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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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221-1928
Fulda, Mittwoch, 19. September
5. Jahrgang
s Reichskabmett dankt dem Kanzler
wMe Mgung der deutscher; f Haltung in Genf.
■ Bericht des Reichskanzlers. . -
I Kustaa früh traf Reichskanzler Müller nach mehr ■ rkcOntäqiger Abwesenheit wieder in Berlin ein, er unterwegs mit dem Außenminister Dr. Strese- ’ Baden-Baden konferiert hatte. Alsbald nach der |2 Bjjjllers trat das Reichskabinett zu einer Sitzung in welcher der Kanzler dem Reichskabmett M 6jC in Gens geführten Verhandlungen berichtete. Rcichskabinett billigte einstimmig die Haltung des ■Lfculerä und der deutschen Delegation und dankte UfRcichskanzler für seine geschickte und tatkräftige her Verhandlungen.
V 5er Zeitpunkt für die in Aussicht genommene Sitzung MWwärtigcn Ausschusses des Reichstages ist noch Krimms. Wie man annimmt, wird der Reichskanzler Kii*m(id) mit dem Abgeordneten Scheidemann, dem Wänden des Auswärtigen Ausschusses des Reichs- M Fühlung nehmen, um einen Termin zu vereinbarem
Der Kanzler über Genf.
I Wanzler Hermann Müller äußerte sich gestern vor MMiiretern über den Verlauf und das Ergebnis der ■Mlungen in Genf. Er betonte, daß Deutschland auf zusteuern müsse. Amerika müsse selbst- Gelegenheit haben, in irgendeiner Form an M-Lmtionsverhandlungen teilzunehmen. Die Be- Wi!i:Hiii polnischen Außenministers Zaleski, daß Polen ImftiNMUngsverhandlungen teilnehmen solle, sei, so b ö im „Berliner Tageblatt", unverständlich, da aue* MWBgt worden sei, daß nur die 6 Mächte vertreten ÄM ^Wglich der Begrenzung der Befugnisse der MckchMmWon habe sich das Reichskabinett dahin Mm, daß eine solche Kommission über das Jahr 1935 M nicht in Frage kommen könne. Das „Berliner Mast“ erwähnt noch, daß der Reichskanzler auch auf Mè Gegensätze zwischen ihm und Ministerialdirek- fas zu sprechen kam, denen zufolge Dr. Gaus den ^1 M Zustimmung zu den französischen Sicherheits- t&erungen habe bewegen wollen. Der Kanzler stellte slZch diese Behauptung völlig gegenstandslos ist.
Verhandlungen im Oktober?
ÄGenfer unterrichteten Kreisen erwartet man, du diplomatischen Räumungsverhandlun- k« Mitte Oktober auf dem Wege eines Notenaustausches W die Botschaften in den alliierten Hauptstädten be> totiben. Während der Dezembertagung des Rates âe neue Zusammenkunft der sechs interessierten ■ ^ttfinden, zu der Belgien ausdrücklich zu< «'«werden soll, da die belgische Regier'mg an sich an- M ^Mbertagung des Rates als Nichtrat .Mitglied nicht Aus dieser Zusammenkunft der sechs Mächte die Ergebnisse des diplomatischen Notenaus- W diesem Zeitpunkt geprüft und die weiter in den Räumungsverhandlungen
I ? ®? die amerikanische Presse sagt.
Pewyorker Blätter deuten die Anregungen M Räumung des besetzten Gebietes und die Kommission als beste Nachricht, die seit
■ gekommen sei. Es sei eine Forderung L und der. Gerechtigkeit, daß Deutschland den L Verpflichtungen kenne, statt blindlings L Während die sechs Mächte klug und c Pachkriegsproblem aufnähmen, erbebe sich I der Haltung der V e r e i n i a t e n S t.a a t e n .
Jubel inZFriedrichshafen
M "M 3-PP-lin" aufgestieg-n.
