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Air. 279 1928

Fulda, Dienstag, 27. November

5. Jahrgang

Es geht jeden an.

Wenn schon, Goethes Wort gemäß, die Begeisterung keinePökelware" ist, so ist's heutzutage auch nicht das Interesse". In unsererschnellebigen Zeit" interessiert heute brennend irgend etwas, nach dem morgen schon nie­mand den Kopf mehr dreht. Aber umgekehrt ist's auch nwglich, wenn was heutzutage meist die Hauptsache ist H- geschickte Reklame und Aufmachung das Tagesinter- Icssc erregt; allerdings aber nur das T a g c s interesse. Und, wenn es nicht beinahe eine Lästerung wäre, könnte man auch darauf des Dichters Spruch anwenden von den Zeiten, die sich ändern, zusammen mit ihnen die Men­schen.

Der Reichstag hat seine Sitzungen wieder be- sionnen und kaum ein Mensch wendet den Kopf danach. Obwohl es für des einzelnen Wohl- und Schlechtergehen doch nicht so ganz gleichgültig ist, was man in dem Hause am Platz der Republik beschließt. Hat man drängendere Sorgen? Sicherlich, wenigstens für den Augenblick. Ob man die Wechsel einlösen kann, die am nächsten Ersten fällig sind, oder ob der Kredit, den man einem anderen gibt, auch pünktlich hereinkommt, weil man doch sonst selbst... Tas Hemd ist, vulgär gesprochen, ja doch jedem näher als der Rock, nur der Politiker schreit über dasmangelnde politische Interesse", dasin weiten Volkskreisen herrsche". Vielleicht fragt sich der Ankläger im stillen Kämmerlein selbst einmal, wer denn daran schuld ist. Ob wirklich der Angeklagte oder nicht auch zu einem recht beträchtlichen Teil der klagende Politiker. Zumal die Anklage wenig Eindruck und noch weniger sichtbaren Erfolg gezeitigt hat. Allzu schnell dreht sich heute das Rad der Zeit, braust der Kampf ums Dasein, als daß der Mensch von heute Unwichtigem ein länger dauerndes Interesse auch nur zuwenden könnte. Auch dem Wichtigen ein nur kurze Zeit währendes Interesse. Und dann nur dem wirklich Wichtigen. Instinktiv fühlt ja auch der Mensch, mag er auch noch so sehr im Getriebe des Tages ausgehen müssen, in einer ruhigen Minute der Selbst- bânung dann doch immer, was zu diesem wirklich Wich- I ân gehört. Es aus dem Instinktiven herauszuheben i^& ^^^^^ die Augen zu stellen, ist vorneh m st e A uftskfD S^d e r Zeitung. Sie soll und wird ihn zwingen, sich für die Dinge zu interessieren, die etwas außerhalb seines unmittelbaren Blickkreises liegen. Stammtischpolitik und Unterhaltungen beim Friseur sind ganz schöne Dinge, dürften aber für die heutige Zeit in geistiger Beziehung kaum ausreichend sein. Werstolz" erklärt:Ich lese überhaupt keine Zeitungen!", auf den paßt in Übertragung ein bekanntes Wort:Ich kenne die Dinge, die außerhalb meines Horizontes geschehen, zwar nicht mißbillige sie aber."

Und weil wir schon einmal beim Zitieren sind, so soll gleich auch noch an das typische Wort Goethes erinnert werden, das sich inFausts" Osterspaziergang findet:

Nichts Besser's weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,

Wenn hinten, weit, in der Türkei

Die Völker aufeinanderschlagen."

Heutzutage ist nämlich nichts mehrweit", heut ist alles nahe, wirkt sich mittelbar aus auf breiteste Kreise, die oft sich gar nicht erklären können, woher das oder jenes eigentlichkomme". Man kann sich gar nicht wehr isolieren und jederselbständige" Handwerker bei­spielsweise ist m i t t a u s e n d F ä d e n v er k n ü p f t mit I dem allgemeinen wirtschaftlichen Geschehen und darum gängig von diesem, viel mehr als er selbst meist

I leider! auch nur ahnt. Gerade er; denn man spürt es yanz genau in der kleinen Stadt, ob es der Landwirtschaft mit oder schlecht geht, auf deren Kaufkraft man dort an- yelviesen ist.

