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^ulva, Sonneistag, 4 Oktober
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5. Jahrgang
die Triumphfahrt des „Graf Zeppelins
IW Sodensee zum Bodensee. I Aach 36 (Stunden glatt gelandet.
I ^ Luftschiff „Graf Zeppelin" hat seine Probefahrt M^lmerikareise beendet. Es ist, nachdem es sich etwa «Nden in der Luft aufgehalten und Holland, Eng- einen großen Teil Deutschlands besucht hatte, UWwoch abend %6 Uhr in Friedrichshasen glatt gc« nachdem es längere Zeit über der Stadt ge* hatte.
■ U Stadt Friedrichshafen war am Mittwoch noch MHllter als sonst. Alle Hotels waren dicht besetzt, weither waren Leute gekommen, um sich das Mänte Schauspiel der Landung aus der Nähe anzu- M ^er Platz vor der Werft war von einer großen MÄenmenge umsäumt. Während das Schiff über der Mi lmstc, wurde ein riesiger Strauß herbstlicher Feld- zur ^aöc gebracht, offenbar ein Gruß für den Kto des Schiffes.
f An die letzten Fahrtetappen des Luftschiffes wird B weinen folgendes berichtet:
■ Wem das Luftschiff „Graf Zeppelin* am MM abend die holländische Grenze überflogen hatte, 6 auf seiner Fahrt nach Rotterdam über Doorn. MM Kaiser und seine Familie beobachteten den MuWßÄöem Interesse und winkten dem Lustkreuzer M A Rotterdam aus nahm das Luftschiff Kurs nach W;!MD und steuerte
k die Nordsee auf die englische Küste zu,
»MSu ff 0 l k erreichte. Die strahlende Beleuch- Schiffes und der Lärm der Maschinen brachie Ätenlng rasch auf die Straßen. Der Zeppelin Mntv üb« y a r m 0 u 1 h, gab aber keine Signale E!»at nach 2—3 Minuten der Sicht entschwunden. Das us Luftschiff, das von vorn bis hinten erleuchtet war. ich der Nacht einen ebenso fesselnden Anblick wie bei
Die Nacht über vjk Dr. Eckener über der Nordsee und an den Küsten üN, um damit der Besatzung Gelegenheit zu geben,
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Die Fluglinie des „Graf Zeppelin".
M de« See- und Küstenzeichen für die Amerikafahrt SU machen.
Uhr nachts befand sich der Zeppelin über L ^ "ud überflog zwei Stunden später Ostfries- .uv« Bremen steuerte das Schiff Schleswig-Hol» am frühen Morgen um 5 Uhr wurde
y Mnsburg, die Vaterstadt Dr. Eckeners,
wS Kiel überflogen. Um 6.45 Uhr traf der NmL.vt H a m bürg ein. Trotz der frühen euLL. ^ hatte sich auf den Dächern und in den Stra- yirjk” I" zahlreiches Publikum angesammelt, das den i n vegeisten begrüßte. Dann ging die Fahrt über ^ilh" tras^e nach der Reichshauptstadt. Pünktlich ! h ,. "Graf Zeppelin" in Berlin
K^ Flugzeugstaffel und mehreren k ju. J1^ Flugzeugen. Hunderttausende jubelten ^Mj^ Oberbürgermeister Böß richtete auf funken- ^^e an das Luftschiff einen Will- Gliben "ber den, Palais des Reichs- ^As dx,,, tvarf Dr. Eckener einen Rosenstrauß ab, 'Wrbe kx?^ ^mes der benachbarten Häuser landete. » kr «Ij^ stn seinem Bestimmungsort abgegeben ^ie «'Präsident bedankte sich durch Funkspnrch. ^unaâk.,«,? ^ 8 i e r u n g sandte einen herzlichen
an Dr. Eckener.
zollen fub/^Meifenfahrt über der Stadt und den "^Sa^ Luftschiff in der Richtung auf Bifter- [ $ ’G n weiter. Es wurden möglichst
bukt au?tck sächsische Städte besucht, ßkner Z namentlich Dresden, zumal „sich der Satnmh.J0 . Ahlhelm an Bord befindet, der sich ' 'ltUlgAf u^ sur die Natioualspende besonders brr«
* litt i i Q wurde überflogen und auch
dort bereitete die Bevölkerungg dem Luftkreuzer jubelnden Empfang. Über Meißen kommend, traf „Graf Zeppelin" dann über Dresden ein, wo er einige Schleifenfahrten ausführte; weiter ging es dann in südwestlicher Richtung und über Chemnitz, Zwickau und Plauen wurde Reichenbach angesteuert. Nach Überfliegung des Fichtelgebirges wurde Bayreuth -besucht. Schnell wurde Bayern überflogen, um 3.20 Uhr nachmittags wird württembergisches Gebiet erreicht und um 5 Ubr ist das Schiff wieder in Friedrichshafen.
Das Lustschifs über dem BrmweM» arger Tor in Berlin.
