Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag.Bezugspreks: monatlich 2.20 RM. Bei âferungsbehinöerungen durch ^höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Krieörjch Ehrenklau, Zulda, Mitglied des Vereins Deutscher Aeitungsver- legev. Postscheckkonto: Zrankfurt a. M. Kr. 16009

5iTh6193Ö

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

Reöaktion und Geschäftsstelle: Nühlenstraße 1 Zernfprech-ftnschluß Nr.9S-

Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit tltzrellenangabe .ZulSaerAnzeiger'gestattet.

Fulda, Montag, 19. Mai

Anzeigenpreis: §6r Behdrden, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.Z0M., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag» und Plahvorschriften unverbindlich.

7. Jahrgang

Das Rheinland wirb frei!

Der Aäunwogsbefehl gegeben!

Der Uoung-Plan in Kraft.

Nachdem die Reparationskommission in ihrer Soun- abendsitzung festgestellt hat, daß alle notwendigen Bedin­gungen für die Inkraftsetzung des Noung-Planes erfüllt sind und daß vor allem Deutschland der B. I. Z. das Schuldzertisikat übergeben hat, das durch die Haager Ab­kommen in Aussicht genommen war, hat, wie amtlich mit­geteilt wird, Ministerpräsident Tardieu in Übereinstim­mung mit der Erklärung der Regierung vor der Kammer den Befehl gegeben, zur Räumung der dritten Rheinland­zone zu schreiten. Die Reparationskommission und alle in Deutschland bestehenden Kontrollkommissionen des Dawes- Plans haben damit automatisch ihre Tätigkeit eingestellt.

*

Der Vorsitzende der Reparationskommission, Senator C h a p s a l, hielt in der Schlußsitzung eine Rede, jn der er einen hi st arischen Rückblick über die zehnjährige Tätigkeit der Reparationskommission gab. Er entwarf bei .dieser Gelegenheit auch eine Geschichte der verschiedenen Zahlungspläne, wobei er besonders das gute Funktio­nieren des Dawes-Planes hervorhob. Als rechnerischen Abschluß gab Senator Chapsal bekannt, daß die Repara­tionskommission von Deutschland insgesamt 18 Mil­liarden Goldmarkerhalten und unter die Gläu­biger verteilt habe, und zwar 2% Milliarden in Form von abgetretenen Staatsgütern, 9X> Milliarden in Form von Sachlieferungen oder ähnlichem und 6 Milliarden in Form von Bareinnahmen. Senator Chapsal drückte zum Schluß den Wunsch aus, daß das Noung-Plan-System einen ebenso günstigen Verlauf nehmen möge wie der Dawes- Plan. Die Pazifierung der Welt und die Aussöhnung in Europa könnte nur durch gegenseitige Zugeständnisse er­reicht werden.

Der RückzugSplan der Meinarmee.

Vorläufig scheint der c n d g ü l t i g e Räumungs­termin noch immer nicht genau festzustehen. Nach der französischen Presse sieht der Rückzugsplan der Rhein­armee einen Ausführungszcitraum von 50 Tagen vor. Davon habe die französische Regierung dem deutschen Bot­schafter in Paris Mitteilung gemacht. Wenn also nach dem ausgearbeiteten Plan geräumt werden solle, so hätte man am 11. Mai spätestens den Befehl geben müssen. Das sei nun nicht geschehen. Die französischen Truppen, die abtransportiert werden sollen, sind etwa 50 000 bis 60 000 Mann stark. Die Soldaten, Pferde und Geschütze

Graf Zeppelin" erhält die Aequatortaufe.

Zeppelinstart nach Südamerika.

UnterFührungDr. Eckeners.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist Sonntag nach, mittag 5 Uhr 18 Minuten unter Führung Dr. Eckeners zu seinem Südamerikaflug gestartet. Eine große Menschen­menge wohnte an den Ufern des Bodensees dem Aufstieg bei. Das Wetter hatte sich im Laufe des Sonntags ver- schlechtert. Es herrschte Gewitterneigung. Das Lustschlss hatte große Mengen Post an Bord genommen. Post für die Südamerikafahrt war eingegangen von Amerika, Schweiz, Holland, Saargebiet, Danzig, Ungarn, Österreich und von Deutschland. Rio de Janeiro und Lakehurst bekommen den größten Teil der hier aufgelieferten Luftpost.

