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Zulöaer Anzeiger

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M. 2181928

Fulda, Samstag, 15. September

5. Jahrgang

ZeuWand will die Gesamiräumung

KsOMe Schachzuge in Senf.

Neue Vorschläge.

Am Sonntag soll nun endlich, soweit man dem Hin- Md hergehenden Meinungsaustausch über die Genfer ^Handlungen glauben darf, der große Schlag fallen, der âen Weg bahnt zur Räumung des Rhein- Kindes. Nach Indiskretionen in der französischen reffe sei am Donnerstag bei der Mächtebesprechung der Ming und für Vergleich" erörtert worden. DieFest- âng und für Vergleich" erörtert worden. DieseFest- s!ellungs"kommission soll etwaige Klagen der Unterzeichner dc-z Versailler Vertrages über Vorgänge in einer entmili- frisierten Rheinlandzone oder in deren Nachbarschaft prüfen. Diese Kommission würde internationalen Charakter bekommen und auch deutsche gleichberechtigte Mitglieder umfassen. DieVergleichs"kommission soll als Llichverständigenausschuß für die endgültige Regelung der üiexaratiousfrage funktionieren. Reichskanzler Müller Hütte, wenigstens nach den Behauptungen der französischen Md auch einiger schweizerischer Blätter, sich diesen An- lkgimgeu gegenüber nicht ganz ablehnend verhalten.

Ob das richtig ist, bleibt solange äußerst fraglich, als eine einwandfreie deutsche Äußerung nicht vorliegt. Nach Ansicht Berliner politischer Kreise handelt es sich lediglich -»nächst um französische Forderungen, zu taten die deutsche Vertretung noch keine Stellung genom- m habe und die im besten Falle erst am Sonntag zur »Heren Erläuterung kommen könnten. Vorläufig sehe « nicht, welche Folgerungen aus diesen Vorschlägen R Einsetzung von Kommissionen herauswachsen könnten. Witz könne man an einen Ausbau des Locarno- und Mheinlandpaktes denken. Immer fehle aber noch das Wente und endgültige Versprechen der Räumung.

W müsse zunächst zugestanden werden, und zwar für M gesamte Rheinland, ehe weitere Entschlüsse auf unserer Seite in Betracht kommen könnten.

Kabmeiisrai in Berlin.

Sonnabend ist in Berlin das Reichskabinett zu einer Zeratung über die bisherigen Ergebnisse von Genf ge- bdcn. In dieser Sitzung wird selbstverständlich das nor« Mäzene Feststellungs- und Verglcichskomitce die SWroße spielen. Und es wird klargelegt werden müssen, «6 hinter den Anregungen nichts anderes steht als die genuzsam bekannte französische Forderung aufSichc- für die Deutschland wieder einmal bezahlen soll. N deutscher Seite ist cs unmöglich, irgendwelche Maß- Mlnnen zu erkaufen, die nichts anderes darstellen als die WfyruHfl des von uns ohne finanzielle Neubelastung dnzubehaltenden Rechtsgrundsatzes der Gesamträumung.

Auch von der deutschen Delegation in Genf wird Miztz daß die französischen Vorschläge so, wie sie in M Öffentlichkeit gedrungen sind, im wesentlichen den MM entsprechen. Ob in der Sonnabendkabinettsitzung M Abänderungs- oder Gegenvorschläge formuliert wcr- W "leibt abzuwarten. Würde die von F r ankreich vorge- Wne Regelung eintreten, vielleicht in abgeänderter Ab so wäre beabsichtigt, die neu zu schaffende K-un- Mn im Oktober in Paris zusammentreten zu lassen.

Der französische Ministerrat.

» duffer den notwendigen Ministercrnennungen zur -küviillsliindigung der französischen Regierung nahm der " ^Mbouillet unter Vorsitz des Präsidenten Doumergue Ministerrat einen längeren Vortrag des aus Ä ^lchienenen Außenministers Briand über die "^buudtagung und die Genfer Besprechungen ent- ln» ^'"?elheiten wurden nicht bekanntgegeben, jedoch Weitere Kabinettssitzung am 26. September statt- S L ®rianb kehrt alsbald nach Genf zurück und hat krotz aller Geheimhaltung verlautet, die volle -nmung der Regierung zu seinem Verhalten iit Genf der ^r?°âg abend wird Briand in Genf zu Ehren £ Ästchen Reichskanzlers Müllerein Essen im Hotel 9ct,en> $it dem alle Delegationsführer des "uervundes geladen sind.

, Wirtschaftsfragen.