, Das ist so ein kleines Beispiel für Wirtschafttiche Zu- saunnenhänge und ihre Auswirkungen; ebenso ist's

dm rein politischen. Auch des einzelnen Schicksal ist davon abhängig, wenn draußen,weit", bei den R e p a r a lionsver Handlungen über Deutschlands Schicksal entschieden wird. Oder im Reichstag über neue Steuern. Lder wenn im Ruhrgebiet der große Wirtschaftskampf tobt. Die Zahl dieseroder" läßt sich ins Endlose ver. langern, erfährt alle Tage eine neue Fortsetzung.

Sich h e u t e für solche Dinge und mcht bloß für das Wetter oder das neue Kleid der Nachbarin zu interessieren, 'n zweckmäßig; denn morgen nützt dieses Interesse oft nicht mehr, weil es zu spät kommt. Und ein Schimpfen hinterher nützt nun schon aar nichts.

Schiele beim Bayerischen Landbund

Marpolitischen Einzelfrag« ütz von der Regierung M

Für Erhöhung der Agrarzölle.

, In der Landesversammlung des Bayerischen Land­endes hielt der geschäftsführende Präsident des Reichs- Mdbundes, Minister Schiele, die Hauptrede. Er be- e'ldelte die allgemeinen Fragen der Agrarpolitik, betonte Je nachteiligen Auswirkungen der Auslandskredrte auf Landwirtschaft und forderte Mitwirkung der Land- ^'Uschaft bei den Verhandlungen um R e v i s i o n d e s - a w e s - P l a n e s. Bei Erörterung der wichtigsten ograrpolitischen Einzelfragen führte der Redner u. a. aus, von der Regierung Maßnahmen zur Hebung der l n d e r p r e i 's e verlangt werden müßten. Im Not- ^Stamm seien hierfür die Grundlagen gegeben. Wertere »"ttel hierfür wären die Wiederinkraftsetzung des 12 Fleischbeschaugesetzes zur Drosselung der Fleilcheln- s^^' dle Begrenzung der Zuständigkeit der Seegrenz- Mchthöfe, die straffe einheitliche Durchführung des i.Ä^^^polizeilichen Grenzschutzes und endlich die Er­dung der Lebendviehzölle, die an die Fleuch- .chlgepaßt werden müßten. Desgleichen müßten x/?Züche Maßnahmen getroffen werden zur Beseitigung -vrelsdruckes auf dem Gebiete derGetreiderolle.

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Aflmm seien hierfür die Grundlag Mittel hierfür wären die Wiederinft

In Sturm- und Wassernot.

Orkan und Lleberschivemmung überall

Schiffe im Sturm.

Eine Zone schwerer Stürme und anhaltender Regen- Küsse lagert über dem Atlantik und dem Norden, Westen und Süden Europas. Von überall her werden V e r - wüstungen, Schiffbrüche und Überschwem­mungen gemeldet, und die abnorme Witterung droht sich zu einer allgemeinen Katastrophe auszuwachsen. Der nun bereits seit Tagen ununterbrochen anhaltende Sturm auf dem Atlantik hat der Schiffahrt ungeheuren Schaden zugefügt. Nicht weniger als 21 Schiffe sind verloren­gegangen. Die Besatzungen wurden zum größten Teil gerettet. , ' "

Wie das Unwetter auf Sylt hauste.

Bei Wenningstedt wurde die Kaimauer eingedrückt und große Strecken Vorland weggerissen. Das ganze Land an der Düne wurde wcggcschwcumii und die Gebäude arg beschädigt. Das Stranbcafti mutzte abgerissen werden.

Hochwasser der Nicdersachscnflüsse.

