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Fulda, Mittwoch, 17 Oktober

5. 3ut)ipai 8

Der gefesselte Luftriese

Oie Prüfung.

Nam sicheren Platz hinter dem Ofen läßt sich's leicht J.Denn die Elemente hassen das Gebild' aus Ülckcnhand", aber den Männern, die denGraf Zeppe- Z Amerika hinüberführten, mag Wichtigeres durch ® Mf gegangen fein als superkluges Zitieren. So Mier der den Flug hinüber über den Ozean wagte, ist i^Mn; nur Überreste des Flugzeuges sprechen von U Drama, das in der Luft begann und im Wasser f Schärfer als bei der Fahrt desL. Z. 126" haben Mal die Elemente denGraf Zeppelin" gerüttelt und Titelt haben sich ihm heulend entgegerrgeworfen und Mine Wunde geschlagen. Ernsthafter wurde diesmal die Me auf das, was das Werk des Grafen Zeppelin und M Nachfolger zu leisten vermag. Kein Flugzeug wagt y im Oktober, jetzt noch, auf den Ozean hinaus Br trotz der Alarmmeldungen, trotz der Kunde von der taktiertet! Steuerfähigkeit des Luftschiffes kam wohl liMndsnl die Befürchtung, daß dieser Angriff der Ele- Kiic demGrak Zeppelin" eine ernsthafte, eine gefähr- Z-Wi'ude geschlagen, das Leben der Passagiere bedroht ^. Unbeirrt, wenn anch im Laufe etwas gehemmt, Jticr Luftriesè feinen Weg dahin. Man denkt zurück an jJmd^ Mißgeschick, an so manche Verwundung und 'MMg, die während des Weltkrieges unter so viel gierigeren und widrigeren Umständen feindliche Gegsn- M«q od:-r si( Ungunst der Elem-mte die Zeppel'ne in Michsic, tast hoffnungslos a"ssehende Lagen versetzte, »jmn weiß aus den Erzählungen der Fahrtteilnehmer Nimnals, wie man selbst solcher Situationen und i Mmals Herr zu werden vermochte, doch schliek-lich

- 8 Atzenden Lufthafen erreichte. DerZeppelin" ist ja ÄKuazeug, das herunter muß, wenn an ihm nur teiges versagt, es gar die Manövrierkälugkeit verliert.

Lnaambrige Erfahrung läßt die Führer desGraf Melin" auch den erwarteten Gefahren ebenso gewachten im wie den unerwarteten. Gerade letztere aber sind der

dir kl iche Prüfstein des Könnens. Voraus- Wen an das, was noch kommen kann, genaueste Berech- niiitg und entsprechende Einsetzung der Mittel für den èieciim Kampf mit den Elementen fern jeder die Erreichung des Endzieles gefährdenden Rekordsucht konnte man bei den Männern um Dr. Eckener ja voraus- ?

setzen. Es war so charakteristisch, daß er die zahllosen Fragen aus aller Welt, die ihm auf den Radio- und Funlviellen zugetragen wurden und Näheres über Stand­ort Ergeben, Absichten des Luftschiffes wissen wollten, kurz und fast unwirsch dahin beantwortete, daß er Wich- tikkeres zu tu habe, als diese wenn auch verständliche Neu- tzierde zu befriedigen, nämlich Wettermeldungen entgegen- »nnehmen: alles andere aber störe nur. Hier sprach das Pnantwortungsgefühl für das Schiff, seine Besatzung Md die Passagiere.

Nur grotesk-hämischer Neidbegrüßte" das kleine «Mschick des Luftschiffes aber niemand hat bei uns Md in dem von fieberndem Erwarten erfüllten Amerika «an gezweifelt, daßGraf Zeppelin" es dochschaffen" W>c. Vielleicht ist dabei aber ein weiteres zuwenig Miet worden: noch immer befinden sich die Trans- Anfahrten des Zeppelin im Zu st and des Ver - Ms, konnten erst zum zweitenmal Erfahrungen ge» »weit werden, die man nur der Praxis, zu geringem theoretischem Vorausdenken, zu verdanken vermag, -er Vergleich mit der Schiffahrt liegt ja so nahe: dort ^ selbst hunderttausendfältige Erfahrung über Wind, Mier und Meer vor Katastrophen nicht schützen können, âer wieder rütteln die Elemente an den Ketten, in die °» Herrscher Mensch sie schlug und bisweilen ver- sie auch diesen zu überwinden. Immer wieder der Mensch seine Herrschergewalt neu erobern.

ter 1 isp litt Sei er,

al­so

)N- nm ts- iii» ine kn «st

Aach der Landung in Lakehurst.

