futtaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Nr. 187 — 1930
Fulda, Mittwoch, 13. August
7. Zahrgang
Ueberflüffige Pariser Erregungen
Angriffe in die Lust.
Um Treviranu s' Rede.
An den etwas künstlich angefachten Entrüstungs- rummel der französischen Presse aus Anlass einer Rede des deutschen Ministers Trevira n u s schloss sich die in fast allen Pariser Zeitungen ausgestellte Behauptung, zu der letzten Unterredung des deutschen Botschafters mit dem französischen Aussenminister Briand am Montag sei der Botschafter beauftragt gewesen, die deutsche Negierung wegen der erwähnten Rede zu entschuldigen. Dass diese Darstellung nicht richtig sein konnte, ließ sich mit den Fingern greifen. Bon deutscher zuständiger Seite wurde denn auch sofort erklärt, die Darstellung der Pariser Blätter sei vollständig erfunden. Briand habe allerdings auf die französischen Preffcstimmcn zu der Trèviranus-Rede hingewiesen, zu einer Entschuldigung des deutschen Botschafters habe aber nicht der geringste Anlass Vorgelegen. Vielmehr hätten sich die beiden Staatsmänner zur Hauptsache über die im Hinblick auf die demnächstige Tagung des Völlerbundrates in Genf in den Vordergrund gerückten politischen Fragen unterhalten. Schon vor der Treviranus Rede sei die Zusammenkunft verabredet gewesen.
Im übrigen benutzt die französische Rechtspresse, die seit längerer Zeit wieder einen besonders heftigen Feldzug gegen Briand führt, den Anlaß, um Briand Vernachlässigung der französischen Interessen und Schwäche gegenüber Deutschland vorzuwerfen. In den Blättern der Regierung und der Linken macht man sich zum Teil lustig über die vom Zaun gebrochene Scheinkampagne der Chauvinisten.
Ruhige deutsche BeurieÜung.
Von dem drüben entfachten Getöse hebt sich bcruhi- MMd die Beurteilung gb, Kje. Ker Vorgang Ulder großen Veurzcyen Presse finde:. So sagt die Germania, für Deutschland gälten, unter welcher Regierung auch immer, die feierlichen Verpflichtungen des Völkerbundpaktes, und keine verantwortliche deutsche Regierung werde eine Grenzrevision mit anderen als friedlichen Mitteln erstreben. Das Berliner Tageblatt schreibt, Treviranus habe kein Wort gesagt, das aus deutsche Absichten schließen lassen könnte, eine andere Lösung als im Rahmen des 19. Artikels des Völkerbundpaktes, des Revisionsartikels, zu suchen. Das Recht, eine solche anzustreben, könne und werde sich Deutschland allerdings nicht nehmen lassen. Die Frankfurter Zeitung ist der Ansicht, die schreckliche Selbst- herrlichkeit, mit der man in Frankreich die Alleinschuld Deutschlands gäbt behaupten zu dürfen, diese Diktion, aus der heraus Versailles diktiert worden ist, beginne wieder ihr fatales Treiben. Nach der Vossischen Zeitung bestimmt der Reichskanzler im Einvernehmen mit dem Außenminister. Und diese Richtung sei nach wie vor auf Verständigung und Zusammenarbeit gerichtet. Dafür habe der Botschafter von Hoesch Wiedel beredtes Zeugnis in einer Rede abgelegt, die er bei der Verfassungsfeier der Deutschen in Paris gehalten hat.
Trommelfeuer.
Es ist ein gar nicht einmal schlechter Witz der Weltgeschichte von heute, daß gerade jetzt wieder Litauen die Behandlung seiner Grenzstreitigkeiten und -schwierigkeiten vor der kommenden Tagung des Volkerbundrates durchgesetzt hat, — und man sich gleichzeitig damit in der französischen Presse fürchterlich über eine Rede ausregt, die der deutsche Minister für die bisher besetzten Gebiete, Treviranus, vor den Ost- und Westverbänden gehalten hat. Und die sich auch mit Grenzfragen, Grenz- schwierigkeiten und Grenzziehungen befaßte, wie sie unter der Leitung des von irgendwelchem Wissen über europatsche Verhältnisse nicht erheblich beschwerten Präsidenten Wilson das Versailler Diktat beschlossen und festgesetzt hat. Das entmilitarisierte Rheinland und das noch immer mcht fres- gegebene Saargebiet, dann vor allem die Grenzverhältntsse im Osten und noch ein paar anfeuernde Worte, daß „die Grenzen des Unrechts nicht standhalten gegen Volksrecht und nationalen Lebenswillen" — darüber und deswegen ist man in den Pariser Zeitungs - pal ästen total aus dem Häuschen geraten und zieht in einer Weise über Deutschland los, als wollten wir morgen mit Heeresmacht über Frankreich oder Polen herfallen. ~ ...
