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Zul-aer /lnzeiger

AM^A^^ Tageblatt für Rhön un» Vogelsberg

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1928

Fulda, Freitag, 7. September

5. Jahrgang

Kleine Zeitung für eilige Leser

dem französischen Außenminister Briand und " D icken Reichskanzler Müller fand die erste Konferenz ^? Lösung der Rheinlandsragen statt, der weitere folgen

her öffentlichen Sitzung des Völkerbundes erhob d-/ 1 ''"â, Minister Mowinckel scharfe Anklagen über die auch EM L^er wieder erkennbaren militärischen Tendenzen, der Friedensarbeit entgegenwirkten.

j P-icksbrSsident von Hindenburg ist zu einem achttägigen wV'H^ Pxsuch seines Gutes Reudeck nach Ostpreußen

\L Neichsstädtebund, die Spitzenorganisation der deutschen âund Mittelstädte, ist in Heidelberg zu seiner Jahres- znsnmmengetreten. __

Eine harte Nuß.

^cr kleine mittelamerikanische Staat Kostarika td, dem Völkerbund eine harte Nuß zum Knacken auf- «bm Kostarika hatte seinerzeit dem Völkerbund den «n gelehrt und macht nun seinen Wiedereintritt davon ^^M daß der Völkerbund erst vorher seine Stellung Momocdoktrin klärt. Der Völkerbundrat hat sich zu- M mit der Angelegenheit befaßt. Nach Art des bei» fischen Orakels ist schließlich der Tert eines Beschlusses Mnde gekommen, aus dem man alles oder nichts her» kleien kann. Es scheint so, als ob der Völkerbund sich W M nicht mit dieser Sache weiter beschäftigen wird, such Kostarika anscheinend mit der vom Rat getroffenen Mmlösung zufrieden ist. Es kann aus diesem Be- herauslesen, daß die Monroedoktrin keine Bindung s liiTein a"*S """^ ^* ^'^ ^"reinigten Staaten, die die ! Wn dieser Doktr-n sind hat.

' KFrage der Monroedoktrin bat nicht nur jetzt, son- I dm schon immer eine große Rolle gespielt. Die Per- miM Staaten haben verschiedentlich versucht, ihr eine nlssicme ine Geltung zu verschaffen. So haben die te Mamerikanischen Kongresse, besonders der in i'«a, sich lang und breit mit ihr beschäftigt. Als die mW 11116 besonders die südamerikanischen Staaten noch iW waren, da ließen sie sick stillschweigend den Schutz der Areinigten Staaten gefallen. Als sie aber immer Mbr erstarkten und die Vereinigten Staaten immer im» »erhiillter die Absicht zutage treten ließen, auf Grund der Renroedoktrien für sich die V 0 r m a ch t st e l l u n g in 1» Amerika zu schaffen, da wuchs natürlich der . Wider­stand gegen die nordamerikanischen Aspirationen.

Ach den Grundsätzen der Monroedoktrin hat in Anikanische Verhältnisse kein fremder Staat hineinzu- Äèn. Die Vereinigten Staaten haben bisher eifersüchtig «über gewacht. daß von europäischer Seite kein Eingriff [n einem amerikanischen Land erfolgte. Als Deutschland merzest ein Kriegsschiff nach Karakas schicken mußte, um °ch die deutschen Interessen wahrzunehmen, da hat es ^ langer Verhandlungen mit Washington bedurft. Eich war es bei Zwischenfällen mit Haiti. Logischer­em schloß die Monroedoktrin aber auch in sich. daß die Elmgtey Staaten sich nicht in die Angelegenheiten nicht- "«riianischer Staaten einmischen durften. Diese Folge- A haben selbst amerikanische Blätte" gezogen. Der Ed,weshalb die Vereinigten Staaten n' .jt dem Völker- Miraten, war ja hauptsächlich der. weil große i des amerikanischen Volkes befürchteten, daß ihr sonnt' di? europäischen Verwicklungen einbezogen muß aber festgestellt werden, daß die konse- c Durchführung des Gedanken der Monroedoktrin

5 Vereinigten Staaten nur dann befolgt wurde, ihrem Interesse lag. So hätten sie seinerzeit k h, mit Spanien, den man zur Verschleierung

