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Mloaer Mnzèlger

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262 - 1928

Fulda, Dienstag, 6 November

5. Jahrgang

Ws ZWèlin" «Ich SritNichrhtsn gestartet

U Kem Seim NeiWkWentei.

Eckener, Eckener!

Dr. Eckener sich bei gestrigen Landung r Luftschiffes sich zeigte, kannte die Begeisterung »"Grenzen mehr. Reichsminister v Gu è rard und Irbiimermeifter Dr. Böß beglückwünschten und he- fen die Besatzung des Luftschiffes. Dann ging es in Irenen blumengeschmückten Automobilen in einer l^fflbrt durch die dichtgedrängte Menge, die die umsäumte, durch das Brandenburger Tor zu RPalaisdes Reichspräsidenten. Nachdem UMielingäste im Palais verschwunden waren, organi- sich schnell ein Sprechchor, der so lange den Namen Lfe-ner rief, bis der Gefeierte endlich auf einem der Wons erschien. Die Menge stimmte wiederum das »Dlandlied an.

Der Gruß des Reichspräsidenten.

I seinem Palais begrüßte der ReichsprS- seine Gäste und richtete an sie mit herzlichen L|C1I eine Ansprache, in der er etwa folgendes aus- Wiik!

I ^ es mir eine große Freude ist, Sie, meine Herren, die die Führer und die Besatzung des Luftschiffes, hier W oiir zu seyen, brauche ich wohl nicht besonders hervorzu- Den kühnen Doppelflua desGraf Zeppelin" über den haben wir alle, bat das ganze deutsche Volk mit Gebeten W Wuschen, mit Spannung und Hoffnung begleitet Das WgAU vcui schlands ging mit dem stolzen Luftschiff mit denen, die in ihm über Länder und Meere hinweg- WN dcsonders während der Tage der Ungewißheit und der fernsten Stunden der Stürme Aber mit Ihnen, Herr Dr. fet,und Ihren Kameraden waren auch wir unverzagt feititi t fe in dem Vertrauen, daß Ihr kühnes Unternehmen fe" und Ihnen glückliche Heimkehr beschieden sein werde.

öalerland sieht in dem Bau dieses neuen Luftschiffes fett seiner glänzenden Führung durch Stürme und Nebel k'Aoârnu und Meere eine d e u r sche L.: i ft.it na . die. »dankbar miterlebt und mttemvsunden bat und auf die es I Pewußisebi feines tätigen Arbeitswillens und im Ver­tuen aus seine Zukunft stolz ist Ich bin gewiß, int Namen f ganzen deutschen Volkes zu sprechen, wenn ich allen, die k" Kopf und Hand an der Schaffung des LuftschiffesGraf pclin* mitgewirkt, und allen, die cs so sicher durch Sturm F Gefahr geleitet haben, hier in dieser Stunde tief« M fundenen Dank und herzliche Anerkennung aus» fW Sie alle haben damit eine im besten Sinne nationale m vollbracht Der herzliche Emvfana. den derGraf Zeppe- " bei dem großen amerikanischen Volke fand und der von Teutschen mit Dankbarkeit empfunden worden ist, bat W. wie sehr der Luftverkehr geeignet ist. durch Meere gc« Me Alker in enge und gute Nachbarschaft zu bringen.

Erfüllung dieser großen Aufgaben dem deutschen uwchisfbau und Ihnen, meine Herren, persönlich weiter Gr folge beschieden sein"

Eckeners Gelöbnis.

d»^ ®?ener erwiderte wie folgt: .Hochzuverehrender Herr nchèftasident! Ich bitte, zugleich im Ramen der Besatzung Xr Luftschiffbaues Zeppelin, meinen herzlichen und ebr- E. »f für die freundlichen Begrüßungsworte auS« U ?u dürfen, die Sie, Herr Reichspräsident, an uns zu

e .«ro&e Güte hatten Wenn wir je der Meinung L f sollten, ein Lob und eine Anerkennung zu vor- K1'10 einvfinden wir als höchste Erfüllung unserer Hoff- W n und Erwartungen die Ehrung, die Sie uns durch den rR bereiten Das Gefühl, das unS stets begleitet hat, | richti g en Wege zu sein, wird uns zur beglücken- Wir haben stets die Überzeugung gehabt, das U das geeignete Fahrzeug für Fahrten über große L, Unsere drei Fahrten über das Atlantische Meer Mn ^^ser überzeuflung bestärkt Die Rückfahrt von «iMs^^ unter schweren WelterverhSltntssen vor sich ging, r L» ^f^ daß das Leistungsvermögen desGraf Zeppe- M&Vnler gewissen Baubeschränkungen zu leiden hatte. L -^utg zu wünschen übrigläßt Aber wir missen, wie fetter An M, und wir legen hier vor Ihnen, Hochver- IttsL? Reichspräsident, das Gelöbnis ab, daß mir it bi P^""^^en wollen, um die Erwartungen zu erfüllen, hitn "Nutwortung und das deutsche Volk von uns «er- totrL â"en Sie, Herr Reichspräsident, dabei auch Hi""/^d'^Hilfe nicht zu versagen."

