer.
/ Dr. Stresemann noch abwesend.
Da bis auf Dr. Stresemann alle Reichsminister wieder aus ihrem Urlaub nach Berlin zurückgekehrt sind, beschäftigt sich die auf Freitag einberufene Sitzung des Kabinetts mit innenpolitischen Fragen, während die auswärtigen Angelegenheiten gerade mit Rücksicht aus die Abwesenheit des Reichsaußenministers nicht so sehr in den Vordergrund treten.
Ziemlich umstritten ist noch immer die Frage, ob nunmehr der Bau des Panzerkreuzers A in Angriff genommen werden soll. Bekanntlich sprach der R e i ch s r a t anfänglich sich gegen die durch den Plan des neuen Kreuzers beabsichtigte Vermehrung unserer Marinestreitkräste aus, während der alte Reichstag sich auf Befürwortung des Reichswehrministers Gröner sich für den Bau entschied und damit auch den Reichsrat zu anderer Stellung- nahme bewog. Aus Sparsamkeitsrücksichten wurde aber derBeginn des Neubaues einstweilen bis zum 1. September hinausgeschobeu, um zu diesem Zeitpunkt übersehen zu können, wie die Gesamtfinanzlage des Reiches sich darstellt. Wie es heißt, soll der Reichswehrminister bereit sein, innerhalb seines Etats wesentliche Abstriche vorzunehmen, so daß man keiner neuen Mittel für die bewilligte erste Rate des Panzerkreuzers benötigen würde.
Weiter kommen in dem Kabinettsrat noch die Vorschläge zur Erweiterung oder Abschaffung der A n - gestelltenversicherung und die Übertragung der A r b e i t s a u f s i ch 1 von den Ländern an das Reich zur Besprechung.
So versammelten sich in den frühen Morgenstunden einige tziusend Menschen nuf dem KèllgMssMlKtz auf das Gerücht hin, daß ein politisches Testament Radftschs verlesen werden solle. Pribitschewitsch soll an dem Sterbelager Raditschs vor Erregung ohnmächtig zü- sammengebrochen sein. In Belgrad ist sofort ein Ministerrat zusammengetreten, um die Lage zu besprechen. Die dortige Presse enthält sich in ihren Kommentaren jedes Angriffes auf die Politik des verstorbenen Kroatenführers.
Das von Stephan Raditsch hinterlassene politische Testament wurde eröffnet. Danach hat Raditsch den Führer des kroatischen Blockes Dr. Trumbitsch zuseinem Nachfolger in der Führung der Kroatischen Bauernpartei bestellt. Das Testament enthält ferner einen Appell an das kroatische Volk, nach seinem Tode die Rub-> zu bewahren. Einissäre der bäuerischen demokratischen Koalition bereifen in Automobilen das ganze Land, um die Bevölkerung im Sinne des Vermächtnisses zur Ruhe zu er-, mahnen.
Ehemaliger Großherzog von Badens
1 Im Alter von 71 Jahren.
Auf seinem Wohnsitz in Badenweiler ist der frühere Großherzog von Baden, Friedrich II., im Alter von 71 Jahren gestorben.
Friedrich II. von Baden kam erst in verhältnismäßig hohem Alter, im Jahre 1907, zur Regierung als Nachfolger seines Vaters Friedrich I., der rnehr als 50 Jahre regiert hatte. Bis 1918 trat Friedrich II. verhältnismäßig wenig hervor, da er seiner ganzen Charakterveranlagung nach ein stiller Mensch war. Iw den Novembertaaen 1918 beaab er sich nach seiner
Abdankung zuerst ins Neckartal auf das Schloß Zwingenberg, später lebte er in Baden-Baden, Freiburg und Badenweiler, im Sommer auch auf der in dein Besitz der großherzoglichen Familie gebliebenen Insel Mainau.
Baden war eines der ersten Länder, das sich im Jahre 1919 eine neue Verfassung gab. Im unmittelbaren Anschluß hieran wurden auch die Beziehungen zum ehemaligen Herrscherhaus in finanzieller Richtung geregelt. Viel bemerkt wurde die Tatsache, daß bei dem noch nicbt lange verflossenen 70. Geburtstag des Grotzherzogs die badische Regierung, die sich bekanntlich mit kurzen Ausnahmen seit 1919 auf eine Weimarer Koalition stützt, dem Großherzog in herzlichsten Worten die Glückwünsche des badischen Volkes übermittelte und hierbei besonders betonte, daß er sich der Achtung und Zuneigung des ganzen Volkes erfreut habe.
Der Grotzherzog war seit sieben Jahren leidend, besonders störte ihn ein schon friihzeitig sich bemerkbar «nachendes Augenleiden. Seine ebenfalls erst vor wenigen Jahren verstorbene Mutter war die Tochter Kaiser Wilüelnts L
Oie Vsrfaffungsfeier im Reichstage.
