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fc'275 - 1928
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Fulda, Donnerstag, 22. November
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5. Jahrgang
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Der Treuhänder.
Saarfrage.
Wir Deutsche waren im Kriege unterlegen. Die Feinde ^langten von uns eine Entschädigung, Frankreich forderte be- iMrs von uns Kohlen aus dem Saargebiet bis zur Wieder- jekstellung seiner zerstörten Gruben. Diese Forderung wäre M zu erfüllen gewesen; aber Frankreich forderte zur angeb« n Sicherheit seines Verlangens das Eigentumsrecht an den «gruben. Die Sieger gewährten ihm dasselbe mit der Ein- änkung, daß Deutschland nach 15 Jahren die Gruben zurück- fen kann, wenn die Saarbevölkerung kraft des Wilson'schen stbestimmungsrecht sich entscheidet, zu Deutschland gehören wollen. Die Vorbereitung der Abstimmung und je endgültige Formulierung des Abftimmungs-
igebnisses wird in die Hände des Völkerbundes MU« erlegt. So hängt die Lösung der Saarftage möglicherweise uMjz m der Gnade des Völkerbundes ab. Er ist der Treuhänder, Vergsi )<t schließlich über das Geschick des Saargebietes zu entschei-
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Die französischen Wünsche liefen jedoch ursprünglich auf dmernde Behauptung der Gruben und die souveräne Herrschaft Mi das ganze Gebiet hinaus. Auf dem ganzen linken Rhein-
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Stand d iifet griff die französische Politik zum Mittel der Besetzung. Da
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oier Frankreich nicht aus eigener Kraft uns niedergeworfen
"/ i Mie, mußte es die Besetzung mit seinen Bundesgenossen teilen ââ.U- zum Leidwesen der Pariser Regierung. Nur das Saargebiet 50“
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de in die Treuhanderschaft des Völkerbundes ben. Während im besetzten Rheinland die Regierung den schen verblieb, allerdings beschränkt durch die interal <- ierte R h e i n l a n d k o m m i s s i o n, ging sie an der ausschließlich an den Völkerbund als Treuhänder über,
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sich durch eine Regierungskommission vertreten it. Ausgabe des Völkerbundes ist es, dafür zu sorgen, daß k Uebeigang der Gruben an Frankreich sicher erfolgte; daß Mte Md Wohlfahrt der Bevölkerung geschützt werden, und dch nach 15 Jahren über Zugehörigkeit des Saargebietes ent- ischieden wird, wobei der Wunsch der Saarbevölkerung gemäß
sine d! t^rer Volksabstimmung zu berücksichtigen ist. t Eiß Abgestimmt wird über 3 Fragen: 1. Uebergang der Sou -
veränität an den Völkerbund ? 2. Vereinigung
festMi des Saargebiets mit Frankreich? oder 3. Rück- # ™ iehrzu Deutschland ? — Der Völkerbund kann eine ge- titatniame Entscheidung für das ganze Saargebiet treffen oder für einzelne Teile verschieden. Fällt das gesamte Gebiet oder
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ein Teil desselben wieder an das deutsche Reich, so hat dieses die gesamten Gruben oder in dem Teil, der ihm wieder zufällt,
li st l w Frankreich zurück zu kaufen. Falls eine Einigung zwischen rbroâ Deutschland und Frankreich zustande kommt, kann der Rückkauf Sic h» schon vor 1935 erfolgen:
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Kü>l ^ 8roße Rätsel ist nun: Wird der Völkerbund seine t da- ^ $m "^ Treuhänder obliegende Pflicht erfüllen und nach Maß- Be der Gerechtigkeit seine Entscheidung über die Zugehörigst treffen? Die Entscheidung über die künftige Staatszuge- Weit wird von der gesamten Völkerbundversammlung ge- t Die näheren Ausführungsbestimmungen gibt der Rat Völkerbundes. Die Zukunft des Saargebietes liegt also Schoße des Völkerbundes und wird bestimmt dadurch, wie ' im Zeitpunkte der Entscheidung die Jnteres- Gruppierung im Völkerbund und seinemRat galtet. Wird die Mehrheit der Völkerbundversammlung " der Auslegung der Volksabstimmung gerecht eingestellt W Diesen Zweifel beseitigt auch die Anwesenheit des beut» Wit Reichsvertreters nicht. Selbst der deutsche Minister Hosemann konnte nicht verhindern, daß entgegen dem Mu Wortlaut des Versailler Diktats als Bahn schütz (!) "e fremde Heeresmacht dauernd eingesetzt wurde, obwohl in ^rsailles bestimmt worden war, daß im Saargebiet Trup- °''i^erArtder Zutritt untersagt ist.
