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Ml-aer Anzeiger

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Ä-1928

Fulda, Montag, 15 Oktober

5. Jahrgang

Zeppelin in schwerem Endkampf.

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55 Kilometer in der Stunde.

MMenschen erwartenGraf Zeppelin". I wzhrend des ganzen Sonntags war im Newporter iLjen Lakehurst großer Betrieb. Etwa 50 000 Zu- hatten sich eingefunden, um der Landung des R Zeppelin" beizuwohnen. Auch der de u 1 s ch e »tzichafter mit dem amerikanischen stellvertretenden im Marineamt Robinson waren erschienen. Das |.Wwttcr toar vorzüglich. Zehn Armeeflugzeuge lâls Zivilflugzeuge standen auf dem Flugplatz vo-, I^Uland bereit. um dem Zevvelin entaeaenzufliegen.

I B. Lakehurst, 15. Oktober. Infolge des unausgesetz- l,,Zustroms von Menschen, die der hier mit zunehmender Innung erwarteten Ankunft desGraf Zeppelin" bei- lân wollen, ist auf allen nur mäßig breiten Land- Lp in einem Umkreise von 20 Meilen eine derartige kW von Kraftfahrzeugen im Anrollen, daß der Verkehr ich gestaut ist. Auf der 9 Meilen langen Landstraße lWsod-Lakehurst stehen die Automobile in dreifachen Mt, Sie müssen stundenlang warten, ehe sie wieder

M Meter vorrücken können.

I & Meldungen über die Ankunft des Zeppelins in gingen dauernd auseinander. Bald hieß es, daß I teWfijiff am Sonntagabend in Lakehurst eintreffen »âkld wurde mit der Ankunft erst am Montag qe- 1 M Der Grund für diese auseinanderlaufenden

Men lag vor allem in einer

' Beschädigung des Luftschiffes am linken Höhensteuer,

liidie Fahrtgeschwindigkeit desGraf Zeppelin" etwas I itiiifsättigte, obwohl der Schaden nach dreistündiger Mit behoben werden konnte.

I Das amerikanische Marineamt hat, obwohl derGraf kMin' auf eine Hilfe verzichtete und nur um Mit- I Itilung von Wettermeldungen bat, im Anschluß an die iMiemeldungen alle leichten Kreuzer in Hampton |W und alle Zerstörer in Charleston angewiesen, so- Ilm ouszulaufen, um dem Luftschiff Hilfe zu leisten, falls llit nötig sein sollte.

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Der Standort.

' Washington, 14. Oktober. Das Marineamt er» einen von der Station Norfolk aufgefangenen Funk- Ach des Zeppelins, der um 6 Uhr mitteleuropäischer Zeit ÄCchiff ausgesandt wurde und besagt, daß das Luft- M iur Zeit sich etwa 80 Meilen nordwestlich der Ber- befindet und nach Südwesten fährt, um ein Gebiet sMerer Winde zu erreichen.

aHamilton (Bermudas), 14. Oktober. DerGraf überflog die Bermudas gestern abend um 6.41 Werikanücher Zeit. Das Luftschiff flog ziemlich | 5 wit mäßiger Geschwindigkeit, die auf 3240 km I r^^E. Das Luftschiff hatte gegen Nordwestwind

^ 14. Oktober. Bei dem hiesigen Marine- â.. ^Z Funkspruch von Bord desGraf Zeppelin" ein- L B ln dem es heißt, daß das Luftschiff wahrschein- kp1 vor Montag nachmittag in Lakehurst eintreffen

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Ilarii"

Washington, 15. Oktober. Wie das Marineamt jk; w Commander Rosendahl von Bord des Luft- »r^.^ ^r abends (2 Uhr morgens mitteleuro- TwA gefunkt, daß sich der 2'

kM m der Bermudas befinde. Im Marineamt fe >N daraus entnehmen zu können, daß das Luft- dmkt auf Lakehurst zusteuert.

tz^.Washington, 15. Oktober. Der Marine-Nachrich- J ?Eldet, daß sich das Luftschiff um 11 Uhr nachts ^ ??g^er Zeit (5 Uhr morgens mitteleuropäischer

3 Meilen wesllich der Bermuda-Gruppe befand. ^Sichtung durch den DampferLafooma". ^âs^"'«^ (Bermudas), 15. Oktober. Der Damp» tz der wie gemeldet, gestern abend das Luft- vii.^ ?"' Zeppelin" gesichtet hat, gab seine Stellung I5tij) 4 5. ^ ^rad 23 Minuten nördlicher Breite. 63 ^dèr't ''"^EEU westlicher Länge, etwa 62 Meilen öst- ^fet r-s ^' ^ilvid. Alles schien gut zu gehen. Ein kt Zejj^^^^^wind herrschte. 1.55 Uhr mitteleuropäi- M ^ das Luftschiff die St. Georgs-Insel über» ^^^s nach Westen genommen.