Ha2wN°âung des Tätigkeitsbericht? oes Wirt­es $}ifn(;^e! des Völkerbundes- verbreitete sich in Genf neterVr m ^ deutschen Delegation Reichstagsabgeord- 3ur Lcch^r er 1 scheid über den deutschen Standpunkt. ^utfäT gedeihlicher Wirtschaftseniwicklung habe lieft* Qs( -^" ^ Staaten Handelsverträge abgeschlossen, Quirlt hnJ ®inne einer Herabsetzung der Zollsätze aus- 3 i) f H * P / c ^as besonders beim deutsch-fran- Dic "delsvertrag in Erscheinung trete. Fordert des Zollabbaues müßie überall Italien erh» unb die namentlich von Rumänien und Wien bie^ Bedenken seien abzuweisen. Ebenso ^"bvisa cn^M^^rungen des Reiseverkehrs durch Die der R^deseltigt werden.

^?ertre>er^ Budgetkommission des Völkerbundes kritisierten Ä desVöfs°I Wegens und Hollands die Persoual- a ?°'slehrer Fundes sehr scharf. Anfangs seien noch Um- Santen Leute der Praxis zu Völkerbundbeamten Interesse ih^,^bt ernenne man nur Dtplomaten, btt & ^>1 Landes, aber nicht die Allgemeinheit ver. Ä ob weiie^^'' datte sich das Parlament bereits damit A!»n Der Hos^n^^edlte für den Völkerbund zu streichen S^ol im betonte, daß die Großmächte fast ein 116 sand die Generalsekretär Drum-

Die Genfer Besprechungen.

Derlin. Über die Besprechungen der Vertreter der sechs Machte in Genf wird in der letzten Nummer der Deutschen Diplo­matisch-Politischen Korrespondenz von halboffiziöser deutscher Seite u. a. ausgeführt: Nachdem von französischer Seite sehr bedauerlicherweise Einzelheiten über die vertraulichen Bc- sprechungcn in die Öffentlichkeit gekommen sind, kann fesigestellt werden, daß die französischen Wünsche sich auf eine Erwcite- rund und einen Ausbau der im Locarnovertrag, d. h. im Rheinpakt geschaffenen Organisation erstrecken. Es handelt sich dabei um einen französischen Vorschlag zur Schaffung einer Feststellungs- und Vergleichskommission, deren Charakter, Zusammensetzung und Besugnissc natürlich noch einer genauen Prüfung unterliegen müssen. Fest.zustetten ist aber jetzt schon, daß eine solche Kommission nur in Frage kommt nach Vollzug brr Gcsamtrciumung des NheinwndeS. In die Einzelheiten dieses Projektes ist noch nicht eingetreteu und es handelt sich für uns vorläufig darum, ob dieser Vorschlag überhaupt eine Plattform abgeben kann.

Die deutschen Gegenforderungen werden sich neben der Grundbedingung der Gesamträumung aus die Dauer der Wirksamkeit einer solchen Kommission, auf ihre Zusammen- feyung und ihre Befugnisse, ferner auf die Frage der beider­seitigen Gebietsteile zu erstrecken haben, für deren Bereich etwaige Beschwerden an diese Kommission zu leiten waren. Der zweite Komplex der bei den Besprechungen ausgetanchten Vorschläge bezieht sich ans die Einsetzung eines Ausschusses finanzieller Sachverständiger zur Prüfung der Reparations- frage im Rahmen des Dawes-Planes. Hiergegen dürften materielle Bedenken nicht bestehen, zumal aus eine Ver­knüpfung der Frage mit derjenigen der Rheinlandräumung von der Gegenseite verzichtet wird. Jedenfalls ist gegenüber den ausländischen Presseäußernngen die Tatsache festzuhalten, daß bet der notwendigen Prüfung neben den obenerwähnten selbstverständlichen Voraussetzungen bie Feststellung ein» wichtige Rolle spielt, wie sich in bezug auf die Kompetenzen der Feststellungs- und Bergleichskommission überhaupt eine vollkommene Parität Herstellen ließe.

Genfer Besprechungen des Reichskanzlers.

wtb. Genf, 15. Sept. Reichskanzler Müller stattete gestern vormittag dem polnischen Außenminister einen Gegenbesuch ab und folgte sodann der Einladung des Direk­tors des Internationalen Arbeiterrats Albert Thomas, wobei er eine Unterredung mit Minister Bensch hatte. Nachmittags empfing der Reichskanzler den leitländischen Außenminister, den rumänischen Gesandten in Berlin und Fridtjof Nansen. Abends nahm der Reichskanzler an dem alljährlich vom Präsidenten der Völkerbunvoersammlung zu Ehren der Delegationsführer gegebenen Essen teil.

