-âilit jeden Werktag. Bezugspreis: monat- J 2 jHarf. Bei Liefeeungsbehlnöerungen durch Mere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, «Mperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Hisprüche. Verlag Zriedrich Ehrenklau, Kulüa, Wglieü des Vereins Deutscher Zeitungsver. jeger. Postscheckkonto: Kranksurt a. M. He. 16009
Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg LLLWSLLS^ ZulSa- unö Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt ^ÄÄ^
«°»â»n unö «#M* MLHl«.ftrè 1 . $«nfrr«Mto1<fM fett» ÄTÄl^
Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »Zulöaer Anzeiger'geftaüet. / gen ❖ Tag- und Plahvorschristen unverbindlich.
Fulda, Donnerstag, 16. August
5. Jahrgang
Kleine Zeitung für eilige Leser
4 ^idrâbräfihent v. Hindenburg sowie die Reichsregierung '.; dem das 70. Lebensjahr vollendenden österreichischen Mespräsidenten Dr. Hainisch ihre herzlichen Glückwünsche
HifoinmciL
I * Berlin vermutet man, daß nunmehr Reichsaußem
■ V Dr. Streseniaun bestimmt zur Kellogg-Pakt-Unterzeich- K nach Paris reist, da der deutsch-französische Zweibrücker Wnsall beigelegt zu sein scheint.
M Stapellauf des deutschen Ozeanriesen „Europa" hat ILibiirg im Beisein des amerikanischen Botschafters Dr. stattgefunden.
E »seinem Schiffsunglück aus dem Uangtsefluß kamen 500 r ^^ums Leben.
Aus dem Nichts.
Wohl nichts anderes bietet ein solch deutliches Bild' den wirtschaftlichen Wiederaufbau in Deutschland wie Entwicklung, die die deutsche Handelsflotte nach dem wnsschluß von Versailles genommen hat. Sie er- wieder aus dem Nichts; denn man muß be- .....in daß jener Vertrag alle deutschen Schiffe der Entente ^eignete, die mehr als 1000 Brutto,registertonnen Mn, und der Norddeutsche Lloyd versMie damals nach »r Ablieferung nur noch über eineK^Seebäderdampser ganzen 781 Tonnen als größtes Schiff seines Äe-
. 1914 stand Deutschland mit seinen 5,14 Mil- men Registertonnen an zweiter Stelle der Welthandels- lie; allerdings blieb es noch unendlich weit hinter Eng- zurück, das über 4> ^Prozent der Welthandelsflotte Und aus diesen 5,14 Millionen Registertonnen 1919 150 0Q0 Sonnen geworden; die deutsche ze war so gut wie ganz verschwunden vom Weltmeer. M ging an die Arbeit, an eine Wiederauf« mrbeit, bei der das Reich durch billige Kredit- tftgiie an die Reedereien und Wersten ausgiebig half, strkrfolg dieser Wiederaufbauarbeit ist überaschend. M bloß äußerlich stellen die beiden jetzt vom Stapel Huden Dampfer des Norddeutschen Lloyds mit ihren 16000 Registertonnen Schiffe dar, die an Größe gar Emehr so weit zurückbleiben hinter den Riesen wie “"Tutor", „Bismarck" und „Vaterland", die uns die e enteignete, sondern in einem gewaltigen Sprunge M14O00 Tonnen geht man jetzt über die Ausmaße des größten deutschen Dampfers, des „Columbus", . Freilich ist für die deutsche Flotte noch längst Mr Vorkriegsstand erreicht, auch im Verhältnis zur delsflotte nicht; erst an vierter Stelle steht jetzt deutsche Schiffsraum und zwischen England und uns A sich die Vereinigten Staaten und Japan geschoben, vor dem Kriege so gut wie gar keine Rolle spielten, 'komerikanische Flotte aber hat sich schon zu einem sehr glichen Konkurrenten der englischen herausgebildet, 1 ihr nur noch um 8 Prozent nach. England ist — . sine Folge des Krieges — von seiner stolzen Höhe hinabgesunken.