^ ^ ^Euch mit dem Luftschiff.

^llchr^^' 15. Oktober. Der funkentelegraphische '^'i^nt '!7?em Luftschiff und dem amerikanischen ;^ " Jc^ durch die Funkstation von Savannah füllen, ^ "^^^E erhalten, die anscheinend bei dem ^Wjct^ des Zeppelins aufzufangen, ll als die anderen amerikanischen Stationen.

Keine Beunruhigung in Amerika wegen der Beschädigung desGraf Zeppelin".

wtb. Washington, 14. Oktober. Aus Lakehurst kom­mende Gerüchte, daß der Umfang der Beschädigung des Zeppelin-Luftschiffes möglicherweise doch größer sei, als angenommen wurde und daß das amerikanische Luftschiff Los Angeles" entsandt werden dürfte, um denGraf Zeppelin" ins Schlepptau zu nehmen, wurden in Marine­kreisen für unbegründet erklärt. Amtlich wurde mitge- teilt, daß keine Befehle zur Entsendung irgendwelcher Luft- oder Marinehilfsschiffe zum Zeppelin gegeben wor­den sind. Die Marine-Radio-Station übermittelte heute abend dem Zeppelin Wetterberichte, die auf dem Luft­schiff auch ausgenommen wurden.

wtb. Washington, 15. Oktober. Das Marineamt hat gestern abend drei in Charleston (Süd-Carolina) liegende Zerstörer angewiesen, sich bereitzuhalten, um gegebenen­falls innerhalb einer Stunde zur Hilfeleistung für den Zeppelin abzufahren, falls das Luftschiff Beistand erbit­tet. Die Zerstörer hatten auch bisher unter Dampf gele­gen, sie brauchten aber erst 4 Stunden nach Eintreffen des Befehls marschfertig zu sein. Die Marinebehörden haben abgelehnt, zu erklären, was sie zu dieser Vorsichts­maßregel veranlaßt hat.

Das âavoufftück persönlichen Mutes.

Fn Friedrichshafener Fachkreisen wird daraus hin- aewiesen. daß die FnstandseNung der beschädigten Stabili- sierungsftäche mit großer Lebensgefahr für die Männer verbunden war; die sich dieser Aufgabe unterzogen haben. Da die Geschädianng die untere Besvannung betroffen hat, schwebten sie auf den schmalen Gerüstteilen über dem tief unter ihnen liegenden Ozean so daß die Gefahr des Ab­stürzens bei dem schweren Unwetter ihnen vor Augen stehen mu&te. Um so mehr ist drese« Bravourstück treuer Bflichtcrfttllnng und persönlichen Mutes hervorznheben. Unter den Männern, die das schwere Werk vollbrachten, sind besonders die drei Angenieure Bäuerle, Siegle und der junge Knud Eckener, der Sohn Dr. Eckeners, zu nennen.

Dr. Dürr über die Belckädigung des®raf Zeppelin".

Der Konstrukteur desGraf Zeppelin", Dr. Dürr, der gegenwärtig in Friedrichshafen ist, erklärte über die Be­schädigung des Luftschiffes:

Es liegt kein Grund zur Beunruhigung vor. In der Tat ist die Stabilisierungsfläche nach den letzten bei mir einge- gangenen Nachrichten auch bereits wieder instandgesetzt. Man kann nämlich von innen an die Bespannung herankommen, in­dem man über die Konstruktionsteile geht, und kann die ab­geschlagene Bespannung wieder befestigen. Sollte sie sich nicht an den Konstruktionsteilen gelöst haben, sondern zerrissen sein, so kann man ebenso gut die zerrißenen Teile wieder anein­ander befestigen. Reservebespannung ist nicht an Bord, aber es schadet auch nichts, wenn schlimmstenfalls eine Öffnung bleibt. Die Steuerfähigkeit ist nicht be­einträchtigt Das ist das wesentliche. Der einzige Nachteil ist. daß die Geschwindigkeit etwas vermindert wird.

