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S--1928
Fulda, Dienstag, 28. August
5. Jahrgang
Das Siegel unter dem Kellogg -Pakt.
* Alerzeichnungsakt in Paris,
kncasächtungsverlrag unterschriebe^ ältlich um ein Uhr hielten im Uhrensaal des Aus- X Amtes in Paris am Montag nachmittag unter be§ Außenministers Briand die Delegierten der Ä die zur Unterzeichnung des Kriegsachtungspaktes ihren Einzug. Der feierliche Akt nahm in der Mitglieder der französischen Regierung, s ^ Diplomatischen Korps und vieler geladener Kwentarier seinen Anfang. Der Unterzeichnungsakt sonders feierlich. Diener in Galauniform, mit der ÄcSarde in der Hand, führten die Diplomaten in den iinttt'cÄnungssaal; an der Spitze Staatssekretär Kellogg- Ä dann Lord Cushendun-England, Briand-Frank- L »r Stresemann-Deutschland, Hymans-Belgien, f Mi-Polen, Benesch-Tschechoslowakei, Mackenzie-King- R^wda sowie die übrigen Bevollmächtigten, also Cos- Jc Atlant), Graf Manzoni-Italien, Graf Uchida-Japan, LMtsr Marchlan-Australien und die Oberkommissare Lmiih-Ziidafrèka und Sir C. B. Parr-Neuseeland.
L Die Bevollmächtigten nahmen an der hufeisenförmig
. MÄten Tischreihe im Uhrensaal Platz, Briand als Mrs,Heilder in der Mitte. Zu seiner Rechten saßen die ■Wer Deutschlands, Belgiens, Italiens, Japans, MG und der Tschechoslowakei, zu seiner Linken die MM- >•>? Bdre'n'gten S^aOi, GrvW'itrnniens
MderenelisiLen Dominien, im ganzen vierzehn Bev oll- Mchliglc. die fünfzehn Mächte vertreten, da Lord Cushen- MilHhl England als auch Indien vertritt. I Brèands Begrüßung. k Rchdem die Teilnehmer Platz genommen hatten, er- IN her französische Außen nâistsr Briand zu einer Mrtzungèansprache, in der er anssührte:
U bin mir voll bewußt, daß eine Feierlichkeit wie kW durch Schweigen gewinnen würde. Ich möchte glititr, ohne viele Worte zu machen, jeden von Ihnen sich f mich im Namen seines Landes erheben sehen, um seine i Anschrift unter die bedeutendste aus dem Frieden ge* Worene Koliektivakte setzen zu sehen. Aber ich würde s FkMlreich gegenüber meiner Aufgabe mich schlecht ent- : teilen, wollte ich nicht sagen, wie geehrt es sich dadurch die Delegierten zwecks Unterzeichnung eines allgc- Mr« Paktes zur Ächtung des Krieges zu empfangen.
ich Sie willkommen heiße, beglückwünsche ich mich UMM die Staatsmänner zu sehen, die in ihrer Eigenschaft |H5 teennunißer persönlich an drr Schöpfung, Borberei- U ü^ ober Ausarbeitung des neuen Paktes trilqennmmen W°bm. Wir schulden besonderen Dank denen, die sich der Muqe einer langen Reise unterzogen, um an dieser Knud- E®ü .teilzunehmen. Ich zweifle nicht daran, daß bereit sind, sich mir im gleichen Gefühl der MWOÄ gegenüber demjenigen unsere - Kollegen au= B ^ ^r nicht zögerte, uns hier mit der vollen War? ^" Autorität seines Namens und desjenigen des E.1111 ihm vertretenen Landes die Versicherung 1 «„J’M an die Bedeutung des Paktes, den wir U<r^J^^erden, zu überbringen. Unter uns im gleichen kann der verehrte Herr Kellogg mit ge- I -u.^N^" Stolz den ganzen so durchlaufenden Weg K3S seitdem wir die Möglichkeit dieses gewaltigen MLÄ? ^5 Beginnens prüften. Kann der zivilisierten 1,^, ,s"E bessere Lehre geboten werden als dieses Schau- WAmg âr Zusammenkunft, an der durch die Uuterzeich- » ^""^ gegen den Krieg
aus freien Stücken und ohne Zöheru
Anstichen anderen Signataren, seinen früheren MEw â "^ nimmt? Gibt es noch eine schlagendere Jllu- ^!te^ "Uf diese Weise dem Vertreter Frankreichs WndnÄaö 8^^" wird, der zum erstenmal seit mehr als Ibhen V™» -^ einen deutschen Außenminister auf dem Bereite» , - empfängt, ihm den gleichen Empfang zu W"â", da dies ^nen ausländischen Kollegen? Ich füge
^rireter Deutschlands Stresemann
wÄ daß ich besonders glücklich bin, W"alsmann-â Geist und Mut des hervorragenden mre nickt »-.«Erkennung zu zollen, der während dreier UM Werk beb ^hat, sich unter seiner Verantwortung MWerhaltunn ^-«"»â'schen Zusammenarbeit für die Auf- I Briand ^^ Friedens Ä« verschreiben.
