Ml-aer Anzeiger
•tSSBOSBÜSS Tagebla« für Rbcn und Vogelsberg SäSSSsZ ^ulèa. und Yaunelal. Fuldaer keeisbla«
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5. Jahr« ang
Kleine Zeitung für eMge Leser.
. Nerlin wurde die Große Internationale Automobil- Miorradausstellung eröffnet, die vom 8.—18. November
W, soaenannte Betriebsanwall Winter, der durch seine '.Mnandimsche Tätigkeit für die Aufwertung der rot-- >Älten Tausendmarkscheine bekanntgeworden ist, wurde MN Betruges mit Gefängnis bestraft und sofort in Haft ^^i^Reichsregierung wird am Montag zu der Aus- in der Eisenindustrie durch Arbeitsminister Wissell Erklärung abgeben lassen.
«-r-ie-Ministerkrise in Frankreich war Donnerstag noch M beendet, doch wird vielfach erwartet, daß Poincard aber« a « die Regierungsbildung übernehmen wird.
Die große Blamage.
; Im nächsten Jahr sind in England die Parlaments- dtn fällig — und das wirst natürlich auf die Ver- dândlungen in dein sich seinem Sterben zuneigenden Allament schon deutliche Schatten. Man rüstet übnerif d) zum Wahlkampf, die Opposition ich die Angriffspunkte und — das fällt ihr nicht einmal j-dr schwer. Denn den Hauptangriffsprmkt bildet die ver- ÄiMe Politik des Kabinetts Baldwin-in der Frage M englisch-französischen Flottenabkommens.
Der allgemeine Eindruck, den der Außenstehende aus A gegenwärtigen Debatten, aus den Regierungserklä- «gen im Ober- und im Unterhaus gewinnt, ist doch der:
Fl 0 ttenabk 0 mmen ist als solches Prak- Mßschtot. .Es werden nur noch „Leichenreden" gehalten. M englische Regierung versucht sich reinzuwaschen; alles Mdoch nur als Versuch anzusehen, in der Frage der Ab-- »Hng weiterzukonunen. Und irgendwelche sonstigen, Midas Rüstungspolitische hinausgehenden Abmachun- gäbe es nicht. Aber jetzt, da die Sache so viel Staub MWwirbelt habe, sei eben die Lage so, als ob niemals Mm Vereinbarung zustande gekommen sei; jetzt müsse — skrr die Teeabrüstung — England einen anderen Weg einschlagen. Vielleicht die amerikanischen Vorschläge akzeptieren.
Triumphierend stellt die Opposition, also die Liberalen und die Arbeiterpartei, nun fest, daß die Außenpolitik Chamberlains und seines Stellvertreters, Lord Cusheir- duns sich eine große Blamage zugezogen habe. Daß sie in der Abrüstungsfrage jetzt ebenso vor einem Trümmerhaufen stehe wie in der Frage des Flottenabkommens. Und die Opposition hat mit dieser Feststellung unbedingt licht. Was sie aber nicht sagt, was aber jeder politisch denkende Engländer instinktiv begreift: England hat sich wieder einmal von Frankreich glatt ins Schlepptau nehmen lassen. In Europa spielt die Miser Regierung auch nach außen hin sichtbar die auto- Mie Führerrolle. In allen machtpolttischen Fragen: Ab- tüftung, Reparation, Osteuropa. Lord Chamberlains fixe M eine feste antibolschewistische Front aller europäischen West- und Mittelmächte zu bilden, ist stillschweigend zu !ye getragen worden. Und in der Abrüstungsfrage hat Mdie Londoner Regierung von Paris glatt hineinlegen Wenn auch das Flottenabkommen tot ist — die Menzösische Regierung kann doch lächelnd auf die Be- MMgung Englands verweisen, wonach die Ansichten Erster Regierung über die Nichteinbeziehung der M Ettvlsten in die Rüstungsstärke gebilligt werden. Dieses »Geständnis hat ja, so erklärt man in Paris, nichts, aber Zar nichts mit dem Flottenabkommen zu tun; das »-Geständnis ist also bindend, ob auch das Abkommen ins »Mb gesunken ist. Lord Cushendun zuckt die Achseln und "" Oberhaus: „Da kannst halt nix machen!" Die ■ lassen nun einmal nicht mit sich reden, I W’ bie Zahl der ausgebildeten Reservisten nicht m Zustungsstärke einrechnen, die für eine Verminderung H«?