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Lulöaer Anzeiger

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Fulda, Freitag, 24. August

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

« Vnnuim der Interparlamentarischen Union wurde im unter Teilnahme von Vertretern der Reichsregie- ^'SuftemnlniBer Dr. Stresemann wird nicht an der XZiiifl in Genf teilnehmen, da die Arzte infolge $18S immer angegriffenen Gesundheitszustandes ihm widerraten haben.

Sanierung des Freistaates Thüringen ist zurück- « S aber einstweilen die Geschäfte fort.

11 Berlin tagende internationale Kongreß der Licht-

-besitze an dem Vertreter von 17 Ländern teil- iP'i'S keine Hetzfilme mehr vorführen zu lassen. > "^'ä fand der 28. Deutsche Handwerks- und Gewerbe- , '£ unter großer Beteiligung statt, bei dem wichtige ^'3 5ur Handwerkersrage gefaßt wurden.

We neuen Zugeständnisse.

L "ie feierlichen Vorbereitungen für die Unterzeichnung?

P Kellogg-Paktes in Paris sind beendet. Wenngleich

MKellogg selbst sich zurzeit noch auf dem Meere

Inuits, so war es doch möglich, dank der funkentele- ^chhischen Erfindung, mit ihm ständig in Verbindung zu

Wen und die Einzelheiten des zeremoniellen Aktes zu

Mechm. Wie es heißt, hat er sich mit allen von fran«

Mr Seite ausgehenden Vorschlägen über die einzelnen

Mn der Unterzeichnung einverstanden erklärt. Das Machen auf das I dürfte der französische Ministerrat

der von Pyincarè nach der Rückkehr von seinem

-rufe" Warpen ist. ^iese" Miniftcr-at soll

M Meiwiegende Entscheidungen über deutsch-fran-

WWe Fragen treffen.

[ Mogg hatte es seinerzeit abgelehnt, während feines

MM Aufenthaltes über andere Fragen, die nicht direkt

Mi! Min Pakte in Verbindung stehen, zu verhandeln. MrMit damit vermeiden, die Frage der deutschen

M-erationen anzuschneiden, was natürlich von MagWes Seite sofort das Aufwerfen des interalliverterr MchÄmproblems zur Folge gehabt hätte. Die ameri- Mwfche Sffentlichkeit ist zurzeit nicht darauf eingestellt, ion dem bisherigen amerikanischen Standpunkt ab- MwHu, der jede Reduzierung der an Amerika zurück- MMmden geborgten Gelder strikt ablehnt. Dazu kommt rtiotidie Perschnuvftheil Amerikas über den Mi'lisch-ftouzösischen Flottenpakt, die so weit geht, daß I!! offiziell der englischen Regierung mitteilie, daß er Mi dèt Rückreise nach Amerika zwar Irland, aber nicht MWwd besuchen würde. Die Verstimmung Amerikas also einen ziemlich hohen Grad erreicht

M ^n sich der französische Ministerrat wirklich mit M^M-onzösischen Fragen beschäftigen und wichtige Ent- ettiMmgen treffen sollte, dann kann es sich nur um die Monulond b e s e tz u n g handeln. Wenn es auch zu

n Besprechungen darüber in Paris nicht durfte, so hindert das natürlich nicht, daß Briand Aresemann ihre privaten Meinungen über diese tauschen. Sie haben dies ja schon oft getan Neues dürfte auch diesmal kaum zutage ^è^o der französische und der deutsche Standpunkt

Angelegenheit genügend bekannt sind.

