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Fulda, Samstag, 18. August
5. Jahrgang
Stresemann reist bestimmt nach Paris
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M Rheinland muß frei werden.
Plötzlicher Ministerrat in Frankreich.
Das lange Hin- und Herraten über die Frage, ob Neichsaußenminister Dr. Stresemann zur Unter- -eichimng des Kellogg-Paktes nach Paris geht oder nicht, weint nun ein Ende gefunden zu haben. In Berlin er« Shri man, daß Dr. Stresemann am Sonntag von seinem lltlaiiO aus Oberhof nach Berlin zurückkehrt und voraus- Mch am Mittwoch an einer Kabinettssitzung mit außen- Politikern Programm teilnehmen wird. Am nächsten gunnabenb werde Dr. Stresemann dann seine Reise nach alltreten.
Ach die Nationalliberale Korrespondenz, der man . ernte Beziehungen zu Dr. Stresemann nachsagt, berichtet: Mr haben die amerikanische Einladung aus guten l Gründen angenommen und der deutsche Reichsaußen- | minister kann jetzt der feierlichen Unterzeichnung nicht I fernbleiben, weil sie zufällig in Paris, der Hauptstadt I Frankreichs, erfolgt. Das würde die Welt nicht verstehen " imb zweifellos in den Vereinigten Staaten als krasse Ab- ; weichung gegenüber unserer ursprünglichen Einstellung , empfunden werden. Stresemanns Reise nach Paris, mit k der ja nun wohl gerechnet werden muß, bedeutet mit . Nichten eine Verbeugung vor Paris und Frankreich, noch weniger eine Preisgabe deutscher Würde, sondern nur I einen Akt selbstverständlicher und politisch kluger Höflich- I feit gegenüber den Vereinigten Skaten."
Kellogg-patt und Meinlandräumung.
Bei der nunmehr als feststehend zu betrachtenden l Tatsache, daß Dr. Stresemann nach Paris geht, gewinnt die Frage, ob im Anschluß an die Unterzeichnung des , Fiiedenspaktes die Rheinlandräumuna angeschnitten l wird, erhöhte Bedeutung. Ein Pariser Blatt schrieb, es t Ich sich nicht mehr verheimlichen, daß die deutsche Regie- ■ durch Vermittlung ihrer Botschafter in Paris, Loudon, Brüssel und Rom sondiert habe, ob sie I am 27. August die Rheinlandrämung mit Aussicht auf Er- I ich verlangen könne. Die Antwort sei ablehnend aus- ' fallen und habe besagt, daß die Gelegenheit nicht günstig 6 sei da Kelloag nur zur Unterzeichnung des Paktes käme i unb nicht wünsche, in die europäischen Angelegenheiten I verwickelt zu werden. Die französische Regierung habe I W verstehen gegeben, daß sie der Räumung gegen
Gegenleistungen und Garantier!,
I die im übrigen noch völlig unbestimmt seien, zustimmen I würde.
I An deutscher Stelle in Paris will man erfahren j Wen, bei der Sondierung der deutschen Regierung habe k st sich nicht um direkte Schritte, sondern vielmehr um > one Ankündigung gehandelt, in welcher Weise man in i ^uischland beabsichtige, die Unterhaltung zwischen den I wnminiftern bei ihrer nächsten Zusammenkunft zu
^'hren. Gedacht fei hierbei viel mehr an Genf als an Paris, da man sich auch auf deutscher Seite darüber vollkommen klar ist, daß der amerikanische Staatssekretär Kellogg an einer derartigen Unterhaltung nicht teilnehmen werde.
Einberufung des französischen Kabinetts.
