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- s^mf feden Werktag. Bezugspreis: monat- Ä MiLiefemngsbehinderungen durch "Le Gewalten», Streiks, Aussperrungen, SU usw. erwachsen Sem Bezieher Feine Krücke. Verlag Friedrich Ehrenklau, Zulöa, £7» des Vereins Deutscher ^eltungsver- 5 voMeckkon : §rankft-rt a. M. Nr.^00-

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt Kedöftfon und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 §ernfprech-?kn-chluß Hr-989 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »Zuldaer slnzeiger^geftattet.

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7210-- 1928

Fulda, Donnerstag, 6. September

5. Jahrgang

Unterredung MüllerBriand

Arzögerungspolitik in Genf.

Seipels angebliches Vorgehen.

Wer der jetzigen Tagung des Völkerbundes in G e n f «ein besonderer Unstern zu stehen. Zwei der be- Männer der früheren Beratungen, Dr. S i e mann und Chamberlain, sind gesund- verhindert, zu erscheinen. Ob dieses Fehlen oder â Imponderabilien die Verzögerung verursachen, M M nicht übersehen, jedenfalls wollen die Angelegen- S Notz der Anwesenheit des deutschen Reichskanzlers Müller-Franken, der nun schon seit Sonntag in Genf will nicht recht in Fluß kommen. Am Dienstag gab es J einen förmlichen Rednerstreik. Ganz gleichgültig, d das Persagen nun absichtlich oder unabsichtlich war, itafaO meldete sich kein einziger Sprecher nach der Er- Unilna der Sitzung, in der die allgemeine Debatte über c. Tätigtest des Völkerbundes beginnen sollte. Dem- Mènüber will es nicht viel besagen, daß Mittwoch der Me Gesandte der chinesischen Nationalregierung in Aüsiel die nunmehr begonnene Auseinandersetzung mit Cjnem uneingeschränkten Lob der bisherigen Völkerbund- Ml begann.

, Andauernd konzentriert sich das Interesse der Dele- gjeiten auf die für Mittwoch abend angesagte Unter- Mug zwischen dem französischen Außenminister Briand Ad dem deutschen Reichskanzler Hermann Müller. Diese Mredmg soll endlich den Anstoß geben, um zu den Mgeu und großen Problemen, deren Lösung man in faj erwartet, vorzudringen. Die Besprechung Briand- MM bedeutet nach allgemeiner Auffassung nur den Allsich zu einer baldigen Zusammenkunft zwischen dem englische» Vertreter Lord Cushendun, Briand, dem bel- Mn Minister Hymans und dem deutschen Reichs- kanzler. Diese engere Konferenz könnte wohl nicht mehr zögern, die Räumung des Rheinlandes anzu- schneiden! denn hier liegt der Kern aller Entscheidungen, Wz gleich, ob Frankreich bei seiner bisherigen Hin- Wnngspolitik verharrt oder nicht.

hier müßte Farbe bekannt, hier muß Klarheit ge- schaffen werden, ob die Rheinlandräumung, von der Deutschland nicht ablassen wird, wieder mit der Regelung der Kriegsschulden verquickt und mit neuen französischen Forderungen belastet wird.

Demgegenüber erscheint es nebensächlich, wenn man sch ausführlich mit der Wiederwählbarkeit Spaniens m den Pölkerbundrat stundenlang befaßt oder auch die Erledigung des polnisch - litauischen Streit- ^llesnoch für diese Woche verspricht. Man sagt zwar, «md habe sich bereits Dienstag mit dem belgischen Mier des Äußern über das 'Rheinland unterhalten, Mr es ist nicht vorauszusetzen, daß dabei wesentliche Wanderungen in der bisherigen Haltung der West- ; zutage getreten sind. Die nächsten Tage müssen ^."Ausschluß geben, ob Frankreich nun ernstlich 3 W die von Deutschland dargebotene Hand zu er« damit eine Tür zu öffnen, d^ ch welche die so l verkündete neue Zeit des FZedèns und der I tQHfl Wn Erstarkung Europas endlich hereintreten

Die Behandlung der Minderheiten.