Mußte die deutsche Handelsflotte nun nicht bloß von Md auf neugebaut werden, es wurden auch diese Wierigfetten noch ganz erheblich vergrößert dadurch, « sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Welt- Alihrt bald völlig änderten. Deutschlands Handels- dem Kriege ist groß geworden vor allem durch ^iiuèw a n d e r u n g s g e sch ä f 1. Von den zwei MM Passagieren, die im letzten Vorkriegsjabr W Schiffe von Hamburg und Bremen aus zur ‘ M Übersee benutzten, sind 1,4 Millionen Aus- i Zkwesen. Dem machte nun die Kontingen- I M der Einwandererzahl in den Vereinigten Staaten IJ* Ende. Der breite Auswandererstrom aus Ost- SL ^Osteuropa, der über Hamburg und namentlich E âkmen ging, versiegte bis auf ein schmales Bäch- ..schleunigste Umstellung war nötig, nicht zuletzt im Mu selbst, da früher die Masse an Zwischendecks- Rieren besondere Unterkünfte auf den Schiffen ver- A. Aus dem Auswanderergeschäft wird das "ud Touristengeschäft und dies ändert den 'Charakter der neu zu erbauenden Schiffe. Vieles ,, Mcher alles ober zweckmäßiger, weil allmählich die Schiffseinteilung in die drei Kajüten Zwischendeck abgeändert wird in eine Zwei- -"'ch hierin ging der Norddeutsche Lloyd voran, J"! ^ber die Hapag mit schnellen Schritten.
r= ^^wkeiten über Schwierigkeiten also im Paffa- 0 wie im Gütertransportgeschäft. Der Welt- erü», s namentlich durch den Massenbau auf den Mickw^m^winigten Staaten für die stockenden wirt- ^°rb«>" ^^ältnisse der Nachkriegszeit viel zu groß ei>uht < ^^usende von Schiffen rosteten un- ^»rch 1en Häfen. Neue Schwierigkeiten auch ie nijttl allerdings nicht für die großen, sondern für »nute ^taW^ "einen Reedereien —, daß die soge- "hältn^u»wvichiffahrt immer unrentabler wurde. Die ^r«W'Vj?.. ^er Weltwirtschaft änderten sich: der ie Fracke,?'""?' ^er sich von Hafen zu Hafen mühsam ickluna vwi^^Wmmensuchte, mußte der modernen Ent- »siapeln nh„ / die es verstanden hat, Massengüter anf- e äu reaeim"!- & ^e dem Verderben anheimfallen, und ^ kanndis^, "sen Terminen abtransportieren zu lassen, schnack ^^reide, das argentinische und australiscke kßr, sonb^n-?da zu befördern war kein Saisongeschäft ^ iesten -> /^k immer mehr der Linienschiffahrt mit > FArtterminen zu.
^nfocrr Vr e n $ mit den anderen seefahrenden ^?ernig^?.^ Deutschland f a st e r d r ü ck e n d — und ^^ die de»u^"^ *n den neun Jahren des Wiederauf- Ux« Real K Handelsflotte wieder auf jetzt 3,74 Mil- UK-r Vor "wnnen hinaufzubringen; und — ihr ■°öetnen unsVI ^c besteht in der Hauptsache nur aus 1L 0 Modernsten Schiffen. Auch die Eifersüchte-
Neue deutsche Ozeanriesen.
Siapellauf »er „EmOa" in Hamburg
Botschafter Sch4^rman als Taufpate.
Der Stapellaus<chès deutschen Ozeanriesen „Europa" fand Mittwoch in Hamburg statt und am Donnerstag wird im Beisein des Reichspräsidenten das Schwesterschiss der „Europa", die „Breme,t", in Bremen die Hellinge verlassen.
Die Feier in Hamburg gestaltete sich zu einem wahren Volksfest. Die ganze Stadt nahm daran teil und eine schwarze Masse von zehntausenden von begeisterten Menschen umlagerte stundenlang vor dem Stapellaus die Höhen des Hamburger Hafens.
Der amerikanische Botschafter Dr. Schurman hatte es Übernommen, dem neuen Sckiff die Taufrede au halten.
Die „Europa" vor dem Stapellauf.
