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Wr. 277 1928

Fulda, Samstag, 24. November

5. Jahrgang

Deutschlands Reparationsdenkschrist.

Schttldenkonferenz notwendig

Der Inhalt der Denkschrift.

Die deutschen diplomatischen Vertreter werden im Laufe des Sonnabends in den fünf Hauptstädten der Ententemächte vorstellig werden, um das deutsche Memo- randunt über die Schuldenregelung zur Kenntnis zu bringen. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass sich der Inhalt der deutschen Mitteilung auf die kürzlichen

Moreau Francqui,

Frankreichs Sachverständiger. Belgischer Sachverständiger.

mn^ dtung des rlreparationsprovrems noa, nw» gekommen. Am Vordergrund der Konferenzarbeit müsse oie deutsche Leistungsfähigkeit stehen, naif) deren Prüfung und Untersuchung Vorschläge der Sachverständigen er» füllten könnten. Auch soll aus die Notwendiakert des

Schwere Stürme auf dem Atlantik.

Ein deutscher Dampfer gesunken.

London, 23. Nov. (WB.) Wie gemeldet wird, herrscht im Atlantischen Ozean furchtbarer Sturm. Die Anchor- Line hat vom DampferPennsylvania", der letzten Mon­tag nach Newyork abgefahren ist, Nachricht erhalten daß er dem deutschen FrachtdampferHerrenwijk" (2514 t) der Lübeck-Aktiengesellschaft zu Hilfe geeilt ist, der im Sinken begriffen war. Das Liverpooler Büro der White Star Line meldet, daß es Mitteilung vom Kapitän des Damp­fersRegina" erhalten hat, daß er ebenfalls zur Rettung bes deutschen DampfersHerrenwijk" 7800 Meilen west- N der irischen Küste geeilt ist. An Bord derRegina" befindet sich der britische Außenminister Chamberlain auf der Heimreise nach England. Der dänische Dampfer »Moni" sandte heute vormittag eine Meldung, wonach er bestexn abend sechs Mann der Besatzung des deutschen DampfersHerrenwifk" gerettet hat, daß jedoch zuneh­mende Winde und Dunkelheit weitere Retuungsarbeiten unmöglich gemacht haben. Letzten Blättermeldungen zu- solge hat der dänische Dampfer 13 Mann der deutschen Besatzung gerettet und sucht weiterhin ine Wrackstücke ab.

Die Hilfeleistung für dieHerrenwifk".

Die Hälfte der Besatzung gerettet.

Kopenhagen, 23. Nov. (WB.) Die Ostastatische Com­pagnie teilt über die Hilfeleistung derEstoma" für den deutschen FrachtdampferHerrenwiik der Lubeck-L-me- AktiengeseMchaft mit: Der Passagrerdampfer Cstonm der Ostasiatischen Compagnie, der sich auf der Fahrt von New York nach Danzig befindet, wurde Donnerstag nacht »°n dem deutschen DampferHerrenwtjk der sich auf dl Grad 52 Min. nördlicher Brette und 24 ®rab 30 Mm. westlicher Länge in Seenot befand, zu Hilfe gerufen. Es !âng derEstoma", bis 3 Uhr Freitag morgens sechs Naum der Besatzung zu retten, als ein zunehmender Nord- Wovfan die Fortsetzung der Rettungsarbetten unmöglich fachte. DieEstoma" blieb an der Unfallstelle m der Öffnung, die übrigbleibeckden 20 Mann der Besatzung^ Tagesanbruch in Sicherheit zu bringen. Der Or an nahm

weiterhin an Stärke zu»und Freitag vormittag 10 N sank dieHerrenwijk". Bis 1 Uhr mrttags waren ? ganzen 13 Mann gerettet. Die J "glücksstelle bis zum Anbruch der Dunkelheit abpatroml- leren, um möglicherweise weitere Mitglieder der Be­iatzung des gesunkenen Schiffes a'1!.^

renwitt" gehörte der Reederei Lubeck-Lime-Aktlengesim K°fi in Lübeck und wor auf der Reise von Harnosand n^ Newyork mit einer Ladung Zellstoff. Die ..Dstoma wird wahrscheinlich Kopenhagen Dienstag nachmittag passieren.

Bisher 16 UeberleSende derHerrenwifk" gerettet. . Mb. London, 24. Nov. Der dänische DampferEstoma berichtet, daß er bisher 16 Mitglieder der Besatzung des Lutschen FrachtdampfersHerrenwyk gerettet hat

e Nachforschung nach den übrigen fortsetzt.

baldigen Zusammentritts der Konferenz hingewiesen werden, der nicht nur im Interesse Deutschlands, sondern ebensosehr im Interesse der anderen Staaten liege.