fortgesetzten Beratung des Völkerbundes am verbreitete sich der holländische Außenminister ' bundkS^^ssLängerer Rede über die Methoden des Völker- »to S ^Behandlung der Minderheiten. Belaerts vi» â" ®d)u$ der Minderheiten durch den Völkerbund sei I für die Erhaltung des europäischen I leiten zweifellos vorhandenen großen Schwierig- I Stan,,. /üblich beseitigt werden. Der Gedanke der 1 MtV m")^ ständigen Minderheitenausschusses sei ver- I ^rts sagte, er habe nicht die Absicht, der Doll- letzt einen dahingehenden Vorschlag zu um enbi  m ssdvch dringend darum, die Idee zu vrüfen, > h erbten Werterkommen zu ermöglichen. Der Hollän- ; !-«e erk-n»." n Beifall aus der Versammlung und man itfige SeriiÄ ba^ es kaum noch angängig erscheint, die ^erzogerungspolilik weiter zu treiben.

Der..^Erschleppung der Abrüstung.

I senden Ä - Außenminister Unden kritisierte den jungen Wein-»» Abrüstungsverhandlungen. Die Rc- "t SocarnoÄ trotz Versailler Vertrag, Völkerbund- Äsungen m ewm^ ihre Abrüstungs- I Äeiter un^ Das Wettrüsten gehe unvermm- N des W-uE?"^ ungünstigsten Aussichten für die Er- t der Welt in>7.^â ^ckon werde die öffentliche Mei« A . ^' b° sie keine Fortschritte erkennen M ^ik??^"tag fanden lediglich Ausschußsitzungen statt. 0)1 genommen, ^ Versammlung ist für Donnerstag in Aus- b Angeblich^ Anschluß Oesterreichs.

Utttcrrehnnnö.^^ Bundeskanzler Seipel in ßVUr Unterdrückn»»"^ Briand diesen um Hilfe gebeten ^wsÄck- '-Rrinnh ^ wachsenden Anschlußbewegung ' Dstcrrcick«"»? ^" Meinung ausgesprochen, daß I ^Wb" würde. "" Deutschland Selbstmord für das sewe Meinnnn Jc^' 06 der Bundeskanzler Seipel ^'tin,^ großen und von den Volks- ^ÄUdanken in dies-^Ein Österreich getragenen H die in '^daß Scivel im » esse präzisiert hat. Ebenso ob Wen ÄxIrankreich »»A è?.W der Besprechungen versucht i ^tretet '^ z? Ä^ Testen des Anschlusses ge- Wts >. ÄSesagt hat äiM ^"streuen und dem italienischen wdas Wirken des italienischen Rogi- l " osterrKken Gegensatz ,» ^ugreifen. Seipel würde sich I Zungen Su^ tote in DeuUrm ^^" meisten Parteien sowohl L °vs ieinein ^Nanb setzen und weitere Folge- - "Afiaen Jonnten nicht ausbleiben. _j

Müuchemr FachÜange.

Hindenburg wieder in Berlin.

Mittwoch vormittag ist Reichspräsident von Hinden- bürg aus München wieder in Berlin mit dem fahrplan­mäßigen Zuge eingetrofsen. Der feierliche Tag in München fand feinen Abschluß mit der Uraufführung eines Fest­spieles von Dr. Max HalbeMeister Jörg Michel und seine Gesellen". Nach dem Festabend begab sich Reichs- Präsident von Hindenburg zum Hauptbahnhof. Minister­präsident Dr. Held und Innenminister Stützel, der Ver­

treter der Reichsregierung in München, Gesandter Hanin von Haimhausen und der bayerische Gesandte in Berlin Dr. von Preger sowie Exzellenz Oskar von Miller hatten dem Reichspräsidenten das Geleit zum Bahnhof gegeben.

Unser Bild zeigt eine Episode von der Grundstein­legung zum Studiengebäude am Deutschen Museum, den Einzug der Brauerzunft, die mit anderen Gewerken die Grundsteine zum Orte ihrer Bestimmung brachten. Hindenburg der bis zum Mittag bei der Grundsteinlegung anwesend mar und nachmittags eine Rede aus dem Fest­bankett hielt, fand zwischendurch noch Zeit, um im Palais des bayerischen Ministerpräsidenten die beiden Münchener Olympiasieger Joseph Straßberger und Heinz W 0 l p e r t zu begrüßen. Er beglückwünschte sie zu ihrem schönen Erfolg in Amsterdam und erkundigte sich über die erzielten Leistungen und über den Eindruck, den die deut­schen Sportleute bei den Olympischen Spielen hinterlassen haben. Mit den Worten:Wir sehen uns ja wieder in Berlin beim Empfang aller deutschen Olympiasieger", ver­abschiedete sich Hindenburg von den Olympiasiegern. /

Der Tod über Korea.

