Einzelbild herunterladen
 

Moaer /lnzei

_ ,-jeden Werktag. Bezugspreis: monat-

wGewalten", Streiks, Aussperrungen, usw. erwachsen dem Bezieher keine kkâ Verlag Arieörich Chrenklau, §ul-a, S S des Vereins Deutscher Zeitungsver- ^^' Postscheckkonto: Zrankjurt a. M. Hr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Iulüa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt Reöaktton und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernsprech-Hnschluß Nr.W» NachSnnr der mit* versehenen Artikel nur mit <hK»ve«a«gade .ZulSa« finzeiser^geftattet.

Anzeigenpreis: Zür Behörden, Genossenschaf, ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 HIE., für auswärtige Mstraggeber 0.25 Mk.,sür Sie Reklamezelle 0.?0 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag« und Platzvorschriften unverbindlich.

1928

FuLda, Fleitag, 21. September

5. Jahrgang

Dr. Eckeners glückhaft Schiff.

,Z,127" grüßt den deutschen Rhein.

" Abgeworfene Briefe eines Fahrtteilnehmers.

Graf Zeppelin" stieg Donnerstag zu seiner zweiten M die zugleich seine erste Fernfahrt war, auf. Der L' erfolgte, nachdem das Luftschiff ohne Schwicrig- «aus der Halle gebracht worden war. An Bord des LZ befanden sich 39 Mann Besatzung und 31 Passa- A von denen einer durch Abwurf von Briesen, die wir Ergeben, über den Verlauf der Fahrt berichtete.

Von Bord desZeppelin".

Um 7.45 Uhr wird das Schiff bei ruhigem sonnigen «W aus der Halle gebracht und wieder wie bei der ersten MM mit dem Bug nach Osten völlig umgedreht. Es ist

y Punkt acht Uhr.

Hoch!"

--Haltemannschaften geben das Schiff frei. Die Motoren p ein. Ihr Geräusch ist nicht stärker zu hören als das Mem der Eisenbahnräder im Schnellzug. Nur fehlt jede Er- Mening, und Seekrankheit ist wirklich nicht zu befürchten. M einer Schleife über Friedrichshafen ist das Schiff in Achen Augenblicken über dem Bodensee. Schon sind wir so Mich der von Romanshorn kommende Dampfer nur noch KM Kinderspielzeug aussieht. Jetzt gibt uns einer der Mlente das Fahrtziel an, zugleich die erste Überraschung: ^vi-^ nsel. Es geht in 100 bis 200 Meter Höhe zeit» chchisâen leichrcn Wolkensetzen hindurch Eine Herde Vieh HW dem ungewöhnlichen Lärm erschreckt davon. Nun MW Garten- und Wiesenland von prächtigen Wäldern ab- L M Flugzeug begleitet das Schiff. Wir sind über Sumfelb. Auf dem Flugplatz liegt tief unten ein MW«. Bald wird Zürich erreicht sein^

Aussicht auf die Alpen.

M Hk wird Winterthur überfahren. J:n Speisesaal Äm den Passagierkabinen wird fast ebenso eifrig gearbeitet dm übrigen Schiff. Zehn Minuten später sind wir schon

über Zürich, di aßen großen Stadt auf unserer Reise. In den Haupt- #n sieht man überall lebhaft diskutierende Menschen- Wm. Die Dächer füllen sich rasch und lebhaft winkt alles >» Mas Zeppelin" ju Nach einer Schleife über dem Züricher 8« geht über Waldshut den Rhein entlang Nach Basel. Ilm9.45 U^r istBasel erreicht. Ein schweizerisches Flugzeug An neben dem Luftschiff her, vermutlich auf einem Ver- ^M Der Hafen, die große Rheinbrücke, eine Schiff- Ate, eine Eisenbahnbrücke werden den Rhein entlang nach- Mder passiert. Der Münsterplatz wimmelt von Menschen. B sind wir nahe der französischen Grenze. Nun geht es R nahe

am Rhein auf deutscher Seite

M NHen. über allen größeren Städten wird Post ab- N«icn. Der Steward sorgt für die allmählich hungrig "finden Passagiere. Die Speisekarte Nord gereicht und ® M an alten Tischen gefrühstückt. Freiburg! Die mm Stabt an der Dreisam ist erreicht. Es ist jetzt 10.20 J ^i dem Platz um das Münster ist gerade Markt. Alles >«Megung und jubelt dem Luftriesen zu. Baden-Baden 6 ^appe. Die an Bord befindlichen Journalisten Alle Gelegenheit, dem hier zur Kur weilenden Reichs- "VRH