klein h^ ^^ der Reichspräsident sämtliche Herren std ^'^ff^en und begrüßte jeden mit Handschlag ttoLjf ^nderAnerkennung. Hierbei bat der tzn7^em Dr. Eckener, den Mitgliedern der Be- t- /,,Luftschiffes, die infolge Dienstes am Schiff hn?! Empfang nicht haben teilnehmen K°nd'°ine Grüße und seine dankbare Anerkennung i SV« übermitteln.

Bet Ä1 zeigte sich der Reichspräsident mit Dr kLÄ und der Besatzung auf dem Balkon des h »c ^auses, von dem in der Wilhelmstraße zahl- rammelten Publikum stürmisch begrüßt.

A. *

^Mßung durch Reichskanzler Müller ^es %nn r?®l des Reichsverkehrsministeriums fand ein * ''iawL,, ^uck zu Ehren der Zeppelinmannschast statt, 'xg hici? ^^.Reichspräsidenten und der Reichsregre- k^»as!^?°^^anzlcr Müller eine herzliche Be- l61itdi hiXln der er zunächst für die große Tat dankte, ^''tet «n^ desGraf Zeppelin" für Deutschland ^ LustDen sei. Dieser Dank richte sich an die Erbauer Wtr ^ den der Motoren, den Chcfingcmcur Sn, an L^ Dr. Maybach, bis zum letzten Werk- ?e 'Nan,^^ Führer Dr. Eckencr und

fi=â <$'X 9 und an alle diejelligen, die zum Gelingen 8 sei ein m1^6? Deil beigetragen haben. Die Amerika-

'l-hcn y^eiS für das Können und das Sttebcn des

Zu Dr. Eckener gewandt, fuhr der Reichskanzler alsdann Sie, Herr Dr. Eckener, haben mit Ihrer Besatzung und Mitarbeitern dafür gesorgt, daß dieses Luftschiff von nzen Welt als Kulturgut anerkannt wird. Wenn ch nicht beendet ist, wenn Vie rk des Grafen Zeppelin weiterer

Ihren I der ganzen , Arbeit not

Ihre

, ______ die Absicht haben, diesès Werk des Grafen Zeppelin wetterzuführen und zu ver­vollständigen, können Sie versichert sein, daß heute die weitesten Steife, ja das ganze deutsche Volk, Ihnen zu diesen Bestrebun­gen besten Erfolg wünschen wird"

Im Ramen der Besatzung dankte alsdann Dr Eckener für den außerordentlich ehrenvollen Empfang und die freundlichen Worte des Reichskanzlers. Er habe immer die Empfindung, als ob ihnen etwas reichlich viel Ehre angetan würde. Er wisse, daß bei den ganzen Unternehmungen außerordentlich viel Glück gewesen und daß auch mancherlei Lob eingeheimst

. . ob eingeheimst

worden sei. das nur besonderen Umständen zu verdanken sei. Es sei in der Rede des Kanzlers in so freundlicher Weise in Aussicht gestellt worden, daß die Regierung und wahrscheinlich das ganze deutsche Volk sich hinter ihre Sache stellen würden. Am Abend waren Dr. Eckener und seine Begleiter

Gäste der Stadt Berlin. Sie nahmen an einer Aufführung vonFigaros Hochzeit" in der Städtischen Over teil.

Bis in die späten Abendstunden standen Hunderttau­sende von Berlin nach dem Staakener Flughafen, wo der Graf Zeppelin" verankert ist. Für die Rückfahrt des Luftschiffes lagen bis gestern abend 15 Meldungen von zahlenden Passagieren vor.