Die in den letzten Tagen unaufhörlich niedergehen, den Regenmassen haben ein schnelles Steigen der Flüsse im Niedersachsengebiet bewirkt. Aus einigen Bezirken liegen bereits Hochwassermeldungen vor. So stiegen Werra und Aar in der Nähe von Herford und m der Stadt selbst bedrohlich an. Als die Fluten die Pro­vinzialstraße HerfordBielefeld erreichen, wurde polizei­lich Hochwasserschutz angeordnet. Die Stephansbrucke, die zum Teil überflutet ist, mußte wegen Unterspülungsgefahr für den Verkehr gesperrt werden.

Auch in der ganzen Südeifel wütete ein furchtbarer Sturm, der überall in den Dörfern schweren Schaden anrichtete und starke Bäume in den Wäldern und an den Landstraßen entwurzelte. Nach den von der Saar und oberen Mosel vorliegenden Meldungen rechnet man mit einem weiteren Steigen der Mosel. Der beträchtliche Regenfall hat auch die Eifelflüsse Tyll, Sauer und Lieser stark anschwellen lassen.

Auf dem Festland setzte dann das Unwetter seinen Schreckensweg fort, überall Verwüstungen anrichtend. In Holland und in Hamburg gefährdete starkes Hoch- Wasser die anliegenden Gebiete und man befürchtet be­sonders in Holland weitere große Überschwemmungen. Der Schaden, den die Sturmflut

auf der Insel Sylt angerichtet hat, kann noch nicht geschätzt werden, da jetzt erst das Wasser wieder zurückzugehen beginnt. Der Bahn­damm der Jnselbabn ist der Springflut zum Opfer ^^^DerHindenburg-Dam tn", der die Insel mit dem Festland verbindet hat die schwere Sturm und Wasserprobe glänzend bestanden. Die vom Orkan gegen den Damm geschleuderten Wassermengen haben ihm nichts anhaben können, und der Zugverkehr konnte selbst während des größten Sturmes aufrechterhalten werden.

Die Aussperrung geht weiter.

Durch die Urteilsfällung der Berufungsinstanz, die den Schiedsspruch im Eisenkonflikt für rechtsgültig er­klärt, ist in der Lage keine Änderung hervorgerufen. Die Aussperrung ist Wetter aufrechterhalten worden. Die Arbeitgeber haben sofort Revision gegen das Urteil eingelegt. Wie verlautet, ist mit der Revisions­verhandlung ik der Angelegenheit des Schiedsspruches vor dem Reichsarbettsgericht nicht vor dem 15. bis 20. Dezember zu rechnen. '

In Düsseldorf haben am Montag unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten Bergemann neue, und zwar getrennte Verhandlungen mit den beiden in den EisenkonflM verwickelten Parteien begonnen, um nach Möglichkeit eine neue Grundlage zu weiteren gemein­samen Besprechungen an finden.

Schnecsturm im Harz.

Wie dieBraunschweiger Landeszeitung" meldet, herrscht seit gestern früh im Oberharz ununterbrochen ein starker Schneesturm. Es liegt dort teilweise 4050 cm Schnee bei 1 Grad Kälte.

Deichbruch in Holland.

Bei der Stadt Ridderkurk mußten mehrere Dörfer von der Bevölkerung fluchtartig geräumt werden, da die Maas-Deiche brachen. Dortrecht steht größtenteils unter Wasser.

Dem Kapitän des deutschen DampfersRudelsheim" gelang es, trotz des Verlustes beider Anker u. des Bruches des Ruders, den inneren Hafen von Pmuiden zu erreichen.

Weitere UnglUcksnachrichten aus Holland.

Aus allen Teilen des Landes kommen zahlreiche wei­tere Berichte über Schiffsunfülle, Deicheiustürze, Hoch­wasserschäden und Ueberschwemmungen. In Rotterdam war wegen des Hochwassers die Verbindung zwischen dem rechen und dem linken Maasufer völlig unterbrochen. Bei der Insel Texel ist ein unbekannter schwedischer Schoner gesunken. 12 Mann Besatzung wurde gerettet.

Die Hochwasserkatastrophe im Belgien.

