Zul-aer Anzeiger
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$t. 289 — 1928
Fulda, Samstag, 8. Dezember
5. Jahrgang
Stresemann-Briand-Chamberlain.
Oie Fahrt nach Lugano.
Gedämpfte Erwartungen.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann verabschiedete sich am Freitag vor der für den Abend vorgesehenen Abreise nach Lugano vom Reichspräsidenten von Hindenburg. Mittags fand noch eine kurze Ministerbesprechung über Lugano in Berlin statt. Dr. Stresemann wird begleitet von dem Staatssekretär Dr. v. Schubert, dem Ministerialdirektor Gaus und einer Anzahl von Sachverständigen. Die Ratstagung in Lugano soll bis zum 16. oder 18. Dezember dauern. Der französische Außenminister B r i a n d ist bereits Freitag morgen nach Lugano abgereist, ebenso hat sich auch Chamberlain, Englands auswärtiger Minister, dessen Erscheinen angeblich wegen der Krankheit des Königs in Frage gestellt war, tW)!offen, bestimmt an der Ratstagung teilzunehmen und baldigst einzutreffen. Am Sonntag werden die drei Außenminister in Lugano versammelt sein und man nimmt an, daß sie alsbald über die wichtigen Dinge, die zur Entscheidung stehen, in Verbindung treten werden.
Montag vormittag soll die Tagung des Völkerbund- rates durch Briand eröffnet werden. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht nach dem Programm der litauisch-polnischen Streitfall, wobei die beiden Länder durch den Ministerpräsidenten Woldemaras und den polnischen Außenminister Zaleski vertreten sein werden. Aber diese Frage dürfte, so wichtig sie im allgemeinen auch ist, doch zurückstehen gegen die mehr inoffiziellen Dinge, die hinter den Kulisien vor sich gehen werden. Das ist die Fühlungnahme zwischen den drei feuert Stresemann, Briand und Chamberlain über die Konstituierung der
Die deutsche Not in Ostpreußen.
Siu deutsches Kultur-
«nd WirtschafiSglied.
Wiedervereinigung unabweisbar.
Der Reichsverband Heimattreuer Ost- und West- Preußen veranstaltete im Hotel Prinz Albrecht in Berlin einen Empfang, in dessen Verlauf die wichtigsten, die Pro- v nz Ostpreußen bewegenden Fragen besprochen wurden. Es hatten sich nicht allein eine zahlreiche Gesellschaft in Berlin lebender Ost- und Westprensten eingefunden, sondern auch Besucher aus der gefährdeten Ostmark, viele Vertreter der Presse und prominente Persönlichkeiten der Reichs- und Staatsbehörden. Der Empfang gestaltete sich ru einer machtvollen Kundgebung für die so stark getroffen östlichen Gebiete des Reiches.
Selbstverständlich ist es, daß man ostpreutzrsche Fragen 'iicht besprechen kann, ohne dabei die immer wiederkehren. ^Bemühungen der Polen zu charakterisieren. b;c ohne rede innere Berechtigung versuchen, dort die nationalen Grenzen in verschieben und sich und fremde Herrschaft an dre Stelle der deutschen Eigenart zu setzen.
Oberpräsident Siehr-Königsberg
»ab eingehende Ausführungen über die winschastlrchc und ultnrclle Bedeutung Ostpreußens sur dac- Reich. Wtr- kungen des polnischen Korridors lägen nicht in erster i nue aus dem Verkchrsaebiet, sondern vor allem am wirtschawuZem gebiet. Der Korridor stelle jetzt für Ostpreußen ein w,r1- schastläh totes Gebiet dar. Die wirtschaftliche Bedeutung der »Statischen Landesteile werde in der Sffentlichkei« Mm men bet Westdeutschen Industrie vielfach unterschätzt Wenn nach den Berechnungen der ostpreußischen Landwirtschaft. lammcr ^ltprciißen sich in dem Maße als landwirtschaftliche aber- ^nnbrobtna berausgebildet habe, da^ ks außer der elgene Bevölkerung in Stadt und Land noch etwa drei M lllom Menschen mit Brot und Fleisch ernährt, so diirftc diese Fep- f"ung allein beweisend dafür fein, wie FH" das übrige Deutschland ein Interesse an einer wirtschattspolttisch P
Behandlung Ostpreußens haben 'nusse Die größte Bc n-tung Ostpreußens für das Reich läge letzten Endes dann ^ Ostpreußen der letzte stehengebliebene Ee.ler des ■ Wfdüumë im Nordosten gegenüber andersartigen Kulturen > Nationen sei K trat in diesem Zusanuttnenhang m fr Energie den törichten Gerüchten entgegen wonach man ^ran denke ^ftbrcufien gegen irgendeine Gegenleistung aus- ^'auschen oder abzutreteu.. Ostpreußen könne und werde dw Dünung auf räumliche Wiedervereinigung mit dem übrigen "»utschlând niemals aufgeben.