Graf Zeppelin" am Landungsmast in Staatar

Graf Zeppelin" zur Heimfahrt gestartet.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist heute morgen bei einer frischen Brise um 7.05 Uhr unter dem Jubel der Zu­schauermenge zur Heimfahrt nach Friedrichshafen abgc- flogen. Trotz der frühen Morgenstunden waren zahlreiche Personen am Startplatz Erschienen, um das grandiose Schau­spiel zu genießen. Im übrigen herrschte in Staaken am Montag sowohl am Dienstag Weltstadtverkehr. Sämtliche Lokale hatcn die Nacht geöffnet. Ebenso das Postamt, das mit großen Anstrengungen arbeitete, um die zahlreiche Zep- pelinpost abfertigen zu können.

85 Personen an Bord desGraf Zeppelin".

An Bord des Luftschiffes befinden sich außer den 40 Mann Besatzung, 45 Passagiere, davon sind 10 Personen zahlende Gäste, die übrigen Ehrengäste, darunter der Poli­zeipräsident Zögiebel.

Graf Zeppelin" auf der Fahrt.

wtb. Halle, 0. Nov.Graf Zeppelin" überflog um 9.10 Uhr Halle in niedrigem Fluge, jubelnd von tausenden von Einwohnern begrüßt, in Richtung Erfurt.

«Graf Zeppelin" über Dessau.

Graf Zeppelin" hat um 8.35 Uhr Dessau in der Rich­tung Leipzig überflogen.

Graf Zeppelin" über Thüringen.

wtb. Gera, ß. Nov. Das LuftschiffGraf Zeppelin" überflog um 10 Uhr Gera, um 10.17 Greiz und flog in Richtung Plauen (im Vogtland) weiter.

Graf Zeppelin", der die Stadt Plauen um 10.10 Uhr überflogen hatte, setzte seinen Weg in Richtung Hof fort.

Graf Zeppelin" über bayerischem Gebiet.

wtb. Hof sBaycrn), 6. Nov. Das LuftschiffGraf Zeppelin" passierte um 10.55 Uhr die Stadt Hof in Rich­tung Südwest.

Kleine Zeitung für eilige Leser

'* Reichstrnährunasulknisiez Dietrich beutete in einer Rede zu Stuttgart an, daß das jetzige Rolprogramm jür die ^anb^ wirtschaft unter Umständen in der nächsten- Zeit in ein Programm zur Steigerung der Erzeugung und des Absatzes für die landwirtschaftlichen Betriebe umgeändert werben müßte.

*.Dcr Montag mit deinGras Zeppelin" in Berlin an« gekommene Dr. Eckener wurde nebst seiner Begleitmannschaft vom Rcichsprä'-dcnten von Hindenburg empfangen und in längerer Ansprache begrüßt.

* Der Arbeitgeberverband Nvrdwest bat die FeslsteUung^- klage darüber, ob der Schiedsspruch für die Eisenindustrie vom 27. Oktober rechtsgültig sei, beim Arbeitsgericht Duisburg cinücrcichl.

Vor zehn Jahren.

Draußen. Schwarz und immer schwärzer sinken vom Himmel die Wolken unserer Not. Müde, so unendlich müde, aber doch mit dem verbissenen Mut und den letzten Kräften hoffnungsloser Verzweiflung wehrt sich das, was an der deutschen Front noch übrig ist.

Die Bundesgenossen? Ein trübes Achselzucken. Die Türkei, zermürbt in sechsjährigem Kampf, liegt am Boden, die Bulgaren sind zerstoben vor dem Angriff der Entente; auch dort unten wehren sich nur noch wenige deutsche und österreichische Truppenteile.

O st e r r e i ch selbst, das vielsprachige, viel­gestaltige? Lauter, drohender heischen die ungarischen Truppen an der Südfront die Rückkehr, weil die Heimat durch die vom Balkan anrückenden Alliierten bedroht ist die Habsburger-Monarchie klafft nicht mehr nur aus­einander, nein, sie ist im Z u s a m m e n f 0 1 l e n ; über­all schon haben die Nationalitäten ihr Haupt erhoben und hilflos sitzt der junge Kaiser aus dem tausendjährigen Geschlecht in Wien. Er schickt Gesandte zu den Italienern.

Wir Deutsche stehen allein in der dunk­len Nacht unseres Schicksals, die nur durchzuckt ist von dem unaufhörlichen Trommelfeuer auf die wankenden, weichenden, zurückgehenden und, ach, so dünn gewordenen Linien.

