Einzelbild herunterladen
 

Erscheint jeden werktag.Bezugspreis: monatlich 2.20 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch höhere Gewalten', Streiks, Aussperrungen, Bahrisperrc usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsrer- leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal >Zulöaer Kreisblatt Redaktion und Geschäftsstelle: Mühlenstraße 1 Zernfprech-Anschluß Nr.9S^ Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Ytzzellenangabe .Zuldaer Anzeigrr'gestattet.

Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaft ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Rekiamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erstei­gen < Tag- und Platzvorschriften unverbindlich.

9 " - 1930

Fulda, Donnerstag, 10. Juli

7. Jahrgang

rchtbare Bergwerkskatastrophe in Schlesien.

her 81 Tote geborgen. Keine Aussicht auf Rettung der übrigen eingeschlossenen Bergleute. Wahrscheinlich 150 Todesopfer zu beklagen.

Auf der Kurt-Schachtanlage der Wenzeslausgrube in Hausdorf, Kreis Neurode in Schlesien erfolgte gestern nachmittag ein Kohlensäureeinbruch. Von den zwei Steigerabteilungen be­stehend aus 200 Mann, die von der Vergasung betroffen wurden, sind nur 49 gerettet worden. Die übrigen 150 Bergleute dürften der Katastrophe zum Opfer gefallen sein.

Eine der schwersten Katastrophen im schlesischen Bergrevier.

Breslau, 9. Juli.

(Eigene Funkmeldung.)

Auf dem Kurtschacht in Hausdorf im Neuroder Revier erfolgte heute nachmittag in der zweiten und dritten Sohle ein starker Kohlensäureausbruch. Nach einer Meldung des Glatzer Gebirgsamtes wurden 20 Bergleute getötet. Zn dem betroffenen Teil der Grube befanden sich rund 200 Mann. Nähere Einzelheiten find zur Stunde noch nicht bekannt.

Um 5.30 Uhr früh wurde über den Stand der Ret- tungsarbeiten gemeldet: Im Laufe der Nacht find Aoch weitere Leichen geborgen worden, so bah fich die Zahl der bisher geborgenen Toten auf 70 beläuft. Ungefähr 80 Personen find noch eingeschlossen. Es besteht jedoch keine Ausficht, sie lebend zu bergen. Die Entgasung ist noch nicht beendet, so daß auch keine Angaben über die Ursachen der Katastrophe gemacht werden können.

Ueber Die schwere Bergwerkskatastrophe in Schlesien er­fahren wir noch folgende Einzelheiten von zuständiger Stelle: Der Kohlensäure-Ausbruch- auf der Kurt-Schacht- Anlage der Wenzeslausgrube in Hausdorf, Kreis Neurode, ereignete sich gestern um 16.05 Uhr während der Arbeiten, und zwar in der 17. Steigerabteilung im Wenzeslaus-Flöz. In Mitleidenschaft gezogen waren zwei Steigerabteilun­gen, die 17. und 18. Abteilung, mit zusammen etwa 200 Mann. Von diesen sind aller Wahrscheinlichkeit nach 145 der Katastrophe zum Opfer gefallen. Lebend geborgen sind bisher 56 Mann. Die gesamte 17. Steiger­abteilung mit 83 Mann ist aller Wahrscheinlichkeit nach ums Leben gekommen. Die Rettungsarbeiten mußten einige Zeit unterbrochen werden, weil erst die Entgasung der Abteilungen vorgenommen werden muh, bevor die Rettungsmannschaften wieder eingesetzt werden können. Die Rettungsarbeiten werden aber heute früh fortgesetzt werden.

Rettungsarbeiten vorläufig eingestellt.