^" Tatsachen einen Kamvf um die Freiheit Ä ann^"^' darauf verzickten müssen, die Philippinen teVVr Angeblich wollte man diese Inseln nur Uni ^t.e.U' bis den Eingeborenen die Freiheit ge» Pine» n!" ?.^unte. Aber alle Bestrebungen der Philip- ulaiiaen schnell die Unabhängigkeit wiederzu- Mrbriim Uwr=n schleunigst, vielfach sogar mit Gewalt, Wfhnkv- . e,nen anderen groben Verstoß gegen die der $Li;Lin lann man letzten Endes auch den Eintritt SihVn blauten in den Weltkrieg bezeichnen. Jieng , ^^âter des Völkerbundgedankens, wenig- iiitegrie* "! £ Versailles dahin, daß der Völkerbund ein èsironw^- estandteil der Friedensverträge wurde, ^nb schlicLu^ ^lcksals wollte es nun, daß gerade das ^upt dies? Völkerbünde fernblieb, dessen Ober­maaten bnlÄ"^on empfohlen hat. Die Vereinigten Verhältnissen r" uch uur scheinbar von europäischen 'üstdertfack ®enn trotz der Monroedoktrin sind sie eit haben sw Weltpolitik verflochten. In Wirklich- ^8st aufaeaok,»» Zündsätze der Monroedoktrin schon unbèciuenMn holen sie nur da hervor, wo sie fallen. Wie wn?^Ä^^bung aus dem Wege gehen Saaten verknüv» Vereinigten Staaten doch mit allen Reiten Schnlw!» öeigt schon die Frage der inter - Ar doch ei®n u Ob Amerika will oder nicht, es muß Md doch di^.- M^"" allgemeinen Regelung zustimmen.

die Monroedokt' ^ ^^bßtenteils durch einen Verstoß

-s .^s^/kr Sowjetunion zum Kellogg-Patt.

$otf^fter Litwinow übergab dem statt-

A» ^r den Beitritt ^^"e den von Litwinow unterzeichneten daß e^üÄ svr^ 8" den. Kellogg-Pakt, biü juJ^farenieri «I^1 Lltwtnow die Überzeugung aus, Wittert? P«lt aufnes»?^? genaues Verzeichnis der zum Bci- di Zun» über Ken d"ten Lander und des weiteren eine UW^ ReLng?n"erUnt.u"b die Ratifizierung durch ° ««gen erhalten werde.

Der deutsche Vorstoß in Genf.

Erste Konferenz Mller-Vriand.

Um die Rheinlandräumung.

Die Zusammenkunft zwischen dem deutschen Reichs- 'knuzler Müller und dem französischen Außenminister- Briand am Mittwoch abend hatte eine Dauer von ein­einhalb Stunden und endete erst gegen J/9 Uhr. Der Reichskanzler unterrichtete die deutsche Delegation nach feiner Rückkehr in das HotelMetropol", wo die Deutschen Wohnung genommen haben. Über ben Inhalt der Unter­redung MüllerBriand wurde leine offizielle Veröffent­lichung ausgegeben. Dagegen gab die deutsche Delegation

Hotel Metropo', der Wohnsitz der Deutschen in Genf.

folgendes bekannt:Zwischen dem Reichskanzler Müller und dem französischen Ausrenminister fand Mittwoch die in Aussicht genommene Nuterredung statt, deren Gegen­stand die Frankreich und Deittschland betreffenden Pro­bleme lRheinlandräumuna) bildeten. Die Besprechung hatte der Natur der Sache nach einen Dorbereitenbcit Charakter. Es besteht beiderseits der Wi'nsch, daß weitere Besprechungen mit den Besatzungsmächten in Genf folgen."

1 Alsbald nach der Unterredung folgte Reichskanzler Müller einer Einladung des Generalsekretärs des Völkerbundes zu einem offiziellen Diner, während Außen­minister B r i a n d einen Empfang für die französische Presse veranstaltete. Auch bei diesem Empfang wurde betont, es habe sich um keinerlei offizielle Verhandlungen

Gemeinden und Berwaltungsreform.

Tagung des Reichsstädtebundes.

Eine Entschließung zur Frage der Selbstverwaltung.