/!^ânkung in Frage käme. Angesichts dieser Starr- I wüste England aber seinen früheren Standpunkt W «geben, um überhaupt irgendwie in der Abrüstungs- I vorwärtszukommen. „Aber wir verzweifeln nicht, I toir diese Enttäuschung erlitten haben." Ito',’0 em glatter französischer Sieg ohne jede Gegen- IS' Und das Geständnis, daß man in der Ab- »Lungsfrage nicht einen Schritt vorwärtsgekommen rst. KW politischen Beziehungen zu den Vereinigten DA" keineswegs erfreulich gute sind. Daß die Polttrk »lâsMuetts Baldwin durch das Flottenabkommen tat« 14? überall — außerhalb Frankreichs und seiner Allt- IW' Mißtrauen, Argwohn, scharfe Vorwürfe hervor- rtW Man hat ja - nach dem Krieg — den Bann- EnWWW11 auf die verhängnisvolle „Politik der E?S in der Vorkriegszeit, wodurch recht eigentlich Eteb? Wnb Zum Ausbruch gekommen sei — und nun ■ Cjn ^ wes englisch-französische Bündnis intimster Art! KÄ ^1 formales, aber tatsächliches Bündnis, dem I teW Politik der Nachkriegszeit trotz aller fran- I Aa » Sehnsüchte und Mahnungen aus dem Wege ge- IN h; L~" bis jetzt. Lord Cusbendun gibt selbst zu, I «rettens6 ^lottenvereinbarung tatsächlich argwohn- »lich d-, gewirkt hat: und auf dieses Zugeständnis wirft I Mutze Opposition im Parlament mit triumphierender lÄ“ war übrigens die Mitteilung Lord Cushen- ■ ^olhif W angesichts des drohenden Scheiterns der I Mi* s^^ottenabkomlnens Frankreich zwar sehr »>"ellI„°Zusagen mit dem Zaunpfahl eines f0r- I ^gietlt" Bündnisses gewinkt habe, die englische I ^eisE ?. "Vor dafür unempfänglich geblieben sei. „Ich I ^tbcn -s?.VHt daran, daß unser Schweigen verstanden ■ M W; Sicherlich. Aber auch dadurch wird die Tat- ■ Killer u ^^ der Welt geschafft, daß Paris politisch ■ 'd überall auf die unbedingte linterstützuna durch
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res CWchkches.
Das Umsichgreifen
des Arbeitskonfli-ts.
Vor einer RegierungserNärung.
Am Montag tritt der Reichstag zusammen und auf der Tagesordnung seiner ersten Sitzung steht die Beratung jener Anträge unb Interpellationen über die Riesenaussperrung im Industriegebiet, die von mehreren Parteien eingebracht worden sind. Der Neichsarbeitsminister Wissell wird von der Regierungsbank aus zu diesen Anträgen unb Interpellationen namens des gesamten Kabinetts eine Erklärung abgeben, über die Entwicklung im Ruhrgebiet hatte der Neichsarbeitsminister eine längere Aussprache mit dem Reichskanzler.
Die Reihe der Interpellationen der Reichstagsfraktionen schließt jetzt eine Resolution der Zentrumspartei, die in einer besonderen Sitzung gefaßt wurde und sich entschieden für ein sofortiges Eingreifen der .Reichsregierung ausspricht.
ArbeiiSgerichLsiermin schon Montag.
Die Verhandlung vor denk Arbeitsgericht in Duisburg über die Fefistellungsklagc des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen Gruppe ist auf Montag, den 12. November, vorverlegt worden. Diese Maßnahme ist offenbar auf Veranlassung des ReichsärbeitsMuisters erfolgt
Lm Aussperrungsgebret.
Die Lage im Aussperrungsgebiet ist nach wie vor ruhig. Kommunistische Kreise entfalten eine lebhafte Propaganda, die zu Versammlungen und Demonstrationszügen auffordert. Die Bezirksleitungen der drei Metall- art eitcrverbärrde Hatzen inzwischen die Höhe der. Unterstützungssumme für eine Woche festgesetzt. Sie beträgt nach Dauer der Mitgliedschaft 20 bis 30 Mark. Am Donnerstag fanden an vielen Orten des Industriegebiets größere Mitgliederversammlungen des Christlichen Metall- ârbeiterverbandes statt.