Dieses papierene Trommelfeuer vollkommen überflüssig, - höchstens hat es den Vorteil, die wahre Meinung der französischen Öffentlichkeit auszu- weisen, soweit sic sich in der Presse verkörpert glaubt Schwurzeuge ist ihr habet natürlich Po in ca r è , dessen historische, neulich auf einer Denkmalsenthullung wieder einmal produzierte Ansichten allerdings in Deutschland nicht als der politischen Weisheit letzter Schluß angesehen werden. Was Minister Treviranus gesagt hat, ist ja in diesen oder ähnlichen Worten oft genug von deutschen Staatsmännern als Übe r z e u g u n g des g a n z e n Deutschlands dargestellt worden ohne daß damit das Bewußtsein dessen schwindet, was H. B. in den ^o- carnoverträgen von Deutschland uchkerMÄeben wurde. Aber in Frankreich wird ja jedes Wort der Kritik am Diktat von Versailles beantwortet durch ein Trommel- feuer wütendster Proteste; man laßt die Maske sinken und leistet sich Deutschland gegenüber Ausführungen, die Fi* mi» if ßtpiftp der Versöhnlichkeit und de
Friedenswillens wirklich nicht vereinbaren lassen. Obwohl man drüben genau weiß, daß Deutschland weder willens noch überhaupt in der Lage ist, jene Verträge zu brechen und einen Revanchekrieg gegen West und Ost vom Stapel zu lassen. Noch aber dürfen wir Deutsche uns den Mund nicht verbieten lassen, wenn wir — wie überreichlich oft von Neutralen und nicht selten von Angehörigen der Ententeländer selbst — die Diktatbestimmungen von Versailles als größtes Hindernis eines wirklichen Friedens in Europa betrachten und bezeichnen.
Man wird sich in Deutschland durch das papierene Trommelfeuer weder aus Paris noch aus Warschau übermäßig beeindrucken lassen, wenn cs natürlich auch wieder einige ängstliche Gemüter gibt, die schon dicke, gewitterschwangere Wolken am Horizont aufziehen sehen. Es ist aber kein fernes Donnerrollen, sondern nur die sommerliche Ruhe störendes Gebären von Zeitungs- „Kauonen". Politischer Pessimismus — echter und gut gespielter — ist heute in Deutschland zwar ungemein verbreitet, wird aber noch übertroffen von der wirtschaftspolitischen Schwarzseherei und -malerei. Ihr gegenüber hat der deutsche Botschaftsrat in London, Dr. Dieckhoff, auch einmal ein deutliches und kräf -
Hmdenhurg aus Gommeruriaud.
In Dietramszell.
Der Reichspräsident reiste nach Abschluß der Berliner Verfassungsfeier nach München ab, um sich von dort nach seinem alljährlichen Sommerurlaubsort Dietramszell (Oberbayern) zu begeben. Dort will er etwa drei Wochen der Erholung im Hause einer befreundeten Familie verbringen.
DienStag vormittag traf der Reichspräsident in München ein, begleitet von seinem Sohn, Oberstleutnant von Hindenburg. Von einem offiziellen Empfang war auf besonderen Wunsch des Reichspräsidenten Abstand genommen. Der Reichsgesandte in München, v. H a n i è l,
Schloß Dietramszell, in dem der Reichspräsident wieder seinen Sommerurlaub verbringt.
begrüßte Hindenburg und stellte ihm eine RZhe von Persönlichkeiten vor, während das augesammelte Publikum den Reichspräsidenten begrüßte. Die Weiterreise nach Dietramszell erfolgte im Kraftwagen der Landespolizei. Überall wurden Hindenburg lebhafte Ovationen zuteil, die der Reichspräsident dankend erwiderte. Kurz vor Bad Tölz, dessen Ehrenbürger Hindenburg ist, zweigt ein schmaler Weg rechts ab, und in weiteren zehn Minuten war man in Dietramszell. Die Familie von Schilcher, der Bürgermeister von Dietramszell, der gesamte Gemeinderat, der Bezirksamtmann und diè Geistlichen beider Konfessionen sowie General Hemmer, ein alter Freund Hindenburgs, begrüßten den Reichspräsidenten und geleiteten ihn in seine Zimmer.
Kriegsausbruch Türkei—Persien.
Die persische Grenze überschritten.