5 Treuhänder hat der Völkerbund die Pflicht, auch das . . ® Saargebiet bestehende deutsche Recht der Reichshoheit Susien. Frankreich verstand es aber, mit einer ihm geneh- Zusammensetzung der Regierungskommission, statt aus ^tralen, aus Ententeangehörigen, die Bestim- , "Sen des Versailler Diktats gegen ihren ursprünglichen Sinn L-^^en- Es wurden Beamte ab- und eingesetzt. Es ein® neue Oberinstanz mit vorwiegend ausländischen i(1„‘etn eingesetzt. Es wurden französische Truppen ins Land en die später als Bahnschutz eine geringe Beimischung ^' scher und belgischer Soldaten erhielten. Es wurde , ârsuch gemacht, das deutsche Schulwesen durch fran- zu verdrängen. Die deutsche Währung wurde durch ^/^"sische ersetzt. Durch Schreckmittel, namentlich Lohn- ^ "u ^nd Entlassungen sollten die deutschgesinnten ieh ^n französischen Wünschen willfährig« gemacht wer« ben’ ^’ '"/ine ihnen fremde Kultur hineingepeitscht wer» tawn^ tische Steuerberechnung belastet der ievzif Erubenbesitz das kärgliche Einkommen der Saar- """8 zur Mehrung des französischen Reichtums. Zahlen c Irländer wurden wegen ihrer deutschen Gesinnung J* und Hof vertrieben.
^t j„ n .Deutschland durch seine rasche Zustimmung zu dem htunn ^"chtungspakt eine ihm günstige Eesühlsstim- 0od 1??°^". Hat, so wird ihm die bei den Neutralen bieten tr ") / ika gewonnene Sympathie eine Hilfsstellung «etiJ,, ’e h^i der Regelung der Saarfrage in der Völkerbund- mmIun9 nicht unbeachtet bleiben kann. M.
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Die Wien der ReMtiiMchreiz.
Ein englischer Fühler.
Die konservative Londoner Zeitung „Tirnes* beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit der kommenden Reparationskonferenz. Das Blatt, das der Regierung Baldwins nahesteht, schreibt, scheinbar offiziell inspiriert, zu der Reparationsfrage: Die Denkschriften der Alliierten zur Reparationssrage einschließlich des Memorandums der britischen Regierung ünb in Berlin eingetroffen, und es wird jetzt möglich sein, die Antworten der alliierten Mächte auf die Mitteilung vom 30. Oktober zu entwerfen, in der die deutsche Regierung die Bildung eines Sachverständigenaus- s ch u s s e s für die Vorbereitung eines Planes zur endgültigen und vollständigen Regelung des Reparations- Problems in Übereinstimmung mit dem Beschluß der Mächte in Genf vom 16. September vorgeschlagen hat. Zwischen den alliierten Regierungen besteht, wie verlautet, ein enges Einvernehmen über ihre Antwort auf die deutsche Rote. Wahrscheinlich wird der Wortlaut der einzelnen Noten, die zu gleicher Zeit in Berlin überreicht werden, im wesentlichen übereinstimmeu. Allgemeine und uneingeschränkte Zustimmung wird, wie verlautet, der Vorschlag erhalten, hervorragende amerikanische Finanz- und Geschästssachverständige zur Teilnahme an den Arbeiten des neuen Ausschusses einzuladen. Jedes Land wird durch nicht mehr als drei, möglicherweise auch nur zwei Sachverständige vertreten sein. Gegen die (von Deutschland geforderte) Unabhängigkeit der Sachverständigen werden Einwände nicht erhoben werden, wenn die Sachverständigen zwar ihren Regierungen verantwortlich sind, jedoch durch irgendeine ständige offizielle Kontrolle nicht behindert werden und nicht Beschlüsse anzunehmen gezwungen sind, die sie nicht billigen. Die Beschlüsse deS Ausschusses werden nur beratenoen Charakter baden und an die verschiedenen Regierungen zur Berichterstattung geben. Als Tagungsort kommt nur Brüssel und Paris in Betracht, wobei man Paris aus technischen Gründen bevorzugt.