M>»,^??, lvurde erst kürzlich wieder mit aller Be- i«, 2, ^t, daß nach dem Eintritt Deutschlands in I M Q ^ nach Abschlirß des Dawes-Abkomnnens, Ude« und nach der Unterzeichnung ^ew'bnâ^^tes Deutschland für die Räumung der liiintf "^n e neuen Zugeständnisse machen M Parise?!,^ Zfentlichkeit beschäftigt sich angesichts IbhtuJ; un& ®enfer Ereignisse mit der Frage der I *Ä^ÄV V $c n Verständigung. Von WMMt 2'^ diese als eine absolute Notwendigkeit An' »^lchzeitig wird aber nach wie vor erklärt. MMbor dem Verhalten Frankreichs Deutschland y Elner wirklichen Verständigung mehr als KMexÄ ^uch derVorwärts" schlägt über Mes btinnk a )me an der Unterzeichnung des Kellogg- Mche mnz^ Töne gegen die bis- Außenpolitik an. Diese richten Rerüän^?" Briand, der schon immer zur eine rep- M bon fdnl^ ^chstetreten fei. als gegen Poinoarö. M^'ischland,,^2^dlingsidee nicht lassen wMe, daß iflen Unbell L ^tc JP0T der .Hauptschuldige an dem wenn es b^r^Welt sei und deshalb zufrieden sein Seite, eL ^dem Entgegenkommen von der amde- Hoöen sollte m B? ^^ darauf moralischen Anspruch I Der darf.

Mischen Besmm^ Aimlsterrat wird sich hoffentlich alle lassen Bedenken durch den Kopf

M deutsch-k,.^ ,^^â)sten Tage werden es zeigen, ob ?^r noch ankÄ^^ Annäherung wirklich mögksich' ' aiM Zeit hinaus eine Utopie bleibew

I ch "*' ^^'° Mannschaft eines britischen

L «» âttnngsdampfers.

PMfönC« ^Q^M^ Gouverneur von Gibral- uX^b der Mannüâ"^- der deutschen Regierung dem Heiber i^et verso licker britischen Rettungsdümpfers, der 45 Mann des am 21. No-.

Melreich. ^^Pfers ,äl2?-r?^^^ar in Seenot geratenen - ' Merfeld gerettet hatten, Geschenke

Das Weltparlament in Berlin

Die Mr-arlamentarifche Union im Reichstage.

Professor Walter Schücking, Vorsitzender..

Die erste Vollsitzung der in Berlin versammelten Interparlamentarischen Konferenz begann Donnerstag im Neichstagssaal. Als Vertreter der Reichsregierung waren mit dem Reichskanzler Müller die Reichsminister Dr. Stresemann, von Guèrard, Koch - Weser und Dietrich erschienen. An Stelle des erkrankten Vor­sitzenden, des Barons Adelsivârd, eröffnete der stellver­tretende Vorsitzende B r a b e c - Tschechoslowakei die Kon- ferenz. Er teilte mit, das? der Nat der Union Vorschläge, den Präsidenten der deutschen Gruppe, den Abgeordneten Schücking, zum Vorsitzenden des Kongresses zu wählen. Die Versammlung stimmte diesem Vorschlag lebhaftem Beifall zu.

Der Abgeordnete Schücking nahm die Wahl an und hielt eine kurze Begrüßungsansprache, in der er be­tonte, die Interparlamentarische Union sei heute in aller Welt die vornehmste Repräsentantin einer neuen poli­tischen Ideenwelt. Groß seien die Leistungen, die sie zu ihrer Verwirklichung in der Vergangenheit gemacht habe, größer noch sind ihre Aufgaben für die Zukunft. Der Kellogg-Pakt, der in diesen Tagen in Paris unter­zeichnet werden soll, spiegele nur eine Resolution wider, die man schon auf der Plenarkonferenz des Jahres 1925 in Bern gefaßt habe. Aber Größeres und Schwierigeres fei noch zu tun. Die soziologischen Ursachen der Kriege seien zu bekämpfen, indem man dem natürlichen Recht aller Völker in allen Beziehungen auf der garrzen Linie in einem rechtlich geordneten Verfahren zum friedlichen Durchbruch verhelfe und Mittel und Wege finde, das Ideal der Ge­rechtigkeit zu verlvirklichen.

