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^249 - 1928

Fulda, Montag, 22. Oktober

5. Fuhegang

Pariser Ueberraschungen

Maraüonskouferenz in Berlin.

Sachverständigenkommission am 15. Dezember.

Bedeutete schon die Teilnahme des englischen Schatz- ..w, Churchill an den Besprechungen zwischen dem § nsiousaaenten ParkerGilbert undPoincars in Paris H.r^e Überraschung für die politische Welt, so reiht Kren die zweite unvorhergesehene Kunde, daß Knfcrcns zur endlichen Festsetzung der deutschen ^Schuldverpflichtungen in Berlin stattsinden soll.

Pariser Presse gibt allgemein der Ansicht Aus- daß es sich um eine vorbereitende Besprechung über Zusammensetzung und die Aufgaben der Sachverstän- ^Mmmission für die Festsetzung der deutschen Repara- Mchuld gehandelt hat. Die Bedeutung dieser Unter- ,»M gehe über den Rahmen einer rein technischen Por- Mxchung hinaus und bestehe vor allem in einer An- Arimg des französischen und des englischen Stand- hinsichtlich des Reparationsproblems.

Berün war unierrichiet.

Ser Meinungstausch soll in den nächsten Tagen zwi- M den beteiligten Regierungen weitergeführt werden.

Wie man zu deu Meldungen über die Unterredung iki mgliscW Schatzkanzlers Winston Churchill und des bMnlagenten für die Reparationszahlungen Parker Wirt mit Ministerpräsident Poiucarè aus bestunterrich- üt Quelle erfährt, ist der Besuch der deutschen Regierung Wil ungeteilt worden. Er wird in Berliner Regèe- (reife« als ein Fortschritt angesehen.

Wer Gilbert wird nach Abschluß seiner Reise, die ihn«, noch nach Rom führen wird, der deutschen Regie- iWÄn das Ergebnis seiner Verhandlungen Bericht Ma Der Pariser Berichterstatter des Reuterbureaus iM bürt von gut unterrichteter Seite, daß in zwei ' 'â die Ansicht der Alliierten als übereinstimmend an- * werdest könne: 1. büß die Initiative für die Ein- Ru^ einer Konferenz bei der deutschen Regierung Än solle und 2., daß der geeignetste Platz für die Ar- Rm dieser Konferenz Berlin sei. Nach derInforma soll man das Datum des Zusamnwntritts der in Stuf vorgesehenen Sachverständigenkommission auf den 15. Dezember sestgelegt haben.

Eine Havas-Erklärung über die Reparationsbesprechungen.

â Paris, 22. Okt. Havas will über die Besprechun- M, Lie Winston Churchill, Parker Gilbert und Poincarè i"! letzten Donnerstag und Freitag hatten, erfahren haben, ^amtliche, besonders in der ausländischen Presse vec- Metcn Kombinationen über bereits erzielte Ergebnisse feien, die Verhandlungen feien keineswegs bereits !°'â'it sortgeschritten. Zu bemerken sei, daß die erste Kon- W der Finanzsachverständigen kein anderes Ziel haben E als das, die Anzahl und Höhe der von Deutschland t senden Annuitäten festzusetzen. Mrs die Festsetzung ^ages der deutschen Schuld anlangt, erinnere man

Üch die alliierten Regierungen, erst wenn sie im älter Vorschläge der deutschen Regierung sein wür- §>V hierüber äi^

deutschen Regierung sein wür-

Hi hierüber äußern könnten. Es fei noch keineswegs j^'mmung über den Zeitpunkt und den Ort des Zu- des Sachverständigenausschusses getroffen ^'.Meinungsaustausch über die Ernennung der Per- Esten, die an den Verhandlungen teilnehmen wür- "^e' ebenfalls noch nicht erfolgt.

