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Fulda, Montag, 24. September
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?. Jahrgang
TB« lißßi
Healerbrand -Katastrophe in Madrid
I Stiles MSreiten Ses Feuers.
Mere hundert Tote, mehr als 200 Verletzte.
ja5 alte Theater Novedades, das größte Theater .Mids ist am gestrigen Sonntag zum großen Teil nie- -Ittiirairnt. Es war ein kftöckiger Bau, in dem sich zur Katastrophe 3000 Personen befanden.
J war 10 Minuten vor 9 Uhr abends, kurz vor der Pause, als auf der Bühne Feuer ausbrach. Die ° e e H riet im Parkett und in den ersten Rangreihen waren ii jy Lage, den Zuschauerraum zu verlassen, bevor die Lumen weiter um sich griffen. Das Feuer verbreitete mit großer Geschwindigkeit, da das Theater sehr und aus Holz bestand. Eine furchtbare Panik L jofort unter den Besuchern aus, während das Met vergebens versuchte durch Weiterspielen die zu beruhigen. Ein wildes Rennen nach den Aus- ii!« setzte ein. Dabei wurden viele Menschen zu Boden '«kstn und auf ihnen herumgetreten. Alle in der Rach- befindlichen Autos wurden zur Fortschaffung Uü Arletztcn requiriert. Die Polizei und ein in der «t untergebenstes Infanterie-Regiment wurden zu htogmbeiten aufgerufen. Es wird befürchtet, daß hundert Menschen bei dem Feuer ums Leben Hm. Mehr als 200 Verletzte werden in der Ambulanz-
km behandelt.
I Me Meldungen besagen, daß, als der Theatersaal eilt einziger Brandherd war, noch etwa 30 Per- ii Flammen gehüllt, sich zwischen den Sitzreihen huLjum Ausgang zu erkämpfen suchten. Von den kHâ furchtbaren Episoden, die sich während der I Hielten, wird der Fall eines Zuschauers hervor- .^ unzählige Verletzungen erlitt, weil er stürzte ■ Sterte von flüchtenden Zuschauern über ihn hin- IWten. Ohne sich um seinen eigenen besorgniser- râ Zustand zu kümmern, erkundigte er sich bei sei- pMtung in höchster Besorgnis nach seiner Frau und F^o Kindern, mit denen er ins Theater gegangen ^«il seine Frau gerade ihren Namenstag feierte. Wiche tragische Szenen haben sich in großer Zahl ab-
Zwei Nationen gegen Amerika
nur, iM log, D
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«Wlisch-französische Wlenpakt.
D i e A u f k l ä r u n g.
'ieauterilanif^e Zeitung „New York American" hat «Nies des französischen Außenministers Briand °>emzösischen Botschafter im Ausland veröffentlicht, den genauen Wortlaut des euglisch-franzö- ^ «arineabkommens enthält, sondern auch noch bf^eswegen Frankreich den englischen Standpunkt s » enabrüstung angenommen hat. Danach soll Schlachtschiffe und die Flugzeugmutterschiffe ? Tonnen das Washingtoner Abkommen in Gel- dagegen Schiffe von unter 10 000 Tonnen Ifa «^^ und kleine Unterseeboote in unbe- hergestellt werden können. Der Briand- die Hoffnung aus, daß Italien und Japan L Wmmen billigen werden, während von Amerika die Rede ist.
L 2 don französischer noch von englischer amtlicher Richtigkeit der Wiedergabe jenes Briefes Presse bestritten, wobei aber diplo- in London betonen, daß das gesamte Ab- W mit der Zustimmung Amerikas. Jtq- I Japans stehe oder falle.
I ( Amerika protestiert.
L Ä mit dieser Mitteilung kommt aus New- der amerikanische Präsident Coolidge R W nächsten Tagen an die englische und franzö- WkiiH?ng eine Note richten, die das geheime k ganz energisch mißbillige. Außerdem b ankündigen, daß die Vereinigten Staaten I tecrhV^ HO OtzO-Tonnen-Kreuzer bauen würden.