Wie die Agentur Radio aus London meldet, ist zwischen den alliierten Regierungen bisher noch keine Einigung über eine gemeinsame Note an Deutschland er­zielt worden. Wie die Agentur versichert, beständen allerdings keine großen Meinungsverschiedenheiten zwischen der britischen Auffassung und den Auffassungen der anderen Regierungen. Ter PariserTemps" schreibt: Wie auch immer die Unabhängigkeit der Sachverständigen beschaffen sein wird, man darf nicht vergessen, daß ihre Beschlüsse nur den Charakter von Vorschlägen und Empfehlungen haben werden, die den Regierungen zu unterbreiten sind. die allein die Verantwortung für die endgültigen Beschlüsse für eine völlige und endgültige Regelung der Reparationen haben

Frankreichs und Belgiens Sachverständige.

Es bestätigt sich daß Frankreich in der Sachverständi­genkonferenz durch M 0 r c a u den Gouverneur der Bank von Frankreich und Vf Ilir den Pariser Rechts­gelehrten. vertreten fehl wird Aus die Ernennung eines dritten Sachverständigen wird man voraussichtlich ver­zichten. .

Die belgische Regierung hat den Staatsnnnifter F r a n c g u i, der bereits Mitglied des Dawes-Plan- komitees war, beauftragt, die Fragen, die das demnächst zusammentretende Sachvepsiändigenkoulitee zu bearbeiten haben wird, einem vorbereitenden Studium zu unter­ziehen. Francqui hat den Auftrag angenommen.

Auch Amerika beteiligt sich.

DerChicago Tribune" zufolge wurde in Paris, in London und in Berlin die Zusicherung gegeben, daß die Vereinigten Maaten ein Mitglied für das Sachverstän- diaenkomitee ernennen werden unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daß sich Washington in keiner Weise bindet. Das Blatt nennt die Namen Young und Rufus Daves als Persönlichkeiten, die als amerika- nische Sachverständige in Frage kommen.

Ein deutscher Motorsegler verschollen.

wtb. Kopenhagen, 24. Nov. Der deutsche Motorsegler Gerda", der vor drei Wochen nach Esbjerg abgegangen war, ist seitdem verschollen.

Bergung des DampfersVirgilia".

wtb Lissabon, 24. Nov. Der in Seenot geratene Damp­fer Virgilia" dessen Besatzung gerettet werden konnte, ist von "einem Küstenschiff aufgefunden und nach Leixees ge­schleppt worden. In Lissabon ist gestern ein weiterer Not­ruf von einem Schiff eingegangen, das sich 8 Seemeilen westlich von Leixees befindet. Mehrere Tanipfer sind zur Hilfeleistung in die See gegangen.

Strandung eines schwedischen Dampfers.

Borkum. Der schwedische DampferHagforS Neddeholm" ist mit einer Ladung Holz bei Borkum Riff gestrandet. Die aus 20 Personen bestehende Mannschaft wurde durch das RettungsbootHindenburg" gerettet. Der Dampfer dürfte rts verloren gelten.

Sturm an der deutschen Nordseeküste.

Der orkanartige Sturm, der gestern über Irland und dem Kanal herrschte, hat heute die norddeutschen Kusten- gewässer und Städte erreicht. In den frühen Morgen­stunden fegte der Sturm mit außerordentlicher Starke über die Stadt. Das Wasser der Elbe staute sich an ver­schiedenen Einbuchtungen in bedenklicher Hohe Storungen größeren Ausmaßes sind bis jetzt noch Nicht gemeldet worden. , . . ,

Südweststurm in Hamburg.

Der schwere Südweststurm hielt auch heute früh mit unverminderter Heftigkeit an. Die Sianalstation im Hafen gab fortgesetzt Warnungsschüsse ab, da man ein weiteres Ansteigen des Wasserstandes der Elbe bei der nächsten Flut erwartet. Der Verkehr tm Hafen ist stark behindert. Cuxhaven meldete heute früh bei fallendem Barometerstand stark böigen Westwind.

Stürme an der Nordküste Frankreichs.

Wie aus Le Havre gemeldet wird, mußten die Fischer infolge starken Südweststurmes in den Hafen von Le Havre zurückkehren. Aus Boulogne wird berichtet, daß gestern der fahrplanmäßige Dampfer aus Folkestone wie der ent- svrechende Dammer aus Boulogne-sur-Mère nicht ausge­laufen sind. DemJournal" zufolge hat die Funkstation Ouessant ein Notsignal des DampfersNafte-Syndikat aufgefangen, der sich auf 50 Grad 30 Minuten nördlicher Breite und 3 Grad westlicher Länge befindet. Der Damp­fer bittet um Schlepverbeisiand.

Sturm über England.

