Iulöaer Anzeiger
«Frsdieinf fe-ea Werktag. Bezugspreis: mouat- S ? Mark. Sei LieferungsbehinSerungen durch Mere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Sperre usw. erwachsen dem Bezieher keine ^sprüche. »erlag §rie-rich Ehrenklau, §ul-a, gritalieS des Vereins Deutscher Zeitungsver- legtt Postscheckkonto: Zrankfurt a. M. Nr.iSos»
Tageblatt für Rhön an- Vogelsberg ™5« und Haunetal♦ Zvl-aer Kreisblatt
Re-akü-a und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 ♦ Zernsprech-Mschlaß Ur. HZ-
Tdtzeigenpreis: §ür VehSrSev, Gevo^vjcha^ ten,Danken usw. beträgt Sie Klemzeile 0^0 M^ für auswärtige Auftraggeber 0.25 ML., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 M^ Reklamezeile 0.60 Mark ♦ Bef Rechvungsstel» ' fang hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen ♦ Tag« und platzvorfthrfften unverbinötich.
7190 — 1928
Fulda, Dienstag, 14. August
5. Jahrgang
Schlußfeier in Amsterdam
j Alde der Olympischen Spiele.
■ Die Deutschen an zweiter Stelle.
1 M letzter aller olympischen Wettbewerbe wurde die \ Preis der Nationen abschließende reitsportlich c oenkurrcnz zu Ende geführt. Noch einmal war das OMyiastadion das Ziel von über 40 000 sportbegeisterten Kauern, zum letztenmal versammelten sich die ofsi- Är» Vertreter aller beteiligten Nationen, um dem feicr- ?Ln Wußäkt beizuwohnen, an dem auch die K ö n i g i n Wilhelmina von Holland, Prinzgemahl Heinrich und die Thronsilacrin Juliane mit ihrem Gefolge Teilnahmen.
L Aeulscher Sieg im Olympiade-Architettur- Kunstwettbewerb.
3er Nürnberger Stadtgartendtrektor Alfred Hensel ..
Vf im Olnmpiade-Kunstwettbewcrb für den Entwurf des Lien Nürnberger Stadions die Goldene Olympiade-Medaille l Architektur auf dem Gebiete des Sports.
er«
■ An den letzten Reitwettbewerb schloß sich die P r e i s - Verteilung an die Olympiasieger an, die nach Landet!! geordnet vor der Ehrentribüne aufmarschierten.
I Tie ersten Preise wurden von der .Königin der Nieder- Hide an die Sieger verteilt. Die zweiten Preise verteilte Mmzgemahl Heinrich und die dritten der Präsident, des Wcrnationalèn Olympischen Komitees, Graf de Baillet-
M.
I Mit Worten des Dankes an die Königin der Nieder- M, an die Stadt Amsterdam und das holländische Volk wie an die Organisatoren dieses größten aller Wetttwerde schloß der Präsident des Internationalen Olym- ischen Komitees, Graf de Baillet-Latour, die lOlympischen Spiele und lud die. Jugend aller Länder k in vier Jahren bei den 10. Olympischen Spieler: in PsAngeles (Amerika) sich zu versammeln.
I Während unter Trompetenklang und Artilleriesalut P Olympische Flagge im Stadion niederging, überreichte Bürgermeister von Paris dem Bürgermeister von W'Mani die Olympische Fahne, die bis zu den nächsten Mm im Rathaus von Amsterdam aufbewahrt werden Md. M bet holländischen Nationalhymne schlossen M N Olympischen Spiele 1928.
*
Enöklaffement der Nationen.
Nation:
1. Preis-
2. Preise
3. Preise Totalpunkt,
Amerika
22
18
16
118
Deutschland
11
9
18
69
Frankreich
7
12
6
51
Finnland
8
8
9
49
Holland
8
9
5
47
Schweden
7
6
12
45
England
4
11
7
41
Schweiz Kanada Ungarn Tschechoslowakei Dänemark Argentinien tzolen ^apail Österreich Estland
5
2
2
1
2
0
1
, . .... 2
1'1 beteiligte Nationen P« als 10 Punkte zu erringen.
6
4
7
0
2
4
1
4
1
1
2
18
17
14
12
11
10-
10
vermochten
nur
Deutschland kann stolz sein..
Einsam und verlassen liegt das Amsterdamer Stadion da, in dem sich vierzehn Tage hindurch die Sportler und Sportlerinnen der Welt im Wettkampf trafen, umbrandet von Zehntausenden der Zuschauer, die auch aus aller Welt zusammengeströmt waren. Nicht mehr flattern die Fahnen aller beteiligten Nationen im Winde und ein« gezogen ist die Olympische Flagge, die die fünf ineinanderverschlungenen Ringe zeigt.
