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Söldner Anzeiger Tageblatt für Rhön un- Vogelsbergs §ulöa- und Haunetal Kul-aer Kreisblatt

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M 72 - 1930

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Fulda, Mittwoch, 26. März 7. Jahrgang

Das neue Rekordschiff.

SieEuropa" gewinnt das Blaue Band.

Der Rekord derBremen" um 36 Minuten gedrückt.

Dienstag morgen kurz nach 7 Uhr Newyorker Zeit (13 Uhr mittags Berliner Zeit) ist dieEuropa", das Tchwesterschifs derBremen", in der Newyorker Quaran­tänestation eingetroffen. Als sie nach einer Fahrt von vier Tagen, 17 Stunden und sechs Minuten (ab Cher­bourg) das Ambrosefeuerschiff passierte, wußte man, daß sie den Rekord derBremen" um 36 Minuten unterboten hatte.

Dabei waren die Witterungsverhältnisse bei der Jungfernfahrt derBremen" im Juli vorigen Jahres ganz erheblich günstiger als die Witterungsverhältnisse bei der Fahrt derEuropa", die nach den Berichten der Schiffsleitung an den ersten drei Tagen ihrer Fahrt große Dünung und starke bis stürmische Winde vorfand. Hinzu kam, daß zu dieser Jahreszeit wegen der Eisberggefahr ein etwas südlicherer Kurs gefahren wurde, ein Kurs, der um etwa 70 Seemeilen länger ist als die von der Bremen" im Sommer vorigen Jahres eingeschlagene Route. 70 Seemeilen bedeuten eine Fahrtverlängerung von ungefähr 2% Stunden. Die

Vergleichszissern

für die durchschnittliche Geschwindigkeit derBremen" und derEuropa" an den einzelnen Tagen lauteten folgender-

maßen:

Bremen"

Europa"

1. Tag

26,50

27,60 Knoten

2. Tag

27,00

28,15 Knoten

3. Tag

27,50

28,04 Knoten

4. Tag

28,25

28,16 Knoten

5. Tag

29,50

(noch unbekannt)

ÄuS dieser Tabelle ist zu ersehen, daß dieBremen" auf ihrer Well Fahrt ihre Geschwindigkeit von Tag zu Tag gesteigert hatte. Mit derEuropa" und derBremen" besitzt Deutschland die beiden schnellsten Ozeandampfer der Welt. Als dieEuropa" das Ambrose-Feuerschiff passierte, wurde sie von den im Newyorker Hafen liegenden Schiffen mit lautem Sirenengeheul begrüßt.

Jubel in Newyork.

Begeisterter Empfang des Nekordschifses.

Die durch die Nekordfahrt derEuropa" bewiesene Höchstleistung deutscher Technik hat in Newyork unge­heuren Eindruck gemacht. Ein gewaltiges Sirenenkonzert setzte ein, als die unübersehbaren Menschenmassen, die sich am Pier eingesunden hatten, derEuropa" ansichtig wur­den, die in ihren riesigen Ausmaßen plötzlich aus dem Nebelmeer auftauchte und langsam ins Hafenbecken einfuhr.

Eine große Zahl von Tendern wartete voll besetzt mit Photographen, Reportern und amtlichen Persönlichkeiten. Der deutsche Botschafter fuhr derEuropa" entgegen. Die Beschreibuna der Ankunft des Llovddamviers

Die neuen Ainanzverhandlungen.

Arbeitslosenversicherung und Steuersenkung.

.. Die Finanzsachverständigen der Regierungsparteien und mit Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer zu ent­scheidenden Besprechungen über die Finanzvorlage der Regierung zusammengetreten. Die Erörterungen drehten sich in erster Linie wiederum um die Sanierung der Arbeitslosenversicherung. Die Deutsche Volks- paitei hält nach wie vor daran fest, daß die Beiträge zur ^ristcherung höchstens 3% Prozent des Arbeitslohnes be- 8en dürfen. Weiterhin verlangt die Volkspartei, daß

® teuersenkung im Betrage von mindestens Millionen Mark zu dem in Aussicht genommenen Ter- m-n eintreten soll.