Vor dem ersten Aufstieg desGraf Zeppelin".

wtb. Friedrichshafen, 13. Sept. (Vom Sonder­berichterstatter des W.T.B.) Auf dem Zeppelingelände herrscht heute schon in aller Frühe lebhaftes Treiben. Friedrichshafen ist auf den Beinen, weil es sich herumge­sprochen hat, daß das Luftschiff heute aufsteigcn wird. Am Eingangstor zum Platz stauen sich die zahlreichen Presse- vcrtreter und Photographen, bis die Formalitäten der Ausweisprüfung erledigt sind. Leider verzögret sich nun aber der Aufstieg wahrscheinlich bis gegen 11 Uhr, vielleicht noch mehr. Der ziemlich kräftige Nordostwind ist das Un­günstigste, was es bei den engen Raumverhältnisien für das Luftschiff gibt. Die Führung glaubt aber, daß der Wind sich im Laufe des Vormittags legen werde und rech­net bestimmt mit dem heutigen Aufstieg. Das Luftschiff hängt fix und fertig in der Halle. Es kann, sobald der Wind freundlicher wird, jeden Moment herausgezogen werden. Die Vorbereitungen sind soweit fertig, daß das Schiff bereits abgewogen in den Laufkästen hängt. An dieser ersten Probefahrt nehmen etwa §0 Personen teil. Die eigentliche Besatzung besteht aus 39 Personen.

wtb. Friedrichshafen, 15. Sept. Dr. Eckener empfing heute vormittag den Smrderberichterstatter des W.T.B. Er gab da­bei der Erwartung Ausdruck, daß sich der Wind, der es im Augenblick noch unmöglich macht, das Schiff auf dem kleinen Platz zu drehen, im Laufe des Vormittags legen wird. Dr. Eckener sagte'Wir sehen der ersten Fahrt unseres neuen Luft- schiffes mit absoluter Ruhe und Zuversicht entgegen. Es ist ja nicht das erste Mal, daß wir einen neuen Zeppelin hinaus- steuern DerGraf Zeppelin" wird beweisen, daß er ein Ver- kebrsinstrument ist, auf das man sich verlassen kann. Wir freuen uns natürlich, daß das Werk nun vollendet ist, und wir sind überzeugt, daß das deutsche Volk an unserer Freude Teil hat. _________________ _____________

Coolidge zur Räumungsfrage.

wtb. Washington, 15. Sept. Präsident Coolidge ließ gestern abend verlauten, er glaube, die europäischen Vorschläge für die Einsetzung von Kommissionen zum Studium der Mög­lichkeit der Räumung des noch besetzten deutschen Gebietes seien eine Angelegenheit, an der die Vereinigten Staaten nicht tcinehmen sollten. Er sei gleichfalls der Ansicht, die Vorschläge, die sich mit dem Ziele beschäftigen, die deutschen Reparations- | Verpflichtungen klarer festzusetzen, berührten ebenfalls ein Pro­blem das außerhalb der allgemeinen Interessen der Vereinig­ten Staaten liege und hauptsächlich eine europäische Frage sei.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Das Reichskabinett tritt Sonnabend zu einer Beratung über die Genfer Rheinlandbesprechungen zusammen

* Bei den Handelsvertragsverhandlungen Deutschlands mit Der Tschechoslowakei haben sich neue Schwierigkeiten Hera 's« gestellt, da die Tschechoslowakei starke Zollermäßigungen für ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse verlangt.

* Der Deutsche Juristenlag in Salzburg sprach sich mit 92 Stimmen gegen 64 Stimmen für die Übertragung des ge­samten Justizwesens an das Reich aus.

* Bei den Landtagswahlen in Dänemark erzielten die Sozialdemokraten einen erheblichen Stimmenzuwachs.

Das Wespennest.

Das Doppelgesicht der Diplomatie. Mißhandelte Eifel-i dörfer. Poincarès Triumphwagen.

Wer Sinn und Zeit auch für die kleineren Unglücksfälle unserer immer atemloser dahinstürmenden Tagesgeschichte aufbringt, der wird in diesen Tagen von zwei Todes­opfern gelesen haben, die ein unbedachter Griff in Wespennester zur Folge hatte. Das eine Mal war es ein Kind von ein oder von zwei Jahren, das von einem Wespenschwarm so entsetzlich zugerichtet wurde, daß es nach wenigen Stunden verloren war. Das andere Mal ein junger Arzt, der irgendeinen Leichtsinn, den er den stachelbewehrten kleinen Tieren gegenüber begangen hatte, mit dem Leben büßen mußte.