IfeitS L"d das Verlangen gestellt, die Genfer bis , Abrüstungskonferenz abzu sagen; auch ^.,!„oUM Zusammentritt einer neuen Washing- MI?31 eine Änderung in der amerikanischen R bie flM^ einer Abrüstung nicht erfolgen. W bie b^^ntlichungen des Briand-Briefes und Gegensatz Höhende Note Coolidges erfährt natürlich und S.rWn den Vereinigten Staaten auf der
I -Frankreich auf der anderen Seite eine
genehme Enthüllungen.
bekanntem Wort ist jede Theorie grau IW01ibc^^ tritt bei den allerschönsten Theo- Mb zutage. Ungerw erinnert man sich B'Ä allein hoch- bzw. tiefsinnigen Worten int Mi^fflow^-"^bar nach dem Weltkrieg die Ge- verurteilt wurde als der übel I ^u nun A bas Unheil entsprossen sei und das lkbleuniaft mit Stumpf und Stiel ans-
Ministerpräsident Prinw de Rivera hat im Laufe der Nacht noch einmal den Brandplatz aufgesucht. Er wies auf die Notwendigkeit hin, Maßnahmen zu treffen, die ähnlichen Katastrophen für die Zukunft vorbeugen. Es sind Pioniere herangezogen worden, die große elektrische Scheinwerfer am Schauplatz der Katastrophe aufstellen, da die Gas- und die elektrische Beleuchtung infolge des Brandes abgeschnitten sind. Die Untersuchungsbehörden haben bereits ihre Arbeiten ausgenommen. Sie konnten bis zu der Treppe vordringen, die nach dem ersten Rang hinaufführt. Auf einem der Treppenabsätze fand der Untersuchungsrichter etwa 25 Leichen, die hoch aufeinander getürmt waren. Da in dem größten Teil der Theaterräumlichkeiten keinerlei Deleuchtungsmöglichkeit mehr vorhanden ist, mußten die Untersuchungsbehörden bei Fackellicht arbeiten. Es ist deshalb auch noch nicht möglich, bestimmte Angaben über die Zahl der Toten zu machen, die sich unter Umständen nod) auf den zu den Rängen führenden Treppen und in den Foyers befinden können. Man ist der Ansicht, daß im unteren Zuschauerraum nur noch eine geringe Zahl von Toten liegt, daß aber in den oberen Stockwerken, zu denen man bis jetzt noch nicht gelangen kann, eine weit erheblichere Zahl von Todesopfern aufgefunden werden wird. Die Aufräumungs- arbeiten und die Bergung der Leichen können erst beginnen, wenn die Scheinwerfer in Betrieb genommen worden sind. Die Zahl der Opfer unter den Trümmern kann noch nicht festgestellt werden. Viele Kinder warten auf den Ambulanzstationen auf ihre Eltern. Die Polizei hat große Schwierigkeiten, um die große Masse außerhalb des Theaters in Schach zu halten.
Das Feuer hat sich auf den Häuserblock um das Theater herum ausgebreitet. Dieser Häuserblock liegt in dem dichtbevölkertsten Teil von Madrid. Die Feuerwehren haben große Schwierigkeiten das Feuer einzudämmen, da die alten Häuser wie Zunder brennen. 80 der Verletzten sind in ernster Lebensgefahr. Zwei von ihnen sind in der Ambulanzstation gestorben. Unter den Toten, die sich unter den Trümmern befinden, sind zahlreiche Kinder. Die Zahl der Toten kann noch nicht abgeschätzt werden, aber man weiß, daß mehrere hundert Zuschauer in den oberen Rängen des Theaters eingeschlossen waren, die sich nicht mehr ins Freie retten konnten.
gerottet werden müsse. Für heute, morgen und in alle Zukunft! Fort mit der Geheimdiplomatie!
Natürlich ist aus dieser Theorie gar nichts geworden; böswillige Zeitgenossen behaupten sogar, daß es hierin nicht bloß um keinen Deut besser geworden fei, sondern eher noch schlimmer. Trotz aller Verpflichtungen, z. B. zwischenstaatliche Verträge beim Völkerbund registrieren zu lassen; .so manches Mal hat man — ob mit Recht oder Unrecht, ist natürlich nicht festzustellen — dann behauptet, daß gewisse Geheimparagraphen solcher Verträge das Licht der Genfer Aktenregale nicht erblickten. .