Taifun und l"l b e r s ch w e m m u n g.

Der Taifun, der besonders die Gegend von Kyushiu heimsuchte, hat beträchtlichen Schaden angerichtct. Glück­licherweise ist jedoch die Zahl der getöteten Personen im Verhältnis zu dem von dem Sturm betroffenen Gebiete gering, doch schätzt man sie nach dem amtlichen Bericht aus über 500. .

^ie Überschwemmungen durch den Tumenfluß in Nordkorea haben nach Schätzungen des dortigen Gouver­neur« ungefähr 900 Personen das Leben gekostet. Auch der Sachschaden soll ungeheuer groß sein.

Schluß der Prager Kirchenkonferenz.

Die Prager internationale Kirchentagung hat am Mitt­woch" bem letzten Verhandlungstage, den Haushaltsplan für das nächste Jahr angenommen. Dieser sieht insbesondere einen weiteren Ausbau des sozialwissenschaftlichen Forschungs­instituts in Genf vor. Die Wege, wie die sozialcthischcn Be­strebungen der S t o ck h o l m e r W e l t t i r ch e n t a g » n g in einzelnen Ländern unterstützt werden können, wurden etn- ac end erörtert. Der SÄulbüchcrausschutz legte eine Denk­schrift über den Nationalismus in den Geschichtsbüchern vor. D e Denkschrift, an der 17 Fachleute aus ebensovielen europäi- schen^änderu initgcarbeitet haben, behandelt Fragen, wie weit >> den einzelnen Ländern noch Geschichtsbücher im Gebrauch sind, die der gegenseitigen Verhetzung der Völker Vorschub lei stelln fccn oreifcn Erzbischof von Canlerburv wurde ein Be- ariikiunastclegramm gesandt, in dem ihm für seine große Förderung der internationalen kirchlichen Bestrebungen der Dank der Kirche ausgesprochen wurde. Zur Anbahnung eines internationalen christlichen Nachrichtendienstes ist die Schaffung von wer Zentralstellen für die christliche Pressearbeit beschlossen worben.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Für Mittwoch abend war in Genf eine Unterredung zwischen dem deutschen Reichskanzler Müller und dem fran- zössichen Außenminister Briand vorgesehen, von der man end­lich die Inangriffnahme der wichtigen schwebenden Fragen er­wartete.

* Reichspräsident von Hindenburg ist von den Feierli hkeiten der Münchener Grundsteinlegung am Deutschen Museum wieder nach Berlin zurückgekehrt und hat damit seine dies­jährige sommerliche Urlaubsreise beendet.

* In Magdeburg begann der sogenannte Kleine Katholiken- tag. Die großen Versammlungen finden bekanntlich nach dem vorjährigen Beschluß nur alle zwei Jahre statt.

* Ein Wirbelsturm mit großen Überschwemmungen in Korea richtete ungeheuren Schaden an und forderte 1500 Todesopfer.

Deutschlands Handelspolitik.

Vor einigen Tagen wurde in Pretoria ein Handels­vertrag zwischen Deutschland und der Südafrikanischen Union unterzeichnet. Über den Inhalt läßt sich noch nicht viel sagen. In dieser Beziehung wird man sich wohl ge­dulden müssen, bis die deutschen Unterhändler aus Pre­toria nach Berlin zurückgekehrt sind, was etwa in einem Monat der Fall sein dürfte. Dieser Vertrag ist eine Folge des Handelsvertrages, den wir seinerzeit mit Eng­land abgeschlossen haben, der aber für die englischen Be­sitzungen und Dominions nur bedingte Gültigkeit hat. Einzelne Teile des englischen Imperiums wachen eifrig darüber, daß keines ihrer Hoheitsrechte angetastei wird, wozu auch das Recht gehört, eigene Handelsverträge ab­zuschließen. Ähnliches gilt auch für die Vertretung beim Völkerbund, wo ein großer Teil der englischen Dominions eigene Vertreter hat.