Ganz so schlimm jst der Vorstoß, den der deutsche Reichskanzler auf der Völkerbundversammlung in Genf mitten hinein in den Schwarm der vor ihm sitzenden Delegierten aus aller Herren Ländern unternahm, aller­dings nicht verlaufen. Herr Briand ließ sich sogar zwei oder drei Tage Zeit, ehe er aus seinem Bau herausstürzte und den deutschen Delegationsführer mit Spitzen angriff, mit feinen ausgeklügelten Stichen und Bosheiten überfiel, daß es nur so eine Art hatte. Der lärmend gespendete Beifall seiner Bewunderer und Trabanten sollte den deut­schen Angreifer vollends zum Verstummen bringen, und was in Genf selbst noch an Nachstößen etwa zu wünschen übrigblieb, das bemühte sich die sogenannteWeltpresse" ihrerseits nach Kräften nachzuholen. Aber Hermann Müller, der die berühmte Atmosphäre von Genf zum erstenmal zu kosten bekam, zeigte sich im Besitz einer Eigenschaft, deren Notwendigkeit für einen Staatsmann der Gegenwart kein geringerer als Fürst Bülow einmal in seiner humoristischen Redeweise als ganz unerläßlich bezeichnet hatte: an seiner Rhinozeroshaut prallten die Insektenstiche, mit denen man ihn anscheinend gleich bei seinem ersten Auftreten in der Völkerbundversamm­lung erledigen zu können hoffte, ziemlich wirkungslos ab, soviel auch von Paris und von London und natürlich auch von Warschau und von Prag her getan wurde, um Gift in die Wunden nachzuträufeln, die Herr Briand verursacht hatte. Der Reichskanzler blieb der ruhige und gelassene Mann, als den wir ihn in Deutschland bereits seit Jahren gekannt haben, und soweit er dabei eine Ab­wehr gegen die herumschwärmenden Wespen für nötig hielt, ließ er mit keinem Wort erkennen, daß er sich durch die gehäuften Unfreundlichkeiten man könnte freilich dafür noch einen ganz anderen Ausdruck gebrauchen des französischen Außenministers auch nur im geringsten verletzt fühlte.

Wir wollen nicht etwa behaupten, daß er mit diesem Verhalten in Deutschland völlig ungeteilte Zustimmung gefunden hätte: manchem hätte es ungleich besser gefallen, wenn er sehr viel kräftiger aufgetreten wäre, wenn er ein­fach seine Koffer gepackt und den Herrschaften, die in so überheblicher Form über ihn hergefallen waren, den Rücken gekehrt hätte. Aber die deutsche Delegation hat es für richtiger gehalten, den Kampfplatz in der Völker­bundversammlung nicht zu verlassen, und der Erfolg erst wird erweisen, ob sie damit recht behält. Jedenfalls: das Wort von dem Doppelgesicht der internatio­nalen Diplomatie bleibt an der Gegenseite solange hängen, solange sie ihre Taten nicht mit ihren R'den in Übereinstimmung bringt. Mit hochtönenden Redens­arten hat eben der französische Höchstkommandierende im besetzten Gebiet die 50 000 Mann aller Waffengattungen, mit denen er die schmählich mißhandelten Eifeldörfer über­flutete, aus den französisch-britischen Ma­növern entlassen, und kaum ist dieses Heldenstück eines wirklich übermütigen Militarismus abgerollt, so heben in Frankreich selbst die riesenhaften Luftmanöver an. an denen mehr als 300 Flugzeuge und zahlreiche Batterien von Luftabwehrgeschützen beteiligt sind. Herr Briand soll sich persönlich gekränkt gefühlt haben ob der bitteren Kritik des deutschen Delegationsführers. Man darf aber vermuten, daß er an ihr wesentlich weniger auszusetzen gehabt hätte, wenn sein Respekt vor dem Bakel des Herrn Poincarö in den letzten Monaten nicht wesentlich größer geworden wäre: aus zwingenden Gründen, wie man wohl annehmen muß, ohne sie des­halb billigen zu wollen. Herrn Poincarö ist es eben ge­lungen, nicht nur den Frank zu stabilisieren, sondern auch die englische Politik wieder fester an seinen Triumph- ivagen heranzuziehen und damit ist freilich vieles, wenn nicht alles erklärt.

*

Uns wird wohl einstweilen, wenn nicht noch ganz un­vorhergesehene Sinnesänderungen eintrefen. nichts an­deres übrigbleiben als auf den Augenblick zu warten in dem Amerika mit seiner unverkennbaren Verurteilung dieser Art von europäischer Friedenspolitik lauter, als es bisher geschehen ist, hervortritt, was freilich vor den Neuwahlen des Staatspräsidenten kaum geschehen dürfte.

Dr. Sv.