In dem letzten am 17. Juli abgehaltenen französischen Ministerrat war vereinbart worden, daß die nächste Zusammenkunft des Kabinetts nicht vor dem 1. September stattfinden sollte, und zwar in Sambignv. der Sommerresidenz Poincards. Diese Disposition ist nun plötzlich umaestoßen werden. und awar durch Poinearä selbst
Gin dringendes Telegramm des französischen Ministerpräsidenten hat sämtliche Mitglieder des Kabinetts, die mit Ausnahme des mit Generalvollmachten ausgestateten Iustizministers Barthou fern von Paris der Erholung leben, für Donnerstag, den 23. August, zu einem außerordentlichen Ministerrat nach Paris berufen mit dem ausdrücklichen Zusatz, daß mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Tagesordnung die Anwesenheit sämtlicher Minister notwendig sei.
Man kann unmöglich fehlgehen, wenn man diese unerwartete Einberufung mit der Erwartung in Zusammenhang bringt, die 9? heinlanbfrage könnte doch schon in Paris während oder nach der Unterzeichnung des Paktes Bedeutung gewinnen. Vielleicht besteht auch auf deutscher Seite nicht die Meinung, es könnte zu bestimmten Entscheidungen in Paris kommen. Aber die Möglichkeit erscheint nicht ausgeschlossen. (Stresemann werde bei seinem Pariser Aufenthalt Gelegenheit haben, sich mit Briand und Poincars eingehend über die für Deutschland und die Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen entscheidende Frage der Räumung zu unterhalten. Von großer Wichtigkeit dabei würde selbstverständlich das sein was man in Frankreich Kompensation, in Deutschland Gegenleistungen zu nennen pflegt. Stehen dabei mehr f 0 r - m a l e Dinge im Vordergrunds, etwa getrennte Behaud- lung der zweiter! und der b ritten Zone im Rheinland, so läge ein übereintommen wohl nicht fern.
Träten aber wertere materielle oder die deutsche Volkswirtschaft schädigende Forderungen Frankreichs zutage, so müßte die Rücksicht auf Deutschlands sowieso schon bis zum Bersten angespannte Leistungsfähigkeit den Ausschlag geben.
Immerhin bemerkenswert bei dieser Materie ist die von englischen Zeitungen verbreitete Ansicht, daß der frühere Reichskanzler Dr. L u t h e r im Auftrag der Reichsregierung soeben nach London gekommen sei. um Verhandlungen über die Rheinlandräumung zu führen. Diese Deutung ist irrig, wie von deutscher Seite erklärt wird. Dr. Luthers Reise trägt vielmehr lediglich privaten Charakter. Er ist von der Reichsregierung mit Räumungsver- Handlungen nicht beauftragt worden und verhandelt daher auch nicht über die Räumungsfrage.
In der Nacht nach dem Stapellauf der „Bremen" hat Reichspräsident von Hindenburg Bremen verlassen und sich nach Hannover begeben. Von hier wird er nach einem kurzen Aufenthalt nach Bayern Weiterreisen, um dort seinen geplanten Urlaub zu verbringen.
Reichspräsident v. Slndenburg in München.
München. Reichspräsident von Hindenburg traf in Begleitung seines Sohnes, Major von Hindenburg, von Bremen kommend hier ein. Der Reichspräsident wurde beim Verlassen des Bahnhofs von einer großen Menschenmenge stür« nusch begrüßt und setzte sofort im Kraftwagen die Fahrt nach Dietramszell fort. Bei der Abfahrt des Wagens stimmte die Menge das Deutschlandlied an.
Oie Höchstgrenze der
Angesteilienversicherung.
Praktische Auswirkung ab 1. September.