Zu den Teilen des Englischen Reiches, die besonders in letzter Zeit große Selbständigkeitsneigungen gezeigt haben, gehört die Südafrikanische Union. Wie verlautet, hält sich der mit Südafrika abgeschlossene Handelsvertrag im Rahmen des mit England getätigten. Bei der eigen­artigen Stellung Südafrikas ist aber anzunehmen, daß hier doch wesentliche Abweichungen gemacht worden sind. Der neue Vertrag ist für Deutschland insofern von beson­derem Interesse, als zur Südafrikanischen Union auch unser früheres Südwestafrika gehört, mit dem wir auf diese Weise nun endlich wieder in geregelte Handelsbeziehungen kommen. In dieser unserer früheren Kolonie ist das deutsche Element tonangebend, und es ist deshalb anzunehmen, daß sich gerade mit diesem Teil Südafrikas sehr rege Handelsbeziehungen entwickeln werden. . ,

Bei dieser Gelegenheit ist es interessant, einen Birck auf unsere ganze Handelsvertragspolitik zu tun. Wir sehen dabei das Bestreben, Verträge mit Meistbegünstr- gung dort wieder abzuschließen, wo wir sie verloren hatten. Durch den Versailler Vertrag hatten wir für eine Reihe von Jahren unsere Freiheit auf dem Gebiete der Handelsverträge aufgeben müssen. Eines der ersten Länder, die nach Wiedererlangung unserer SSanh-T^r-'t» heit mit uns in ein geregeltes Verhältnis kamen, war England. Dort hatte man bald gemerkt, wie wichtig es war, die Fäden mit dem ehemals so mächtigen Gegner Deutschland wieder anzuknüpfen. Mit England ist man denn auch verhältnismäßig schnell handelseinig ge­worden. Das gleiche konnte man bei den Verhandlungen mit Frankreich nicht sagen. Hier stellten sich zuerst an­scheinend unüberwindliche Hindernisse in den Weg, zumal Frankreich den Begriff der Meistbegünstigung so gut wie gar nicht kennt. Wenn wir hier endlich zum Ziel ge­kommen sind, so hat daran ein großes Verdienst der soeben auf so tragische Weise ums Leben gekommene französische Handelsminister Bokanowski. Die Ver- Handlungen hatten aber auch für Frankreich insofern etwas Gutes, als man dort die Notwendigkeit emsah, den ganzen Zolltarif modernisieren zu müssen. was in kurzer Zeit geschehen soll. Um den Schwierigkeiten bei Abschluß des Vertrages mit Deutschland aus dem Wege zu gehen, hatte man seinerzeit einen provisorischen Zoll­tarif geschaffen.

Ein besonderes Kapitel auf dem Gebiete der Handels­politik bilden die östlichen Staaten Europas. Mit Rußland haben wir seit langem einen Wirtschaftsvertrag. Wenn es jetzt heißt, daß demnächst neue Verhandlungen zwischen Deutschland und Rußland beginnen sollen, dann bedeutet das, daß man die Rahmenbestimmungen des alten Vertrages ausfüllen und den veränderten jetzigen Verhältnissen anpassen will. Man hätte schon längst damit angefangen, aber das merkwürdige Verhalten der Russen gegenüber den deutschen Ingenieuren hatte einen Schatten auf die gegenseitigen Beziehungen geworfen, der erst durch das Einlenken der russischen Regierung be­seitigt wurde.

Der estnische Außenminister hat Deutschland ein- geladen, die Handelsvertragsverhandlungen beginnen zu lassen. Auch Estland gegenüber haben wir manche Be­schwerden, die erst behoben werden müßten, so in der Entschädigung der geschädigten Deutschen durch die est­nische Agrarreform. Wenn die Verhandlungen mit Est­land beginnen, dann ist wohl anzunehmen, daß dabei diese Streitfrage endgültig bereinigt wird. Die Ver­handlungen mit Polen stehen immer noch auf dem toten Punkte. Polen zeigt sich Deutschland gegenüber voll­ständig unnachgiebig. Es glaubt, hier einen gewissen Machtstandpunkt einnehmen zu können. Die Annahme Polens, in der oberschlesischen Kohle ein Druckmittel gegenüber Deutschland in der Hand zu haben, hat sich als ein Irrtum erwiesen, und hier liegt der Ausgangspunkt der Schwierigkeiten bei den Handelsvertragsverhand­lungen, außerdem die Lieblosigkeiten Pylens gegenüber den Deutschen im eigenen Lande,