10. Juli, 9 Uhr Bormittags.

Erst heute ist es möglich, einen klaren Ueberblick über die Situation auf dem von dem Kohlensäureausbruch be­troffenen Schacht der Wenzeslausgrube in Hausdorf zu ge­winnen. Von der 193 Mann starken Belegschaft der Ab­teilungen 17 und 18 konnten bisher nur 49 gerettet wer­den, die im Neuroder Knappschaftslazarett Aufnahme fan­den und für die nach ärztlicher Ansicht keine Lebensgefahr besteht. An Toten wurden 81 geborgen. Alle, die bisher noch nicht über Tag befördert werden konnten, befinden sich in der Abteilung 18, die vollkommen unter Kohlen­säuregas liegt, weshalb

die Rettungsarbeiten nachts 12 Uhr abgebrochen wurden, da ein weiteres Bordringen der Rettungs­mannschaft mit Lebensgefahr verbunden war.

Die Leitung der Rettungsaktion ist der Ansicht, dah sämt­liche noch unter der Erde befindlichen Bergleute als tot zu betrachten seien. Es ist demnach anzunehmen, daß die Zahl der Todesopfer über 150 betragen wird. Im Laufe des Vormittags sollen aus Berlin Vertreter des Ministeriums in Hausdorf ankommen, um die Unter­suchung zu leiten. Wann es möglich sein wird, die Ret- tungsarbeiten fortzusetzen, steht zur Zeit noch nicht fest, 'da erst der Versuch unternommen werden muß, den Kohlen­säuregasen in der Abteilung 18 Abzug zu verschaffen. Von der Rettungsmannschaft sind einige Personen schwer ver­letzt. Im Knappschaftslazarett wurden 59 Tote aufge- bahrt, von denen bisher 51 identifiziert werden konnten. Da es an Raum mangelte, mußten die Toten zum Teil im städtischen Krankenhaus untergebracht werden. Die Er­regung unter der Bevölkerung ist naturgemäß sehr groß. Heute früh ist die Belegschaft nicht eingefahren, sondern trat, obwohl sie auf der Grube erschienen war, den Heim­weg an.

Zu der Katastrophe auf dem Kurt-Schacht in Hausdorf wird uns von einem Vertreter des Ober-Bergamtes u. a. mitgeteilt Das Reudorfer Revier ist durch Koblensäure- ausbrüche besonders gefährdet. Die von der Bergbehörde

dagegen getroffenen Maßnahmen haben sich in vielen Fäl­len bewährt. Der heutige Ausbruch im Kurt-Schacht war aber von einem Ausmaß, wie er bisher in europäischen Revieren überhaupt noch nicht beobachtet wurde. Der Säureausbruch erschwert leider auch die Bergungsarbei­ten, weil die Rettungsmannschaften selbst außerordentlich gefährdet werden.

Alsbald nach Bekanntwerden der Katastrophe, von der die 17. und 18. Abteilung der Belegschaft des Kurt-Schach­tes getroffen wurden, begann die Rettungsaktion, an der sich Mannschaften aus dem gesamten Revier und Feuer­wehrleute beteiligten.

Ueber die Ursache der Katastrophe wird bekannt, daß der Ausbruch der Kohlensäure vermutlich durch einen Sprengschuh ausgelöst worden ist, der ein Gasnetz öffnete. Die Gase verbreiteten sich mit ungeheurer Geschwindigkeit

DeSungsprogramm bleibt unverändert.

Abweichende Fraktionsforderungen sollen durchZnitiattv- anträge geltend gemacht werden.

Wie von unterrichteter Seite verlautet, hat das Kabinett beschlossen, grundsätzlich an seiner Dcckungsvor- lage sestzuhalten. Es ist damit einverstanden, daß die Bestimmungen über die Einsparungen dahin ergänzt werden, daß diese mindestens 100 Millionen Mark be­tragen müssen. Das Kabinett ist weiter mit der Ein­führung der BürgerabgabeEinverstanden, ebenso mit der Schaffung einer Formel, wonach die Darlehens- Pflicht nach dem § 163 für die Reichsanstalt für ArbeitslosenVersicherung künftig nicht mehr unbeschränkt gelten soll, sondern die notwendigen Mittel jeweils beim Reichstag angesordert werden müssen.