! Für Deutschland aber gilt es, die L e h r e n aus seinen Siegen und seinen Niederlagen zu ziehen. < Es hat nicht an Stimmen gefehlt, die an dem ganzen Gedanken dieses gewaltigsten internationalen Sportwettbewerbes eine teilweise recht scharfe Kritik übten und üben, weil eben nur die Ausgewählten, sieben mal siebzig Gesiebten, als Vertreter ihrer Länder nach Amsterdam entsandt wurden, von einem „Massencharakter" der Olympischen Spiele im Sinne jener altgriechischen Wettkämpfe nicht gesprochen werden könne. Daß also die Massen jenen Sportkämpfen innerlich teilnahmlos gegenüberstehen, äußerlich und innerlich unbeteiligt. Diese Kritik wäre richtig, wenn das Sportleben eines Landes sich darauf zuspitzen würde, nicht in die Breite zu wirken, sondern auf „Spitzenleistungen" hinzuarbeiten, „Olympioniken" zu züchten, ihren Betrieb also darauf abzustellen, Sieger in den Olymvischen Spielen heranzubilden. In Deutschland ist das sicherlich aber nicht der Fall. Außerdem läßt es sich gar nicht bestreiten, daß von diesen Olympischen Spielen auf den gesamten Sportbetrieb aller siegenden und unterlegenen Nationen ein ganz außerordentlich [tarier Impuls ausgeht, dieser eigentlich ihre Hauptaufgabe ist oder zumindest sein sollte. , Und jene Kritik wird schweigen müssen, wenn das. was in Amsterdam betrieben wurde, entsprechend f 0 r t w i r k t.
Kritik ist auch geübt worden an der Zuversicht, mit der man in Dentschland vielfach dem Abschneiden unserer Vertreter und Vertreterinnen in Amsterdam entgegensah. Das mag hier und da vielleicht geschehen sein. aber int großen und ganzen wußte man doch, daß sehr schwere Kämpfe bevorstanden, Kämpfe, in denen eben auch die Gegner erheblich mitzureden hatten. Man sollte darum auch nicht „zufrieden", sondern stolz auf das erzielte Resultat sein! Denn dies ist wirklich nicht schlecht: Deutschland mit 11 goldenen. 27 silbernen und bronzenen Olympiamedaillen an zweiter Stelle hinter dem allerdings gewaltig überlegenen Nordamerika. Und Deutschland hat nach dem Kriege zum erstenmal wieder an diesen internationalen Spielen teilgenommen, während die anderen Nationen 1924 in Paris miteinander gerungen batten und die dort Gesammelten Erfahrungen nutzten. Erfreulich ist dabei, daß Deutschlands Vertreter in den v e r s ch i e d e n- steu Svortzweigen Siege erringen konnten, keineswegs spezialisiert waren auf einzelne Gebiete wie beispielsweise die Finnen für die leichtathletischen Läufe. Gewiß gab es auch hier manche Gebiete, wo die Deutschen wenig oder gar nicht beteiligt waren oder nur geringe Leistungen aufzuweisen hatten — aber man soll doch bei ber Kritik daran denken, daß ja unser ganzes Svortleben erst lange nach dem Kriege wieder ausgebaut werden mußte. So ganz leitet ist es nicht aeweten. den -^or« spruu" her anderen einzuholen — aber es gelang. Das beweist das Endresultat, dos in dem Dressurm"nmcha^s- r^ton noch durch die deutsche Vertretung auf die elfte Medaille binautqeboben würd-
So haben denn die deutsschen Sportler und Sportlerinnen als erste gesiegt im 800-Meter- L rufen, im Florettfechten und im MO-Mewr-Brnst- schw'mmeu der Damen: die deutschen H<»rron siegten im Künstlerwettbewerb und im Wafserba" zweimal im Reitturnier. ferner ans dem Wasser im Riemen-Zweier und erhsolten drei Goldene w»baiff»n beim Gewichtheben und im Ringen. Daneben d-e anderen neun Olvmuioniken, die die Silberne, und die achtzehn, b'c die Bronzene Medaille in die deutsche Leimes zurückbringen. Und so mancher und so manche kamen dicht heran bis zu dem dritten Platz. für den noch der Preis winkte.