^ Dr. Stresemann einen Kartengruß

,. ^" zu lassen. Im Führer- und Navigationsraum, dem

" des Schiffes, steht Dr. Eckener mit den M [11 ^ Steuerleuten und gibt seine Weisungen. Alles 1111 C,,CI bewunderungswürdigen Rube und Selbstver­

Der deutsche Abrüstungsantrag

Fast alle Staaten dagegen.

gegenwärtig in Genf noch nach dem großen ^ verhandelt wird, nimmt außer der W kaum noch größeres Interesse in An- noch tagt die Vorbereitende Abrüstungs» %in in! Aufgabe die Vorbereitung der großen A Abrüstungskonferenz ist, ohne daß irgendwie »SÄzu konstatieren ist. Run hat der ksterte Graf Bernstorff wieder versucht, Mit vorwärtszutreiben. Denn Graf Bernstorff Zeiten S Antrag ein, die Versammlung solle darauf Mn'M "le große Abrüstungskonferenz im Laufe des . ^sn u kinberufen wird.

M Ausulk 'gen Debatte wandten sich a l l c S t a a t e n Msche» Schwedens und Dänemarks gegen den } tö9. Bernstorfs verteidigte den deutschen Ä ®inieim» ^schieden, erreichte aber nicht mehr als Moris «9 eines Redaktiouskomitees, in bem sich onc^ Lord Cushendun, Benesch und an- Neue gemeinsame Resolution einigen sollen.

? Frch ^ der Völkerbundversammlung

Ma b9 ^nrde eine Entschließung über die Weitcr- § Zitaten Adelten der Kommission für die Kontrolle -ßM ist Btenlwrsw deren Vorsitzender Graf ^odan» s angenommen.

$ ^c im ^ede der Bericht des belgischen Delegierten iv^elhP,,^;^A)eitsausschuß eingebrachten deutschen },E schtv^Ldorschläge cntgegenaeuommen. Der U ^ii&^S' Außenminister Und ö« erklärte, daß «ricLZpLrüütunLSvLrfMäLè fliehen Wert

ständlichkeit vor sich. Die Funkstation ist inzwischen mit der Werft in Friedrichshafen in Verbindung getreten und gibt von Zeit zu Zeit eine Standortmeldung durch. Zehn Minuten lang, bis 11.30 Uhr, kreist das Luftschiff über Baden-Bade^. Ein Verkehrsflugzeug war vom Flugplatz aus aufgestiegen, als das Schiff in Sicht kam, und näherte sich dem Luftschiff auf wenige hundert Meter. Jetzt gönnt sich, um 11 Uhr, Dr. Eckener eine Ruhepause, und im Speisesaal erfahren wir von ihm, daß wir bereits seit geraumer Zeit in 600 bis 700 Meter Höhe fahren, wobei eine mäßige Geschwindigkeit von 110 Kilometer eingehalten wird. Um 11.10 Uhr fliegen wir über die Schwarzwaldberge und erreichen Baden-Baden. In einer Höhe von 500 Meter kreuzen wir über der Rhein- ebene. 11.50 Uhr passiert das Luftschiff Karlsruhe, wo wegen Nebels die Sicht schlecht ist. Straßen und Dächer sind auch hier stark belebt. In mäßiger Höhe überfliegen wir dann

Dr. Eckener.

Mannheim, wo die Rheinbrücke mit ihrem riesigen Ver- kehr einen imposanten Anblick bietet.

Die französischen Posten auf der Brücke werden Augen gemacht haben! über Mainz geht es dann nach Frankfurt a. M., wo wir einige Manövrierbewegun­gen machen. Die Begeisterung der Bevölkerung ist ungeheuer."

Dr. Eckener

sandte von Frankfurt a. M. aus an die Funkstation in Friedrichshafen folgenden Funkspruch:

Verlaffen soeben die Stadt und nehmen direkten Kurs auf Heidelberg. Werden voraussichtlich über Augsburg noch nach München fliegen. Rückfahrt nach Friedrichshafen, weiter günstiges Wetter vorausge­setzt. Wahrscheinlich gegen 7 Uhr Ankunft dort."

Die württembergifche Staatsregierung begrüßte das LuftschiffGraf Zeppelin", das nachmittags die Stadt Stuttgart überflog, mit folgendem Funkspruch:Stolz und freudig begrüßen Staat und Volk denGraf Zeppelin" bei seinem ersten Flug über Stuttgart. Möge Graf Zeppelin" allezeit ein glückhaft Schiff sein. Württembergische Staatsregierung."