rasenden en^u?^ dann in warmen Worten des ab- |M er i^?bn Außenministers Chamberlain, Mächte, und âb .Wiederherstellung der Gesundheit es sich v. ^wute in seinen weiteren Ausführungen, des Srieapa^ ^^b von Paris nicht um eine Liquida- Mutracht sei ^â?5vdele, sondern daß er ein Vertrag der darauf aela<E?^b habe auch Herr Kellogg besonderen M?der Nähe des m?^-b Unterzeichnung dieses Paktes lhJ?°Smen werden e?^ der Eintracht in Paris vor- Vw^?°^iiltnis des^ ft' Der Minister kam sodann auf Pen ae^en unHtpffEes°f^ zunl Völkerbund W^?^°8g-Pakt eu» ??,^ fest, daß der Völkerbund in Lj^t er sich ,.^"^ weitgehende Rückversicherung habe, könn? ^freuen und aus dem er nur Nutzen ihrn»!^ verdien» ^"1?^^^ schloß mit der Wendung, Welt zu des Paktes sei es, Hoffnung in der Mll?ktäuscht Merde?^.^^b Hoffnung dürfe aber viel, nran ^„Die Proklamierung des Friedens I Sen durch die m?^ l^n aber organisieren. Die 015 Gewalt müssen durch die Lösung-'l
durch das Recht ersetzt werden. Dies werde das Werk von morgen sein v
Nunmehr forderte Briand die Bevollmächtigten auf, das diplomatische Instrument zu unterzeichnen, das außer dem Vertragstext iinb seiner Vorrede die zwischen Kellogg und Briand im Verlauf der Verhandlungen aewechselttzn Noten enthält.
Die Anierzeichnung.
Briand setzte sich und die Zeremonie der Unterzeich- nung begann. Auf der Glasplatte des dazu zur Verfügung gestellten Tisches lag das Dokument des Kriegsächtungspaktes. Golden blitzte der Federhalter, den der Bürgermeister von Le Havre dem Washingtoner Staatssekretär überreichte. Ein schmuckloses Tintenfaß dabei, das gleiche, das Vergennes im Jahre 1783 benutzte, um den ersten zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Amerika geschlossenen Vertrag zu unterzeichnen.
Stresemanns Ankunft in Parrs.
Als erster tritt Reichsautzenminister Dr. Stresemann nn den Tisch und setzt seine Unterschrift unter den Pakt. Ihm folgen Kellogg, der im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika zeichnet, Hymans, der Belgier, Briand, Lord Cushendun, der auch für Indien zeichnet, dann die Vertreter der britischen Dominions und die Bevollmächtigten der übrigen Staaten. Dr. Benesch schließt die Reihe. J
1 Eine halbe Stunde hat die feierliche Handlung gedauert. Dann ziehen sich die Delegierten in den geschmückten Garten des Außenministeriums zurück, wo ihnen Briand den Tee servieren läßt.