über die praktische Auswirkung der neuen Höchstgrenze von 8400 Mark für Angestelltenversicherung gab die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte Auskunft. Danach tritt die neue Verordnung bereits am 1. September 1928 in Kraft. Es werden zwei neue Pflichtklassen geschaffen, und zwar die Klaffe G für ein nailiches Einkommen von 500 bis 600 Mark (monatl Beitrag 25 Mark) und die Klaffe H für ein Einkommen von 600 bis 700 Mark (monatlicher Beitrag 30 Mark). Die wegen Überschreitung der alten Höchstgrenze von 600 Mark ausgeschiedenen Versicherten werden ab 1. September 1928 automatisch wieder versicherungspflichtig. Sollten sie ihre Anwartfchaft durch die Zahlung freiwilliger Beiträge nicht aufrechterhalten haben, so können sie dies noch brs zum Schluß des Jahres 1928 nachholen, da das Gesetz vom 29. März 1928 ihnen die Möglichkeit gibt, für die Jahre 1926, 1927 und 1928 freiwillige Beiträge nachzu. zahlen. Die Anwartschaft gilt ohne Rücksicht auf die ge- -ahlten Beiträge bis zum 31. Dezember 1928 als aufrecht-
erhalten.
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Arbeit für den Bölkerhun-rat.
Das Ansuchen Kostarikas.
Auj der Tagesordnung der 51. Ratstagung des ; «niundes, die am 30. August in Genf beginnt, stehen 1 Mger den schon bekannten Punkten auch die zwischen den - ^gierungen von Danzig und Polen am 4. August vabgeschlossenen Abkommen über die Westernplatten- r M bei: Aufenthalt von baltischen Kriegsschiffen im : von Danzig und der Beitritt der Jrakregierung zu
è Den internationalen Konventionen über die Verhütung i „e= Handels und der Verbreitung von schädlichen Ver- I "ll^tlichnngen. Insgesamt stehen auf der Tagesordnung I Oer kommenden Ratstagung 36 Punkte.
f Der am Mittwoch von der Regierung von Kosta- I eingereichte Antrag auf Auslegung der Monroe- * 'ollrin durch den Völkerbund ist zunächst noch nicht auf I Tagesordnung und kann nur auf Antrag eines der ! ii 'kgueder des Völkerbundrates vor dem Rat zur Ver« i Adlung gelangen.
Hindenburg bei der Schiffstaufe.
Wie ihn ein Engländer sah.
über den Eindruck, den die Person des deutschen Reichspräsidenten bei der Einweihungsfeierlichkeit in Bremen machte,
^euer Krieg in Ostasien.
9 0 *e' u n b Barga i m K r i e g s z u st a n d. liiit die B Meldung der „Horning Post^ aus Charbin Krieg erki ^ ^owjetnioogolei dem Staat Barga den Mongolei ni?^1^ ®in von Urga, der Hauptstadt der Sowjet- Mmme^ in dem ein lieber«
Saifla hem ^erlan0t wurde, iff von dem Herrscher von Abteilung Gnisu, abgelehnt worden. Eine starke
I ausgebildet lld,ei roier Kavallerie, die von Russen i uberschr -, tuJ”e> hat einer Meldung zufolge, die Grenze Ier Richtung n Chinesen senden in Eile Truppen in Stationen nm,T Mongolische rote Kavallerie hat die M und die ®mini an bet chinesischen Ostbahn be- ^„unterbrock^ ^rstörl. Die telegraphische Verbindung halber in EHarbin '^^e Expreßzüge sind vorsichts-. Die „Mornin^ mnß??tten worden.
werde möqiiAprm^r t,c*ner,t dazu, diese Bedrohung Dar- â^Wschurei unb inÄ Wirkung auf die anschließende ^vge Interessen ^! ^^^^ auf Japan ausüben, welches
" ' dieser Provinz habe. y
au; N°ai unterftebFber ^^ Mongolei und der Mandschurei, werd^^^. wutz als R»^"/stfchen Oberhoheit. Ein Angriff Chinas ^" der Mands^»"^'"L bcr Mandschurei aufgefatzt lC“.nb Japans t?^ aber kreuzen sich die Interessen '^eren kriegfrisK ^ leicht zu einer neuen und
Ä Verwicklung in Ostasien kommen kann.
buchtet der Korrespondent einer englischen Zeitung seinem Blatt mit folgenden Worten: „Als Präsident von Hindenburg ans der Tribüne stand und mit fester, weithin klingender Stimme seine Rede hielt, konnte man schwer glauben, daß dieser aufrechte, kraftvolle Mann bereits seinen 80. Geburtstag gefeiert hat." — Die Zahl der bei dem Stapellauf versammelten Volksmenge schätzt der Korrespondent auf 100 000 Personen und sagt für die Einwohner war es ein Festtag. Der Stapellauf dieses großen Liniendampsers wird in Bremen als ein wich- tiaes nationales Ereignis anaeieben. ■
Em basischer Gtaaienbund?