Rti Cr^a^. Deutschland mit großer Spannung et« Min" nun endlich eingetreten. Der neue Räten Nattnn^ aus Friedrichshafen gemeldet wird, und Mittag um 3 Uhr 20 aus der Halle gezogen ^ einer Minuten später unter unendlichem 's zum „Werkstätten- Lindau Snm ^flfawer Fahrt flog er in Rich- b Luftschiff in l!,^ Uhr erschien, von Lindau kommend, ^r in Lr m^1? Auge über der Bregenzer Bucht i Vier ^, ,^'^lung gegen die Schweizer Grenze Attesten Fft^âSe begleiteten den „Graf Zepplin"^
& Phasen des Ausstiegs wird noch bc« li i® wird der Wind soweit gelegt, daß man das Tor Zeppelin" aussteigen. Dr. Eckener kil'. Zulcge,, £1u®QJ^auWlb^ und den Zaun vor der Ä '° daß ma? ^?°» Händen greifen zu, die Halle k bi%®röfce des' SäMk^ Nolle Licht eindringt, jetzt die ?s'i:iq ' $ ^iles erkennt. Die Schienen, aui, krt 5 ^rbiudun^lp^pelln halten, werden durch Ein-
Kolon s bis auf den Platz hinaus Der» 1" (VJi beschaff^baller treten an, Fäuste, die K die Halteseile, Äe sich von ^uen. Ag fen aui- fächerförmig nach allen Richman kann alle diese Vorbereitunaen. die
die bisher den unglücklichen Mächten jenseits des Ozeans freigebig mit gutem Rat gedient hätten. Nunmehr werde ein Plan von größter Bedeutung für die Erhaltung des Friedens ausgearbeitet. Die Blätter fragen: Werden die Vereinigten Staaten auf dem Buchstaben der Verpflichtung bestehen und sich teilnahmlos mißtrauisch beiseitehalten? Wieweit werden die Vereinigten Staaten sich als Friedensfreunde erweisen, wenn es sich um Taten handelt unb nicht nur um Worte?
Zur Frage der Mobilisierung der Dawes-Bonds.
wtb. London, 19. Sept. „Daily Chronicle" berget aus Newyork: Wallstreet fei keineswegs so pessimistisch bezüglich der Möglichkeit, in den Vereinigten Staaten deutsche Eisenbahn- und Jndustriebonds in Höhe von 400 Mill. Pfund Sterling als Teil der allgemeinen Kriegsschuldenregelung unterzubringen, wenn die Markbedingungen zu dieser Zeit günstig seien. Die Bonds würden natürlich unter dem Nennwert angeboten werden. Die Absicht der alliierten Mächte und Deutschlands werde in Newyork dahin ausgelegt, daß Deutschland zum Verkaufe auf dem Weltmarkt zum Nutzen der Alliierten 16 Milliarden Mark Zprozentige Dawes-Bonds ausgebe, deren Ergebnis die Kriegsschulden an die Vereinigten Staaten liquidieren würde.
Liberale Kritik an der englischen Delegation in Genf.
wtb. London, 19. Sept. Eine zur Zeit in Genf befindliche Gruppe von Liberalen richtete ein Schreiben an die „Daily News", in dem tiefes Bedauern über die bisherige mangelnde Führung von Seiten Großbritanniens ausgedrückt wird. Es scheine im Gegenteil, daß die britischen Delegierten Anweisungen hätten, dem Rad des Fortschrittes in die Speichen zu fallen. Dies zeigte sich in der Frage Der Zölle, der Abrüstung und in der Ablehnung der Fakul- 'mtivklausel des ständigen Gerichtshofes.
„Daily News" bemerkt in einem Leitartikels dieses Schreiben drücke die tiefe Besorgnis einer großen Zahl von Menschen in England und Anderen Ländern über die reaktionäre Haltung der britischen Delegation während der ganzen Verhandlungen der Völkerbundsversammluna aus. Durch ihre Skepsis u. den völligen Mangel an Initiative und Mut beraubten die britischen Vertreter Großbritannien seiner Führung in Genf. Sie versäumten eine unschätzbare Gelegenheit, das Siegel unter den Friedenspakt zu fetzen. Das Blatt kritisiert scharf Cushenduns negative Haltung in Eens.
Die Arbeiten des Genfer Abrüstungsausschusses.
wtb. Genf, 19. Sept. In der gestrigen Sitzung des Abrüstungsausschusses erklärte Loudon als Vorsitzender des vorbereitenden Abrüstungsausschusses, er beabsichtige die Regierungen Frankreichs, Englands, Italiens, Japans und der Vereinigten Staaten aufzufordern, ihre Vertreter demnächst in Paris oder anderswo mit ihm zufammen- treten zu lassen, damit das Seeabrüstungsproblem hinter verschlossenen Türen verhandelt werden könne. Sobald ein günstiger Ausgang der Verhandlungen erzielt sei, werde er den vorbereitenden Abrüstungsausschuß zu seiner nächsten Tagung einberufen.