Reichskanzler Hermann Müller

überbrachte den Willkommensgruß des Oberhauptes des Deutschen Reiches, des Reichspräsidenten von Hindenburg, der lebhaft bedauere, nicht in Berlin zu sein, um selbst Worte der Begrüßung in diesem Saale sprechen zu können. Dem Gruß des deutschen Reichsprä­sidenten reiht sich an der Ausdruck der Freude der deut­schen R e i ch s r e g i e r u n g , die die Konferenz in der Reichshauptstadt und an der Stätte des deutschen Parla­mentes ebenfalls herzlich willkommen heißt. Der Kanzler wirft einen Rückblick auf die Entwicklung der Union und sagt dann: 1

Aus einer Organisation, die in erster Linie für den Schiedsgerichtsgedanken und damit für die Beseitiguncz bewaffneter Konflikte eintrat, hat diese Organisation sich zu einem Weltvarlament entwickelt, das in voller Frcihci,«

Eröffnungssitzung im Plenarsaal des Reichstages.

und in geistiger Unabhängigkeit int Sinne der allen Völkern gemeinsamen Interessen an die Lösung der groben Probleme herangeht, welche unsere Zeit bewegen. Die Stimmen aller Nationen, die in diesem grossen Parla- ment vertreten sind, klingen aus in dem einen Wunsch, das Reich des Friedens auf Erden zu sichern. Die dentsche Reichsregècrung wünscht von Herzen, dass Ihre Arbei, dazu beitragen möge, die Menschheit unserem gemeinsame,! arosten Stele näherzubringen, und dass die diesjährigen Tagung in Berlin eine Quelle des Segens für die Mensch > heit sein möge!" . .

Nach kurzen geschäftlichen Mitterlungen widmete ber Vorsitzende. Dr. Schücking. Während sich die Leo

sammelten von ihren Plätzen erhoben, den vexstorbenen Mitgliedern der Union einen Nachruf. Präsident Dr. Schücking eröffnete dann die

allgemeine polltische Aussprache.

Der erste Redner ist der Vorsitzende der Kommission für Wirtschafts- und Finanzfragen, Dr. T r e u b - Holland.

Er erklärte, bei einer Prüfung der Verhältnisie in den einzelnen Ländern müsse der außerordentlich traurige Zustand festgestellt werden, daß trotz aller Anstrengungen, trotz aller Be­schlüsse und der vielen Konferenzen die Zollsätze in die Höhe gegangen seien, statt herunterzugehen. Einige Lichtblicke seien freilich vorhanden. So sei vor allem der deutsch- französische Handelsvertrag zu nennen. Es ist für unsere Bestrebungen in der Interparlamentarischen Union ein hoffnungsvolles Zeichen, wenn die Völker, die sich vorher so schroff bekämpften, in so verständnisvoller Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete sich einigen konnten.

Die langsame Arbeit in Genf.

Dr. Munch, der ehemalige dänische Wehrminister, Vor^ sitzender der Interparlamentarischen Abrüstungskommisflon, bedauerte, daß die letzte Abrüstungskonferenz in Genf erheb­liche Fortschritte nicht gebracht habe. Bei allen Völkern sei eine starke Ungeduld über die langsame Arbeit in Genf zu be­merken. Dies müsse abgestellt werden, sonst bestehe die große Gefahr, daß die Autorität der Genfer Abrüstungskommission gemindert werde. Entscheidend sei vor allem die moralische Abrüstung der Völker, die endlich lebendige Wirklichkeit wer­den müsse. Es müßten in steigendem Maße Schiedsgerichts- imb Nichtangriffspakte abgeschlossen werden.

Deutschlands Abrüstung.

Der deutsche Reichsminister a. D. David führte u. a. aus: Deutschland hat abgerüstet, ihm war die Abrüstung aber nur auferlegt zu dem Zwecke einer nachfolgenden allgemeinen Abrüstung auch der Siegerstaaten. Darauf kann man gar nicht oft genug Hinweisen. Die Rüstung der ehemaligen Gegner bedeutet neben der Rheinlandbesetzung das schwerste Hindernis für die deutsch-französische Verständigung. Eine dauernde Verständigung zwischen Frankreich und Deutsch­land ist der Sällüsfel zur Befriedung Europas überhaupt. Das veutsche Volk will in seiner großen Mehrheit diese Ver­ständigung.