Blüht also die Geheimdiplomatie munter fort, so fehlt es selbstverständlich auch nicht an ihrer altgewohnten Begleiterscheinung, nämlich an — Indiskretionen, Enthüllungen, Vertrauensbrüchen. Für die Betroffenen pflegt ‘ das meist sehr peinlich zu sein und sie sparen nicht an gut gespielter „moralischer" Entrüstung, die freilich insofern recht unangebracht ist. als sich die Diplomatie wohl aller Mächte in diesem Punkte gegenseitig nicht allzuviel vorzuwerfen hat. Das Neueste aus diesem Gebiete ist die in der Newyorker Presse soeben erfolgte Veröffentlichung des f r a n z ö s i s ch - e n g lisch enFlottenab ko murens. Briand hatte nämlich an die französischen Botschafter im Ausland den Wortlaut dieses Abkommens mitgeteilt nebst einer langen Begründung dafür, daß Frankreich jetzt den englischen Standpunkt annehme, den unbeschränkten Bau kleiner, aber schwerbewaffneter Kreuzer ebenso zuzulassen wie den kleiner U-Boote. Was für England deswegen wesentlich ist, weil es erforderlichenfalls nun die Massen seiner .Handelsflotte ohne weiteres in Hilfskreuzer umgestalten kann. Als Gegenleistung billigte England dafür den französischen Widerstand in der L a n d a b r ü stu n g.
Nun ist natürlich im Pariser und Londoner diplomatischen Bienenkorb im Augenblick alles in großer Aufregung. Man hatte den Regierungen in W a s h i n g t o n, Rom und Tokio das Abkommen zwecks Stellungnahme kurz mitgeteilt, aber um Diskretion gebeten; Chamberlain selbst hatte im Unterhaus nur von der Tatsache des Abschlusses dieses Abkommens Mitteilung gemacht, es aber abgelehnt, die Einzelheiten zu veröffentlichen, ehe nicht jene Stellungnahme Italiens, Japans und Amerikas erfolgt sei. Nun diese Indiskretion durch Veröffentlichung des Briand-Briefes! Daß er richtig wiedergegeben ist, kann man nicht bestreiten, aber — wer war der Urheber dieses diplomatischen Skandals? Schon eine schwer zu beantwortende Frage! England hat nämlich inzwischen ein wenig „kalte Füße" bekommen und man munkelt schon, baß — Parisder Veröffentlichung näher steht, als man denkt um auf London einen Druck auszuüben. Oder erfolgte sie amerikanischerseits, um eine drastische Illustration zu dem Scheitern der Abrüstungsberatung in Gens zu geben, besonders, da die Vereinigten Staaten aus ihrer heftigen Abneigung gegen jenes Abkommen nie ein Hehl gemacht haben? Bezeichnenderweise erfolgte die Veröffentlichung unter der Uberschrfft: „Zwei Nationen
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichspräsident von Hindenburg ist zur Teilnahme an den Manövern in Schlesien nach Görlitz gereist.
* Voraussichtlich wird der „Graf Zeppelin" erst am Mittwoch wieder aufsteigen. Ende der Woche soll vermutlich eine Fahn nach Norddeutschland vor sich gehen.
* Zum neuen Völkerbundkommissar für Danzig ist der Italic Nische Graf Gravina ernannt.
Hüllmy Man I
. _* Große Erregung ist in Amerika entstanden durch Ent- igen über das englisch-französische Flottenkompromitz. ----- faßt es als direkt gegen die Vereinigten Staaten gerichtet auf.
In Madrid ereignete sich am gestrigen Sonntag abend eine Theaterbrand-Katastrophe, bei der mehrere hundert Personen ums Leben kamen und mehr als 200 Personen verletzt wurden.
geeint gegcnAmerika!" Ist also sozusagen der Auf. takt zu der Note, die Amerika nun als offizielle Antwort demnächst loslassen wird und über deren Inhalt schon jetzt Zweifel nicht mehr bestehen.
„Zwei Nationen gegen Amerika" — das ist keine ge- beimdiplomatische, sondern eine politisch unverhüllte Tatsache. Da bedeutet jene indiskrete Veröffentlichung nur eine — Pikanterie, keine Sensation. Und am pikantesten dabei ist es vielleicht, daß jenes „Zwei Nationen gegen Amerika" niedergeschrieben wurde genau einen Monat nach Unterzeichnung des — Kellogg-Paktes!
Die Kindenburg-Mnöver in Schlesien.
Blaue gegen rote Armee.