Freiherr von Gayl-Königsberg,
Mitglied des Reichsrates und des Preußischen Staats- I°tes, behandelte sodann in einem Referat Landw.rt ^aft und Siedelung in Ostpreußen. Inmitten emer allge- ^ lnen mitteleuropäischen Agrarkrise fei, so führte .er Ordner u. a. aus. die ostpreutzische Landwirt,chaft l - "tderè unrentabel. Man stehe vor der furchtbaren ^at
daß Ostpreußen seinen Bewohnern keine au^ Mende Existenzmöglichkeil mehr bieten könne. ^er ',dner forderte ausreichende Reichs- und swa-
■ nb Wiederherstellung der Rentabilität der LandwiNlL,a . L„,^ax Worgitzki-Allenstem, Vorfttzender ilullurvereins Masuren und Ermland, wandte sich
Sachverständigenkonferenz
zur Schu'denreae'una.
Während zu Anfang, als die Einsetzung dieser Sachverständigenkonferenz von Deutschland angeregt wurde, die Hoffnungen groß waren, sind mittlerweile die Erwartungen doch wesentlich gedämpft worden. Ohne Zweifel hat sich die Situation mittlerweile so entwickelt, daß England den Wünschen Frankreichs fast vollständig nachgegeben hat und Deutschland sich einer ge- schlossenen Front dieser beiden Männer gegenübersteht. Freilich besteht immerhin noch die Annahme, daß unter Umständen auch A m e r i k a ein gewichtiges Wort sprechen könnte, aber nach den abweisenden Äußerungen Chamberlains in den letzten Tagen ttnb dem ganzen zurückhaltenden Verhalten der englisch Regierung kann man kaum erwarten, daß nun alsbald eine wenigstens für Deutsch- land einigermaßen befriedigende Lösung gefunden wird
Oie MeinSandr umung steht — man kann noch so oft beteuern, birst sic mit der Schuldcnrcgclung nichts zu tun habe — im Hintergründe. . Frankreich beteuert, bereit zu sein zur endlichen Bercini- gung der Kriegsschulden. Aber, und das läßt sich nicht verkennen, es will besondere Wcrrnhuitßcn hcrausschlagcn für eine rechtmäßig schon längst fällige, von ihm aber a's „verfrüht" bezeichnete dläumung der bcscUten Gebiete.
Diese Scnderleistiiug:n kommen aber, vom deut- scheu Standpunkt aus gesehen, absolut'nicht in Frage und müssen von uns auf das entschiedenste abgewicsen werden.
Wird nun in Lugano eine Form gefunden. nie auch für Deutschland annehmbar ist? Das ist die Frage, um i bic' sich alles drehen wird Einstweilen muß man der Entwicklung nicht aguz pessimistisch, aber doch ohne große osftnmgen cHMaeuläN
allem gegen die polnische Auffassung, daß es keine Korrt- dorfrage, sondern nur eine Ostpreußenfrage gebe. Dt< Polen behaupteten, das Deutschtum hätte in Ostpreußen überhaupt keine Daseinsberechtigung. Aber, wenn im j beutiaen Ostvreußen in aewisien Teilen neben der oeut-
Freiherr v. Gayl.
schen auch eine fremde Sprache klinge, hatteu bte Polen darum die Berechtigung, den deutschen ^arntter Ost- Preußens anzuzweifeln oder gar nationale Ansprüche f.ir sich zu erheben? Der polnischen Minderheit, sagte bet Redner, soll Recht auf ein eigenes nationales Leben zu- aestanden sein, allerdings nur im Rahmen der deutschen staatsbürgerlichen Verpflichtung.