^ânGus nach seiner Entdeckungsfahrt, die un- ^»soviel Tage dauerte wie die desGraf

Stunden, das Festland Amerikas betrat, da u.^en voller Schrecken die eingeborenen Indianer vor ," heißen Männern unb ihren bescheidenen Schiffchen, tttiifi Caener mit kundiger Hand sein Riesenschiff «Gerung des Ozeans über der Küste derNeuen h ""lang steuerte, da j ubeltenZehntausende « aber Zchntauseude dem neuen Be- 2U JI er des Weltmeeres mit frenetischem Jubel sio^.Z>varz waren die Straßen und Plätze der über» Wer , Stâdte von dem Meer der begeisterten Amerr- üb °ls weiße Gischt stand darauf das helle Aber dies alles nur ein schwaches

Sem. w Empfang in Lakehurst

W und Militärkelte ist stark genug, die von Siena- des silbernen Riesenfisches hingerissene keim Muckzuhalten. Sie stürzt unaufhaltsam vor- seknLs^âchtigt sich der Haltetaue und zieht den ^warteten auf seinen Ruheplatz. Dazu voll- 'Wbn ^upen der unzähligen Autos wie auf Som» WbMe moderne Fanfare, die ausgenommen Avcnd V ^ut ins Land hinaus sich fortsetzt, Kunde Wi -.M dem frohen Ereignis. Dann liegt der Riese T(Wfi ^ukend an seinem Ankermast und die Er- ^Hne ansM noch leise nach in seinem in der Abcnd- Nu schimmernden Riesenleib.

"urrt sich das Interesse auf die ausaebooteten

Fahrgäste, vor allem auf Dr. Eckener und Commander Rosendahl, die,

Deutschland und Amerika symbolisierend,

Hand in Hand erscheinen. Ungeheure Begeisterung flut't ihnen entgegen und die Hochrufe wollen kein Ende nehmen. Mühsam muß mau den Ankömmlingen eine Bahn schaffen und schließlich nimmt sie die schützende Halle des Stationsgebäudes aus.

Aber auch hier sollten die Luftreisenden noch nicht zur Rube kommen. Die amerikanischen Zollbeamten, die

Das beschädigte Seitensteuer.

anscheinend über ihrer Begeisterung nicht ihr Reglement vergessen hatten, drängten darauf, daß eine

genaue Zollrevision des Gepäcks

vorgenommen wurde, wie sie ans Seeschiffen vorge­schrieben ist. Erst demZureden und den Einsprüchen des deutschen Botschaftsrates Kiep und des Generalkonsuls V. Lewinski gelang es, einen Ausweg zu finden, der den Ankömmlingen erst ihre Bewegungsfreiheit wiedergab. Das Gepäck wurde auf die Zollkomrottstation gebracht, wo die 35 Warensendungen, die das Lustschiff an Bord hatte, mit etwa 3000 Dollar verzollt wurden einschließlich der einen Flasche Kognak, die die Zollbeamten als kümmerlichen Rest des reichlichen Getränkevorrats, den der Zeppelin an Bord hatte, vorfanden. Jedenfalls wäre'es zu wünschen gewesen, daß die amerikanische Zoll­

behörde etwas

mehr Sinn für internationale Höflichkeit gehabt hätte. Minister Grzesinski jedenfalls äußerte sich zu amerikanischen Journalisten dahin, daß Beamte seiner Verwaltung bei einem derartigen Benehmen sofort zur Disposition gestellt werden würden.