Landung in Friedrichshafen.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist glücklich um 17.28 Uhr in Friedrichshafen gelandet.

hätten und den Rat ohne Zweifel in die Lage setzen wür­den, praktische Maßnahmen zur Verhütung des Ausbruches von Feindseligkeiten zu ergreifen,

*

Berliner Länderkonferenz über Genf.

Der Antrag der bayerischen Regierung, eine Kon­ferenz der Ministerpräsidenten zur Besprechung der Genfer Verhandlungen einzuberufen, ist in der Reichskanzlei ein­gegangen. Entsprechend dem Vorgang nach früheren außenpolitischen Verhandlungen wird die Reichsregierung diesem Anträge Folge geben. Der Termin der geplanten Konferenz der Ministerpräsidenten steht aber noch nicht endgültig fest. In jedem Falle will man, ebenso wie es mit der Einberufung des Reichstagsausschusses für aus­wärtige Angelegenheiten der Fall ist, die Rückkehr der ge­samten deutschen Delegation aus Genf abwarten. Wahr­scheinlich werden die ersten Oktobertage hierfür in Betracht

kommen.

Inzwischen haben sowohl der französische Minister ' !§ Äußern, Briand, wie der deutsche Kanzler Müller "! Räumungskonferenzen

des Äußern, ~-, sich mit Pressevertretern über die unterhalten. Briand sagte, er sei mißverstanden worden, cs liege kein Grund zur Schwarzseherei vor, vielleicht komme man in kurzer Zeit zur Totalräumung. Reichskanzler Müller meinte, die Eröffnung offizieller Verhandlungen über die Räumungsfrage bedeute zweifel­los einen Fortschritt. Die Erörterungen in Genf, so schwierig sic im einzelnen waren, hatten den Vorzug, in der Weltöffentlichkeit einen außerordentlich großen Wider­hall zu finden, der uns angesichts der Stärke unseres Äechtsjtandvunktes nur erwünscht sein kann.

Steuerausgaben für den Reichstag.

Es wäre wirklich zu begrüßen, wenn man einmal feststellen würde, wie hoch die Gesamtsumme aller jener Gelder im Deutschen Reiche ist, die in der Form von Steuern, Abgaben jeder Art, Gebühren usw. in die öffentlichen Kassen fließen. Dabei würde eine geradezu schauerlich hohe Summe herauskommen. Man müßte aber noch des weiteren feststellen, wie hoch die Ausgaben und die Leistungen all dieser öffentlichen Einrichtungen verschiedenster Art sind, was uns vor allem der gesamte Regierungsapparat von Reich, Ländern, Kommunalverbänden, Gemeinden usw. kostet. Leider ist diese Feststellung, die nicht allzu schwer wäre, bisher immer noch nicht erfolgt, ist man auf ziemlich unbestimmte und recht weit auseinandergehende Schätzungen ange­wiesen. Und schließlich müßte man noch eine weitere Fest­stellung zu machen wenigstens versuchen, nämlich die, welches das wirkliche Arbeitseinkommen des deut­schen Volkes ist. Wenn man hierüber wenigstens an­nähernde Zahlen bringen könnte, die man jenen anderen, den öffentlichen Ausgaben nämlich, gegenüberstellen könnte, so würde sich zweifellos das Bild ergeben, daß ein viel zu großer Anteil des deutschen Arbeitseinkommens für die Zwecke der öffentlichen Verwaltung usw. ver­braucht wird Allein der Reichsetat weist über 9,5 Milliarden Gesamtausgaben auf, von denen aller­dings ein Drittel auf die Länder und die Gemein­den entfallen, weil diesen bekanntlich ein gewisser Teil der Reichssteuereinnahmen überwiesen wird. Zieht man dazu noch von den Reichsausgaben die ge­waltigen Kosten für die Versorgung der Kriegs­opfer und für die Erfüllung unserer Reparations- Verpflichtungen, ferner die inneren Kriegslasten und einige sonstige ziemlich unverändert bleibende Posten ab, so bleiben als eigentliche Ansgaben der Reichsverwal- mng nur rund eine Milliarde übrig.