Die Zuständigkeit des Ausschusses wird „Times" zufolge wahrscheinlich folgende Punkte umfassen: „Festsetzung der Anzahl und Höhen der Annuitäten, die Deutschland künftig zur vollständigen und endgültigen Begleichung seines Schuldbetrages an die alliierten und assoziierten Mächte für die aus dem Kriege entstandenen Kosten zahlen soll. — Form und Redinguna dieser Zahlungsverpflichtungen. — Abschluß einer Vereinbarung darüber, wie die Kapitalisierung und Kommerzialisirung erfolgen soll. — Anpassung des Dawes-Planes an die zu empfehlende endgültige Regelung."
Die Fötforge für allere Angestellte.
Weitere Mittel zur Verfügung gestellt.
Das Reichsarbeitsministerium hat im März d. F. Mittel zur Verfügung gestellt, aus denen arbeitslosen, über 40 .Jahre alten Angestellten Darlehen gegeben werden können, die es ihnen erleichtern sollen, sich wirtschaftlich selbständig zu machen. Es war selbstverständlich. daß auch diese Maßnahme das Problem, in welcher Weise die älteren arbeitslosen Angestellten wieder einer volkswirtschaftlich wertvollen Tätigkeit zugeführt werden können, nicht endgültig lösen konnte, sondern nur einem kleinen Teil der betroffenen Berufsangehörigen $ilfe bringen würde. Immerhin hat sich die Maßnahme bewährt. Um ihre Auswirkung zu verstärken, hat der Reichsarbeitsminister daher weitere erhebliche Mittel bereitgestellt. Die Maßnahme wird auch weiterhin von der Kreditgenwittschaft Gemeinnütziger Selbsthilfeorgani- sationen in Berlin N 24, Moubijouplatz 3, im Zusammenwirken mit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung durchgeführt. Anträge sind wie bisher bei den Landesstellen der Kreditgemeinschaft (LandeswohlfahrtOämter) einzureichen.
Schiele über Auslandskrediie.
Wirkungen auf die Landwirtschaft.
Im Rahmen der Generalversammlung des Landbundes Anhalt erklärte Minriter a. D S ch i e l e zur Frage der Auswirkung der Auslanpskredite auf die Landwirtschaft u. a., daß die AuslandskredPe sich in Einfuhr von Agrarprodukten umaewandelt hätten. (Sine Mehreinfuhr erfolge entweder bei benjenigen Produkten, die das kapitalempfangende Land mit Hilfe der Kredite kaufe, oder bei denjenigen, an denen das Ausland eine» Überfluß habe, vorausgesetzt, daß dem Im-, Port nicht 1
starke Zölle
entgegenständen. Bei dm landwirtschaftlichen Erzeugnissen, deren Produktion sich nicht beschränken ließe, sei in den letzten Jahren eine Überproduktion in der Welt zu beobachten gewesen. Begünstigt durch die Auslandskredite hätten diese Überschüsse den Weg nach Deutschland genommen und der deutschen Landwirtschaft den Markt verdorben. Das sei der Grund dafür, daß vielfach deutsche Aararprodukte unverkäuflich seien, während zur selben Zeit Auslandseinfuhren stattfänden. Der hieraus entstehende Druck auf die Agrarpreise habe zu Verlusten, d. h. zur Verschuldung, geführt und die Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse verhindert.
Von besonderem Interesse für Deutschland sind noch Ausführungen des Blattes, die sich mit der Räumungsfrage beschäftigen. „Times* betont, es sei tatsächlich keine Rede davon, daß die deutsche Regierung ersucht werden solle, die Räumung deutschen Gebietes zu erkaufen. Es ist. so bemerkt „Times*, ein Ziel der britischen, der ftanzösischen und der belgischen Politik, Vorkehrungen für das Ende der Besetzung vor der im Versailler Vertrag angesetzten Zeit zu treffen. Die Besetzung ergab sich aus gewissen grundlegenden Bedingungen des Friedens. Zwar veralten diese Bedingungen, und es herrscht allgemeines Wohlwollen für Deutschland iw Großbritannien. Aber das Vorhandensein eines Wohlwollens, wie es politisch in Locarno zum Ausdruck kam, ist an sich noch kein entscheidender praktischer Grund für die Streichung eines wichtigen Teiles des Friedensvertrages.