London, 23. Nov. (WB.) Ganz England wurde heute von einem fast orkanartigen Sturm heimgesucht. Aus allen Teilen des Landes werden heftige Regengüsse und Sturmwinde gemeldet. Zahlreiche Telephondrähte sind zerrissen worden, und die Telephonverbindungen erleiden

beträchtliche Verzögerungen. Im Kanal herrscht hohe See, und viele Dampfer haben sich zum Schutz in die Häfen be­geben. Die Rettungsboote von Deal und Ramsgate so­wie eine Anzahl schneller Motorboote wurden heute in größter Eile abgesandt, um einer Flotte von Herings­dampfern zu Hilfe zu eilen, die vom plötzlichen Sturm überrascht waren und dringende Notsingnale gaben. Es gelang, die Hergingsflotte mit ihrer Besatzung einzubrin­gen. Wegen des im Kanal herrschenden Sturmes wurde der gesamte Schiffsdienst zwischen Ostende und Dover ein­gestellt.

8 Todesopfer des Strmes in England.

Infolge des Sturmes, der in den frühen Morgenstun­den des heutigen Tages noch fortdauerte, sind in verschie­denen Städten Großbritanniens zusammen 8 Personen ge­tötet und viele verletzt worden. Eine Hüttenkolonie in Monmouthshire wurde vollkommen zerstört. 500 Personen sind infolgedessen obdachlos. In Portland Harbour rissen sich drei Wasserflugzeuge der Kriegsmarine von ihren Ver­ankerungen los und versanken.

Die Erkrankung des englischen Königs.

Von einer Lungenentzündung betroffen.

Die anfänglich als leichter Katarrh gemeldete Un­päßlichkeit Georgs V. hat sich anscheinend zu einer Lungen­entzündung entwickelt. In der Nacht auf Freitag trat ziemlich hohes Fieber auf und die beiden regelmäßigen Ärzte wurden alsbald in den Bvckinabamvalast berufen.

Sie stellten eine Verdichtung in einem Lungenflügel fest und beschlossen die Hinzuziehung eines dritten Arztes. Die Ärzte verblieben die ganze Nacht im Palast. Der Donnerstag abend ausgegebene Krankheitsbericht lautet: Seine Majestät haben angesichts des Anhaltens des Fiebers einen ziemlich ruhelosen Tag verbracht. Es ist an einer Lunge eine Kongestion vorhanden." König Georg ist ungefähr 64 Jahre alt, ein Alter, in dem immer­hin derartige Leiden nicht leicht genommen werden können.

Anhaltende Besserung im Befinden des Königs von England.

Um Mitternacht wurde im Buckingham-Palast von maßgebender Seite mitgeteilt, daß die Besserung im Be­finden des Königs anhält.

Der Thronfolger,

Eduard Albert, Prinz von Wales, weilt zurzeit in Ost­afrika. Die Frage seiner Rückberusung von der Reise /all bereits erwogen worden sein. Am Mittwoch sei eine entsprechende Nachricht an den Prinzen aufgesetzt, jedoch, angesichts des noch leichteren Charakters der Erkrankung nicht abgesandt worden, da man es vermeiden wollte, die Öffentlichkeit unnötig zu erregen.

Erleichterte Einiuhr deutschen Eisens in Amerika.

Vom 29. November ab.

Schatzsekretär Mellon der Vereinigten Staaten hat die Verordnung unterzeichnet, durch die die im Januar 1927 gegen Roheisen aus Deutschland erlassene Anti- dumping(Preisunterbietungs-)verordnung, die die Grund­lage zur Erhebung von Zuschlagszöllen auf deutsches Roheisen bildete, mit Wirkung vom nächsten Donnerstag

ab aufgehoben wird.

Es bedurfte aber großer Anstrengungen deutscher­seits, um das Schatzamt davon zu überzeugen, daß kein Dumping im Sinne des Gesetzes, d. h. Verkauf unter dem deutschen Inlandspreis bei gleichzeitiger Schädigung der amerikanischen Industrie, vorliege. Diese Schwierig, leiten sind nunmehr überwunden. Bisher mutzten dre deutschen Roheisenfrachten bei ihrem Eintreffen in amerikanischen Häfen unter Kaution eingeführt werden, bis in langwierigen Verhandlungen in jedem Einzelfall sestgestellt wurde, ob und wieviel Zuschlagszoll z" heben sei. Vom nächsten Donnerstag an fällt dieß

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stimmung weg.

Wie aus Washington gemeldet wird, erklärte Zoll­kommissar Camp, die Einfuhr deutschen Roheisens sei jetzt gering. Mellons Verordnung sehe jedoch die Er­neuerung der Antidumpingverordnung vor, falls die Ein­fuhr wieder in großen Mengen erfolge.