Die Ergebnisse der Dauerfahrt.
Friedrichshafen, 3. Oekt. (Vom Sonderberichterstatter des WTB.) Der „Graf Zeppelin" liegt jetzt, nachdem er von der großen Menschenmenge mit Jubel begrüßt worden ist, wieder in der Halle. Er hat mit dieser Dauerfahrt die große Probe für Amerika bestanden. Dr. Eckener sowie die anderen Herren von der Führung erklärten, daß das Schiff sich glänzend bewährt habe. Im ganzen hat das Schiff 2800 km zurückgelegt. Die größte Höhe war 2375 Meter während der Nacht über der Nordsee. Während der ganzen Dauer der Fahrt haben die Motoren ausgezeichnet gearbeitet, es ist nicht die geringste Störung vorgekommen. Auch die Brenngasversuche, die während dieser Fahrt fortgesetzt wurden, haben allen Erwartungen entsprochen, und es hat sich gezeigt, daß auch das gemeinsame Laufen der Motoren auf Brenngas vollkommen einwandfrei funktioniert. Während des größten Teiles der Fahrt ist noch Benzin zum Antrieb verwandt worden, weil das Blaugas nach Möglichkeit für die Amerikafahrt aufgespart werden soll. Ein wichtiges Ergebnis ist ferner, daß das Schiff keinerlei Defor-. mierung zeigte. Gerade bei einer so langen Fahrt können sich an einem neuen Schiff mit dieser riesigen Konstruktion leicht Verbiegungen oder Verlagerungen zeigen. Aber nichts davon ist aufgetreten, obwohl der „Graf Zeppelin" auch mit starkem Wind zu kämpfen hatte, so namentlich gestern nachmittag im Nhcinlande und heute nacht über der Nordsee. Das Interessanteste waren diesmal die navigatorischen Uebungen während der ganzen Nacht. Der Steuerraum war von dem dahinterliegenden Kartenraum vollkommen abgeschlossen und dunkel, damit die Navigation ausschließlich nach den Instrumenten durchgeführt wurde. Es war ein seltsamer Eindruck, sagte jemand, der dabei war, in dem dunklen Raum stehend, nur das bunte Aufleuchten der Apparate und unten das weite dunkle Meer zu sehen. Mit diesen Uebungen ist die Besatzung für die Amerikafahrt geschult. Dr. Eckener hat sie zum großen Teil selbst geleitet. Er hat auf der ganzen Fahrt nur eine Stunde geschlafen, machte aber beim Verlassen des Schiffes einen durchaus frischen Eindruck. Auch der Vertreter des Reichsvcrkchrsmini- steriums, Ministerialrat Mühlig-Hoffmann, hat den Uebungen beigewohnt. Er erklärte sich von der Fahrt ebenfalls außerordentlich befriedigt.
Das Schiff wird jetzt überholt; cs wird außerdem letzt das Nachziehen der Hülle beendet. Im Aufenthaltsraum der Vefat-. zung im Innern des Schiffskörpers muß eine Umänderung vor- genommcn werden, weil sich gezeigt hat, daß die Ventilation sich zu stark auswirkte. Ueber der Nordsee herrschte in der Nacht fünf Grad Kälte, und dieser eisige Wind setzt die Mannschaft natürlich gesundheitlichen Gefahren aus. Die Aenderung ist aber im wesentlichen bereits durchgeführt.
Am Montag wird das Schiff dann für die Amerikafahrt klar sein, so dâß die Reise über den Ozean dann sofort angc- treten werden kann, wenn das Tief, das augenblicklich zwischen den beiden Kontinenten liegt, vorüber ist. Post und Verpflegung werden vorher an Bord gebracht werden. Die Briefe bekommen den Poststempel vom 7. Oktober. Vorher wird das Schiff voraussichtlich noch eine kurze Werkstättenfahrt machen, um auszuprobieren, ab die Aenderung der Schlafgelegenheit für die Mannschaft genügt.
Die Fahrtteilnehmer schildern ihre Eindrücke in begeisterten Worten. Die Nachtfahrt sei wundervoll gewesen, und einer der schönsten Eindrücke war Rotterdam in der Abenddämmerung. Das Schiff ist überall, auch in Holland und England, wo es sehr niedrig flog, herzlich begrüßt worden. Die Begeisterung in Deutschland ist unbeschreiblich gewesen.
Es hat geklappt.