Neichsfinanzminister Dr. Moldenhauer hob bei den Beratungen hervor, daß eine wesentliche Senkung der Ge­werbesteuer kaum zu erwarten sei, dagegen solle die ^apltalertragsteuer ab 1. Januar 1931 aufgehoben wer- und eine Ermäßigung bei der Kapitalverkehrssteuer -ultreten. Die Verhandlungen werden fortgesetzt.

Nachspiel zur Versenkung eines englischen

Monitors im Jahre 1918.

in»^"^"' 261 März.Daily Telegraph" berichtet: Die Er- TO,18en an âe furchtbare Tragödie wird wachgerufen durch Nachricht, daß die Ueberreste von einem Offizier und 57 des MonitorsElattom" geborgen worden sind und am ^t militärischen Ehren aus dem Friedhof von Eilling- ? m beigesetzt werden sollen. Der Monitor war am 16. Sep- 1918, 8 Wochen vor dem Waffenstillstand, im Hafen Dover, der Nervenzentrale der Kanalverteidigung, in geraten. Da die Gefahr einer Explosion bestand, die zu geheuren Zerstörungen geführt hätte, erfolgte Befehl, das ü Zu torpedieren, wobei von der aus 303 Mann be- neyenden Besatzung über 100 den Tod fanden. Im Jahre 1926 j ?n6 es, das Schiff an die Wasseroberfläche zu bringen und hinwärts zu schleppen. Im Laufe der Abbruchsarbeiten ~ t6e n bann allmählich die Skelette eines Teiles der mit dem oyrzeug versunkenen britischen Seeleute gefunden und den Mannebehördenübergeben.

Europa" wurde von der Columbia Broadcastling-Gesell- schaft im ganzen Lande durch Rundfunk verbreitet. Die Kurzwellenstation MGZ. übermittelte den Bericht nach Deutschland.

Um 10.45 Uhr amerikanischer Zeit gingen am Riesen­pier von Brooklyn die ersten Passagiere an Land. Wäh­rend der Quarantänezeit herrschte noch strömender Regen, doch klärte sich das Wetter später auf.

Oie Ansprache Kommodore Johnsens.

Auf dem entgegengeschickten Boot der Rundfunlgesellschaft hielt der Führer derEuropa", Kommodore Johnsen, eine Ansprache, in der er offiziell Mitteilung von der Ankunft des Sckiffes aab. Die Reise sei nicht aerade vom Wetter begünstigt

Kapitän Johnson, der Führer derEuropa".

gewesen. Das Schiff habe es dennoch fertig gebracht, dank vorzüglicher Arbeit der Werft und des Personals, die Reise in der Rekordzeit von vier Tagen siebzehn Stunden und sechs Minuten zurückzulegen. Es bleibe heute nicht mehr viel Zeit, noch mehr von der Reise zu erzählen, das Schiff müsse noch weiter.

MitEuropas" Atlantikrekord fei der Lloyd offenbar dem alten deutschen Sprichwort gefolgt: Doppelt genäht hält besser.

Dann sprachen noch Vertreter der Werft Blohm 1. Voß und des Lloyds, während das Schiff sich langsam seinem Liegeplatz in Brooklyn näherte

Glückwunsch des preußischen Ministerpräsidenten.

Ministerpräsident Braun hat dem Norddeutschen Lloyd folgendes Telegramm gesandt:Herzlichen Glückwunsch zu der hervorragenden Leistung derEuropa" und vielen Dank dafür, das mir Gelegenheit gegeben war, die erste Fahrt dieses herrlichen Schiffes mitzumachen."

Die neuen Oberpräsidenten.

Das preußische Staatsministerium hat beschlossen: zum Obcrpräfidenten der Provinz Hessen-Nassau den Beigeordneten der Stadt Kpln, Haas, M. d. L., zum Oberpräsidenten der Provinz P 0 m m e r n den Regie­rungspräsidenten von Halfern - Stettin, ferner zum Regierungspräsidenten in Stettin den Ministerialrat im preußischen Ministerium des Innern, Hans Simons, und zum Regierungspräsidenten in F r a n k s u r t a. d. O. den Vizepräsidenten der Regierung Gumbinnen, Dr. Fitzner, zu ernennen.