Der Siegesmut war zerschmolzen, der noch bei der Frühjahrsoffensive so hoch emporgelodert und doch nicht bloß von Kampfeswillen getragen war, sondern vor allem von der Hoffnung, durch eine letzte große Tat den Frieden herbeizuführen. Es war vergebens gewesen, hoffnungslos war alles geworden. Aber groß wie das Leben der deutschen Armee wurde ihr Sterben. Noch am 19. Oktober 1918 schreibt eine französische Zeitung:Trotz des Zusammenbruches ihrer Hoff­nungen und trotz ihrer Kriegsmüdigkeit leisten die Deutschen wütenden Widerstand und machen uns jeden Fußbreit Gelände streitig."

Zahllos sind die Kriegsschriften derer, die an ver­antwortlicher Stelle standen, zahllos die Kritiken anderer, zahllos die Arbeiten berufener Sachverständiger, die sich mühen, objektiv die Wahrheit zu finden, die : Frage nach dem oder den Schuldigen an unserem strate­gischen Zusammenbruch zu lösen. Das aber ist auch heute noch nicht restlos gelungen, weil überall immer noch die Parteilichkeit oder der Schmerz über das, was über uns verhängt war, den Blick trübt. Es gibt auch garnicht einen einzigen Grund, es gibt viele, viele Gründe, ebenso wie es immer nur eine ganze Reihe von Ursachen gibt, die gemeinsam das Geschehen in der Weltgeschichte diktieren. Unzählige Male hing in diesem Krieg so manches an einem seidenen Faden und wäre , ganz anders, vielleicht in entgegengesetzter Richtung ver­laufen, wenn dieser Faden gerissen wäre. Denn das Ge- ; schehen bestimmt der Mensch, der einzelne, bisweilen die Masse.

*

Warum stockte schließlich der Verlauf der März offen­sive 1918, wurde dies zum Wendepunkt des Welt­krieges? Zahllos sind die Antworten: sie sind ver­schieden genug. Warum mißlang der Stoß beiderseits des Rheins im Juli? War es bloß deswegen, weil der Gegner durch Überläufer Plan und Stunde erfuhr? Oder konnte der deutsche Soldat einfach nicht mehr? War das Heer am Ende seiner Kraft? Viele Stimmen bejahen diese Frage, als nach dem furchtbaren Schlage vom 8. August an Ancre und Avre, dieser dunkelsten Stunde des Weltkrieges", die Oberste Heeresleitung darum ersuchte, daß Waffenstill­standsverhandlungen angebahnt würden. Dem deutschen Soldaten bringt dieser Abschluß keine U n e h r e. Mehr als vier Jahre Weltkrieg gegen eine Übermacht überall, wo er ins Gefecht trat beispiellos bleibt es in der Weltgeschichte.

*

Das Heer vom Oktober 1918 war nur noch in gc- ringen Resten dasjenige, das im August 1914 bis auf 50 Kilometer an Paris herangestürmt war. Aber bis zum Tage des Zusammenbruchesleisteten die Deut­schen erbitterten Widerstand", denn noch lebte in den Resten der Geist der Disziplin, des selbstverständlichen Einsatzes der eigenen Persönlichkeit für das Ganze.An der Front der IL Armee mußten die Alliierten die Garde- Ersatzdivisionen buchstäblich Mann für Mann nieder­machen," fährt jene obenerwähnte französische Zeitung fort, und Prinz Max von Baden, der damals Reichs­kanzler war, sagt in seiner bekannten Kundgebung:An entscheidenden Punkten fanden sich immer wieder Sol­daten und Offiziere, die auf ihrem verlorenen Posten aus­harrten und kämpften wie nur je in den Tagen unserer Siege, weil sie wußten, daß alles darauf ankam, bis zum Waffenstillstand den feindlichen Einfall von der Heimat fcrnzuhalten." * 4

Doch die physische wie die moralische Kraft eines Heeres muß sich einmal erschöpfen. Es gab in der alten Armee ein Scherzwort:Unmögliches gibt es nicht." Der Scherz wurde zum Ernst; denn was für unmöglich gehalten wurde, wurde doch tausendfältig geleistet. Selbst noch und vielleicht noch am meisten in jenen hoffnungslos- dunklen Wochen vor dem Zusammenbruch, als matt den M a t e r i a l m a s s c n der Gegner nur noch mit kümmer- lieben Resten eigener, persönlichster Kampfkraft wider­stehen nutzte. Aber trotz glorreichster Heldentaten, diese physische und moralische Kampfkraft des Ganzen unter, höhlt noch durch Hunger und Seuchen sank immer mehr.

Aber der letzte Lorbecrkranz, den die Weltgeschichte um die Stirnen unserer Kämpfer des WelUrieaes ge»