Über die Ursache des Defekts erklärte Dr Dürr schließlich noch, daß die Stabilisierungsflächen sehr stark beansprucht würden, wenn das Schiff scharfe Veränderungen in der Höhen­lage vornimmt, allo schnell Retat oder hernntergelu Dadurch entsteht in der flösse erheblicher Unterdrück und es ist dnechons möglich, daß das Zerreißen auch mit hieraus zurückzuführen ist. Das Schiff ist übrigens durch schwere Regenböen gefahren.

Kein Verkauf des /.Graf ZeppötM" nach Spanien.

Nach einer Meldung aus Newpork soll die spanische Luftschiffahrtsgesellschaft denGraf Zeppelin" für 12 Millionen Dollar gekauft haben. Diese Nachricht wird von dem Generaldirektor der Zeppelin-Luftschiff- bau-G m. b. H., Kommerzienrat Colsmann, dementiert. Der Vertreter der spanischen Gesellschaft, Oberst Herrera, befindet sich an Bord des Schiffes, um einen persönlichen Eindruck von der Praxis des Transozeanverkehrs tm Luftschiff zu gewinnen, und es sei ja auch bekannt, daß der Luftschiffbau seit längerem mit Spanien verhandelt. «In sich sei nichts dagegen einzuwenden, daß derGraf Äevvelin" eines Tages nach Spanien verkauft werde, wenn damit die Mittel gewonnen würden, um das Luft- schiffahrtsproblem weiter zu entwickeln. Dazu sei aber vertragsmäßig die Zustimmung der Reichsregierung er- forderlich Vorläufig sei aber nur beabsichtigt, das Luft- sckiff ru verchartern. Ehe es jedoch soweit komme, wolle die »uftschisfbau-G. m. b. H selbst mit der Durch­führung ihres großen Fahrprogramms erst einmal zeigen, lvelche Leistungen aus dem Schiff herauszuholen sind.

Mckflug nach zehn Tagen.

Nach Erklärungen von Dr. Arnstein von den Goodyear-Zeppelin-Werken wird derGraf Zeppelin" innerhalb einer Frist von zehn Tagen nach Berlin zurück­kehren, um dort zurIla" einzutreffen. Für den Rück- flug sind bereits fünf Paffagiere vorgemerkt.

(Weitere Meldungm siehe unterLetzte Nachrichten".)

Die Seemeile.

1 Seemeile 1,8 Kilometer ca.

Die amerikanische Zeit.

Um nach den amerikanischen Zeitangaben die deutsche Zeit zu errechnen, müssen zu den amerikanischon llhrzeiten rund sechs Stunden hinzugerechnet werden. 12 Uhr mittags amerikani­scher Zeit ist 6 (18) Uhr abends mitteleuropäischer Zeit.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* In Lodz in Polen wird ein großer Streik der Textil­arbeiter ausgerusen, an dem sich aus Sympathie auch andere Gewerkschaften beteiligen und der das ganze Land zu er­greifen droht.

* Ein französisches Unterseeboot wurde von einem grie­chischen Dampfer gerammt und sank. 43 Mann Besatzung fanden den Tod.

* Bei einem Zusammenstoß zweier englischer Eisenbahnzüge wurden neun Personen getötet und 21 verwundet.

politische Rundschau.

Oeuffches Reich.

Reichsminister Dr. Curtius über das deutsche Parteiwesen.

Auf einer Tagung der Südwestdeutschen Arbeitsge­meinschaft der Deutschen Volkspartei in Heidelberg erör­terte der Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius in einer Rede die verschiedenen Möglichkeiten und Wege der Gro­ßen Koalition, die er an sich für gegeben für die nächste Führung der politischen Geschäfte im Reich und Preußen sieht. Nachdem der Minister unter anderem auf die Krise des deutschen Parteiwesens eingegangen war, sagte er zum Schluß: Die drei nationalen Ziele, um die wir kämpfen, lassen sich dahin umreißen, daß wir den deutschen Land­wirt nicht untergehen lasten, die Lebenskraft des deutschen Mittelstandes erhalten und hie Seele des deutschen Ar­beiters vor der Maschine retten wollen.

Die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen.

