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Fulda, Donnerstag, 1. November

5. Jahrgang

eit, üb.

Graf Zeppelin" wieder daheim!

Friedrichshafen, 1. Novbr. (Vom Sonderberichterstatter des W.T.B.)Graf Zeppelin" ist um 7.08 Uhr nach 71 stündiger Fahrt glatt gelandet. Die Menge durchbricht die Polizeikette, die Musik spielt, die Menschenmassen rufen dauernd Hurra und singen das Deutschlandlied.

3 Der letzte Reiseweg.

ß Astin, 31. Oktober. (W.D.) Nach hier eingegangenen $ Ljissmeldungen befand sich um 16.30 UhrGraf Zeppe- L in über dein Golf von Biscaya, 140 Seemeilen südlich ' M Bordeaux.

w Kraf Zeppelin" meldet sich in Friedrichshafen. b Bei der Leitung des Luftschiffbaus ist von Bord des r Wf Zeppelin" eine Meldung eingetroften, wonach sich 8 H Zeppelin" um 17 Uhr deutscher Zeit 100 Seemeilen 3 : ^ilieh von Brest befand. Die Entfernung von diesem gârt bis Friedrichshafen beträgt rund 1500 km, so ^ nunmehr seststehen dürfte, daß das Schiff unter gün- Umständen nicht vor 3 Uhr nachts in Friedrichs- n eintreffen kann.

â, Sie Fluglinie des Luftschiffes

ge- Äfeüem Festlande ist durch folgende Orte gekennzeichnet: ^ abend 7.45 Uhr mez. Nantes, 9.20 Uhr Tours, i® WMHr nachts Le Bourget, 1 Uhr nachts Dijon passiert, oer MM Klein-Hüningen bei Basel, 3 Uhr nördlich von Gegend bei Schaffhausen, 4.15 Uhr Singen, Ä M ..br über Friedrichshafen.

her Friedrichshafen, 31. Oktober. (Vom Sonderberichter- r< MAer des W.T.B.). In den frühen Abendstunden herrschte ab « der Werftleitung vollkommene Unklarheit über den er-iigenblirfUdjen Standort des Schiffes. Man hält aber die m «Mungen für richtig, die einen ziemlich südlichen Kurs b* V m der französischen Küste angegeben haben. Offenbar V V derEraf Zeppelin" sich in der Bucht von Biscaya Wodurch heftige Winde durchkämpfen müssen, und man Mi, daß hierauf auch die Verlangsamung des letzten m der Fahrt zurückzuführen ist. Dementsprechend ine «Wi au- in den Abendstunden bei der Werftleitung stet »«Muas bereits gemeldete Ansicht vor, daß die An- ng I NW nicht vor Mitternacht zu erwarten ist. Das Wetter IM nach Ansicht der Sachverständigen einer Landung bei Nacht günstig: denn man erwartet eine wolken- Mondnacht. Dazu kommt, daß der Bodenwind ganz IM ist. Die Landungsmannschaften werden vorsichts- Wär doch bereit gehalten, bis vom Luftschiff eine Dis-

1 W Monsmeldung eingetroffen ist.

j, W ^Wischen bietet Friedrichshafen ein Bild, daß man W sonst so ruhige Städtchen gar nicht wiedererkennt, l^ ^ch Türen der Werft stauen sich die Menschen. Nicht xM hiesigen Hotels, sondern alle Orte der Umgebung ??""Mt mit Fremden. Im Laufe des Nachmittags I S Mitglieder des Bayrischen und des Würt- I /Wuschen Automobilklubs eingetroffen. Beide Klubs I ^â.Wanntlich eine Sternfahrt zur Begrüßung des Exiles nach Friedrichshafen veranstaltet. Bis gegen I l ?.°, waren bereits über 100 bayrische und 50 württem- h BdS- ®?9en gezählt. Der Bayrische Automobilklub * oWigt eine besondere Ehrung für Dr. Eckener.

um 4 Uhr Böllerschüsse und Sirenengeheul die W^ iarmierten, strömte ganz Friedrichshafen in Hellen r W!,m.?F" hinaus. Schutzpolizei und Militär k » ^^'"-^^"ung. Aus Men Häusern stürzten die f I >:M^.!chrreen und riefen. Es ist ein wilder Taumel I SniS^^ der alle erfaßte. Wieder verschwand das I he i », ?? bann nochmals über der inneren Stadt zu I sich bald darauf in der Richtung Bodensee zu / US ^"U späht suchend den Himmel ab, der in der I,Morgendämmerung immer fahler wird. I Augenblick muß das Schiff wieder erscheinen. i l^ Feier der glücklichen Ankunft } I in Friedrichshafen.