Im Reichstag
die Deutschnationale Volkspartei einen An- trag cingcbracht, in dem unverzügliche Vorlage des Gut- "Ans über die ostpreußische Landwirtschaft vor- • langt Zuschüsse für Schul-, Fürsorge- und Wegelastcn, be- scksteu'nigte Umschuldung, Mittel zur Abdeckung von .julsen, cireditverbesscrung, Stundung der Steuern und ähnliche Hilfsmaßnahmen aefordert werden.
Schwerer Schiffszusammenstoß.
Siebzehn Personen ertrunken.
Der chilenische Dampfer „Quinteros" ist nach einem schweren Zusammenstoß mit dem Dampfer „America" der gleichen Nationalität aus der Höhe von Punta Paquica gesunken. Siebzehn Personen sind ertrunken. Der Kapitän der „Quinteros" und ein großer Teil der Besatzung wurden gerettet.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichspräsident von Hindenburg gratulierte in einem bmltcfjcn Telegramm dem neuen österreichischen Bundesprä- fit tuen Miklas zu seiner Wahl.
* Die deutsche Delegation für die Dölkerbundratstagungeu in Lugano mit dem Reichöaußenminister Dr Stresemann an der Spitze reifte am Freitag abend von Berlin ab.
* Die Aufstandsbewegung in Afghanistan gegen den König Aman Ullah nimmt bedrohliche Formen an Die Residenz Kabul soll von den Aufständischen vollständig eingekchlosseii sein.
* Der chilenische Dampfer »Quinteros' ist nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Dampfe» gesunken. 17 Personen sind ertrunken.
* In einem peruanischen Bergwerk kamen durch Wasser- einbruch 64 Personen ums Leben.
Miner Tagung des Zenirums.
Die Führersrage.
Die große Parteitagung deS Zentrums in Köln wurde mit Sitzungen einer Reihe von Parteiorganisalionen ein- geleitet. Im Laufe des Donnerstags tagten der Judustrte- unb Handelsbeirat der Zentrumspariei, der Retchssrauen- beirat, der Rcichsbcamteiivetrat, die Windhorstbüiide und die etubcntenorganifatioii Außerdem fanden Besprechungen über Fragen des kaufmännischen und gewerblichen Mittelstandes, der Landwirtschaft und der Grenzland- augelegenheiten statt. Auch der auf dem letzten Parteitag eingesetzte Ausschuß zur Vorbereitung einer Wahlrechtsreform hielt eine Sitzung ab. Der eigentliche Parteitag findet am Sonnabend und Sonntag im Mcssehos statt Die Frage der Führerschaft in der Zentrumspartei ist noch immer lebhaft umstritten. Jedenfalls ist es bisher nicht gelungen, eine einheitliche Stellungnahme für die eine oder andere Persönlichkeit hcrbetzusühren. Abends fand eine Besprechung des Parteivorstandes statt, die hauptsächlich Organisation«» kraaen des Parteitages selbst betraf.
Der Reichsausschuß des Zentrums trat Freitag zu *Aner Sitzung zusammen. Die Verhandlungen waren vertraulicher Natur. In ihrem Mittelpunkt stand die Wahl des neuen Parteivorsitzenden. Der Reichsausschuß hat die Aufgabe, ihm geeignet erscheinende Persönlichkeiten dem Parteitag zur Wahl vorzuschlagcn. An erster Stelle der Anwärter auf den Posten des Parteivorsttzen- ben stand Abgeordneter Stegerwald. Seine Kandidatur war jedoch stark umstritten ttnb begegnete zum Teil einer recht starken Minderheit. Insbesondere die Vertreter der Beamtenorganisation der Zentrumspartei lehnten Stegerwald unter Hinweis auf seine bekannte Stellung zur Frage des Berufsbeamlentums mit großer Entschiedenheit ab. Die Verhandlungen des Reichsaus« schusies zielten darauf ab, wenn irgend möglich ein t Ausgleich der Gegensätze herbeizusUhren.