Bei poincare.
Montag vormittag begab sich Dr. Stresemann in Begleitung seines Dolmetschers Dr. Schmidt zu einem Besuch des Ministerpräsidenten Poincarö in das Finanzministerium, das einen Flügel des Louvre einnimmt, ^n dem Augenblick, als der Minister vor dem Louvre vorfuhr verließ der belgische Außenminister 5gymans das Gebäude, der gleichfalls Poincard einen Besuch ab- gestattet hatte. ?.
Die Unterredung zwischen Dr. Stresemann und Poincarè, die um 10.50 Uhr begann, dauerte 1/- Stunde. Die Unterhaltung fand im Empire-Salon des Ministe- Zums statt Es wohnten ihr der Dolmetscher des Reichs- außenministers und der Dolmetscher des französischen Auswärtigen Amtes bei. Vor dem Finanzmimstermm hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die Dr Stresemann bei seiner Ankunft und Abfahrt lebhaft ^^^Sowohl in französischen wie in deutschen Kreisen wird vorläufig strengstes Stillschweigen über den Verlauf der Unterredung beobachtet. Die Aussprache soll sich aber in erster Linie um die Frage der Rheinlandräumuug im Zusammenhang mit der interalliierten SchAldenregelung ^^H der Umgebung des französischen Ministerpräsidenten wird versichert, daß Poincars sich auf interessiertes o.^ren beschränkt und sich mit der Tatsache abgefunden Nat daß zum letzten Male „unverbindlich" über die Frage der'Rheinlande gesprochen wurde. Entscheidungen sind „irbi nefaßen. Aber ausgesprochen wurde, daß baldige Eickscheidungen unvermeidlich sind.
Plgangsstraßen zum Finanzministerium waren während der Ankunft und der Abfahrt Stresemanns von der Polizei bewacht.
Die Unterredung Stresemann— Poincarè.
wtb. Paris, 28. August. Ueber den Besuch des Reichsaußen- Ministers Dr. Stresemann beim Ministerpräsidenten am gestrigen Tage berichtet „Petit Parisien", es sei offenbar, daß im Laufe einer einstündigen Unterredung der deutsche Außenminister sich nicht darauf beschränkt habe, seine Befriedigung über seinen Aufenthalt in Paris zum Ausdruck zu bringen. Es sei sogar sehr wahrscheinlich, daß Dr. Stresemann die erste seltene Gelegenheit einer persönlichen Fühlungnahme mit dem französischen Ministerpräsidenten benutzend, in großen Zügen die Ansichten der deutschen Regierung über die noch zwischen Frankreich und Deutschland schwebenden Probleme sowie über die vorzeitige Rheinlandräumung, die eine interalliierte Frage sei, umrissen habe. Wir glauben zu wissen, so erklärt das Blatt, daß Poincarè mit lebhaftestem Interesse das Expose des deutschen Ministers angehört hat, aber die Unterredung ist wahrscheinlich abgeschlossen worden, ohne daß die beiden Staatsmänner die Grenze dessen überschritten hätten, was man als einen Ueberblick über die Lage bezeichnen kann.
Pertinax über die Unterredung Stresemann-Poincarè.
wtb. London, 28. Aug. Pertinax meldet dem „Daily Telegraph" aus Paris: Es verlautet, daß in der Unterredung Mischen Stresemann und Poincarè die Lage mit Bezug auf Frankreich und Deutschland durchgesprochen wurde. Es würde falsch sein, eine solche Unterredung als möglichen Ausgangspunkt für Verhandlungen zur Lösung der noch zwischen Frankreich und Deutschland ausstehenden Probleme anzusehen. Es bestehe Grund zur Annahme, daß auf beiden Seiten eine nicht bindende Haltung beobachtet wurde. Das deutsche Ersuchen um Räumung des Rheinlandes werde daher nicht ernstlich vorgebracht werden, bevor der Völkerbundsrat in Genf zusammentritt, und dann könne der Fortschritt dieses Ersuchens durch die Abwesenheit Stresemanns und Chamberlains behindert werden. „Eine sehr auzsallende Zurückhaltung, die wahrscheinlich der bemerkenswerteste Umstand der Patiser Zusammenkunft von Staatsmännern und Diplomaten sein werde, sei von Anfang an von Seiten Kelloggs an den Tag gelegt worden, der es stets klarmachte, daß er keine Frage von internationalem Interesse zu erörtern wünsche. Es werde berichtet, daß Lord Chusendun rasch diese Haltung angenommen und erklärt, er sei nach Paris gekommen, um den Pakt zu unterzeichnen und wolle sich mit keiner anderen Frage befassen.