Man hat die öffentlichen Gesavtausgaben aus etwa 15 bis 16 Milliarden geschätzt. Staatlicherseits wird be­tont. die Ausgaben bedeuten sozusagen nur ein Existenz­minimum, aber auf der augenbEcklichen Münchener TaanngdesDeutickien Grnß-nnd 0 betf fc bandels verwies ein ^elsrÄWl- -barevf. daß bic Wir: schäft, der man die Tragung der Steuern die Heranichaf- fung der Gelder für die staatlichen Ansgab-n auflädt, gleichfalls das Recht auf ein Eristenzminimum besitzt. Im nächsten Jahre verlangt das Reich 614 Millinnen mehr auf der Ansgabenseite und der dentiche Erport klagt, daß er mit seinen Waren infolge allzu daher steuerlicher Belastung gegenüber den ausländischen Warenpreisen ins Hinter­treffen gerate.

Ist nun eine Reform angemessen und möglich? Auf der einen Seite ist die Perwaftnnasresorm nur unwesent­lich vorwärtsgekommen, auf der ander-n soll nun aber Hi^r und da am Steuersystem r^^^rmi^rt w-rden. Ob es geschieht, vor allem, wie es ae^ieot, banal baM natür­lich von der Wint^rarbeit des Reichstages ab Ganz im Vordergrund steht dabei die Forderung der Wirtschaft, bei der Veranlagung zur Einkommensteuer wieder zu dem dreisäbrigen Di'rchschnitt zurückzukebren, wie er in der Vorkriegszeit bestand. Wir haben mit einem viel schnelleren wirtschaftlichen Auf und Ab heutzutage zu rechnen als in der Vorkriegszeit. So liegen allein in d-r Zeit von 1925 bis 1928 zwei Hoch- und zwei Tieftaniunk- tnren vor, was zu weitgehender Schädsaung in her Steuer- kraft vieler Wirtschaftsbmri-be g^f'"'brt bat. Es ist ein bitteres Wort auf der Münchener Taaung gefallen: D"r Staat ist heute bei jeder Firma Teilhaber am Verlust nicht beteiligt, sondern nur am Gewinn! Dabei ändern sich die Staatsaufgaben und Staatsausgaben nur un­wesentlich während Jahresfrist oder von Jahr zu Jahr, sondern sie bleiben sich vielmehr in ihren Hauptfaktoren ziemlich gleich.

Großes Gewicht legte man in München auch darauf, daß der Reichstag im Winter das schon längere Zeit vorliegende Steuervereinheitlichungsgesetz durchberät, damit die verschiedenartigen Besteuerungs- grundsätze von Reich, Ländern und Gemeinden aufhören, wo sich bisher zuweilen die merkwürdigsten Widerspr'"che zeigten. Vorsicht rät man gegenüber der geplanten Ver­mögenszuwachssteuer an: man wird zwar billigen können, wenn gewissen Inflationsgewinnlern der ihnen mühelos in den Schoß gefallene Vermögenszuwachs zum Teil ab­genommen wird, aber eine allzu hohe Besteuerung würde andererseits wieder überaus hemmend auf die so dringend notwendige Kapitalneubildung in Deutschland einwirken. Und schließlich wird nicht minder laut die Forderung nach einer Herabsetzung der Real st euern erhoben. Vergeblich war es. was bisher der Reichstag nach dieser Richtung hin beschloß: er sieht sich einer festen Front der gerade an diesen Steuern besonders beteiligten Länder und Gemeinden gegenüber. Im Winter wird übrigens auch noch die G e t r ä n k e b e st e u e r u n g ein sehr wich­tiges Kampfobjekt bilden, wo sich die Parteien im schroff­sten Gegensatz gegenüberstehen, da hier nicht bloß die Be­rechtigung der Steuer an sich, sondern, wie schon seit Jahr­zehnten, soziale Gesichtspunkte sich maßgebend bemerkbar machen.

Das ist so ein kleiner Wunschzettel, der auf der Münchener Tagung verlesen worden ist. Immer wieder muß man an die zwar unerfreuliche, aber nun einmal be­stehende Tatsache erinnern, daß parallel mit dem Steigen der Steuerlasten auch die Tendenz der ~ Steuer­hinterziehungen steigt, und ein Engländer war es, der das deutsche Steuersystem einmal bezeichnet hat als Einkommens- und Vermögensbeschlagnahme, gemildert durch Steuerdefraudation. Eine wirkliche Steuerreform kann aber nur dann erfolgen, wenn sie ergänzt wird durch eine wirkliche Verwaltungsreform unter weitestgehender Minderung der VerwMungstätigkeit und infolgedessen auch ihrer Ausgaben.