In einer vorhergegangenen Vorstandssitzung wurde von einem Schreiben des früheren Reichskanzlers und seitherigen Vorsitzenden Marx Kenntnis gegeben, in dem dieser von feinem Rücktritt von der Parteifuhriing offiziell Mitteilung macht. Der Parteivorstand nahm diesen Entschluß des bisherigen Vorsitzenden mit Bedauern entgegen.
Zu Jrockdorff-Rantzaur Gedenken.
Ehrenvoller Nachruf.
Die «Deutsche Gesellschaft zum Studium Osteuropas" veranstaltete in Berlin eine Gedächtnisfeier für den ver- storbenen deutschen Botschafter in Moskau, Grafen B r o ck d o r s f - R a n tz a u , zu der die Beamten deS Aus- wärtiaen Amtes und der russischen Botschaft sowie eine große Anzahl persönlicher Freunde des Verstorbenen und bekannte Persönlichkeiten des politischen und wirtschostlichen LebenS erschienen waren. Nach dem von einem Streichquartett vor- aetragenen Andante von Schubert sprach der Präsident der Gesellschaft, Staatsminister Dr. Schmidt-Ott, vor dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal einige einleitende Worte. Alsdann widmete
Neichsautzenminister Dr. Stresemann
dem Verstorbenen namens des Auswärtigen Amtes Worte deS Gedenkens und schilderte sein Wirten und Leben, wobei er besonders seine Liebe zu Volk und Bate land hervorhob, die die Richtschnur seines Handelns gewesen fet In seinem letzten Lebensabschnitt in Moskau habe er zwei Welten miteinander verbunden. Hierauf ergriff der S o w > e t b o I s ch a f t e r in Berlin. Krestinski, das Wort und betonte, wieviel Vertrauen und Verehrung sich Brockdorsf-Rantzau in Rußland er- worben habe. Er ging dann tun aus die bedeutsame Rolle ein die dieser in der Geschichte Deutschlands und RußlandS feit dem Kriege gespielt habe Sowohl in seinem wie im Namen des Außenkommissars Tschitscherin widmete er dem Hingeschiedenen herzliche Worte des Geden enS Als dritter Redner sprach dann Professor Dr Hoetzsch und schilderte auf Grund seiner persönlichen Beziehungen zu dem Bo.schaster dessen Charakter und Lebenseinstellunq und seine Verdienste in der deutschen Außenpolitik. Zum Schluß sprach namens der deutschen Industrie Geheimrat K a st l und gab dem Dank der deutschen Wirtschaft Ausdruck für das, was der «erstorbene aeleistet habe.
Sieuersenkung verlanqi.
Beratungen des Industrie- und HandelstageS.
Der Hauptausschuß des Industrie- und HandelLtages trat unter dem Vorsitz seines Präsidenten Franz von Rtendelssohn zusammen. Im Vordergruiid der Tagung standen wichtige wirtschaftspolitische und sozialpolitische Fragen. Die allgemeine Kapitalknappheit hat insbesondere im Zusammenhang mit der Reparattonslu-lastung für Deutschland eine Kreditverteuerung aus nahezu daS Doppelte anderer großer Länder zur Folge. Hierin liegt die stärkste Ursache der Notlage der Landwirt,chafl. Es bedarf einer planmäßigen ©entung ber Steuern, •
Mit besonderem Nachdruck wurde betont, daß der AuS- gang der gegenwärtigen schweren Krise des Schlichtungswesens für die deutsche Volkswirtschaft von entscheidender Bedeutung und eine Reform nich' nur im Verwaltungswege, sondern vor allem durch Gesetz zur Rückführung der notwendigen stärkeren volkswirtschaftlichen VerantMort»tng unentbehrlich ist