Das Luftschiff ist mit 2,3 Millionen Mark, d,e Be- satzungsmannschaft mit 1,5 Millionen Marl versichert. Von Bord des Luftschiffes werden Standortmeldungen nach Friedrichshafen gegeben werden.

Die Fahrtroute des Luftschiffes ist LyonMarseille- GibraltarSevilla. Mit der Ankunft in Sevilla wird für Montag vormittag gerechnet. Sevilla hat eine geringere Höhenlage als Friedrichhafen, es kann daher mehr Gas ausgenommen werden und es kann dem Luftschiff von Sevilla aus mehr Nutzlast beigeladew werden. Durch den Zubringerdienst der Lufthansa wird noch eine beträchtliche Menge der in Berlin aufgelieferten Post für Südamerika nach Sevilla befördert. Die Weiterreise wird Dienstag formittag erfolgen.

Die Strecke S e v i l l a P e r n a m b u k 0 ist die interessanteste und wird auch für die Besatzung die an­strengendste werden, da das Luftschiff auf dieser Strecke zum erstenmal die Zone der Passatwinde er» dickst, wo stärkere Stürme und schwerer Regen herrschen werden. Der Seemannsbrauch der Äquatortaufe wird auch nn Luftschiff nicht unbeachtet bleiben. Die Erforschung dieier Gebiete ist in bezug auf den beabsichtigten späteren Postdienst DeutschlandSüdamerika von größter Wichtigkeit. Für die Landung in Pernambuko ist bereits alles vorbereitet durch Marinebaurat a. D. Bösch vom Luftschiffbau Friedrichshafen. Wenn das Wetter günstig ist, totrb zuerst in Rio de Janeiro gelandet werden. >w Pernambuko wird der Aufenthalt langer sein, um was und Betriebsstoff nachzufüllen.

könnten natürlich in kürzerer Frist abtransporttert werden, aber die Rückführung des Materials müßte eben nach einem bestimmten Plan erfolgen, denn auch die Aufnahme­fähigkeit der französischen Eisenbahnen müßte in Rech­nung gestellt werden.

Aus dieser Lage erklärt sich auch die Schwierig­keit der gegenwärtigen Verhandlungen zwischen dem deutschen Botschafter und der französischen Regierung. Vermutlich wird man zu einem Kompromiß greifen, indem man die Uniformen bis zum 30. Juni ver­schwinden läßt, während die französischen Zivilpersonen unauffällig für den Abtransport des zurückgebliebenen Materials sorgen.

Hindenburg bei den Vefreiungsfeiern.

Reichspräsident von Hindenburg wird, wie aus zu­verlässiger Quelle bekannt wird, im Juli die geräumte zweite und dritte Zone besuchen. Besondere Befreiung-- feiern werden aus diesem Anlaß in Speyer, Mainz, Wies­baden, Koblenz, Trier und Aachen stattfinden. Die Reise des Reichspräsidenten beginnt nicht, wie ursprünglich vor­gesehen war, in Aachen, sondern am 19. Juli in S p e y e r , wo die große Befreiungsfeier für die Pfalz stattfindet. Von hier aus begibt sich der Reichspräsident im Kraft­wagen nach Ludwigshafen. Die Weiterreise nach Mainz, wo er noch am 19. Juli abends eintreffen wird, erfolgt zu Schiff, mit dem er vorher noch in Worms anlegt, ohne jedoch den Dampfer zu verlassen. Am Sonntag, den 20. Juli, findet vormittags in der Mainzer Stadthalle eine schlichte Feier statt. Am Nachmittag des 20. Juli begibt sich der Reichspräsident nach Wiesbaden, um der Befreiungsfeier im Kurhaus beizuwohnen. Er wird dann auf den Besitzungen des Reichskommissars für die besetzten Gebiete, Freiherrn von Langwerth-Simmern, in Eltville Wohnung nehmen. Nach einem Ruhetag wird sich der Reichspräsiveut am Dienstag, den 22. Juli, zu Schifs nach Koblenz begeben, wo er gegen 11 Uhr vor­mittags eintreffen wird. Hier sind u. a. eirze Befreiungs­kundgebung auf der Festung Ehrenbreitstein, ein Festakt in der Koblenzer Stadthalle und eine Beleuchtung der Festung Ehrenbreitstein vorgesehen. Am 23. Juli begibt sich der Reichspräsident über Trier, wo nur ein kurzer Aufenthalt geplant ist, nach Aachen, von wo aus er am Abend desselben Tages die Rückreise nach Berlin antreten wird.