Es soll den Fraktionen überlassen bleiben, ent sprechende Jnitiativgesetzentwürfe im Reichstag einzu­bringen und diese dann gleichzeitig mit den Teckungsvor- lagen zu verabschieden. Ter Weg der Jnitiativgesetze soll gewählt werden, um den Umweg über den Reichsrat, der wegen der Kürze nicht mehr möglich ist, zu ersparen. Nach dem Plenum traten die Fraktionen der Regierungs­parteien zusammen, um sich mit diesen Fragen zu be­schäftigen.

Golddiskontbankgesetz vom Kabinett verabschiedet

Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett verab­schiedete den Entwurf eines Gesetzes über die Deutsche G o 1 d i s k o n t b a n k. Er wird unverzüglich dem Reichsrat und dem Reichswirtschaftsrat zugeleitet werden.

Dann gab der Reichsminister der Finanzen dem Reichskabinett Kenntnis von der Neuregelung der öffentlichen Kreditgebarung. Tanach fand unter dem Vorsitz des Reichsministers der Finanzen und in Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten

eine Lânderbcsprechung statt, in der über die geplante Ausgestaltung der Be­ratungsstelle für öffentliche Kredite verhandelt wurde. Nach einleitenden Worten des Reichsfinanzministers und des Reichsbankpräsidenten stimmten die Ländervertreter der Notwendigkeit einer pfleglichen Behandlung der Kapitalmärkte zu. Es bestand Einmütigkeit darüber, daß eine Überwachung der Auslandskredite fort­bestehen muß und daß auch für Jnlandskreditr geeignete Wege zur Wahrung der gemeinsamen Interessen der öffentlichen Kreditnehmer gefunden werden müssen. Dem­gemäß wurde zur Festlegung der Einzelheiten eine Unler­kommission eingesetzt, die ihre Tätigkeit bereits auf- acnommen bat.

Pensionen und Brot.

Deutscher Reichstag.

Ein toter Finanzminister ein im Amte toter darf keinen Anspruch mehr aus Schonung erheben, wenn man sic ihm schon von dieser oder jener Seite während seiner Wirk­samkeit erwiesen hätte, obwohl Vertreter der Staatsgewalt, die Gelder vom Bürger erbeben wollen, im allgemeinen sich nicht großer Beliebtheit erfreuen. Herr Moldenhauer ist ge­gangen, Herr Dietrich hat ihn ersetzt, und denen Etat wird durchgenommen im Reichstag s Ta ist etwas laut geworden von Pensionsansprüchen, die Moldenhauer erheben soll. An deren angeblicher Höhe nehmen mehrere Abgeordnete heftigen Anstoß, und es mag dem in fernen Ländern weilenden ehe- malioen Reichssäckelm-ifter nicht lieblich in die Ohren klingen, was da laut wird. Sein Parteifreund Geheimrat Dr. Rabl

im ganzen Revier. Die vor Ort arbeitenden Bergleute stürzten sofort besinnungslos zusammen, nur einige von den Schleppern, die weiter entfernt von der Unfallstelle arbeiteten» konnten sich retten, die Belegschaft der Nachbar­reviere alarmierend. Sofort wurden die Wettertüren zu dem Unglücksrevier abgedichtet, aber auch in den Nach­barrevieren erlitt eine ganze Anzahl von Leuten Gasver­giftungen. Nach einer Meldung derVoss. Zeitung" find an der Unglücksstelle mehrere Pfeiler zu Bruch gegangen, so daß die Lage der Eingeschlossenen noch bedenklicher ge­worden ist.