Es hat tadellos geklappt — und wenn wir Deutsche hochmütig wären, dann würden wir hinzusetzen: selbstverständlich. Und wenn wir ganz hochmütig wären, dann würden wir sagen: das hat niemand anders erwarlet-l
Recht daraus, als Deutscher auf das Werk eines Deutschen mehr als stolz zu sein, hätte man ja. Nach dem Kriege nahmen uns die Gegner die Zeppeline, sie mußten für Kriege nahmen uns die Gegner die Zeppeline, mußten füg sie sogar neu gebaut werden. Aber es ruhte kein Segen darauf. Einst, als die spanische Armada beim Angriff auf Englands Küsten durch Stürme zerstreut und zerstört wurde, da ließ die englische Königin Elisabeth eine Denkmünze prägen mit der Aufschrift: Gott blies und sie zerstoben in alle Winde. Fahrlässige Unfähigkeit beförderte den an Frankreich abgelieferten Zeppelin mit 50 Menschen in die tödliche Tiefe. Was nach England und Italien kam, ist verrostet und verrottet. Dem Vorgänger des jüngsten Kindes der Zeppelinwerft, dem in der Reihe der Zeppeline die Nummer 126 gegeben wurde und den Dr. Eckener nach Amerika lenkte, ist auch kein sehr nutzbringendes Leben beschieden. Sein Kapitän machte jetzt die Fahrten des „Graf Zeppelin" mit. Es ruht kein Segen auf diesem Zwangsgebot und ebensowenig wie einst die Franzosen den bei Nancy Niedergegangenen Zeppelin nachmachen konnten trotz eifrigsten Studiums, gelingt cs den Nutznießern der Versailler Bestimmungen, mit dem Werk des Grafen Zeppelin fertig zu werden.
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Es hat tadellos geklappt — trotz der Mißgunst des Gottes der Wolken und der Winde. Das Luftschiff zog an der Grenze des besetzten Gebietes entlang, sorgfältig überflüssige Bestimmungen achtend. Ein sranzösischer Militärflieger — die Franzosen sind nun einmal überaus geschmackvolle Leute — rimkreiste ihn über unbesetztem Gebiet. Es war ja heute gefahrlos: vor zehn, zwölf Jahren hätte er cs kaum gewagt. Da faßen sie iw den Kellern, wenn die „Zeps" über Paris kreisten. Als „L. Z. 126" nach Amerika zog, da überflog er nach dem Krieg zum erstenmal wieder französisches Gebiet, und es fehlte nicht an hämischen Bemerkungen. Vielleicht sagt jetzt Briand, daß Deutschland mit den: neuen Zeppelin seine Kriegsrüstung verstärkt hat!
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Auch über England erschien wieder — seit dem 72. April 1918 — ein Zeppelin, aber nicht mehr votl,dèw Gebrüll der Abtvchrkanoncn und den Angriffen der Flieger empfangen wie damals. Die Zeppeline zerstörten den Ruf von Englands Unangreifbarkeit. Ebenso wie die deutschen Schiffe vor Yarmouth und Lowestoft an der Küste Ostenglands. Nachtfahrt übcrEngland — aber die Sirenen heulen nicht mehr Alarm, nicht mehr erlöschen alle Lichter aus Angst vor den »flying huns*, den „fliegenden Hunnen". Und oben im „Graf Zeppelin" sitzt der Kommandeur von „L. 15", der einst, auf Kriegsfahrt gegen England, abgeschossen wurde, aber anfgefischt werden konnte, nicht das Schicksal des „L. 19", das „Baralong"- Schicksal erlitt.
Vorbei. Jetzt fährt „Graf Zeppelin" die Friedensfahrt, donnern seine Motoren nicht mehr ein Kriegslied, wurde gerade, was hoch oben in der LUft aufeinander losstieß, zum stärksten Werkzeug internationaler Verbindungen: Luftschiff und Flugzeug. Und in friedlichem Wettstreit ringen die Nationen um die Palme des Erfolgs. ■ .....
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Und dann geht es zurück nach Deutschland, über Schleswig, wo Dr. Eckener seine Geburtsstadt Flensburst grüßt und damit die deutsche Nyrdmark. Über Bremen, hinweg, dessen Namen die so erfolgreiche „Konkurrenz" trägt. Dann quer über Deutschland in den Heimathafen zurück.
Er kann die Millionen grüßen, die ihm von unten her zujubelten, kann aber auch bic funfentefe« graphischen Grüße empfangen, die man hinaufsandte. Et schwebt in der Luft und bleibt doch in ständigem Sprechverkehr mit dcr Erd e.' Aber vergebens harrt Ostdeutschland, harrt vor allem Ostpreußen auf das Erscheinen des Zeppelin. Die Enttäuschung ist nun natürlich groß und berechtigt. Gerade dort bedarf man ja dieser nationalen H e r z st ä r k u n g, die der Anblick des stolzen „L. Z. 127" bedeutet. Um so größer ist das Bedauern, weil ja ein Abstecher nach Königsberg angekündigt war.
Es hat nicht sollen sein, eine neue Brücke über den Polnischen Korridor hinweg blieb vorläufig noch ungeschlagen. Vorbei ist diese Probefahrt, die zur T r i u m p h f a h r t wurde, über Deutschland hinweg, aber auch über .Holland und England. Hoch droben fangen die Motoren das Lied von deutschem Vorwärts- streben. Von deutscher Arbeit und von deutschem Aufwärts der Sonne entgegen.
Es bat tadellos geklappt,