Dann erfolgt eine Landung in Havanna mit Rundfahrt nach Florida. In Lakehurst wird wieder gelandet und längerer Aufenthalt genommen. Die Rück­fahrt nach Friedrichshafen erfolgt über Sevilla.

Die Besatzung des Luftschiffes für die Südamerika­fahrt zählt 42 Mann. Bis Sevilla werden 22 Fluggäste an Bord sein, und zwar fünf Deutsche, sechs Spanier, sechs Nordamerikaner und drei Südamerikaner.

Die Fahrpreise betragen für die Teilstrecken, und zwar: FriedrichshafenSevilla 250 Dollar, Friedrichs­hafenRio de Janeiro 2250 Dollar, Friedrichshafen Pernambuko 2500 Dollar, FriedrichshafenHavanna 4250 Dollar, FriedrichshafenLakehurst 4500 Dollar, FriedrichshafenSevillaPernambukoLakehurst Se­villaFrWdrichshafen 6500 Dollar, LakehurstFriedrichs- Hafen 2250 Dollar. Jeder Fluggast darf 10 Kilo Freigepäck mitnehmen.

Graf Zeppelin" macht gute Fahrt.

Ueber der offenen See.

Das Luftschiff hat um 1.00 Uhr früh (wahrscheinlich Greenwicher Zeit) die Küste westlich der Rhonemündung beim Leuchtfeuer Beauduc überflogen. Das Wetter ist ruhig wie der Schlaf der Passagiere. Kurs auf Mallorca.

Ueber den Balearen.

Das Luftschiff befand sich heute früh 3.10 Uhr über den Balearen. Um 5.15 Uhr überflog es die Küste der Insel Mallorca. Das Wetter ist gut, und das Luftschiff fuhr mit einer Geschwindigkeit bis zu 150 km in der Stunde.

Südamerika erwartet gespannt den Zeppelin.

Die Newyorker Morgenblätter bringen sehr ausführ­liche Schilderungen vom Beginn der Zeppelinreise. Nach einer Meldung der Associated Preß aus Recife de Pernam­buco (Brasilien) stieg mit der Startnachricht sichtlich die allaemeine Spannung, mit der das Eintreffen desGraf Zeppelin" erwartet wird. Der 51 Fuß hohe Ankermast und die Funkstation für Wetterberichte sind fertiggestellt, 150 Mann arbeiten noch an der Herrichtung des Landungs­platzes, 250 Soldaten und 100 Feuerwehrleute werden als Landungsmannschaft eingeübt.

Abmarschbefehl der Pfälzer Garnisonen.

Landau, 18. Mai.

Aus den Kreisen der Besatzung verlautet, daß das fran­zösische Oberkommando der Rheinarmee am Sonntag die Abmarschbefehle für die in der Pfalz in Garnison liegenden Truppen übermittelt habe. Der Abmarsch soll staffelweise nach bereits vorliegenden Plänen erfolgen. Im Laufe der Woche soll ein Teil der in Landau, Germersheim und Kai­serslautern liegenden Truppen mit der Räumung den An­fang machen. Die in den Kasernen zum größten Teil schon verpackt bereitliegenden Gerätschaften sollen in dieser Woche verladen werden. Wie man weiter hört, soll am Montag und Dienstag eine Besprechung zwischen den Be- satzungsbehörden und der Reichseisenbahnverwaltung be­züglich der Regelung des Abtransports erfolgen.

Beamte und Sinai.

Moldenhauer über die Ordnung im Rcichshaushalt.