Der Reichâstädtebund, die Spitzenorganisation der deutschen Klein- und Mittelstädte, trat in Heidelberg zu seiner Jahrestagung, zu der mehr als 2000 Delegierte und Gäste erschienen sind, zusammen. Eine Reihe wichtiger kommunaler Probleme, wie die Fragen der Verfassungs- and Verwaltungsreform, der Steuervereinheitlichung und des Finanzausgleichs, steht zur Erörterung.

Als Auftakt zur Plenarversammlung tagte Mrttwoch der Gesamtvorstand des Reichsstädtebundes, der sich mit allgemeinen Fragen der Verwaltungsreform befaßte. Der aeschäftsführendè Vorstand legte am Grabe des Rerchs- präsidenten Ebert einen Kranz nieder. Am Donnerstag vormittag begann dann unter der Teilnahme vov

rund 1500 Städtevertretungen

die Mitgliedervollversammlung, die vom Bundespräsiden­ten, Oberbürgermeister Dr. B e l i a n , eröffnet wurde. Er erklärte, daß die Heidelberger Versammlung zum Notschrei an alle Volksgenossen werden müsse: alle sollten wissen, daß die kleinen und mittleren Städte weiterleben und arbeiten -Ivollen in ihren Selbstverwaltungen, für ihre Bürgerschaf­ten unb für die große deutsche Volksgemeinschaft. Dr. Belian forderte dann einen gerechten Finanzaus- gleich, der auch den Wünschen der kleinen und mittleren Städte gerecht werde. An den Reichspräsidenten und an 'ben Reichskanzler sandte die Versammlung ehrerbietige Grüße. Der Vorsitzende teilte dann mit, daß bie zu der Tagung geladenen Minister ihre Teilnahme ab­gesagt hätten. Reichsiunenminister Severing habe mitgeteilt, daß er als zuständiger Minister über seine Ver­waltungsreformpläne vor dem Zusammentreten der Länderkonferenz nicht sprechen könne. Darauf ergriff

Reichsminister a. D. Dr. Külz

als Berichterstatter das Wort zu dem Verhandlungs­themaDie Ziele der Verfassungs- und Perwaltungs- resorm in Reich, Ländern, Gemeindeverbänden und Ge­meinden". Er führte aus, daß im neuen Deutschen Reich kein Raum mehr sei für Länder, deren Eigenstaatlichkeit nur beruhe auf dynastischer Tradition und nicht auf staat­licher Lebenskraft. Den Selbstverwaltungskörpern fei in bem Gesamlorganismus des deutschen Volkes wieder der richtige Platz anzuweisen. Großstädte, Mittel- und Klein­städte und Ländergemeinden erfüllten innerhalb des Ge­samtorganismus des deutschen Gemeinschaftslebens Auf- aaben zwar von verschiedener Art, aber doch von gleich wesentlichem Wert, deswegen vertrage das Gesamtwohl

gedreht; nur ein Gespräch sei geführt worden. Allerdings bestehe auf beiden Seiten der Wunsch, daß die Beziehungen zwischen den beiden Ländern immer mehr gefestigt würden. Die gesamte Frage sei ein Ganzes und müsse erst mit den vier anderen daran beteiligten Mächten erörtert werden. Briand wolle alsbald dem deutschen Reichskanzler einen Gegenbesuch machen.

Wie man vermutet, werden die durch das Vorgehen des Reichskanzlers eingeleiteten Besprechungen über die Rheinlandräumung in der Weise fortgesetzt werden, daß zunächst eine Fühlungnahme zwischen den Vertretern der Besatzungsmächte, Briand, Lord Cushendun, Scialoja und Hymans stattfindet. Dann würde die deutsche Delegation zu einer gemeinsamen Aussprache mit den vier Ministern der Besatzungsmächte eingeladen. Diese Konferenz wäre aber kaum vor Ende der Woche zu erwarten. Die in einem Blatte, das der französischen Delegation nahe stehen soll, behauptete Möglichkeit, Deutschland werde nunmehr eine Note über seinen Standpunkt mit bestimmten Vorschlägen überreichen, wird von deutscher Seite entschieden bestritten. Sie komme nicht in Frage, da es sich um einen reinen Rechtsanspruch Deutschlands handele, für den alle Voraussetzungen erfüllt feien.

*

Norwegens Unzufriedenheit.