Die Aufklärungsübungen, die in den letzten Tagen in Schlesien stattgefunden haben, sind vorüber: das Hmden- burg-Manöver beginnt. Die Manöver spielen sich aus historischem Gelände ab: von dem südlich von Katholisch- Hennersdorf gelegenen Nonnenbusch soll das Wort von „Zielen aus dem Busch" stammen. Eine blaue Armee steht, Front nach Südosten, mit ihrem linken Nordost- flügel in Linie Seidenberg—Oberheidersdorf in schwerem Kampf gegen rote Truppen. Von dem rechten Flügel von Not ist die vierte Division neu eingetroffen in Gegend Greiffenberg. Sie soll aus der Gegend nordwestlich Lauban gegen die Nordflanke von Blau eingesetzt werden. Voraussichtlich wird der Angriff ungefähr in der Mitte zwischen Görlitz und Lauban entbrennen.
Beteiligt sind an den Hindenburg-Manövern bei der blauen Armee: Infanterieregiment 12, Jägerbataillon 12 (Flaggentruppe), 1. Abteilung Artillerieregiment 4, drei Viertel 6. Eskadron Reiterregiment 12 und Nachrichtenzug. Die rote Armee setzt sich zusammen aus Infanterieregiment 10, Infanterieregiment 11, Artillerieregiment 4 mit 2. und 3. Abteilung, einem Zug Reiterregiment 12 und Nachrichtenabteilung 4. Reichswehrminister Grö - ner und der Chef der Heeresleitung, General Heye, befinden sich in Görlitz, wo nunmehr auch der Reichspräsident eingetroffen ist. Außerdem sind verschiedene andere Persönlchkeiten zur Teilnahme an den Manövern eingetroffen, darunter auch Ausländer.
^n Gegenwart des Reichswehrministers Gröner und des Chets der Heeresverwaltung General Heye haben die aroßen Manöver zwischen Görlitz imb Lauban begonnen. Auch die Generale von Seeckt, von Boseck und von B^i- dorn sind erschienen, ebenso viele Offiziere fremder Armeen. Die Oberleituna des Manövers lag in den Händen des Generalleutnants Wöllwarth, des Kommandeurs der 4. Division. Die Führung der blauen Partei hatte Generalmajor Krantz. Infanterieführer IV. die der roten Partei Generalmajor Fischer. Artilleriefübrer IV.
Nach wechselvollem Kampf, der interessante Momente brachte, neigte sich der Sieg schließlich den roten Truppen zu. Die Truppen, die in den letzten Tagen schon große Anstrengungen hinter sich hatten, machten einen hervorragenden Eindruck, und auch der Reichswehr- minister Gröner, der, wie er erzählte, seit Kriegsende keine Manöver besucht hat, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Mannschaften einen so vortrefflichen Eindruck machten.
Ministerbesuche in Schlesien.
Eine Folge von Hindenburgs Schlesienreise?
Der Reichspräsident hatte bekanntlich bei seiner Schlesienreise, besonders nach seinem Besuch in Waldenburg, geäußert, daß er tief erschüttert sei von den dort herrschenden schlechten Wohnungsverhältnissen und daß er sich persönlich dafür einsetzen wolle, daß hier von Regierungsseite Abhilfe geschaffen werde. Die Inspektionsreisen der Minister, die jetzt gemeldet werden, sind sicherlich auf die jetzt erfolgte persönliche Anregung Hindenburgs so beschleunigt erfolgt.
Im Anschluß an die Teilnahme am Deutschen Städtetag in Breslau wird Reichsinnenmini st er Severing die Wohnungsverhältnisse in Nieder- und Oberschlesien in Augenschein nehmen und die reichseigenen Wohnungen in beiden Provinzen besichtigen. Am Mittwoch, den 26. September, wird der Minister im Auto Hirschberg, Schmiedeberg, Landeshut, Waldenburg und Neurode besuchen.
Neichsverkehrsminister von Gusrard wird Oberschlesien zum Studium der Verkehrsverhältnisse und insbesondere der Kanalfrage, bereisen. Der Minister wird von Sachbearbeitern seines Ministeriums begleitet werden. Außerdem werden mit dem Minister reisen: Oberpräsident Lüdemann-Breslau als Chef der Oberstrombauverwaltung und Oberprästdent Dr, Vroske-Ovveln.