I Stuttgart, 1. November. Aus Anlaß der glück- . desGraf Zeppelin" in Friedrichshafen I »!" ulle staatlichen und städtischen Gebäude ge- 5 Außerdem werden um 11 Uhr die Glocken von fit N^.^^en läuten. Staatspräsident Dr. Bolz und $ I Dehlinger haben sich zum Empfang des I ^es nach Friedrichshafen begeben.

O I Ik^^118^ des Luftschiffes in die Halle. I Wbon^ wieder in der Halle und ruht sich I »r bclr % Anstrengungen der beiden schweren Fahrten M ^sniai am, Die Bergung nach der Landung war I ^s é&if; ^"ordentlich schwierig. Das lag daran, daß ^kt stnn^^^^l. gedreht werden mußte, bis es vor dem I 'derbem Lt^ in die Halle gezogen werden konnte. bie iwerte natürlich die ungeheure Menschen- N überran^^ollzeiliche und militärische Absperrung ein- unnt hatte, und die Gondel dicht umlagerte, jebe

Bewegung außerordentlich. Es blieb schließlich nichts an­deres übrig, als einfach den Befehl zu geben, in der Hoff­nung, daß die Menge milmarschieren und aus dem Wege gehen mürbe; das ging auch recht gut und die Zuschauer­massen placierten sich zu beiden Seiten der Laufschienen vor dem Hallentor. Dann aber, als das Schiff in dein Kasten verankert war und sich in Bewegung fetzte, gab es einen außerordentlich kritischen Augenblick. Vor das Tor war nämlich ein dickes Tau gespannt, an dem Schupobe- amte Unbefugten den Eintritt in die Halle verwehrten. Als nun das Schiff sich näherte, war es unmöglich, das Tau und damit den Weg der Laufkasten frei zubekommen, weil die Menge selbst die Enden mithielt. Das Schiff ließ sich auch nicht mehr zurückhalten. Wenn nicht je­mand die Geistesgegenwart gehabt hätte, das dicke Seil mit dem Taschen messer zu versihneiden, so hätte leicht eine Beschädigung des Schiffes eintreten können. Als das Schiff dann geborgen war, stimmte die Menge draußen erneut das Deutschlandlied an, das in der weiten Halle ein Echo fand. Die Beneideten, die sich in der Halle auf­halten durften, die Frauen und sonstigen Angehörigen, die Ehrengäste und die Presse brachte dem Schiff und seiner Besatzung eine besonders herzlich Ovation dar. Ein selt­samer Kontrast in fast allen Gesichtern: Tränen in den Augen und das Lachen einer Freude, die der Leistung des Schiffes wie den Wiederkehrenden galt. Aber immer noch ließ Dr. Eckener sich nicht sehen. Seine Gattin, Reichs­verkehrsminister v. Euörard, der württembergische Staats­präsident Bolz, der württembergische Finanzminister Deh­linger und andere gingen an Bord, um Dr. Eckener die ersten Glückwünschen darzubringen. Zu den Fenstern wur­den Blumen hereingereicht. Kapitän Lehmann zog seinen kleinen Zungen ins Schiff, um ihn erst einmal herzhaft an sich zu drücken. Währenddessen hatten die Haltemann­schaften das Schiff nur mühsam gegen die Vordringenden festmachen können. Schon kamen die beiden Zollbeamten wieder von Bord, die als erste das Schiff betreten hatten. Sie hatten aber ihre Arbeit in 5 Minuten erledigt und wurden dafür mit einem kräftigen Bravo von den Zu­schauern begrüßt. Dann konnte das Aussteigen der Pas­sagiere beginnen. Alle wurden sie von ihren Freunden herzlich und jubelnd begrüßt. Soweit sie sich über die Fahrt äußerten, waren sie alle des Lobes voll.Es war eine herrliche Fahrt", sagte jemandund ist ein braves Schiff" fügte Flemming hinzu. Am Fenster wurde der blinde Passagier sichtbar. Man lachte und wollte ihn sehen, aber es schien, daß er jetzt doch etwas schüchtern ge­worden ist. Inzwischen nahm ihn der amerikanische Kon­sul ins Gebet. Auch der Polizeidirektor von Friedrichs­hafen war dabei. Aber diese Prozedur war schnell be­endet. Man weiß, die Sache wird bald in Ordnung kom­men. Wieder stiegen einige Passagiere aus, darunter sah man die schmucke Uniform der amerikanischen Navy, von der drei Offiziere die Fahrt mitgemacht haben. Dann wurde bekanntgegeben, daß Dr. Eckener nach dieser Nacht­fahrt müde sei und deshalb nicht die Presse empfangen könne. Endlich wird Dr. Eckener selbst sichtbar, erneut bricht Jubel aus, man läßt ihn hochleben. Er machte trotz seiner angeblichen Müdigkeit mit seinem gebräunten Ge­sicht einen frischen und lebendigen Eindruck. Wer ihn kennt, bemerkte, wie diesem sonst so gleichmäßig ruhigen Mann, dem selten Zeichen innerer Erregung anzusehen sind, die Freude über den Erfolg aus den Augen leuchtet, und wie auch ihn die Begeisterung aller ans Herz griff. Er winkt und grüßt, nur schwer konnte er sich durch die schmale Gasse durchringen, die von Schupo-Spalier zwi­schen der Menge gebildet wurde. Als er später gefragt wurde, was der schwierigste Teil der Fahrt gewesen sei, meinte er lachend: Das Aussteigen. Unterdessen über­wachten die stellvertretenden Führer Lehmann und Flem­ming das Ausladen von Postsäcken und Gepäck und die letzten technischen Vorkehrungen, die nach der Bergung notwendig waren. Draußen verlief sich die Menge nur langsam, und noch Stunden nach der Landung hörte man vor dem Fenster des Arbeitszimmers Dr. Eckeners nicht­endenwollende Hochrufe.