Während dieser wenig erquicklichen Vorfälle im Innern des Stationsgebäudes bewunderte das Publikum den gefesselten Lustriesen und vor allem suchte jedermann nach den Beschädigun­gen des Schiffes, die so viel von sich hatten reden machen. An der linken Stabikisiernngsfläche entdeckte man dann auch ein Loch, wo die Bespannung abgerissen war und das Gerippe znm Vorschein kam. Aber die 600 Quadrat­meter Nberzngstosf, die Dr. Eckener funkentelegraphisch bereits angeforden hatte, lagen schon bereit, und man wird sofort yn die Ausbesserung des Schadens gehen, ohne daß dadurch ein längerer Ansenthalt des Zeppelins in Lakehurst notwendig gemacht wird.

Ministerialdirigent Brandenburg über die unliebsamen Vorgänge in Lakehurst.

wtb. Newyork, 17. Okt. Ministerialdirigent Branden­burg erklärte dem Vertreter des W.T.B. zu den unlieb­samen Vorgängen in Lakehurst, wo die ermüdeten, hung­rigen Passagiere 4 Stunden unter recht ärgerlichen Um­ständen auf die Zollabferligung warten mußten, daß diese bürokratische Entgleisung seiner Ansicht nach gar nicht ins Gewicht falle gegenüber der überwältigenden Begrüßung durch die überflogenen amerikanischen Großstädte und ge­genüber der außerordentlichen Liebenswürdigkeit der hohen amerikanischen Beamten, die nur durch die tiefe Dunkel­heit auf dem Flugfeld verhindert wurden, durchzudringen.

Oberst Herrera über die Aussichten eines slldamerikanischew Luftschiffdicnstes.

wtb. Newyort, 17. Okt. Der spanische Oberst Herrera, der wie bekannt, die Reise desGraf Zeppelin" als Ver­treter spanischer Interessentenkreise mitgemacbt hat, er­klärte daß auf der Linie VirginiaBuenos Aires, die von Luftschiffen in 3 Tagen zurückgelegt werden könnte, günsti­gere Wetterverhältnisse vorhanden seien, als die Fahrt über dem nördlichen Atlantischen Ozean biete. Im übrigen wäre die Reise desGraf Zeppelin" wahrscheinlich beträchtlich erleichtert werden, wenn eine bessere Bedienung der Fahrtleitung mit meteorologischen Informationen möglich gewesen wäre.

Die Beschüdiung desGraf Zeppelin".

wtb. Newyork, 17. Okt. Die Untersuchung des Sturm- , schadens desGraf Zeppelin" ergab, daß der Sturm offen­bar durch ein zerbrochenes Fenster zum Unterteil der Back­bordflosse Zugang gewonnen und ein Stück Stoff abgerissen hatte, wodurch ein Loch im Ausmaß von etwa 15 :7,5 Metern entstand. Die Oeffnung wurde mit Bettdecken zu­gestopft. Nach den Ausbesserungsarbeiten blieb der untere Teil der Flosse unbedeckt.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Im Reichstag zu Berlin sprach der frühere britische Premierminister Macdonald in Gegenwart der Reichs- und Preußifcycr Staatsminister über die Probleme des Friedens-

* Die zwei verhafteten jungen Deutschen, die sich deS Flaggendiebslahls in Zweibrücken bezichtigten, wurden auf Verlangen des französischen Kriegsgerichts diesem übergeben.

* Der in Lodz in Polen ausgebrochene Generalstreik hat sich auf die Jndustrieorte der Umgebung ausgedehnt.

Der Empfang der Zeppelin-Besatzung im Newyorker Rathaus.

wtb. Newyork, 17. Okt. Die Empfangsfeierlichkeiten für die Besatzung desGraf Zeppelin" begannen gestern nachmittag mit der Einholung von Ler Bahnstation Ier'ey City. Die deutschen Gäste fuhren durch den Newyorker Hafen nach Battery Park und von dort in Automobilen nach der City Hall. Die Fahrt gestaltete sich zu einem wahren Triumphzug. Im Rathaus wurden die Deutschen von dem stellvertretenden Bürgermeister Mc. Kee begrüßt, der auf die Bedeutung hinwies, die dem Flug im Hinblick auf die Entwicklung des transatlantischen HanLelsluftver- kehrs zukomme.