»et seinem Eintreffen aus dem Hamburger Hauptdahnhos wurde er von dem Präsidenten des Norddeutschen Lloyds, Dr. Heinecken, und von Rudolf Blohm, dem Mitinhaber der Werft von Blohm u. Voß, empfangen. In der Begleitung des Botschafters befand sich auch der amerikanische Marineattachè Baum.
Der Botschafter begab sich mit seinem Ehrengeleit nach der Werft, wo ihn auf den am Vordersteven des Taufschiffes errichteten Tribünen die festlich erregte Menge erwartete. In
seiner Taufrede
führte der Botschafter u. a. aus:
Dieses Schiff ist, wie wir in Amerika sagen, „das letzte Wort" im Schiffbau. Es ist eines der größte» Schiffe und ist mit einem Tonnengehalt von 46 000 Tonnen fast 50 Prozent größer als der „Columbus", der beute das größte deutsche Fahrzeug ist. Er besitzt eine erstaunliche Geschwindigkeit: sechs Tage nach Rewyork von Bremen und fünf Tage von den Häfen am Kanal. Ich erfahre mit besonderer Freude, daß die Vorkehrungen für die Sicherheit der Fahrgäste so vollständig sind, wie es die neuesten deutschen Errungenschaften gestatten. Sie- werden sehen, daß Künstler und Architekten die Salons und Kajüten zu solchen Freuden für Auge und Geschmack gestaltet haben, daß die Fahrgäste vielleicht vergessen werden, daß sie sich auf hoher See befinden.
Kraft der mir vom Norddentschen Llovd übertragenen Machtvollkommenheit gebe ich jetzt diesem Schiff den Namen „E u r o p a". Ich füge den warmen Wunsch hinzu, daß es stets vom Glück begleitet sein und aus lange Jahre hinaus dazu beitragen möge, unsere beiden Völker enger zu vereinen durch einen für beide Teile vorteilhaften Handel, durch gegenseitiges Verständnis und durch Brüderschaft.
Daraus nahm Fräulein Glässel mit einer Flasche deutschen Schaumweins von der Tauskanzel aus den T a i! f a k t vor.
Bei einem Empfang nach der Taufe der „Europa" sprach Botschafter Schur m a n den innigen Wunsch aus, daß die neuen deutschen Schiffe Scharen von deutschen Besuchern nach Amerika itnb amerikanischen Besuchern nach Deutschland befördern mögen. Glücklicherweise beständen heute keine künstlichen Hindernisse im Fließen der natürlichen Sympathie- und Freundschäftsströmultgen zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke.
/eien zwischen den beiden großen deutschen Schifsabrts- gesellschaften, dem „Lloyd" und der „Havag", zwischen Bremen und Hamburg, haben endlich aufgehört, weil tmn\ einsah, daß es besser wäre, zwar getrennt zu marschieren, aber vereint und nicht aufeinander loszuschlagen. Noch besteht in der Nordatlantik kein Tarifkampf, noch wahren die Großschiffahrtsgesellschaften der einzelnen Länder eine Art von Burgfrieden; aber wenn es- einmal zu einem solchen Kampfe kommen wird, dann steht in ihm die deutsche Handelsflotte nicht bloß einig, sondern auch in einer neuen guten Rüstung da. Trotz aller dieser unendlichen Schwierigkeiten äußerer und innerer Art, trotz der furchtbaren Verluste im und nach dem Kriege ist mau rührig an die Arbeit gegangen mit dem Auge auf jenen- alten Spruch, der über dem Portal des Bremer Schiff» fahrtsamts steht: „Navigare necesse est, vivere non," „Schiffahrt treiben ist notwendig, aber das Leben ist nicht das wichtigste."
Die Mten md schönste» dentsche» Schiffe.
Pioniere deutschen Gewerbefleißes. — Sicher, bequem und schnell.
Passagierdampfer vom Ausmaß und der Bedeutung der „Europa" und der „Bremen" erfüllen in ihrem Bau, ihrer Ausstattung und ihrer Einrichtung zwei Aufgaben: einmal sind sie schwimmende Hotels, die alles, was zur Bequemlichkeit und Sicherheit der Reisenden notwendig ist, mit sich führen, und zum anderen sind sie schwimmende Ausstel- l u n g e n , die zeigen, was deutscher Gewerbefleiß und deutsche Kunst vermögen. Die 2100 Fahraäste, die das Schiff bei jeder Fahrt befördern kann, sollen Apostel werden, die in alle Welt hinausgehen und den Ruhm deutschen technischen und künstlerischen Könnens verkünden.