Teilnahme des Reichspräsidenten.
Für die offizielle Verfassungsfeier im Reichstage ant Sonnabend, den 11. August, sind nunmehr die Einzel- Heften festgestellt worden.
Um 12 Uhr mittags trifft Reichspräsident von Hindenburg in Begleitung des Reichskanzlers und der Personen seines üblichen Gefolges am Hauptportal des Reichstages ein, wo er von den Reichsministern Severing und Gröner sowie dem Reichs- tagspräsidenten Löbe empfangen wird. Nach dem Erscheinen Hindenburgs im Plenarsaal beginnt die Feier, die aus dem Vortrag festlicher Musikstücke und Gesänge sowie Ansprachen des Ministers a. D. Radbruch und des Reichskanzlers Müller besteht. Nach Beendigung der Feier wird der Reichspräsident die Front der Ehrenkompagnie abschreiten, die auf dem geschmückten „Platz der Republik" vor dem Reichstagsgebäude aufgestellt ist.
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Es hatte in einigen linksstehenden Blättern Kritik gefunden, daß sich unter den Büchern, die der preußische Minister für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung als Prämien am Verfassungstage an Schüler höherer Schulen verteilen läßt, ein Buch von Hans Delbrück „Vor und nach den« Weltkrieg" befinde, in dein einige Stellen zu beanstanden feien. Das Buch ist als eines unter neun verschiedenen Werken im Vertrauen auf die Persönlichkeit des bekannten Historikers als Prämie ausgewählt worden. Nachdem im Ministerium jetzt bekanntgeworden ist, daß einer der Aufsätze des Buches eine Äußerungen enthält, die als Angriff auf den ersten Reichs- Präsidenten gedeutet werden könnte, ist nach amtlicher Mitteilung die Verteilung des Buches untersagt und das Werk aus der Verteilungsliste zurückgezogen worden.
Guter Verlauf der Kieler SHießöSungeih
Rückkehr des Reichspräsidenten nach Berlin.
Reichspräsident von Hindenburg ist ans Kiel, wo ep an dem Flottenartillerieschießen vor der Kieler Förde; teilgenommen hatte, wieder nach Berlin zurückgekehrt« Wie bekannt wird, haben diese Schießübungen der Flotte.
Reichspräsident von Hindenburg geht an Bord des Flottentenders „Hella".
bi> übrigens die ersten größeren Stils nach dem Kriege waren, einen sehr befriedigenden Verlauf genommen. Die Manöver, die auch ein Nachtschießer« brachten, waren von bestem Wetter begleitet.
Reichswehrminister Gröner und der Chef der Marine- leitung, Admiral Zenker, benutzten ihren Kieler Aufenthalt zu weiteren militärischen Besichtigungen. Beide sind bereits nach Berlin zurückgekehrt.
Größere Sicherheit auf der Reichsbahn.
Die erste Sitzung des vom Reichsverkehrsminister berufenen Ausschusses zur Überprüfung der Verkehrssicherheit der Reichsbahn wurde in Berlin abgehalten. Die Sitzung wurde in Anwesenheit des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahngesellschaft Dr. Dorpmüller von dem Reichsverkehrsminister v. Guörard eröffnet. Dieser begrüßte die Mitglieder des Ausschusses und erörterte Zweck unb Ziel der Arbeit des Ausschusses und die Art der Zusammensetzung desselbeir. Er hob hervor, daß ^ der Ausschuß in seinen Arbeiten völlig unabhängig und daß er berechtigt sei, örtliche Besichtigungen vor. zunehmen und nach seinem Ermessen Sachverständige zu hören und Gutachten einzufordern. Er betonte des weiteren, daß sowohl der Generaldirektor der Reichsbahn wie auch er, der Reichsverkehrsinilnster, dem Ausschuß stets zur Verfügung stehe. Er bat weiter, daß die Arbeit des Ausschusses ungeachtet ihrer hervorragenden Bedeutung einen schnellen Verlauf nehme, damit das Ergebnis der Arbeiten des Ausschusses bald in die Tat umgesetzt tverben könne, um das Vertrauen zur Deutschen Reichsbahn und ihren Einrichtungen wiederherzustellen.
Reichstagsabgeordneter Scheffel betonte, daß er sich namens des Ausschusses mit den Ausführungen des Ministers nur einverstanden erklären könne. Der Reichsverkehrsminister übertrug sodann den Vorsitz des Ausschusses dem Geheimen Oberbaurat Z i r k l er. Der Ausschuß begann sofort seine Untersuchungs- und Prüfungsarbeiten,