Dr. Eckener erklärte, er sei sich zu Beginn der Fahrt darüber klar gewesen, daß das Luftschiff schlechtes Wetter haben und eine schwere Probe bestehen müsse, aber er glaube, daß das Luftschiff die Probe gut bestanden habe.

An den Empfang im Rathaus schloß sich eine Rund­fahrt durch die Stadt, ein Bankett und eine Theatervor­stellung.

Präsident Coolidge hat Dr. Eckener und andere Herren der Luftschiffbesatzung für Freitag zum Frühstück im Weißen Haus eingeladen.

Pläne für ein japanisches Marineluftschiff.

wtb. London, 17. Okt.Daily Mail meldet aus Tokio, die japanische Marinebehörden haben Pläne für ein Riesenluft'chiff fertiggestellt, das mit Geschützen und Bomben ausgerüstet und im Stande sein soll, 3000 Meilen zu fliegen, ohne neuen Betriebsstoff aufzunehmen. Der Bau soll demnächst beginnen.

Der Reichskanzler will mit dem Zentrum verhandeln.

Nach einer Meldung des demokratischen Zeitungs­dienstes wird Reichskanzler Hermann Müller in den näch­sten Tagen eine Aussprache mit den Zentrumsführer Stegerwald haben, in der die aktuellen politischen Pro­bleme, darunter auch die Frage der Stabilisierung der gro­ßen Koalition besprochen werden sollen.

Die Aufklärung des Falles Horan.

wtb. Paris, 17. Okt. Die Morgenpresse kommentiert die gestrige Auslassung des Quai d'Orsay zum Fall Horan. DasJournal" berichtet über die Art und Weise, wie Die beiden das französisch-englische Flottenkompromiß betref­fenden Geheimdokumente durch den französischen Journa­listen Delaplanque kotiert wurden. Konsul de Noblet habe dem mit ihm befreundeten Journalisten Delalanque er­laubt, in seinem Büro die beiden in Frage kommenden Dokumente durchzulesen, ohne sich dabei Notizen zu machen. Aber Delaplanque hebe beide Dokumente an sich genommen und über Mittag nach einigen Blättern so­gar bis zum nächsten Morgen behalten. De Noblet habe es unterlassen, sich, bevor er wegging, davon zu über­zeugen, daß die Dokumente nicht seinen Schreibtisch ver­lassen hatten.

Der Generalstreik in Polen.

Weitere Ausdehnung des Ausstandes

In Lodz, dem Ausgangspunkt der Bewegung, ist der Streik allgemein durchgeführt. Alle Restaurants und Theater sind geschlossen. Die Stru'.endahncn verkehren nur noch teilweise. Zeitungen erscheinen nicht, obwohl die Verleger eine Zöprozentigc Lohnerhöhung bewilligt haben. Doch arbeiten die Bäcker, um der Bevölkerung Brot liefern zu können. Auch die städtischen Beamten sind im Aus- stand, die Stadt ist ohne Beleuchtung. 3» den Restau­rants ist kein Essen mehr zu haben.

Der Streik hat sich auf andere Jndustrieortschaften in der Umgebung ausgedehnt. Der Beschluß der Bergarbeiter im Kladuoer Revier, den Streik verschärft weiterzu­führen, sand in 35 Bergarbcitcrversammlungcn Zustim­mung. Die Verschärfung besteht in einer weiteren Be­schränkung der Zahl der Arbeiter für den Sicherungsdienst in den Schächten. Große Erregung hat sich der Arbeiter­schaft aus das Gerücht hin bemächtigt, daß die Arbeiter­familien, die in den den Grubenbesitzern gehörenden Häusern wohnen, die Kündigung erhalten hätten. In Zgierz wollten die streikenden Arbeiter die Einstellung des Betriebes des Elektrizitätswerkes und der Straßenbahn erzwingen. Hierbei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die auch hier mit dem Säbel vorgehen mutzte.

Der Hauptausschuß der Lodzer Textilarbeitergewcrk- schaft n andte sich an die TertUarbeiicrg werkschaftcn von Bialhstok Bielitz und Andrychau, zwecks UnterstüN'mg des Lohnkampfes gleichfalls in den Ausstand zu treten.