Amerika und die Reparationsbesprechungen.

der

'°>b Washington, 21. Okt. Die Herabsetzung der ^^chulden der Alliierten wird hier nach wie vor strikt ^ - i. Dagegen findet der vom Public Ledger vorge- ^d jetzt offenbar in Paris angenommene Plan der deutschen Reparationen mit dem mH CtrC® der Alliierten^Schulden zuzüglich der Zinsen ^.'"Essierungskosten der französischen Wiederaufbau- iJ11 Empathische Beurteilung. Auch die inoffizielle Ve- amerikanischer Sachverständigen an den Be- über die Neparationsfrage wird prinzipiell h 18' ^Mch findet die französische Anregung, den in n'J ersten Reihen für Smith kämpfenden Own Poung en vorläufig noch wenig Begeisterung.

«^o

Erster Erfolg?

Albert, der Generalagent der Reparations- w leinen ersten, mühsam genug errungenen rechnen: die Sachverständigenkommission, - Aige Einberufung zwecks Revision des sich in England erhebliche Widerstände Ncii; n^ân, soll nun doch in kurzer Frist zusammen- Ä sogar schon ein bestimmtes Datum hier-. 15- November. Und als Tagungsort Parst Hauptstadt.

: M die hat denn auch sofort die Gelegenheit '*11 [)miirrJr und französischen Ansichten und Ab- ^ndermN mer Revision des Dawes-Planes näher * ttr^aarmgen. Er bat rtlUrhinna dabei nur das

» Reichs Er hat allerdings dabei nur das pas Reich ausgesprochen.

.Mito.'Schulden, die England an Amerika , * ^,t Newyork stürzten zwei Kinder eines Milliardärs vor

~ - - - - --------- 1 den Augen ihrer Mutter vom 17. Stockwerk eines Wolkerr-

krabers in die Ticke.

'naßaon^ »^- Festlegung der deutschen Zahlungen '«evend'scln sollen wie die Höhe der franzo-

fischen Schulden. Poincarö hält aber außerdem noch daran fest, daß Deutschland auch noch die Summen tragen müsse, die Frankreich und Belgien nicht etwa bloß für den Wiederaufbau in den zerstörten Gebieten aufgewendet hat, sondern auch alle anderen unmittelbaren Kriegskosten wie Pensionen an Kriegsverletzte und Kriegshinterbliebene und dergleichen. Also alles, was der Krieg direkt oder indirekt gekostet hat.

Der Generalagent dürfte aber deutlich auf die Grenze desMöglichen aufmerksam gemacht haben. Der Dawes-Plan war darauf aufgebaut, daß die deutschen Zahlungen aus den Überschüssen der deutschen Wirtschaft erfolgen sollten. Man war 1924 in der Dawes-Kommission sehr optimistisch hinsichtlich des raschen Wiederausblühens der deutschen Wirtschaft. Gerade im Gegenteil ist aber der Wert der deutschen Ausfuhr jährlich um ein beträchtliches durchschnittlich um 3,5 Milliarden hinter dem der Einfuhr zurückgeblieben, ein Überschuß ist also gar nicht zu verzeichnen. Das Ausland, namentlich Amerika. Hat der deutschen Wirtschaft vielmehr Summen vorqestreckh die überhaupt erst die Zahlung der Dawes-VerpflichtuN' gen ermöglichten. Diese Entwicklung. die natürlich nicht ins Uferlose fortgehen kann, 'wingt infolgedessen unsere Gläubigerstaaten zu einer Beschränkung allzu maßloser Forderungen. Die englische und die französische Presse sprechen von 30 bis 40 Milliarden als der endgültigen Summe.