Das Unglück auf dem Kurt-Schacht der Wenzeslaus­grube in Hausdorf ist eine der furchtbarsten Katastrophen, die je das schlesische Bergrevier betroffen haben. Bereits im Jahre 1927 forderte ein ähnliches Unglück auf der glei­chen Grube 8 Todesopfer. Wie verlautet, waren Verhand­lungen eingeleitet, um die Unglücksgrube stillzulegen.

warnt zwar vor raschem und unüberlegtem Urteil, da Tr. Moldenhauer sowohl sein akademisches Lehramt wie seine früheren Aufsio ratsstellen bei Eintritt ins Kabinett nieder- gelegt habe. L. er es wird erwidert, diese Posten könne Moldenhauer jederzeit wieder übernehmen. Bei dieser Aus­einandersetzung kam es einige Male zu recht lebhaften Dis­kussionen. Nach einigen drastisch wirkenden Darlegungen deS bayerischen Bauernbündlers Kling über die verfehlte Reichs­finanzpolitik wird der Haushalt des Ministers Dietrich ver­abschiedet und man geht an die dritte Lesung des Broi- gesetzes, bei der es zu einer namentlichen Abstimmung kommt. Durch diese wird der Verkauf des Brotes nach Gewicht mit 185 gegen 183 Stimmen abgelehnt. Wegen der geringen noch genau nachzuprüfenden Differenz wird die Schlußabstimmung vertagt, und man gehl nach Hause. io.

Sitzungsbericht.

(195. Sitzung.) CB. ® e r l i n, 9. Juli.

Bei der weiteren Beratung des Reichshaushalts wird die Diskussion über den Etat des Reichsfinanzmini ste - r i 11 m s fortgesetzt.

Abg. Fcder-èachsen (Nationalsoz.) bespricht die Pensio­nierungsforderung des vorherigen Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer und sagt darüber, der brave Mann denke zuerst an sich selber. Die -Massensteuern betragen heute un­endlich mehr, als man früher unter dem alten System den Arbeitenden abgenommen hat.

Der königliche Hofstaat habe weniger gekostet, als jetzt die sozialistischen Abgeordneten erhalten. Der Houng-Plan hat die Lage noch verschärft.

Abg. Dr. Best (Volksrechtpartei): Die Teckungsvorlagen der Regierung sind entschieden zu bekämpfen. Drei- und vier­fach werden die Beamten besteuert, obwohl ihr Realeinkom men geringer ist als vor dem Kriege.

Die sogenannte Reichshilfe verstößt gegen die Verfassung. Sie ist auch in höchst unsozialer Weise gedacht.

Abg. von Lindeincr-Wildau (Volkskons.) bekämpft eine Bemerkung des Vorredners, wonach der Reichsminister Tre- viranus im Salonwagen gefahren sei. Das wäre eine dreiste Erfindung.

Abg. Schmidt-Stettin (Dtn.): Das Gutachten deS Spar- kommisiars über das Reichsfinanzministerium muß alsbald dem Reichstag vorgelegt werden. Tie Beamtenzahl ist dauernd gestiegen. Ter jetzige Finanzminister Dietrich habe früher einmal bemerkt, die 90 000 Beamten der Finanzvcrwaltung seien kein Beamtenstab, sondern eine Armee. Ter Redner rurt dem Minister zu:

Lieber Dietrich, nimm einen Dietrich, öffne die Pforten des Reichsfinanzministeriums und laß eud- lch einen Teil des Personals heraus. (Heiterkeit.)

Abg. Torgler (Romm.) kritisiert in heftiger Weise das be­kanntgewordene Pensionsgesuch des Ministers Tr. Molden­hauer, das er als das schamloseste bezeichnet, was man sich verstellen könne. (Entrüstn nasruie bei den Kommunisten.

Kleine Zeitung für Mge Leser.

* Auf der Wenzeslausgrube bei Neurode in Schlesien er­eignete sich geestrn ein furchtbares Bergwerksunglück durch einen Kohlenfäureansbruch. Bisher konnten 81 Tote geborgen werden.

* Bei der Flugzeugkatastrophe in der Ostsee haben. wie jetzt fesizustehen scheint. fünf Personen den Tod gefunden.

* Nach den letzten MelLunaen der Srhecteëmtei tmirbee rund 2 690 WM Arbeitslose gezählt.