Bei Eintritt der Flut drang das Wasser an der gan­zen belgischen Küste über die Dämme. In Ostende und Blankenberghe sind mehrere Straßen überschwemmt.

Bruch des Schelde-Dammes.

Gestern nachmittag ist der Schelde-Damm bei Termonde an drei Stellen gebrochen. Eine Anzahl Dörfer ist über­schwemmt. Zahlreiche Bewohner mußten flüchten.

Nachwirkungen des Unwetters in Frankreiü

Das Unwetter im Kanal hat gestern abend aufge­hört. Der Verkehr zwischen Boulogne und Engand ist wieder ausgenommen worden. Der PostdampferMaid os Orleans" ist planmäßig cingetroffen und wieder Jn See gegangen. Dagegen lauten die aus Jnnerfrankreich und der Mittelmeergegend vorliegenden Nachrichten we­niger günstig. Besonders die Gegend von Perpignan und von Pau ist durch das Unwetter stark mitgenommen wor­den. Der dortige Telegraphen- und Telephonverkehr wurde teilweise unterbrochen. Perpignan feiest liegt in­folge von Störungen in der Elektrizitätszentrale völlig im Dunkeln. Zahlreiche Häuser sind stark beschädigt wor­den und mehrere Personen wurden verletzt. Die Gegend von Pau wird durch Hochwasser bedroht.

Opfer des Sturmes in Norditalien.

In einem heftigen Sturm in der Nähe von Venedig wurde eine Fischerbarke durch Wellenschlag zertrümmert. Die beiden Insassen, Vater und Sohn, ertranken. Eine andere Ftscherbarke mit fünf Personen wird vermißt. Über die Ebene von Friaul ging ein schweres Unwetter hinweg. Dichter Ha g e l fiel während einer vollen Stunde. Auch in Udine hat das Unwetter beträchtlichen Schaden angerichtet. 1

Aus England, Norwegen, Schweden und Dänemark gingen ebenfalls Nachrichten über orkan­artige Stürme ein, die zu Lande und zu Wasser schwere Schäden anrichteten. An der holländischen Küste kamen zahlreiche Schiffe in Seenot und über das Schicksal vieler und ihrer Mannschaften ist man in großer Be­sorgnis.

Schiffskatastrophe bei Pmuiden.

wtb. Amsteram, 27. Nov. Der italienische Dampfer Salento" strandete gestern früh ungefähr 4 km südlich von Pmuiden. Die gesamte 25 Mann starke Besatzung dürfte umgekommen sein. Das Pmuidener Rettungsboot schlug um, wobei ein Mann der Besatzung ertrank. Aus Zandveert wird nachmittags gemeldet, daß die Besatzung des DampfersSalento" endgültig als verloren angesehen werden muß.

Die Besatzung derPommern" in Plymouth gelandet.

Bei der Geschäftsstelle des Deutschen Schulschiffvereins ist aus Plymouth von dem Kapitän Reimer des Schul­schiffesPommern" eine Drahtmeldung eingegangen: Plymouth, 26. 11., 1.251 Uhr nachmittags. Alle sicher heute in Plymouth."

DiePommern" im Schlepptau.

Gestern nachmittag gelang es einem Londoner Schlepp­dampfer, diePommern" ins Schlepptau zu nehmen.

Rachoerhandlungen im Tarifstreit am 28. November.

Nachdem die beteiligten Metallarbeiter-Verbände den Schiedsspruch in der Eisen- und Stahlindustrie Hagen- Schwelm angenommen und seine Verbindlichkeitserklä­rung beantragt haben, die Arbeitgeber ihn dagegen mit der Begründung ablehnten, daß er für sie nicht tragbar sei, sind die Nachverhandlungen auf morgen im Reichs­arbeitsministerium Berlin angesetzt worden.

Zum Schiedsspruch in der Textilindustrie Münsterland.

Der Schiedsspruch für die Textilindustrie des Münster­landes wurde von den Arbeitgebern abgelehnt. Die Ar­beitnehmer haben den Schiedsspruch angenommen und seine Verbindlichkeitserklärung beantragt.