Auf der Reichsbeamtentagung der Deutschen Volks- Partei in Berlin sprach Reichssinanzminister Dr. Molden­hauer. Er betonte, daß es seine Ausgabe sei, einerseits geordnete Finanzen herzustellen und andererseits dafür zu sorgen, daß eine arbeitsfreudige, verant­wortungsvolle Beamtenschaft erhalten bleibe. An der Spitze müsse heute die Ordnung der Finanzen stehen, die zugleich die Voraussetzung für die Erhaltung der materiellen Grundlagen der Beamtenschaft sei. Er habe es deshalb als erste Notwendigkeit be­trachtet, einen ausgeglichenen Etat vorzulegen und aus der S ch u l d e n w i r t s ch a f t h e r a u s z u k 0 m m e n, die die Unabhängigkeit unserer Politik nach außen und innen gefährde. Wir dürften nicht wieder finanziell so schlecht gerüstet in internationale Verhandlungen gehen, wie das bei dem Houng-Plan der Fall gewesen sei. Auch innenpolitisch verliere eine Regierung, die sich von Ultimo zu Ultimo durchpumpen müsse, ihr Ansehen. Die Unruhe, die dadurch entstehe, setze sich in Mißtrauen um. Diese Verhältnisse lähmten die Wirtschaft, ließen die Arbeitslosigkeit anwachsen und wirkten so wieder auf den Haushalt zurück. Es sei deshalb notwendig, durch eine rück sichtslose Steuerpolitik den Etat in Ordnung zu bringen. Wenn sich jetzt die Lage erneut verschlechtert habe und wir mit Mehraus­gaben von 300 Millionen für die Arbeitslosen rechnen müßten, so würden auch hieraus mit ernstem Willen die Folgerungen gezogen werden müssen. Wenn wir nicht wieder in die heillosen Zustände des letzten Jahres kommen wollten, müsse alles getan werden, um solche An­griffe auf den Haushalt abzuwehren.

Der Minister betonte, daß er auch weiterhin fürdie Erhaltung der materiellen ©runblagen der Beamtenschaft kämpfen werde. Anderseits müsse er aber auch von der Beamtenschaft verlangen, daß sie in dieser Zeit der angespanntesten Finanzen a l l e W ü n s ch e, mögen sie auch noch so berechtigt sein, zur ü cf st e l l e. Er könne nicht ernstlich für Sparsamkeit eintreten, wenn er mit irgendwelchen Beamtenwünschen komme. Über den Interessen des einzelnen stehe das Schicksal des Vater­landes.

Die Bestattung Frithjof Nansens.

Ein Kranz der deutschen Regierung.

Das norwegische Volk erwies am 17. Mai, dem Un­abhängigkeitstage, seinem großen Toten Frithjof Nansen die letzte Ehre. Der mit der norwegischen Flagge bedeckte Sarg Nansens wurde in der Säulenhalle der Universität aufgestellt. Studenten bildeten die Ehrenwache. Der Sarg verschwand unter den prächtigen Kränzen der königlichen Familie, des Storthings, der Regierung, der fremden Staaten, darunter der deutschen Regierung, des Völker­bundes und des diplomatischen Korps. Ergreifend wirkten die Blumen, die russische Flüchtlinge gesandt hatten in Erinnerung an Nansens Hilfswerk während der Hungersnot. Wie sonst am Unabhängigkeitstage, zogen auch diesmal

Tausende von Schulkindern in weißen Sommerkleidern mit kleinen norwegischen Fähnchen in der Hand durch die Straßen. Der Zug hatte diesmal auch eine symbolische Bedeutung, denn Nansen war einer von den Männern, die Norwegens Unab­hängigkeit begründen halfen. An der Universität ver­stummten Gesang und Musik; alle Häupter entblößten sich, und minutenlang herrschte unter der ungeheuren Volks­menge tiefes Schweigen.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Ministerpräsident Tardieu hat in Uebereinstimmung mit der Erklärung der Regierung vor der Kammer Befehl zur Räumung der 3. Rheinlandzone gegeben.

* Graf Zeppelin ist am Sonntag nachmittag zu seiner Süd­amerikafahrt ausgestiegen.

* Reichspräsident von Hindenburg wird Mitte Juli in das befreite Gebiet reisen, um dort an den Besreiungsseierlichkeiten teilzunehmcn.

* Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat beantragt, gegen den Beschluß des Haushaltsausschusses in den dies­jährigen Etat doch eine Rate für den Panzerkreuzer B cinzu- setzen.

* Zn Dresden wurde die Internationale Hygieneausstellung eröffnet. Das Präsidium der Ausstellung sandte ein Tele­gramm an den Reichspräsidenten.

* Der Pancuropa-Fragebogen des französischen Außen. Ministers Briand ist nunmehr den Mächten überreicht worden.