Große Erregung hat ein bekanntgewordenes Rundschreiben des Gesaintverbandes Deutscher Metallindustrieller hervorgerufen, das die an- geschlossenen Verbände und Firmen auffordert, aus dem Gebiet des Lohnkampfes in Rheinland-Westfalen zugezogene Arbeiter nicht e i n z u st e l l e n. Von Arbeitgebersette wird hierzu erklärt, daß es sich um eine in jedem Arbeitskampf übliche Schutzmaßnahme handele.
die englische Regierung, durch das Kabinett Baldwin zählen konnte und kann.
Mit deni „Standard of Powers", dem Machtausgleich auf dem europäischen Kontinent, diesem Drehpunkt der englischen Vorkriegspolitik, ist's any und vorbei. Frankreichs Herrschaft ruht auf den ehernen Säulen seiner riesigen Heeresmacht — das sehr unbehagliche Gefühl hierüber ist der Untergrund für die Angriffe der englischen Opposition, weil das Kabinett Baldwin nicht das geringste zu einer Änderung dieser Situation getan hat. Eher das Gegenteil als Resultat semer Politik betrachten muß.
Von der Betreuung Poincarès mit der Kabinettsbildung.
Allgemein wird in Paris jetzt angenommen, daß der Präsident der Republik im Laufe des heutigen Tages, da die Mehrheit, die von ihm zu Rate gezogenen Parlamentarien, Poincarè als geeigneteste Persönlichkeit bezeichnet habe, diesen ersuchen wird, wiederum die Bildung des Kabinetts zu übernehmen.
Nach dem „Matin" ist Poincarës Prestige derart, daß ihm nach Belieben die eine oder andere der beiden Kombinationen (nationale Einigung oder republikanische Konzentration) gelingen könnte. „Echo de Paris" ist der Ansicht, daß Poincarè die Bildung des Kabinetts übernehmen werde, wenn er die nationale Einigung als Grundlage seiner Politik wieder herstellen könne. Für den Fall, daß Poincarè definitiv ablehnt, hält „Havas" es für immer wahrscheinlicher, daß die Lösung der Krise, alsdann Briand übertragen werden könnte. Briands Freunde versicherten allgemein, daß er sich lieber ganz dem Außenministerium widmen möchte und daß er falls er das Ministerpräsidium übernehmen sollte, es nur unter der Bedingung tun würde, daß Poincare, dessen Mitarbeit er für unerläßlich halte, einwillige, das Portefeuille des Finanzministeriums zu übernehmen. „Populaire", der ein Kabinett Poincarè für ausgeschlossen hält, will aus sicherer Quelle erfahren haben, daß Poincare dem Präidenten, als seinen Nachfolger, den ehemaligen Kammer- iräsidenten und Finanzminister Senator Peret vorge- chlagen habe. ch
Vertrauensvotum für Ismet Pascha.
wtb. Angora, 9. Nov. Nach Schluß der Debatte über die Regierungserklärung sprach die Kammer dem Ministerpräsidenten Ismet Pascha einstimmig mit 262 Stimmen das Vertrauen aus.
Die katastrophalen Auswirkungen.
Die Stillegung der Eisenindustrie im Bezirk der nordwestlichen Gruppe, in die über 40 Prozent d.r Förderung geliefert wird, zwingt den B e r g b a u zu erheblichen Einschränkungen. Die Zechen der Bergbaugruppe Dortmund der Vereinigten Stahlwerke A.-G. haben in diesem Monat schon zwei Feierschichten eingelegt und werden, da die ungünstige Wirtschaftslage des Bergbaues ein Lagern verbietet, wöchentlich etwa drei Feierschichten einlegen lassen. Als weitere Folge der Melallarbeiteraussperrung ist die Stillegung der Z e m e n i f a b r i k des Eisen- und Stahlwerks Hösch zu verzeichnen. Außerdem mehren sich die Betriebseinschränkungen auf fast allen Zechen. Betriebseinschränkungen sind auch auf einzelnen Kokereien vorgenommen worden.
Im Sauer - und dem Siegerland sind durch die Einschränkung der Aufträge bei den K a l k w e r - len bereits größere Kündigungen vorgenommen worden. Sollte die Aussperrung längere Zeit andauern, so ist damit zu rechnen, daß der größte Teil der Kalksteinbetriebe zum Erliegen kommt. In der feuerfesten In- dustrie haben sich ebenfalls ähnliche Anzeichen in dem ganzen Gebiet bereits bemerkbar gemacht. Nicht zuletzt ist in den Städten zu verzeichnen, daß das Transportgewerbe in Mitleidenschaft gezogen ist. Ebenso hat der Hafenbetriebsverein Dortmund bereits größere Kündigungen von Hafenarbeitern im Kohle- und Erzhafen in Erwägung gezogen. In diesem Falle wird auch in Duisburg mit Kündigungen gerechnet werden.
wtb. Düsseldorf, 8. Nov. Nach vorsichtigen Schätzungen dürften sich die Aufwendungen der Stadt Düsseldorf für die Unterstützung der ausgesperrten Metallarbeiter pro Woche auf 650—700 000 Mark stellen.
Unterstützungsaktion der Arbeitgeber.
Essen-Nuhr. Die Arbeitgebergruppe Nordwest sieht sich veranlaßt, die ihr angehörigen Werke aus dem seit langer Zett angesammelten Fonds im Lohnkamps zu unterstützen, undzwar kommen hierfür Werke mit einer Belegschaft bis zu 200 Mam» in Frage.
Maffenarbeiterkündigungen in Aachen.
Aachen. Die Firma Capito u. Klein in Benrath, die nicht Mitglied des Arbeitgeberverbandes in Düsseldorf ist und bte obne Arbeitseinschränkung arbeitete, dürfte in absehbarer Zeit mit Schwierigkeiten im Bezug der Rohstoffe zu rechnen haben. Als Vorbeugungsmaßnahme hat die Verwaltung der gesamten Belegschaft von 600 Mann gekündigt.
Nachklänge zur Wahl Hoovers.
Bei der Nachprüfung des Gesamtstimmenergebnisse- bei der Präsidentenwahl hat es sich herausgestellt, daß der Unterschied zwischen dem gewählten Hoover und dem ab- gefallenen Smith gar nicht so groß war, wie es nach der Zahl der erkorenen Wahlmänner den Anschein hatte. Daneueste amtliche Ergebnis in den 48 Staaten ergibt höchstens 18 261 879 abgegebene Stimmen für Hoover und 12 994 275 Stimmen für Smith. Hoover hat demnach nur eine Mehrheit von 5 267 604 Stimmen aufzuweisen. In den Bundessenal werden die Republikaner mit sieben oder acht Sitzen mehr als bisher und in das Repräsentantenhaus mit 75 Sitzen mehr als bisher einziehen. In seiner ersten öffentlichen Erklärung nach der Wahl betonte Hoover, daß er sich noch nicht über das spätere Kabinett schlüssig sei. Er richtete an alle Führer bei Landes einen dringenden Appell, zusammenzuarbeiten.
Auf der Flucht vor dem Lavafirom.
Die Katastrophe auf Sizilien.
Nach den letzten Meldungen aus dem Ätnagebiet hat der Lavastrom die Bahnkörper erreicht. Um den Verkehr aufrechtzuerhalten, wurde eine Dampferverbindung eingerichtet. Da auch die Telephon- und Telegraphenleitungen unterbrochen wurden, kann der Verkehr mit dem Festlande nur über das Innere von Sizilien geleitet werden. Im Hafen von Catania wurde eine Funkstation eingerichtet, um wichtige Funkmeldungen über das ganze Land verbreiten zu können.
Der Hauptlavastrom bringt derzeit in einer Breite von etwa 400 Metern mit steigender Geschwindigkeit gegen das Städtchen Nunziata vor und verwüstet aus seinem Wege Ortschaften, Brücken, Straßen, Bahnen und Weingärten.
Auf den bis jetzt noch unbedrohten Straßen bewegen sich endlose Züge von Flüchtlingen, daneben Arbeiterabteilungen, sizilianische Truppen, Milizabteilungen, viele Neugierige und Zeitungsberichterstatter. In den bedrohten Ortschaften veranstalten die Bewohner Prozessionen, um die Hilfe des Himmels anzurufen. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab, als die Bewohner von Mascali machtlos Zusehen mußten, wie die feurigen Massen in ihre Häuser eindrangen, wie alles in Flammen aufging und die ganzen Straßen von der Lavamasse ausgefüllt wurden. Die Ausbrüche des Ätnas dauern mit unverminderter Gewalt fort
Nach den letzten Meldungen ist die Ausbruchstätigkeit des Aetna im Abnehmen begriffen. Obwohl der Eisenbahnverkehr nicht unterbrochen wird, wurde gestern abend ein Ergänzungsverkehr der Städte Syrakus, Eatania und Messina mit zwei Dampfern ausgenommen.