Auch noch die Tschechoslowakei!
Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch erklärte Vertretern der tschechoslowakischen Presse in Genf, er hoffe, daß die Tschechoslowakei zu den kommenden db plomatischen Räumungsverhandlungen Hinzugezogen werde Die Tschechoslowake, sei an der Frage der Räumung des Rheinlandes unmittelbar interessiert, und zwar in gleicher Weise wie die übrigen alliierten und assoziierten Mächte Demnächst werden sich auch wohl Albanien und Hedschas dem polnischen und tschechischen Verlangen an- schließen.
außergewöhnlich fieberhaft vor sich gehen, und doch vorder genm?festgelegt waren, nicht ohne innere Erregung beobachten Nur Dr Eckener geht mit der gewohnten unbewegten Ruhe umber âibt hier ein Kommando, nimmt dort eine Meldung entgegen: dann vor dem Schiff noch eine kurze Führer- Ste ä»*ä w«
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ruöte fallen- das Schiff schwebt nun frei über dem Erdboden.
Rall ast wird ausprobiert. Auf ein neues Kommando hebt sicb Zr Bug des Schtffes; von achtern wird Zufluß von ^Afkrban"n verlangt — dann liegt das Schift wieder ruhig. 81st ausbalancft Motoren springt an, dann wieder Stille: das Schiff ist klar.
ubr^ö Min. kommt der Marschbefehl. Die Arbeiter reden tick in Bewegung und ziehen den riesigen Leib langsam der Halle heraus. Wieder springt ein Propeller an und drückt nach Einige Minuten später hat sich das ^nf im -^eien sckon nach links gedreht, das Manöver geht vollkommen Iac Das Schiff läßt Wasserballast ab. die Maschinrn- wt/aravbcn beginnen zu arbeiten und geben das Zeichen, zum Kommando:'Los,- Alle Propeller springen an und bebt sich unter brausenden Hochrufen einer unuber- lâren Menschenmenge in langsamer Fahrt nach Westen.
Mittwoch kein Ausstieg des „Graf Zeppelin" wtb. Friedrichshafen, 19. Sept. Dr. Eckener teilte dem Sonderberichterstatter des W. T . V. mit, daß der „Graf Zeppelin" heute nicht. wieder aufsteigen werde. Auf Grund der Erfahrungen bei der gestrigen Fahrt sind noch kleine Einzelverbesserungen notwendig. Es ist damit zu rechnen, daß am Donnerstag die zweite Fahrt angetreten werden kann. Bei der gestrigen Fahrt war die größte Höhe, die das Luftschiff erreichte, 1400 Meter.
Der Hintergrund.
Viel verständlicher wird, was in Genf geschah und nicht geschah, was dort beschlossen, abgelehnt oder hinausgezögert wurde, wenn man den Blick von den Einzelheiten abwendet hinüber zur allgemeinen weltpolitischen Lage, in der sich die Ereignisse von Genf abspielten. Breit lag der Schatten des englisch-französischen Abkommens über den blauen Fluten des Genfer Sees und dem Palast, wo die Außenminister verhandelten und um die Zukunft der Rheinlandfrage miteinander stritten. Dieses Flottenabkommen — das hat namentlich Amerika nicht bloß deutlich empfunden, sondern noch deutlicher zum Ausdruck gebracht — hat dazu geführt, daß die französische Vorherrschaft in Europa unbestrittener denn je ist, auch England sich bedingungslos in Genf der französischen Führung anschmiegte. Schon die Person des englischen Delegierten, Lord Cushendun, dem seine ärgsten Feinde selbst keinerlei Vorliebe für Deutschland nachsagen können, bewies diese unbedingte Rücksichtnahme Englands auf alle französischen Wünsche hinsichtlich des Rheinlandes und der Reparationsfrage. Von Briands Vorstoß, der selbst in London einiges Befremden erregte, spricht dort kein Mensch mehr.