In der öffentlichen Donnerstagsitzung der Völker­bundversammlung sprach in einer längeren Rede der norwegische Ministerpräsident Mowinckel seine leb­hafte Unzufriedenheit mit der Tätigkeit des Rates aus. Er geißelte den Mangel an Unparteilichkeit und verlangte an Stelle der vielen provisorischen Lösungen mehr defini­tive Arbeit. Auch bei den Beamten des Völkerbundrates dürfen sich keinerlei nationale noch private Jntereffen vor­drängen. Mowinckel erhob die schärfsten Anklagen gegen die militärischen Tendenzen.

In der Atmosphäre der Flugzeuge, Unterseeboote und der modernen Kriegsmittel könne der Friede nicht ge­deihen. Jeden Augenblick drohe die Gefahr, daß die Vernichtungsmittel verheerend über die Menschheit herein­brechen könnten. Mowinckel forderte, daß man sich überall in der Welt zu dem Grundsatz bekenne, der auf der Goldfüllfeder stehe, die man Kellogg in Frankreich verehrt habe: Wollt Ihr den Frieden, bereitet den Frieden vor.

Der belgische Außenminister Hymans war mehr optimistischer Meinung als sein Vorredner und wies auf die Fortschritte hin, die bisher schon erzielt worden seien. Nachmittags trat der Völkerbundrat zu Beratungen über den Stand des polnisch-litauischen Konflikts zusammen, Die nächste Sitzung beginnt Freitag.

keine einseitige Bevorzugung einer dieser Gattungen. Am Ende aller Tätigkeit auf dem Gebiete der Reichsreform und der Verfasiungsreform müsse das Bestreben stehen: alle Arbeit muß erfüllt sein von dem Bestreben, b:e nationale Einheit und Geschlossenheit zu festigen und die Verantwortlichkeit des einzelnen Volksgenossen in Reich, Ländern, Bezirken und Gemeinden zu stärken.

Als Mitberichterstatter sprach Oberbürgermeister Renner-Rastatt. Er betonte, daß Verfassungs- und Verwaltungsreform zwar sachlich eng verbunden seien, jedoch nicht begrifflich, so daß die Durchführung der Ver­waltungsreform auch ohne gleichzeitige Durchführung der Verfassungsreform möglich fei. Zur Frage der Verwal­tungsreform liegt

; eine Entschließung des Vorstandes

vor, in der u. a. erklärt wird, daß sich die Bevölkerung der kleinen und mittleren Städte stets als ein gewich­tiger Teil der deutschen Volkskraft erwiesen habe. Als Kulturmittelpunkt für ihre nähere Umgebung und als Träger des Heimatgefühls für die engere Heimat bil­deten die kleinen und mittleren Städte ein unentbehrliches Bindeglied zwischen dem platten Lande und den Groß­städten. Voraussetzung für eine ersprießliche TStigr'cit fei aber, daß man ihnen die Arbettsmöglichkeit nicht ein­schränke ober gar entziehe. Die zwangsweise Beseitigung lebensfähiger kleiner und mittlerer Städte durch über­triebene Großstadtbildung müsse abgelehnt werden, ebenso die Einengung von Selbstverwaltungsrechten.

Ausplünderung deutscher Soldatengrüber in Frankreich.

Der Deutsche ReichskrieqerbundKyffhäuser- teilt mit: Es ist festgestellt morde« daß besonders am Douaumont Touristen über das Schlachtfeld schlendern, um Gebeine und Totenschädel auszubnddeln und als Andenken mitzunehmen. Ein argentinisches Reisebureau soll sich nach holländischen und amerikanischen Zeitungsmeldungen dieseKonjunktur" sogar dadurch zunutze gemacht haben, daß es die Teilnehmer ihrer Touren mit Spaten ausrüstet Da man annehmen kann. ba^ die französischen Lokalbehörden die Ausplünderung französi­scher Soldatengräber zu hindern wissen werden, kann es sich nur um Überbleibsel deutscher Gefallener Handeln

Der Kufshäuserbund hat das Auswärtige Amt dringend ersucht, daraus hinzuwirken, daß diesem schändlichen, pietät­losen Treiben, das die heiligsten Gefühle der Kriegsteilnehincr und Kriegshinterbliebenen auf das tiefste verletzen muß Ein- I ball geboten wird und daß insbesondere auch die französischen I Lokalbehörden die deutschen Grüber ebenso schützen wie die Gräber der Alliierten."