Dr. Eckener über die Fahrt.

wtb. Friedrichshafen, 1. November. Vom Sonderbe­richterstatter des W.T.B. Kurz nach Verlassen des Schif­fes hatte der Sonderberichterstatter des W.T.B. eine Un­terredung mit Dr. Eckener, in der dieser erklärte: Wir haben eine schwere Nebelfahrt hinter uns. Der letzte Teil der Fahrt führt durch schwere Nebel, so daß die Navi­gation nicht ganz leicht war. Ich habe infolgedessen die ganze Nacht kein Auge zugetan. Schon bei Brest fuhren wir in die ersten Nebelsetzen hinein. Aus diesem starken Nebel erklärt sich, daß wir verschiedene Positionsmeldun­gen von Land erbaten. Genau so haben uns auf See auch die Dampfer in der Navigation unterstützt. Allerdings haben wir auch auf diese Weise widersprechende Nachrich­ten bekommen, aber im ganzen hat auch die Navigation

gut funktioniert. Das Schiff hat sich glänzend bewährt und wir können als praktisches Hauptergebnis dieser Ozeanreise feststellen, daß der Beweis für die Möglichkeit eines Ozeanverkehrs erbracht ist. Natürlich brachten die Beschädigungen auf der Hinfahrt für die Führung eine schwierige Situation mit sich, aber gerade die Tatsache, daß wir trotzdem ohne fremde Hilfe weiterfahren und die erste Reparatur in der Luft ausführen konnten, ist ja der beste Beweis für die Sicherheit des Schiffes. Offenbar haben Leute, die einmal das Schiff ein bißchen schlingern sehen, unzutreffende Schlüsse gezogen. Sie hätten aber einmal sehen sollen, wie bei diesem Wind und diesem See­gang die Dampfer rollten. Auch die Maybachmotoren haben sich glänzend bewährt. Wir haben auf der ganzen Fahrt nicht die leiseste Störung an den Maschinen gehabt. Zum Schluß erklärte Dr. Eckener, er sei müde, und müsse sich erst einmal ausschlafen. Auch die Besatzung brauche zunächst Ruhe und währenddessen werde das Schiff über­holt werden. Unter diesen Umständen lasse sich über den Zeitpunkt der Berliner Reise noch gar nichts sagen. Na­türlich wurde er von allen Seiten beim Verlassen des Schiffes bestürmt, bis er sich in sein Arbeitszimmer retten konnte. Das Zimmer war wundervoll mit Blumen aus­geschmückt. Spenden und Grüße von allen Seiten, die Dr. Eckener sichtlich Freude machten.