In unserem Zeitalter der großen Zahlen sind wir wirklich an Riesentiffern und Riesenmaße gewöhnt. Und doch staunt
man immer wieder, wenn man die Ausmaße vernimmt, in denen ein solcher Riese des Ozeans erbaut wird.
Aus den beiden Werften haben etwa 10 000 Arbeiter die neuen Schiffe erbaut. Von der Menge des Materials, das beim Bau verbraucht worden ist, kann man sich eine ungefähre Vorstellung macken, wenn man hört, daß 24 Millionen Kilo Stahlbleck ans 1600 Eisenbahnwaggons allein für ein Sckiff herangebracht werden mußten, nur um den Rumpf, die Jnnen- decke und die Zwischenwände zu schaffen. Diese Bleche werden mit über 4 Millionen einzelnen Rieten zusammengehalten und 1 200 000 Kilo Metall wurde allein für die Nieten, die die Platten des Rumpfes zusammenhalten, verbraucht. In den Wirtschaftsräumen sind Wand- und Fußbodenverkleidungen aus Fliesen angebracht, die für jedes Schiff eine Länge von über 18 Kilometer haben.
Ebenso gigantisch wie diese Zahlen sind auch die Ziffern, die von der Größe der Jnneneinrichtuna einen Begriff geben. An Wäsche führt u. a. ein Sckiff z. B. 70 000 Handtücker, 65 000 Servietten und 11 000 Bettücker mit sich. Für die Verpflegung von Passagieren nnd Mannschaften nimmt das Sckiff für jede Überfahrt mit: 1000 Zentner Fleisch, 2800 Zentner Fisch, 90 000 Eier, 350 Zentner Geflügel, 4200 Zentner Mehl, SO Zentner Brot, 43 Zentner Kaffee, 17 000 Liter Milch, 300 Hektoliter Bier, 15 000 Flaschen Mineralwasser, 18 000 Zigarren und 120 000 Zigaretten.
Eine Geschäftsstraße, die sich auf jedem Schiff befindet, bietet den Passagieren Gelegenheit, in den verschiedenartigsten Läden ihre Vorräte an Garderobe. Wäsche, Toilettenartikel und Büchern jederzeit zu ergänzen. Maschinen, von denen vier in jedem Sckiff eingebaut sind, bilden die treibende Kraft, und jede dieser Maschinen bewegt eine Sckraube, die in einem Stück ans Bronze gegossen und 17 000 Kilogramm schwer ist. Jedes Schiff besitzt 28 Rettungsboote mit neuartiger Ans- seNungsvorrichtuug. die eine besondere Sicherheit beim Herablassen aus das Wasser gewährleisten, so daß sich die Räumung des Schisses bei einem etwaigen Unfall sehr schnell und sicher vollziehen läßt. Eine Besatzung von über 1000 Personen sorgt für die Bedienung des Schiffes, der Maschinen und der Fahrgäste. Die Bauart und die Stärke der Maschinen werden den beiden Riesendampfern eine bedeutend größere Schnelligkeit verleihen, als sie die bisherigen Schiffe hatten. Die Fahrt, nach Amerika werden sie in sechs Tagen zurücklegen.
Die SoMemMtische VorsMösestschlietzug zur Pünzer-Schiff-Srlige.
Berlin, 15. Aug. Der Borstand der Sozialdemokratie scheu Partei Deutschlands und der Vorstand der Reichs» tagsfraktion haben in einer gemeinsamen Sitzung, wie wir ergänzend erfahren, folgende Entschließung angenommen :
„Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und die Reichstagsfraktion bedauern lebhaft, daß die sozialdemokratischen Minister nicht die Möglichkeit gefunden haben, in der Kabinettssitzung durch die Abstimmung klar zum Ausdruck zu bringen, daß sie in Uebereinstimmung mit der Gesamtpartei entschiedene Gegner des Baues des Panzerkreuzers A sind, sich vielmehr auf formalrechtliche Argumente gestützt haben."