Für das frei geworbene Oberpräsidium der Provinz Sachsen hat das StaatsministeriMn den Ministerial­direktor Dr. Falck, Präsident des Bundesamtes für das Heimatwesen, in Aussicht genommen. An Stelle des im Laufe der nächsten Monate wegen Erreichung der Alters­grenze ausscheidenden Regierungspräsidenten Pohlmann in Magdeburg ist in Aussicht genommen, den Oberbürger­meister Weber -Halberstadt zum Regierungspräsidenten zu ernennen.

Der Minister des Innern ist vom Staatsministerium ermächtigt worden, zur Durchführung der oben angeführ­ten Beschlüsse sich mit den P r 0 v i n z i a l a u s s ch ü s - s e n der betreffenden Provinzen in Verbindung zu setzen, um das gemäß Art. 86 der Preußischen Verfassung er­forderliche Einvernehmen herbeizufübren.

Die Zusammenarbeit Lloyd-Sapag.

Die Zusammenarbeit der Heiden großen Schiffahrts­linien Norddeutscher Lloyd und Haytburg- Amerika-Linie ist auch durch die Aufsichtsräte der beiden Gesellschaften gebilligt worden. Dieser Jnteressen- gemeinschaftsvertrag beabsichtigt ungesunde Konkurrenz­symptome zu mildern. Bei weitgehender Personalunion der Vorstände und Teilung der Gewinne verzichtet jede Partei ausdrücklich darauf, auf Kosten der. anderen ihre Position in irgendeiner Weise zu stärken. Sie werden ge­meinsam ihre Kraft der Entwicklung ihres Arbeitsgebietes mit bisherigem Nachdruck widmen und sowohl den Wün­schen der Reisenden wie auch der. Verlader durch eine die Interessen aller Beteiligten berücksichtigende Politik zu dienen bestrebt sein.

Seid umschlungen, Millionen!"

Ben Akibn hat unrecht. Das ist denn dochnoch nicht dagewesen"! Aus Schillers Hymnean die Freude" Schiller ist nun einmal ein Deutscher! macht man in Prag eine nationalistisch-tschechische Kampsfrage. Er­zwingt von deutschen Künstlern, sogar von Mitgliedern eines deutschen staatlichen Instituts, durch Drohungen in der Presse das Konzertieren in tschechischer Sprache, zerrt damit eines der erhabensten Kulturwerke, Beethovens Neunte Symphonie", in den Staub eines chauvi- uistischen Kampfgetümmels. Preßt dasSeid umschlungen, Millionen! Diesen Kuß der g a n z e n Welt!" in die Schrauben einer artfremden Sprache. Es wird außerhalb der Insel in Europa, wo ein paar Millionen diese tschechische Sprache reden, wohl kaum irgend jeman­den geben, der nicht achselzuckend diesen Exzeß eines über­hitzen Chauvinismus als Kuriosität registriert.

An der Spitze dieses Staates steht ein Mann, der zuviel Gelehrtenmoral besaß, um nicht einem anderen tschechisch-chauvinistischen Exzeß solcher Art den Garaus zu machen. Damals war es sogar die Fälschung einer angeblich aus dem frühen Mittelalter stammenden Hand­schrift, in der die Entstehung deruralten" tschechischen Kultur geschildert ist. Aber dieKönigin Libussa" war eine nicht einmal gut gefälschte Sagenfigur, der vor allem Professor Masaryk das Lebenslicht ausblies. Und es ist nicht ganz ohne pikanten Reiz, daß es gerade eine Ver­anstaltung zu Ehren des tschechischen Staatspräsidenten war, anläßlich derer es zu dieser tschechisch-nationalistischen Nötigung gekommen ist.