Die Passagiere über ihre Eindrücke.

wtb. Friedrichshafen, 1. Nov. (Vom Sonderberichter­statter des W.T.B.) Die Passagiere äußern sich alle begei­stert über ihre Eindrücke während der Fahrt. Die einzige Frau an Bord sagt, daß sie die Fahrt mit dem Schiff durch­aus nicht als Heldentat ansehe, denn sie sei mit allen nur erdenklichen Bequemlichkeiten gereist. Allerdings sei sie jetzt ziemlich erschöpft und müsse sich zunächst ausruhen. Ein anderer amerikanischer Fahrgast erzählte, einer der schönsten Eindrücke der ganzen Reise sei der Blick auf das erleuchtete /yriebrimsbafen gewesen. Die amerikanischen Fahrgäste seien so begleistert von dem Schiff und der Fahrt gewesen, daß sie heute nacht überhaupt nicht zu Bett ge­gangen seien, um möglichst die Eindrücke auszukosten. Großes Interesse habe die Ueberfliegung von Dijon gefun­den, das Schiff sei aber sehr hoch gewesen, so daß man nur das Lichtermeer erkennen konnte. Besondere Bewandtnis hat es mit dem Fahrgast William Ullmann, der sich kurz vor dem Aufstieg unter den Zuschauern befand und halb im Scherz eine Prämie von 4000 Mark über den Fahrpreis anbot für den Fall, daß er mitfahren könne. Zu seinem Erstaunen wurde dieses Angebot angenommen und so begab sich Ullmann ohne Paß und Reisegepäck an Bord. Es liegt aber bereits eine behördliche Anweisung aus Amerika vor, daß der Generalkonsul in Stuttgart Ullmann sofort auf­suchen muß und ihm die nötigen Papiere besorgt.

Telegramm des Reichsprästdenten an Eckener.

wtb. Berlin, 1. Nov. Der Herr Reichspräsident hat an

Dr. Eckener folgendes Telegramm gerichtet:

Herzlichen Willkommensgruß zur glücklichen Rück­kehr in den Heimathafen! Mit mir freut sich das ganze deutsche Volk der wohlgelungenen großen Fahrt des sturmerprobtenGraf Zeppelin", vereint in dankbarer und bewundernder Anerkennung der hervorragenden Leistung, die Erbauer, Führer und Besatzung des Luft­schiffes vollbracht haben. In der Hoffnung, Sie bald in Berlin persönlich beglückwünschen zu können und mit freundlichen Grüßen

gez. von Hindenburg, Reichspräsident."

Glückwunschschreiben des'Reichsverkehrs- ministers an Dr. Eckener.

wtb. Friedrichshafen, 1. Nov. (Vom Sonderberichter­statter des W.T.B.) Wie Reichsverkehrsminister von Euèard dem Sonderberichterstatter des W.T.B. mitteilt, muß er leider heute abend nach Berlin zurückkehren. Er kann deshalb auch nicht an den Empfangsessen teilnehmen, das heute abend zu Ehren der Besatzung stattfindet. Dr. von Euèrard wird aber Dr. Eckener einen Brief über­reichen lassen, in dem er noch einmal die Glückwünsche wie­derholt, die er dem Führer des Schiffes bereits an Bord ausgesprochen hat. Ter Minister war gleich nach der Lan­dung in das Schiff hineingeschoben worden, und so der Erste gewesen, der der Besatzung die Glückwünsche über­bringen konnte. Dr. Eckener hat sich bei dieser Gelegenheit sehr befriedigt über das Schiff ausgesprochen.