Immer und überall entscheidet der Erwlg und gerade durch diesen Wettstreit internationalen Eharakters. der das so ganz verschiedenartige sportliche Streben und Wr* beiten der einzelnen Nationen in das heiße Feuer gegenseitiger Prüfung brachte, ist bewiesen worden, daß Deutschland auf dem rechten Weae ist. Aber erst auf dem Wege, noch längst n'^t beim Ziel, sogar noch weit vom Ziel. Arbeit in die Breite bedeutet aber aerade bier auch in die Tiefe und die Höhe. Und gerade Deutschland wird alles daransetzen, diese Pflege sportlicher Betätigung in immer weitere Kreise zu tragen.
Kleine Zeitung für eilige Leser
»Auswärtige Staatsoberhäupter sandten an den Reichs Präsidenten von Hindenburg Glückwunschtelegramme zum Set« sassungstag, die der Reichspräsident dankend beantwortete.
Der olympische Wettkampf in Amsterdam wurde mit einer großen Feier im Stadion abgeschlossen.
* Beachtliche englische Pressestimmen bezeichnen die Beteiligung englischer Truppen an den französischen Rheinland- manövern als Taktlosigkeit.
* Die mit Spannung erwartete Rede Pilsudskis auf dem Wilnaer Legionarstag brachte keine politischen Überraschungen. Die Rede war harmlos gehalten.
Zwischenkredit in Höhe von 10 Millionen Mark bis zur Beschaffung einer Ausländsanleihe zu geben. Mit Recht haben Ihre Vertreter wiederholt geltend gemacht, daß neben Sonderaktionen für den Wiederaufbau Ostpreußens die allgemeine deutsche Wirtschaftspolitik entscheidend sei. Ich verweise auf die Regierungserklärung und das darin enthaltene Agrarprogramm zum Zeichen für die Grundeinstellung der gegenwärtigen Reichsregierung." Der Minister schloß seine Ausführungen mit einer Anerkennung dessen, was die Provinz Ostpreußen auf dem Gebiete der Selbsthilfe geleistet habe, um von sich aus zu besseren Zeiten zu gelangen.
Botschaftsrat Brodowski-Berlin überbrachte Grüße und Wünsche des Botschafters der (Sowjetunion für einen guten Verlauf der Königsberger Messe.
*
Ein Rundgang durch die Messe.
Die Messe bot bei ihrer Eröffnung ein buntbewegtes Bild. Die Waren- und Mustermefle zeigte regen Besuch und ebenso fand die Technische Messe lebhaftes Interesse. Besonderer Andrang zeigte sich in der L a n d w i r 1 sch a ft s a us st c l- l u n g. Auf dem reichbeschickten Markt für Landmaschinen entwickelte sich das lebhafteste Geschäft, das sich auch auf die übrigen Zweige des landwirtschaftlichen Bedarfes und auf den Saatenmarkt ausdehnte. Im Hause der Technik, wo wegen der starken Nachfrage nach Ausstellungsständen die Aussteller im letzten Augenblick zusammenrücken mußten, setzte der Verkehr rege ein und führte zu befriedigenden Abschlüssen. Besonderes Interesse fanb auch die reich beschickte Schau russischer- Eryortwareu.
Das „Haus der Technik" zeigt hauptsächlich auch Maschinen für das Handwerk und sehr stark sind auch Maschinen für die Milchwirtschaft vertreten. Die Landwirtschaftskammer stellt unter dem Motto: „Gesunde Kühe — gesunde Milchs— gesund Menschen" aus. Sehr viel besucht wird auch die Sonderaus- stellung: „Die Welt im Spielzeug", die die Produkte einer hochentwickelten Spielzeugindustrie zeigt.
Reichseiai für 1929.
600 Millionen Mark Mehrausgaben.
Vermehrung der Ausgaben und Verminderung der Einnahmen sind zwei Dinge, die sich schlecht miteinander vertragen. Und doch sollen sie im Reichsetai für 1929, für den jetzt die Vorarbeiten begonnen haben, möglich gemacht werden. Man muß damit rechnen, falls es nicht zu einer Neuregelung der Reparationszahlungen kommt, datz das Haushaltsjahr 1929 das erste sein wird, in dem die Reparationsleistungen von 2,5 Milliarden Mark aufzubringen sind. Das Reich bat davon unmittelbar 1540 Millionen Mark gegenüber 1247 Millionen Mark im laufenden Haushaltsjahr zu zahlen. Es ergibt sich also eine Mehrausgabe von rund 300 Millionen Mark.