Man hat in Deutschland ironisch lächelnd die Achseln gezuckt, als noch lange Jahre nach Beendigung des Welt­krieges deutsche Gelehrte zu internationalen Tagungen nicht zugelassen wurden. Kunst und Wissenschaft beide erwuchsen und wachsen immer aufs neue auf dem Boden eines Volkes, beide aber wollen und sollen der ganzen Menschheit dienen. Sie sind beide auch und vor allem Geschenke eines Volkes an die Menschheit, und stolz darf ein Volk sein auf die Fähigkeit, solche Geschenke hervorzu­bringen. Um so grotesker wirkt es, wenn, wie in Prag, mit solchen Geschenken Mißbrauch getrieben wird. Was das Genie, wurzelnd im Boden feines Volkstums, für die Mit- und Nachwelt geschaffen hat, ist ein Heilig­tum, in das man nur reinen Herzens eintreten darf. Das man aber nicht mit dem gellenden Geschrei eines ebenso üblen wie unberechtigten Chauvinismus erfüllen sollte.

Aber auch dieses Vorkommnis beleuchtet wieder ein­mal und zwar in grellster Deutlichkeit den s y st e ma­lisch e n V e r f 0 l g u n g s k a m p f, den der frisch ge­schaffene Tschechenstaat gegen alles Deutsche führt. Auch dort predigt man dasSeid umschlungen, Mil­lionen!" aber freilich in einem ganz andern Sinne. In tödlicherUmarmung" sollen bi'e. Millionen Deutscher in der Tschechoslowakei erstickt werden. Langsam, aber in zielbewußter Gründlichkeit. Keine deutsche Inschrift mehr gibt es in Prag, obwohl diese Stadt in ihren Mauern eine der ältesten deutschen Hochschulen umschloß. Auch dieser nahm man den deutschen Charakter, tschechisierte sie. Zerschlug jahrhundertealtes Erbgut, weil man es anders nicht überwinden konnte.

Geschähe etwas Ähnliches wie diese Prager Chauvi­nistenhetze einmal in Deutschland, so würde es sofort dem Fluch der Lächerlichkeit verfallen. Deutsche Kunststätten und Kunstinstitute sind in umfangreichstem Maße aus­ländischen Künstlern zur Heimat geworden. Oft wohl auch zuungunsten deutscher Künstler. Und Werke des tschechi­schen Komponisten Smetana werden wohl nicht einmal in der Tschechoslowakei so oft aufgeführt wie in Deutschland. Mit einigen dieser Künstler, dieser ehemaligen Lieblinge des deutschen Publikums, hat man ja während des Welt­krieges seltsame Erfahrungen gemacht auch nicht einmal das wurde ihnen vergolten, obwohl es eigentlich recht nahe gelegen hätte, einen festen Trennungsstrich ihnen gegen­über zu ziehen. Dasselbe gilt and) mit recht vielen Ge­lehrten des Auslandes, die die Würde der Wissenschaft einem sehr unwissenschaftlichen Beschimpfen Deutschlands geopfert haben. Vielleicht sind auch wir Deutsche mit den, Vergessen ein wenig zu rasch bei der Hand gewesen!

Wir haben oft genug die bittere Erfahrung gemacht, daß feierlichen Festreden mit ihremSeid umschlungen, Millionen!" hinterher die Wirklichkeit recht wenig ent­sprach. Früher haben wir das leider zu wörtlich ge­nommen und die Enttäuschung war um so größer. So soll man in Deutschland beispielsweise die Sieges- fahrt derEuropa" nicht einmal so sehr als einen Triumph menschlichen Geistes feiern, sondern vor allem als ein Großwerk deutschen Könnens. Denn im Kamps um das Dasein kommt man heute noch weniger mit dem Kuß der ganzen Welt!" vorwärts und durch und die HymneAn die Freude!" findet auf der andern Seite oft kein oder nur ein mißtönendes Echo.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Im Reichstag begannen neue Besprechungen der Finanz- sachverständigen der Regierungsparteien über die Finanzvor. tage der Nerchsregierung.

* DieEuropa" ist nach einer Fahrt von 4 Tagen, 17 Stun­den, 6 Minuten in Newyork eingetroffen und hat den Rekord derBremen" um 36 Minuten unterboten.

* In der französischen Kammer beginnt morgen die Debatte über die Natisizierung des Poungplanes. Au der Annahme des Neuen Planes ist nicht zu zweifeln.

* Der seit einiger Zeit verschwundene General Kutjepow soll in den Händen der Sowjets sein; eine Bestätigung dieser Nachricht liegt jedoch nicht vor.