Das Blatt versucht dann, im Gegensatz zu der deutschen Auffassung, den Beweis zu führen, daß zwischen der Reparations- und der Räumungsfrage eine innere Beziehung besteht, und schließt seine Ausführungen: Der beste Weg, um die Räumung zu beschleunigen, ist, so meint das Blatt, die Verhandlungen über die Reparationen möglichst zu beschleunigen. Dies ist, wie „Times* bemerkt, zweifellos der Wunsch des britischen Volkes und die Absicht der britischen Regierung.
Oie kommende ^aisiagung.
Chamberlain kommt wieder nach Genf.
„Times* zufolge wird Chamberlain Ende der Woche in London eintreffen und, wie verlautet, seine Arbeit auf dem Foreign Office am Montag wieder aufnehmen. Man nimmt an, daß er an der Sitzung des Völkerbund- rates teilnehmen wird, die am 10. Dezember beginnt.
Zu den aus der auswärtigen Presse nach Genf gelangten Gerüchten über eine Verlegung der Dezembertagung des Völkcrbundratès nach Berlin kann auf Grund hier eingezogener Erkundigungen gesagt werden, daß im Völkerbundsekretariat über einen derartigen Plan nichts bekannt ist. Eine solche Verlegung gilt auch in unterrichteten Kreisen als sehr unwahrscheinlich.
Rein grundsätzlich liegt die Frage so, daß der Rat, der wiederholt Tagungen außerhalb Genfs abgehalten hat, selbstverständlich auf besonderen Antrag oder Einladung oder Wunsch seiner Mitglieder einen anderen Tagungsort als Genf bestimmen kann.
Der Pariser Ministerrat beschloß, nach einem Erposs des Außenministers Briand den durch den Rücktritt Paul- Boncours freigewordenen Posten in der französischen Völkerbunddelegation vorläufig nicht neu zu besetzen.
Schweres Explosionsunglück in Vincennes
Vier Tore, zahlreiche Verletzte.
In der Patronenfabrik von Vincennes ereignete sich eine schwere Explosion, die so heftig war, daß sie in einer Entfernung von mehreren Kilometern vernommen wurde und daß zahlreiche Fensterscheiben in der Umgebung zertrümmert wurden. In der Patronenfabrik werden etwa 1000 Zivilpersonen beschäftigt, die unter Leitung von Pionieroffizieren arbeiten. Es wurden sofort Militär und Feuerwehr alarmiert, die mit den Aufräumungs- arbeiten begannen. Außer Ministerpräsident Poincart und Innenminister Tardieu hat sich auch Kriegsminister Painlevè an die Unglücksstelle begeben.
Nach offiziösen Meldungen wurden bei der Explosion vier Personen getötet, mehrere verletzt. Die Lieferung der explodierten Zünderpatronen stammte an« der Feuerwerkerschule von Bourges. Die Ursache der Explosion ist noch nicht geklärt. Man spricht von einer Selbstentzündung der Zündkapseln, hält aber auch die Möglichkeit eines Fabrikationsfehlers für nicht ausgeschlossen. Die Feuerwerker von Bourges werden «in« Nachprüfung vornehmen.
Räuber am Werk.
Piratenüberfall am Nangtse. »
In der Yangtsemündung wurde nach einer Meldung aus Schanghai eine Dschunke von 60 Seeräubern überfallen, die die aus 18 Mann bestehende Besatzung nach hartem Kampf überwältigte, sie bis auf drei ermordete und die Leichen über Bord warf. Die Dschunke wurde erst nach Zahlung eines Lösegeldes von 16 000 mexikanischen Dollar freigegeben.
Bankraub in China.
Zwei große chinesische Banken, die im belebtesten Teil des Geschäftsviertels von Nanking liegen, wurden am bellen Tage von Banditen überfallen, die im Auto- mobil vorfuhren, das Personal mit dem Revolver iw Schach hielten und die Handkasten ausleerten. Es wurden im ganzen etwa 10 000 Dollar geraubt.
Raubübcrfall im Teschener Wald.
In den Waldungen bei Lachowitz wurden mehrere Teschener Kaufleute vou drei schwerbewaffneten Banditen überfallen, mißhandelt und völlig ausgeraubt. Die Täter wurden später in einem Dorfgasthaus bei einem Gelage von der Polizei überrascht. Es kam zu einem Feuergefecht, bei dem ein Polizeibeamter schwer, zwei leicht verletzt wurden. In der Verwirrung gelang es d« Banditen, zu entfcmnten.