Das Ziel der Bemühungen Parker Gilberts ist abet in einer andern Richtung zu suchen und er hat dafür an­scheinend die Londoner unb die Pariser Regierung ge­wonnen: der Dawes-Plan soll überhaupt einen end­gültigen Charakter erhalten, nicht mehr Probi aufs Exempel bleiben wie jetzt. Damit soll vor allem audj die Voraussetzung dafür geschaffen werden, ihn zukom­merzialisieren", ganz oder teilweise. Er soll nicht meh: S tag j s v e r t r a g zwischen Den-fchland und der alliierten und assoziierten Mächten" sein, sondern Zah­lungsverpflichtung Deutschlands an Privat- schuldner in aller Welt, wobei Deutschlands Regierung allein für die Aufbringung und Durchführung der Zah­lungen sorgt, die bisherige Art dieser Durchführung mittels ausländischer Kommissionen aufhört. Entweder so, daß eine Endsumme festgesetzt wird oder b e st i m m t e Jahreszahlungen erfolgen sollen. Man sprich: davon, daß diese Jahreszahlungen etwas ermäßigt werden sollen zwei statt der bisherigen mindestens zweieinhalb Milliarden, um der deutschen Regierung die Sache sch m ackhafter zu machen. Natürlich sollen im zweiten Falle die Zahlungen nur für eine Reihe von Jahren er­folgen. DieKommerzialisierung" der neuen Dawes- Verpflichtungen Deutschlands würde freilich von der Auf­nahmefähigkeit des Geldmarktes namentlich in Newyorl abhängcn, ihre weitere Entwicklung aber auch von den Schwankungen in der Beurteilung diktiert werden, die die Weltfinanz gegenüber der deutschen Wirtschaftslage und Zahlungsfähigkeit einnimmt. Wenigstens für einen recht erheblichen Teil der kommenden deutschen Verpflichtungen hält man eine solche sofortigeKommerzialisierung" durch­aus für möglich; Frankreich will ja einen Teil seiner ame­rikanischen Schulden davon bezahlen.

Das sind die G r u n d l i n i e n f ü r d i c V e r Hand­lungen der nächsten Zeit und Deutschlands Lage ist dabei keine sehr angenehme. Sowohl die Verknüpfung der deutschen Zahlungsverpflichtungen mit den inter­alliierten Schulden widerstreitet unseren Interessen auch Amerika lehnt dies ab wie die gesamte Umstellung in dem Charakter des Dawes-Planes, seinePrivati­sierung". Deutschland wird dann endgültig belastet mit der Tragung aller Kosten, die der Weltkrieg verursachte, endgültig werden Verhältnisse stabilisiert, bei denen man immer noch deutscherseits eine grundlegende Änderung erstrebte. Dann lebt die Welt aus eine vorläufig noch nicht absehbare Zeit von Deutschlands Arbeit. Leider ist solche Änderung herbeizuführen an- gesichts der heutigen politischen Lage eine Unmöglichkeit So kann nur Beschränktes herausgeholt werden und sei dies auch nur eine Herabsetzung der Jahreszahlungen oder eine endgültige Festlegung der Gesamtsumme. Wir müssen uns damit begnügen, abzuwarten, ob diese Endgültigkeit nicht ebenso durch die spätere Entwicklung über den Haufen geworfen wird, wie es mit den. ursprünglichen Forderungen geschah, die man an Deutschland gestellt hat.

B

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Bei den Pariser Besprechungen des Rcparationsagentcn Parker Gilbert mit PoincarS und Churchill soll alsbaldige Zusammenberufung einer Reparationskonferenz in Berlin in Aussicht genommen worden sein.

* Bei der Zentrumspartei steht aller Voraussicht nach ein Führerwechsel bevor. An die Stelle des zurücktretenden Reichs­kanzlers a. D. Dr. Marx soll der Reichstagsabgeordnete Joos treten.

* «ur Erleichterung des Einreiseverkehrs zwischen Frankreich und Deutschland sind günstigere Visumsbedingungen als bis­her in Kraft getreten.

* Verschiedene Mitglieder der bayerischen Regierung haben Tust entschieden gegen die Übernahme der Sozialüberwachung

Führerwechsel im Zentrum.

Joos an Stelle von Marx.

Aus Düsseldorf wurde gemeldet, daß der nach dort einbe­rufene Reichsparteitag des Zentrums einen neuen Parteivor­sitzenden zu wählen haben werde, da Reichskanzler a. D. Dr. Marr die Absicht habe, sein Amt niederzulegen.

Die Nachricht von den Rücktrittsabsichten des bisherigen Zentrumsführers scheint zuzutreffen arx hat bereits bei

Reichstagsabg. Joos.

Reichskanzler a. D. Marx.

der letzten Tagung des Reichsparteivorstandes von seinem Ent­schlusse Kenntnis gegeben, sein Amt niederzulegen. Begründet wird biefer Entschluß des ehemaligen Reichskanzlers mit Rück­sichten auf seine Gesundheit. Der offizielle Rücktritt wird auf dem Zentrumsparteitag erfolgen, der wahrscheinlich nicht in Düsseldorf, sondern in Essen stattfinden wird. Als Nachfolger von Marx wird ziemlich sicher der Reichstagsabgeordnete isDDë. Vertreter des Wahlkreises 20 Köln-Aachen, genannt.