Der Führer der deutschen Handelsvertragsdelegation, Minister Hermes, der gestern morgen aus Berlin in War­schau eintraf, hatte gestern abend eine einstündige Kon­ferenz mit dem polnischen Bevollmächtigten für Handels- vertragsverhandlungen, Minister von Twardowski. Wie die offiziöseEpoca" mitteilt, informierte Minister Her­mes Herrn von Twardowski über die Stellungnahme des Reichskabinetts gegenüber den Wünschen der polnischen Regierung betreffend einen deutsch-polnischen Handelsver­trag. Die Mitteilungen Dr. Hermes' werden Gegenstand gesonderter Beratungen der polnischen maßgebenden Stel­len sein.

Aus In- und Ausland

Berlin. Der frühere Deutsche Katzer soll, nach hol­ländischen Meldungen, das Schloß Heerenberg, nahe der deutsch-holländischen Grenze, gekauft haben, da das Schloß Doorn nicht mehr ausreichend sei.

Weimar. Die mit der Vertretung bei den Verhandlungen um die Regierungsbildung beauftragten Abgeordneten legten ihren Fraktionen zwei Mini st erlisten vor, über deren Annahme bzw. Ablehnung bis zum 16. Oktober eine Enftchei- buna gefällt werden soll.

Baden-Baden. Reichsminister Dr. Stresemann reifte von Baden-Baden ab, um vor seiner endgültigen Rückkehr nach Berlin noch einige Tage in Wiesbaden zu verbringen.

Zweibrücken. Die Staatsanwaltschaft hat im Einver­nehmen mit der Stadtverwaltung eine Belohnung von 2000 Mark für die Ermittlung der Leute ausgesetzt, die die Triko­lore vom französischen Offizierskasino heruntergeholt haben.

Paris. Hier verstarb im Alter von 82 Jahren General P e r c i n. Er spielte eine wichtige Rolle bei dem französischen Rückzug aus Belgien und besonders bei der Belagerung von Maubeuge. General Percin ist Verfasser zahlreicher militä­rischer Werke.

Paris. LautIntransigeant" ist der in die Angelegen­heit Horan verwickelte französische Journalist Dela- planque von seiner Redaktion entlassen worden mit der Begründung, daß er gegen Entgelt an einer ausländischen Nachrichtenagentur mitarbeitete, die als Frankreich feind­lich bekannt war.

Prag. Der Senat nahm eine Resolution an, in der die Regierung aufgesordert wird, die Verbandlungen mit der deut­schen Regierung zwecks endgültiger Regelung der Sozialver­sicherung im Hu l 1 schiner Ländchen möglichst zu be- fchleunigen.

Madrid. Der Kriegsminister Herzog von Tetuan ist im Alter von 64 Jahren gestorben.

Zahn-Feier in der Walhalla.

Unter Beteiligung der Reichs- und Staatsbehörden.

In der Walhalla bei Regensburg wurde am Sonntag auf Antrag der Deutschen Turncrschast die Büste Friedrich Ludwig Jahns feierlich enthüllt. Auf den breiten Stein­stufen zur Walhalla hatten bei Beginn des Festaktes Ab­ordnungen der Turner und Studenten mit ihren Fahnen Aufstellung genommen. Mit Fanfarenklängcn wurde die Feier eingeleitet. Unter dem weihevollen Gesang der Sängerriegen des bayerischen Turnerbundes zogen die Ehrengäste, an ihrer Spitze Ministerpräsident Dr. Held, in den weiten Marmorprachtbau ein, wo sie vor der Büste Jahns Kränze niederlegten

Unter den Ehrengästen befanden sich der Vertretender Reichsregierung, Gesandter von Haniel, für die preußische Regierung Minister Dr. Denk, für den Reichstag Vizepräsi­dent von Kardorsf, die Vertreter der Länder und die führenden Persönlichkeiten des deutschen Turn- und Sport­wesens, darunter auch Führer der deutschen Turner aus Österreich und aus der Tschechoslowakei.

Nach Ansprachen des Kultusministers Dr. Golden- Berger, des Iustizrats Dr Fritz Tboma-München und des Professors Dr. Oskar Berger-Berlin, des ersten Vorsitzen­den der Deutschen Turnerschaft, wurde die überwältigende Feier mit dem allgemeinen Gesang des Deutschlandliedes und des Jahn-Marsches geschloffen.