*

Empfang im Reichstag«

Vor Beginn der eigentlichen Tagung fand Mittwoch abend ein Empfang im Reichstag statt, zu dem die deutsche Gruppe die ausländischen Teilnehmer eingeladen hatte. Die inneren Räumlichkeiten des Reichstages waren festlich geschmückt. Zahlreiche Gruppen bildeten sich und man hörte Sprachen aller Länder erklingen. Die Teilnehmer der internationalen Vereinigung suchten sich dabei in loser Form so gut wie möglich zu verständigen. Tags­über hatte eine Reihe von Kommisfionssitzungen statt­gefunden.

Reichstagspräsident Löbe hielt eine kurze Be­grüßungsansprache, die ein Dolmetscher ins Französische übertrug. Die Reichsregierung war durch den Reichs­kanzler Müller, den Reichsernährungsminister D i e 1 - r i ch und den Reichsverkehrsminister v. Guerard ver­treten, außerdem sah man viele Angehörige der deutschen öffentlichen und diplomatischen Welt und charakteristische Köpfe aus allen Gegenden Europas. Der Abend, der wenige direkt politische Auseinandersetzungen brachte, ver­lief in bester Weise. Konzertdarbietungen bildeten den musikalischen Rahmen der Festlichkeit.

Proteste aus Italien, Serbien und Ägypten.

Neben dem kroatischen Einspruch aus Serbien, welcher die Vertreter Jugoslawiens als einseitige Abgesandte eines Rumpfparlaments ohne Auftrag der einen Teil des Landes bildenden und bekanntlich aus dem Abgeordnetenhaus ausge­zogenen Kroaten bezeichnet, stehen Proteste aus Ägypten und Italien.

Die ägyptischen bisherigen Abgeordneten beanspruchen das Recht, als Angehörige des ägyptischen Parlaments, das König Fuad auf drei Jahre mit unrechtmäßigem Gewaltstretch geschlossen habe, der Tagung beiwohnen zu dürfen.

Eine Reihe in Paris lebender ehemaliger italienischer Abgeordneter hat an den Vorsitzenden und die Mit­glieder der Konferenz der Interparlamentarischen Union ein Schreiben gerichtet, in dem sie sagen, daß die sogenannten italienischen Abgeordneten, die der Konferenz beiwohnen, nicht nur durch die Tatsache, daß sie aus der Wahltragikomödie von 1924 hervorgegangen sind, in keiner Weise als die Vertreter der italienischen Nation angesehen werden könnten, sondern, daß sie außerdem noch die augenscheinlichste und überdies auch voll eingestandene Verneinung irgendwelchen parlamentari­schen Systems seien. Der in Italien herrschende und allein ge­bietende Faschismus sei ein Hohn auf parlamentarische Ein­richtungen und eine Gefahr für jede Friedensarbeit.

Die kroatische Beschwerde abgelehnt.

Zu der Beschwerde der kroatischen Abgeordneten der In­terparlamentarischen Union wird mitgeteilt, daß das Exekutiv­komitee in dem Begehren der kroatischen Abgeordneten keinen Anlaß gesehen hat, gegen die anwesende serbisch-kroatisch-slo­wenische Abordnung irgendeinen Beschluß zu fassen.

«Stresemann geht nach Paris.

Aber keine Teilnahme an der Völkerbundtagung.

Reichsminister Dr. Stresemann ist am Donnerstag von seinen Ärzten Prof Hermann Zondek, Sanitâtsrat Gisevrus und Dr. Schulmann unter Hinzuziehung von Professor v. Krehl, Heidelberg, vor Wiederaufnahme ferner beruflichen Tätigkeit untersucht worden. Dia Untersuchung hat ergeben, dass der G e s u n d h e i t s z u . »ft} Ministers ,,, « »< di t b A « iV i,,. ft f a l I e ausgeschlossen wären. Die Ärzte haben daher dem Minister die geplante Teilnahme an den Verhandlungen in Genf widerraten. Mit der Reise nach