Mit Einschluß Polens.
In Riga hatte der estländische Außenminister Rè» bane mit dem lettländischen Außenminister eine Besprechung, die Fragen ihrer beiden Länder mit Bezug auf die kommende Völkerbundtagung in Gens behandelte. Rebane gab vor der Öffentlichkeit später der Hoffnung Ausdruck, daß der Gedanke eines baltischen S t a a t e n b u n d e s in der Zukunft zu verwirklichen sein werde. Es seien zwar große Schwierigkeiten zu überwinden, vor allem in der
polnisch-litauischen Wilnafrage, in der Estland wie auch Lettland völlig neutral seien. EI bleibe jedoch zu hoffen, daß diese in günstigem Sinne gelöst iverde. Damit hat Außenminister Rebane sich nochmals als Anhänger eines baltischen Staatenbundes mit Einschluß Polens bekannt.
Litauen hat in seiner Antwort auf die polnische Ablehnung der Einladung nach Königsberg und die polnische Anregung, die litauisch-polnische Plenarkonferenz in Genf abzuhalten, gesagt, daß ein solcher Vorschlag die litauische Delegation sehr unangenehm berühren würde: denn mit dem gleichen Tage begännen die Arbeiten des Völkerbundes, die die ganze Aufmerksamkeit der Teilnehmer in Anspruch nehmen werden. Es würde wahrscheinlich unrnöglich sein, sich uneingeschränkt den polnisch- litauischen Angelegenheiten zu widmen.
Jetzt will wieder Polen ein Sendschreiben an Litauen erlassen und nach bett scharfen Äußerungen der polnischen Presse wird dieses Schreiben, das den Litauern Verzögerungskünste vorwerfeir soll, kaum geeignet sein, die polnisch-litauischen Gegensätze zu milbern. Mit den Hoffnungen Rebanes, Polen und Litauen mit den angrenzenden anderen Staatsgebilden von Entente Gnaden unter einen Hut zu bringen, dürfte es also noch gute Weile haben.
Sie Ludwigshafener Spionageaffäre.
Französische Auftraggeber.
Zu den aufsehenerregenden Verhaftungen deutscher Angestellter der I. G. Farbenindustrie in Ludvigs Hafen wird noch bekannt, daß die aufgedeckte Spionage gegen die deutschen Werke von einer noch viel größeren wirtschaftlichen und politischen Tragweite ist, als luerft angenommen wurde. Die Ermittelungen haben er- zeben, daß die französische Geheimpolizei im besetzten Genet Persucht hat, durch ihre Agenten in außerordentlich vichtige Gebiete der chemischen Industrie Deutschlands kinzudringen, neue wichtige Betriebsgeheimnisse auf Gebieten, die für die deutsche Wirtschaft weittragende Be- Deutung haben, auszukuudschaften und der französischen Industrie auszulieferu. Im letzten Augenblick gelang es. Diese Machenschaften aufzudecken. Leider sind bereits rinige Betriebsgeheimnisse in die Hände der Gegenseite geraten.
Die Spionage erstreckt sich, nach den Meldungen der Köln. Ztg., in der Hauptsache auf das Werk Ludwigs- hafen und Oppau der I. G. Farbenindustrie und, wie es heißt, anscheinend auch auf das Leunawerk inMer - s e b u r g bei Halle. Die Beziehungen der Verhafteten zu dem französischen Spionagedienst sollen bis in das Jahr 1927 zurückreichen. Die Untersuchung dieser Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen.