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M-aer Anzeiger
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Fulda, Monta«, 19. November
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5. Jahrgang
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20 Millionen als Ansgesperrtenhilfe
Verfiandigungsaussicht im Lisenlonslikt.
Die Düsseldorfer Verhandlungen.
Die gemeinsamen Verhandlungen beider Parteien im Eisenkonflikt beim Regierungspräsidenten Bergemann, die Sonnabend früh begannen, zogen sich bis gegen 11 Uhr abends hin, führten aber zu keinem endgültigen Abschluß. Beide Parteien glauben jedoch in dem Ergebnis der Verhandlungen die Grundlage gefunden zu haben, die zu einer Verständigung führen wird. Die nächsten gemeinsamen Verhandlungen unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten Bergemann wurden für Montag ange- setzt.
Während vor Beginn der Verhandlungen allgemein mit einem ergebnislosen Abbruch der Vermittlungsattion gerechnet wurde, ist es dem Regierungspräsidenten Bergemann gelungen, eine gewisse Annäherung der Parteien zu erzielen. Es wurde eine Kommission gebildet, di« umgehend in Vorberatungen eintreten wird, die den gesamten Fragenkomplex zum Gegenstand haben sollen. Dieses Ergebnis der Aussprache dürfte als erster Schritt auf dem Wege zur Beilegung des Konflikts zu werten sein. Es wird die Ansicht offen ausgesprochen, daß die Arbeit
^Mittel für die Ruhrarbetter, iisammenwirken von Reich und Preußen. Das Reichskabinett beschloß in einer besonders einen Sitzung daran festzuhalten, daß die Ausge- gen im Ruhrgebiet aus den Weg der Fürsorge über Gemeinden verwiesen werden. Von feiten des Reiches ebenso wie von Preußen ein bestimmter Bettag zur igung gestellt werden, um die Gemeinden in ihrer orgepflicht zu unterstützen. Die Auszahlung an die esperrten soll durch die Gemeinden erfolgen nach mien, die von der preußischen Staats- zierung festgesetzt werden.
Die Parteiführer sind von dem Ergebnis der Ka- ineiissihung unterrichtet worden. Die Vorstände der ionen traten sofort zu Sktzungen zusammen. Dann Minelte sich der Sozialpolitische Ausschuß des Reichs- , um über die vorliegenden Anttäge zum Eisenkt zu beraten.
Reichsarbeitsminister Wiffell
dabei eine Erklärung ab, nach der die Reichsregierung Meinung sei, daß im Wege der Gesetzgebung der ih nach einer raschen und schnellen Hilfe nicht erreicht n kann. Wiffell gab dann den Beschluß des Ka- s bekannt unb seiner Ansicht, daß auf diese Weise die ste Hilfe geleistet werden könne. Der Ausschuß war ii dieser Lösung einverstanden und saßte nach kurzer ung folgenden Beschluß:
,Zur Abstellung der Notstände, die im rheinisch-west- n Industriegebiet durch Aussperrungen entstanden soll die Reichsregierung nach näherer Vereinbarung Preußen Mittel zur Verfügung stellen, um den in den nten Gebieten gelegenen Gemeinden (Gemeinde-
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Tiefe Entschließung wurde mit allen Stimmen gegen üe Stimmen der Kommunisten und unter Stimmenthal- UNst Deutschnationalen angenommen. Angenommen »mdc noch ein Antrag des Zentrums, auf die Länder- tegierungen einzuwirken, damit die Bezirksbehörden unter Mitwirkung der gesetzlichen Berufsverttetungen d«n handwerk und Einzelhandel sowie der für toi Lebensmittelmarkt tätigen Landwirtschaft un- ^üiiglich die Schädigungen feststellen, die diesen Kreisen durch die Metallarbetteraussperrungen entstanden sind «d noch entstehen.
Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, bebrütet Beschluß des Sozialpolitischen Ausschuffes des Reichs-
daß bereits von dieser Woche ab ausreichende Für- «Umittel für d'e Ausgesperrtev an der Ruhr bereitstehen
Etwa 20 Millionen öffentlicher Mittel sollen für Mksen Zweck ausgeschüttet werden.
M -Mae Steuervorauszahlungen für Gewerbetreibende W'..Handwerker werden gestundet. Der Reichsfinanz- Muater hat eine entsprechende Anweisung an die betrefsen-
Finanzämter herausgegeben. Ebenfalls hat der preu- Finanzminister eine solche Anweisung erlassen.
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Dis Aussperrung im Reichsiag.
& Sitzung.) CB. Berlin, 17. November.
Srt Reichstag überwies zuerst den Entwurf eines Ge- »aber das Zusatzabkommen zu dem Handels- und Schiff- zwischen Deutschland und Jugoslawien dem 'Apolitischen Ausschutz Darauf wurde die Tagesordnung ^»weitert, daß man sofort den Bericht wünsche über die des Sozialpolitischen Ausschusses in der Angelegen
tlnierffützung der Ruhrarbeiter.
Präsident schlug dabei vor, weil die ganze Materie L ,Jugend erörtert worden sei. daß die einzelnen Parteien «»er Redezett von einer Viertelstunde zufriedengeben kommunistischer Seite wurde beantragt, wenig- we halbe Stunde zu bewilligen. Unter
L . kosenden Kundgebungen der Kommunisten Wer Antrag des Aba. C
»iw Lesser (D. Vp.) empfahl
Stöcker abgelehnt.
[ den Antrag des AuS-
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b- L9M (Soz.) gab eine Erklärung ab, in der be- ' JV^ die sozialdemokratischen Anträge zur Unter- k j . ? Ausgesperrten im Ausschuß abgelehnt worden seien.
C i" sklmme trotzdem der Attssâmßentschließnng zu. kl âümng (Ztr.) stimmte gleichfalls dem Ausschutzan- k b r Ä W notwendige Unterstützllng der Ausg^sperrten f Aba ^Wnden nicht aufzuhalten.
üw^chdemer-Wildau (Dtn.) erklärte, der Antrag be- kAe ^Pvchterteilung an die Reichsregierung, deren t’tierfefi» ^leHe und rechtliche Auswirkung noch nicht ^'ng d ^^dlngesichts der bisherigen uneinhettlvhen rieten lön„Wchsregierung und der hinter ihr stehende,, ch n-l nn- dr- deutschnationale Fraktion eine solche Voll- ^nam^ sieben. Die deutfchnationale Fraktton überlaste ’ ifftentS^ Regierungsparteien und werde Mi Ä f^mmTerflärte, der Betrug an de« Arbeits- Reien aem»?»? Sozialdemokraten und den bürgerliche»
(Dem.) stimmt dem Anttag zu mit der Be- .^siio sg sind der Auffassung, daß bei dem vorhandenen
Besait^" wie möglich geholfen werden muß (Leh. links und in der Mitte.)
_ nicht
"bisherigen uneinheitlichen
ere Reichsarbeitsminister Wisse«:
muß durch einen Beschluß des hintan ! ^ Sage versetzt werden, sofort zu helfen. Da- Ä6 aefnm^n vorliegenden Beschluß im Sozialpolitischen ' ^nteilll°vunen Wie man das als eine Unterstützung . tetj kvir bk Kommunisten taaeu. «miede» kann.
das kann ein normal denkender Mensch nicht verstehen. Namens der Reichsregierung habe ich zu erklären, sie wird von ihrer Ermächtigung den besten Gebrauch machen und entsprechend dem Gedanken, schnelle und rasche Hilfe zu leisten, sofort handeln. (Beifall links und in der Mitte.)
Abg. Wagner (Nat.-Soz ): Der Beschluß des Ausschusses ist eine Lächerlichkeit, die gar nichts bedeutet. Er genügt bei Weitem nicht.
Annahme des Ausschußanirages.
Bei der Abstimmung werden die Ausschußbeschlüffe den Stimmen der in der Regierung vertretenen Parteien gegen die Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten bei (Sntlmttung der Deutschnationalen angenommen
Ein kommunistischer Anttag mit nationalsozialistischer Unterstützung auf Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung war in namentlicher Abstimmung abgelehnt worden.
mit
Angenommen wurde ferner ein Ausschußantrag auf unverzügliche Feststellung der Schädigungen, die dem Handwerk und den Einzelhandel und der für den Lebensmittelmarkt tätigen Landwirtschaft entstanden sind. Ohne wesentliche Debatte, wurde in dritter Beratung der von bcii Regierungsparleieeingebrachte Gesetzentwurf, durch bui die Geltung des Sieuer- milderungsgesetzes bis zum 30. September 1929 verlängert werden soll, angenommen. Der Staatsvertrag bett. Übergang der Wasserstraßen von ben Ländern auf das Reich wurde dem Reichsverkehrsausschuß überwiesen Dem Rechtsausschuß wurde der Gesetzentwurf über die Prüfung der Vev- sassungsmäßigkeit von Vorschriften des Reichsrechts und ebenso .der Entwurf eines deutschen Auslieferungsgesetzes überwiese«.
Darauf vertagte sich das HauS auf Montag.
in kür
ürzester Zeit wieder ausgenommen werden kann.
Die Zahlung der Unterstützung an die Ausgesperrle»
wird dem Vernehmen nach bereits am Dienstag einsetzen. *
Es wird aus Essen mitgeteilt, daß die gewerkschaftlichen Stellen sich entschlossen haben, von dem Rechtsmittel der Sprungrevision keinen Gebrauch zu machen, sonder« Berufung an das Landesarbeitsgericht Duisburg 51 stellen. ~ ~
Das Unwetter
Der schwere Orkan, der Nordwesteuropa heimsuchte, hat viel Schaden angerichtet. Rendsburg hatte ungewöhnliches Hochwasser. Die Feuerwehr hatte bereits mit Sandsackabdämmungen begonnen, als die Flut zu-
rückging.
In Friedrichstadt wurden die Ein
wohner nachts durch Glockenläuten alarmiert.
An
mehreren Stellen ist der Eiderdeich gebrochen. Der Zerstörungszug ging über Hamburg und das ganze Unter- rlbegebiet nach Schleswig-Holstein. Von der Insel Sylt wird berichtet, daß der Sturm die Stärke 11 erreichte. In Westerland wurden erwachsene Personen auf der Straße umgeweht. Die Promenade ist beschädigt worden. Die Schäden in den einzelnen Orten lassen sich wegen der Störungen in den telephonischen Äerbindun- gen nicht abschätzen. Bei Keitum sind 60 Schafe ertrunken. Die Ländereien im südlichen Teil der Insel wurden überschwemmt.
In der Nacht strandete auf der Ranzelplatte (Borkum) der Dampflogger „®Öa* AL 11 aus Leer. Die aus sieben Mann bestehende Besatzung wurde von dem Motor- rettungsboot „Hindenburg" gerettet und gelandet. Die Bergung des leckgeschlagenen Schiffes war wegen des stürmischen Wetters bisher nicht möglich.
Der starke Sturm hat ferner an zahlreichen Stellen Stadt Köln und ihrer Vororte teilweise erhebliche Schäden angerichtet. Dächer wurden abgedeckt, Baugerüste, Zäune, Telegraphenmasten und sogar mehrere Litfaßsäulen umgeweht. Besonders zahlreich sind die durch Funkenflug entstandenen Kaminbrände. Insgesamt wurde die Feuerwehr 23mal zur Hilfeleistung gerufen. Auch aus den übrigen Gegenden Westdeutschlands werden Sturmschäden gemeldet. In der
der Stad
Düsseldorfer Gegend wurden viele Bäume entwurzelt und Teleftraphenmasten umgeweht. In A a ch e n setzte ein wolkenbruchartiger Regen ein, dem ein Wirbelsturm folgte. Im Jugendheim der Pfarre St. Johan« in Burtscheid hob der Sturm
einen Teil des Daches mit den Balken ab' und warf die ganze Last auf den danebenliegenden Bauplatz. In den Wupperstädten Elberfeld und Barmen richtete der orkanartige Sturm gleichfalls ziemlichen Sachschaden an, ebenso in anderen Städten des bergischen Landes. Auch aus Sachsen werden starke Sturmschäden gemeldet. Auf ben umliegenden Höhen von Dresden wurden nach Aufzeichnungen des Böen- schreibers 37 Sekundenmeter erreicht, was einer Windstärke von 10 bis 11 entspricht. In Dresden mußte die Feuerwehr dreimal ausrücken, um 1
hinuntergefallene Gesimse und Reklameschilder
zu entfernen. In der Raimundstraße stürzte ein Hausabputzgerüst zusammen, wobei die Leitungsdrähte der Straßenbeleuchtung durchschlagen wurden. In Gärten und Parkanlagen sind vielfach starke Äste abgebrochen und Zäune niedergelegt worden.
In Hamburg stellte sich ebenfalls ein schwerer Westsüdweststurm ein, der die Fluten der Elbe bis auf den Grund aufwühlte. Das Wasser richtete in den tiefer gelegenen Stadtteilen am Hafen
durch Überschwemmungen große Schäden an. Verschiedene in See gegangene Dampfer mußten infolge des Unwetters zurückkehren und liegen bei Kuxhaven vor Anker. Im Stadtgebiet wurden Bäume entwurzelt und auf die Straße geschleudert. Von einigen Dächern stürzten Schornsteine. Auch wurden zahlreiche Fenster Linaedrückt. '
England
hatte schwer zu leiden. Wahrscheinlich sind mindestens zwanzig Menschen von fallenden Bäumen und
Mauerwerk erschlagen worden, Unter den Getöteten befindet sich auch ein Anzahl Kinder, Die Zabl der Ver- z«^ten läßt sich auch annähernd nicht angeben: London allein hat sieben Tote infolge des Sturmes zu verzeichnen. An der Küste arbeiteten die Rettungsboote ohne Pause, um Schiffbrüchige zu retten. Seeleute der Küstenbewohner erklären, daß der Sturm der schlimmste seit.
50 Jahren gewesen sei.
Infolge des Sturmes der letzten zwei Tage sind erhebliche Störungen im telegraphischen Versehr mit dem Kontinent einaetret-n Zwilchen London und Frankreich arbeitet nur eine Linie Die Schweiz und Italien sind völlig abaeschnitten und zwischen London ein-rl^its und Deutschland und Belai-n andererseits wickelt sich der Verkehr nur unter Schwierigkeiten ab.
Im inneren Frankreich
herrschte ununterbrochen Sturm und Regen. Bei Remiremont sind unübersehbare Verwüstungen entstanden. Der Frachtdampfer „Ville de Dunkeroue" der nach Oran ausgelaufen war, erlitt so schwere Beschädigunaen, daß er gezwungen war, in d"n fräsen zurückzukehren. Die Dampfer „Arlanza" und „Columbus" sind mit zwölf- stündiger Verspätung in Cherbourg einaetroffen. An der Nordwestküste von Quimver wo eine fürchterliche Brandung herrscht, wurde ein Fischerboot von der Verankerung losgerissen und aus den Strand geworfen. Der griechische Dampfer „Amazon" befand sich in Seenot.
An der holländischen Küste
scheiterten verschiedene Dampfer. In der Nähe der Insel Terschelling wurde das Wrack des Kutters „Noordstern" aulgefunden, dessen Insassen, ein Fischer mit seiner Frau und seinen zehn Kindern, bei dem Untergang des Kutters umgekommen sein dürften Nicht weit von der „Noordstern" entkernt konnte das Rettungsboot von Terschelling die ans fünf Personen bestehende Besatzung eines sinkenden Fischdampfers bergen. Mehrere Fischdampfer, die sich zur Zeit des Sturmes an der Küste der Provinz Friesland befanden, werden vermißt. Auch in der Flußschiffahrt ist der Verlust einiger Schiffe zu beklagen. Beim Untergang eines Schleppschiffes auf dem Waal sind zwei Matrosen ertrunken. Aus mehreren Strecken erlitt der Eisenbahnverkehr erhebliche Verzögerungen. Die Straßenbahnen mutzten stellenweise den Betrieb einstellen. In den fräsen Rotterdam und Amsterdam rissen sich zahlreiche Schiffe los. In Amsterdam wurden Hunderte von Dachziegeln auf die Straße geschleudert, zahlreiche Fensterscheiben eingedrückt und Bäume entwurzelt. Die Bewohner eines großen Hauses in der Prinzengracht mußten In aller Eile ihre Wohnungen verlaffen, da das Gebäude einzustürzen drohte.
Dänischer Observationsturm zerstört.
Die Damvffäbre „Danmark" in Giedser hat sich los- geriffen und ist nach dem Bootshafen abgetrieben worden, wie sie auf Grund steht. Bei Saksköbing auf der Insel Laalind riß der Sturm das Dach eines Observationsturmes des Geodätischen Instituts herunter. Eine Reihe kleinerer Schiffe ist gestrandet, darunter die Galeaffe „Annie" auf der Fahrt nach Rostock. Das Schiff steht nur wenige Meter von der Küste bei Giedser Wie aus Skelskör in Westseeland gemeldet wird, sprengte eine Hamburger Motorgaleaffe im Omösund die Ankerkette und sank auf neun Meter Waffertiefe. Drei Mann der Besatzung gelang es, in die Schiffsjolle zu kommen. Der Kapitän wurde nach kurzem Nmherschwimmen von der Jolle ausgenommen. Die Schiffbrüchigen erreichten in stark erschöpftem Zustande das Land.