Die Berliner Presse zur Unterzeichnung des Kellogg-Paktes.
Zu der Unterzeichnung des Antikriegspaktes in Paris bemerk! die „V 0 s s i s ch e Zeitung": Es ist der Sieg des Prinzips, das den Krieg zum internationalen Verbrechen stempelt. Der Fortschritt ist trotz aller Mängel und Lücken, die dem Vertrag heute noch anhaften, Epoche machend.
Das „Berliner Tageblatt" sagt: Nur wenn die Menschheit ideale Zustände anstrebt, kann sie erträgliche auf unserem Globus schaffen. Das neue, friedliebende Deutschland befindet sich auf dem richtigen Wege, wenn es dem humanen amerikanischen Vorschlag rückhaltslos zustimmt.
Der „Vorwärts" schreibt: Man kann sagen, daß der Kellogg-Pakt nur theoretische Friedensarbeit ist, aber seine Unterzeichnung durch Deutschland und Frankreich und die Bekundung der neuen Einstellung durch die beiden Außenminister ist ein Stück praktischre Friedensarbeit.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt: Briand unterstreicht besonders, daß die Besorgnisse, die die französische Politik gegenüber diesem Pakt hegte, durch die klare, eindeutige und definitive Interpretation Kelloggs ausgeräumt feien. Briand hat es verstanden, gleichzeitig das Friedenswerk zu kreisen und es doch in den allgemeinen Rahmen der französischen Politik einzuräumen.
Die „Deutsche Tageszeitung" erklärt: Worte statt Taten ist das Motto, das man auch über die große Rede Briands setzen muß.
Havas über die Bedeutung des Paktes.
Paris. Havas würdigt in einer Auslassung die Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes als ein Ereignis, das in der ganzen Welt als eine neue Etappe auf dem Wege des Friedens begrüßt werde. Der neue Vertrag, so wird ausgeführt, hebt in keiner Weise die positiven Friedens^ g a r a n t i e n auf, die bereits bestehen Er fügt ihnen vielmehr eine moralische Garantie für diejenigen Länder hinzu, die — wie Polen — in dem Abkommen von Locarno nicht alle Sicherheiten, die sie gewünscht hätten, gefunden hab-e*« Er bedeutet schließlich die Beteiligung der großen materielles und moralischen Macht der Vereinigten Staaren an dem Werke des Friedens, der Vereinigten Staaten, die sich nach dem Versailler Vertrag systematisch von den europäischen Angelegenheiten ferngehalten hatten. So wird zu gegebener Zeit ein weiteres Glied in die Kette der internationalen Abkommen gefügt, das das politische Statut der Welt aufrechterhalten und verstärken soll.
Die Türkei und der Kellogg-Pakt.
wtb. London, 28. Aug. „Times" berichtet aus Konstantinopel: Es ist zur Zeit noch nicht sicher, ob die Türkei dem Friedenspakt beitreten wird. Der Pakt wird warm begrüßt, aber die realistischen Türken erwarten nicht, daß er den Krieg verhindern wird. Der türkische Außenminister wird nach Prüfung des Paktes wahrscheinlich einige asiatische Mächte, besonders Persien, Afghanistan und auch die Sowjetunion zu Rate ziehen, bevor die Regierung sich über ihren Beitritt entscheidet.