Hugenberg deuischnaiionaler parieivorsihender.

Die Parrelvertretung der Deutschnationalen Volks­partei hielt im Reichstag die zur Neuwahl des Parteivor- sitzenden anberaumte Sitzung ab. Der Wahl ging, wie die Pressestelle der Deutschnationalen Volkspartei mitteilt, eine programmatische Ansprache voraus, die von Graf Westarp eröffnet wurde. Nach deren Beendigung wurde die Wahl des Vorsitzenden vorgenommen. Geheimrat Hugenberg, der als einziger zur Wahl stand, wurde ge­wählt und nahm die Wahl an. Seine Wahl wurde durch lebhaften Beifall der gesamten Versammlung begrüßt. Geheimrat Hugenberg übernahm den Vorsitz mit einer kurzen Erklärung. Er sagte zu, daß er das ihm übertragene Amt im Sinne der Förderung der Größe und Kraft und der Einigkeit der Partei ausüben werde. Daran knüpfte er herzliche Worte des Dankes an den bisherigen Vorsitzen­den, Grafen Westarp, den die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte.

Die Neuwahl des stellvertretenden Partei- Vorsitzenden soll in einer noch vor Weihnachten statt­findenden Parteivertretersitzung vorgenommen werden. Die bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Schlange- Schöningen und Wallras werden bis dahin ihre Geschäfte weiterführen.

Koch-Weser zur deutschen Politik.

Der demokratische Parteiausschuß trat in Berlin zu einer Tagung zusammen, die aus allen Teilen des Reiches stark besucht war. Der Parteiführer, Reichsjustizminister Koch-Weser, nahm das Wort zu einem Vortrag über die politische Lage. Der Minister schilderte die außen­politische Lage, um sich dann mit den innenpolitischen Fra­gen, insbesondere mit dem Panzerkreuzerbau zu beschäftigen. Er erklärte, das Ergebnis von Genf sei nicht nur negativ, wie cs vielfach hingestellt werde. Tatsächlich fei erreicht, daß die Verhandlungen über die Rheinland- râumung und die Reparationsfrage ausgenommen wer­den. Die Fortdauer der Rheinlandbesetzung bedeute eine Versündigung an dem Verständigungsgedanken. Unan­nehmbar sei es, wenn man Deutschland veranlassen wolle, bei einem Verteidigungskrieg sich der Wehrpflicht zu entziehen. Daß Deutschland heute irgendwelche kriege­rischen Neigungen habe, sei eine ungeheure Unwahrheit. Er bleibe ein Gegner des Panzerkreuzerbaues, weil. er seinen militärischen Wert im Verhältnis zu seinen Kosten nicht anerkennen könne.

Auf dem Gebiete der Rei ch s r e f 0 r m scheine es, als ob die Bestrebungen auf Herbeiführung des dezentra- lisierten Einheitsstaates der Erfüllung näher kämen. Der Minister sprach die Hoffnung aus, daß die Länderkonfe- renz den einzig möglichen Weg einer Endlösung voran­bringe. Zur Regrerungsfrage erklärte der Mi- nister, niemand werde verantworten, die gegenwärtige Regierung zu stürzen.

Die Reichsreform.

Zwei preußische Denkschriften.

Dem Ausschuß der Länderkonferenz, Ler am Montag in Berlin zusammentritt, liegen als Ma­terial drei verschiedene Stellungnahmen vor: eine baye­rische Denkschrift mit föderalistischer Tendenz, eins, sächsische Darstellung historisch-prinzipieller Art und zwei preußische Denkschriften aus der Feder des Mi­nisterialdirektors Dr. Brecht. Die Vorschläge Brechts gehen weiter als diejenige des Lutherbundes. Der Kern­gedanke ist die Vorbereitung der Gleichstellung vonPro- vinzen" undLändern", die künftig zunächstReichspro­vinzen" bzw.neue Länder" heißen und sein sollen.