Dann fallen zwei wichtige Einnahmeposten fort. Aus den Überschüssen des Jahres 1927 sind im laufenden Etat 125 Millionen Mark eingestellt, weitere 175 Millionen sollen sich im Jahre 1927 aus der Prägung von Reichsmünzen ergeben. Diese einmaligen Einnahmen sind für das nächste Etatsjahr nicht zu erwarten. Im ganzen sind 600 Millionen Mark neue Deckung zu schaffen, wenn es nicht gelingt, die Ausgaben in stärkerem Maße herabzusetzen.
Die Frage der Deckung soll in Angriff genommen werden, sobald die einzelnen Ressorts den Voranschlag ihrer Einzel- etats feriiggeftellt haben, was etwa am 15. September zu erwarten ist.
Polens Wilnaer Legionariag.
Harmlose Rede Pilsudskis.
Die seit Wochen unruhig erwartete Versammlung der ehemaligen polnischen Legionäre in W i l n a , der im polnischen Besitz befindlichen, aber von Litauen als sein Eigentum beanspruchten Stadt, ist friedlicher verlaufen, als man es sich vorgestellt hat. An der Tagung beteiligten sich Marschall Pi l s u d s k i, sämtliche im Lande antoefen«
den Minister, zahlreiche Generale und Offiziere und die aus ganz Polen herbeigeströmten Waffengefährten Marschalls. Den Höhepunkt des Festes bildete der Spannung erwartete
Bortrag Marschall Pilsudskis,
des mit
der, entgegen aller Voraussage, unpolitisches präge trug. Der Vortrag war im wesentlichen eine Verherrlichung seiner Vaterstadt Wilna, untermischt mit lose
Ge
^s-MSlionenÄLdit für Ostpreußen.
der 1«. Deutschen Ostmess e.„ Psbcra° „sSb Eröffnung der 16. Deutschen Ostmesse in Kö- tznster tu Anwesenheit des Reichswirtschasts-
We ZU" i „ Z $n clncr Ansprache in der Stadt- irem Nackâl Imster ^wa kolgeicdes aus: „Mit beson- Uonale Ä,,k^?Etone ich, daß die neue Reichsregierung die hu zu lass-»-/' die abgeschnürte Ostprovinz nicht verkum- üc Verband eine ihrer vornehmsten Pflichten betrachtet knien jugen über einen neuen Handelsvertrag mit P dn neu- dor ihrem Abschluß. Wir hoffen, bestimmt, <ürtrag dazu beitrage» wird, die engen
fl Lüg«-» H"udelsbezichungen Ostpreußens
p idanbelsheH™ zu festigen und auszubauen.
; ^sveriraasvcrbandlunaen mit Polen sotten am
10. September in Warschau wieder ausgenommen werden. Es ist kein Zweifel, daß die nunmehr fast drei Jahre lausenden Verhandlungen aus politischen Gründen zu den schwierigsten rechnen, die Deutschland überhaupt zu führen hat. Dennoch müssen ivir den Handelskrieg zu beendigen und zur Neuregelung unserer wirtschaftlicheil Beziehungen zu Polen zu gelangen versuchen." Der Minister ging dann auf die
wirtschaftliche Notlage Ostpreußens ein
nnd erklärte: „Einig waren sich das Reich und Ostpreußen darin, daß Ostpreußen eine Sonderstellung einnehmen muß unb einen Anspruch darauf hat, nicht als Grenzland, sondern als abgetrenntes Land behandelt zu werden. Auf diesem Grundgedanke» beruht auch die Ostpreutze»hilfe des vergangenen Jahres. Zu dem Punkt der Beschaffung erststelliger Hypothekarkredite darf ich schon heute sagen, daß auf meine Vorstellungen hin der Reichsfinanzminister sich bereit erklärt bat einen
aneinandergereihten Erinnerungen ans den Tagen des Weltkrieges und der ersten Jahre des wiedererstandenen Polens. Der Marschall betonte gleich zu Beginn, baß er nicht bitter werden könne, wenn er von Wilna sprechen wolle. Er gedenke des großen Völkerringens, erzählte dann, daß zu Zeiten, da er noch Staatschef war, ein aus Rußland zurückgekehrter General von ihm gesagt habe, er sei halb Kosciusko, halb Korse. Der Marschall gedachte auch der Zeit, da er als Gefangener in Magdeburg saß. Wenn er damals an etwas Liebes habe denken wollen, so hätte er an Wilna gedacht, wo er die ersten Worte der Weisheit und der Liebe kennengelernt habe. Die Soldaten hätten dann später dem Herzen ihres Kommandanten die Stadt Wilna zum Geschenk gemacht. Pilsudski schloß seinen Vortrag mit dem Appell, daß der heutige Feiertag so begangen werden möge, wie der Tag der Befreiung der Stadt.