Dieses englisch-französische Abkommen bedeutet aber nicht bloß die praktische Vorherrschaft Frankreichs auf dem Kontinent. sondern noch mehr als dies, nämlich Wertvolleres für England., Wgs England braucht überall in der Welt, das ist Ruhe, damit der satte britische Löwe nicht in seiner Verdauung gestört wird. Und das ist garantiert durch das Abkommen mit Frankreich, das ja über eine bloße taktisch-strategische Flottenvereinbarung hinaus Ausdruck engster politischer Zusammenarbeit ist. Mit dieser Stütze, mit dieser Gewißheit im Hintergrund war es natürlich für Briand leicht, nein zu sagen oder gar den Deutschen die geballte Faust unter die Nase zu halten. Keinen Augenblick hat Lord Cushendun darum auch gezögert, dem französischen Standpunkt beizutreten, Deutschland habe sich trotz Abrüstung und Reparationszahlung einen Rechtsansvruch auf schnelle Räumung des Rheinlandes nicht erworben.
Mehr n.och: Es ist bekannt, wie außerordentlich scharf der Abschluß jenes Abkommens kurz vor der Unterzeichnung des Kellogg-Paktes in Amerika getadelt worden ist. Es war fast ein Schnitt zwischen England und Amerika. Wenn nun in Genf beschlossen worden ist. an die vollständige und endgültige Regelung des Reparationsproblems heranzugehen, so hätte man doch erwarten dürfen, daß Amerika, das die Vaterschaft für den Dawes-Plan mit Recht in Anspruch nehmen kann, offiziell in irgendwelcher Form zum mindesten zur Teilnahme an dieser Kommissionsarbeit eingeladen werden würde. Die Amerikaner, die wie Parker Gilbert und andere bei der Durchführung des Dawes-Planes tätig sind, verrichten ja ihre Arbeit freilich als Privatleute, nicht etwa als Beauftragte ihres Landes. Aber das ist nur eine Äußerlichkeit. Auch aus inneren Gründen hätte die Beteiligung der Amerikaner an der Revision des Dawes- Planes irgendwie in die Wege geleitet werden müssen — nach außen hin ist solche Aufforderung nicht zum Ausdruck gekommen, aber es ist wohl anzunehmen, daß man an diesem schwerwiegenden Punkt in Gens doch nicht so ganz vorbeigegangen ist. Schwerwiegend insofern, als zum mindesten durch diese Zurückhaltung der fünf europäischen Großmächte und Japans es den Anschein erhält, als dehne sich der Schatten des englisch-französischen Abkommens auch aus auf das gesamte Verhältnis des europäischen Kontinents zu den Vereinigten Staaten.
Mit größter Schnelligkeit und vielleicht gerade darum hat das Washingtoner Staatsdepartement, also Herr Kellogg selbst, aber sicher als Sprachrohr des Präsidenten, seinen Standpunkt geltend gemacht. Rheinlandräumung und Fixierung der deutschen Reparationsschuld seien an sich rein europäische Angelegenheiten. Das ist freilich insofern etwas unklar, als die Fixierung der Endsumme ohne eine Revision des Dawes-Planes erfolgen könnte. Anders steht es aber mit dieser Revision selbst: Kellogg soll angedeutet haben, daß sie ohne Amerikas Zustimmung nicht vor sich gehen dürfe. Allerdings schließt sich die Bereitwilligkeitserklärung daran, nichts dagegen einwenden zu wollen, wenn amerikanische Privatpersonen in irgendeiner Form zur Arbeit der Sachverständigenkommission herangezogen werden sollten. Nun wird ja immer wieder darauf hingewiesen. daß Frankreich im nächsten Jahre 400 Millionen Dollar seiner Schulden an Amerika zahlen soll und man für diesen Zweck von den 11 Milliarden Reparationsschuldverschreibungen der Deutschen Reichsbahn A.-G., die 1924 der Reparations- kommission überantwortet werden mußten, einen Teil — man spricht sogar von 2 Milliarden — „m o b i l i s e r e n*. also an den Geldmärkten zum Verkauf bringen will. Daß zur Verwirklichung dieser Absicht der gute Wille des größten Weltgeldgebers, nämlich der Vereinigten Staaten, einfach die Voraussetzung ist, versteht sich von selbst; außerdem handelt es sich hier um einen so gewaltigen Betrag, daß er für den gesamten deutschen Auslandskredit öffentlicher und privater Art von stärkstem Einfluß fein muß.