Nachdem die Verhandlungen zwischen Persien und Der Türkei über die Niederwerfung des Kurdenausstandes gescheitert sind, sind die türkischen Truppen trotz Protestes der persischen Regierung in das aufständische Araratgebiet eingerückt und haben die persische Grenze uber- ^^'c^j"' Ursachen zum Beginn der bewaffneten Auseinandersetzungen sind genügend bekannt. Es Handelt sich um drei Millionen Kurden, die zu Zweldrcktel auf türkischem Gebiet wohnen, während die anderen in Rußland, Persien, im Irak bis hinunter nach Syrien sitzen. Das Kurdenvolk hat sich in letzter Zeit 10 ziemlich in seiner Gesamtheit gegen die Türkei gewandt, wobei die türkischen Kurden bei ihren persischen Brüdern Unterstützung, Schntz und ^ilfe finden. Persien hat das von der Türkei verlangte Eingreifen abgelehni. Kurden wohnen auch im Gebiet des jetzt in Berlin weilenden Königs des ^rak, Feissal I. Sie lehnen das in der Türkei jetzt herrschende moderne Regiment aus nationalen und religiösen Gründen ab und haben sich in dieser Beziehung seit ihrer letzten Niederwerfung im Jahre 1925 nicht geändert.
tiges Wort gesprochen. Er sieht Deutschland mit besserem und objektiverem Blick von außen her und hat — auch auf einer Verfassungsfeier — den deutschen Besuchern gesagt, daß leider der Deutsche einen Wirtschaftspessimismus über die Zukunft Deutschlands entwickele, den der Ausländer nicht besitze; der habe ein viel stärkeres Vertrauen zur Leistungsfähigkeit der Deutschen als diese selbst. Diese Erfahrung, so erklärte Dr. Dieckhoff, habe er immer und immer wieder mit den Engländern gemacht und wir Deutsche sollten von ihnen was lernen in dieser Hinsicht; auch kann man von draußen bisweilen die Wirklichkeit und das Wesentliche besser und richtiger beurteilen als jemand, der nun mitten drin steht in diesem schweren Kampf um unsere Zukunft.
Gewiß, — wir sind mehr als je auf die Welt angewiesen; aber doch — und zwar nicht einmal wenig — auch die Welt auf uns. Nicht „um unserer schönen Augen willen" ist im Verhältnis der Völker zu uns so vieles anders und manches sogar besser geworden, sondern weil man uns schließlich ganz besonders auf wirtschaftlichem Gebiete braucht. Hier urteilt der Engländer nüchterner als der Franzose, weil ihm altererbte oder neu hinzugenommene Vorurteile den Blick nicht so sehr trüben und weil es auch ihm schlecht geht. Nicht bedingungslose Nachgiebigkeit, wehleidiger Pessimismus, sondern nur ein energisches Wollen und ein Schuß — Selbstvertrauen kann uns als Volk und unter den Völkern Achtung, Geltung und Vorwärtskommen verschaffen.
König Seiffate Abschied.
Nach Besichtigung von Potsdam und Sanssouci abgereist.
König Feissal vom Irak besuchte das Tell-Halaf- Museum des Freiherrn Mar von Oppenheim in Berlin und interessierte sich in hohem Maße für die hervorragenden Funde aus hettitischer Zeit, die dort aufgestellt pnd. Anschließend folgte er einer Einladung des fdr-ü- Herrn von Oppenheim zum Tee. Der König besichtigte auch die Siemenswerte und nahm an einem Frühstück beim Reichskanzler Brüning teil. Am Nachmittag besuchte er Potsdam und Sanssouci. Abends verließ er Berlin in Richtung Paris.
Die OWifederhaMungen abaefthloffeo.
Einigung zwischen Reich und Preußen.
Die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Reiches und der preussischen Staatsregierung haben ihren end gültigen Abschluß gefunden. Auch die letzten Schwierigkeiten, die sich bekanntlich auf Personalfragen bezogen, sind nunmehr restlos bereinigt worden. Die Personalvorschläge werden unverzüglich dem Reichspräsidenten in Dietramszell unterbreitet werden, der die Ernennungen vollziehen wird.
Gowjeibauern verbrennen Geireide.
Miliz sprengt eine Landarbeiterversainmlung.
Wie aus Moskau gemeldet wird, fand im Gouvernement Poltawa eine Versammlung landwirtschaftlicher Arbeiter statt, in der Mitglieder der Kollektivwirtschaften scharfe Kritik an der Politik der Sowjetregierung übten. Die Lage spitzte sich so zu, daß die Miliz zu Hilfe gerufen werden mußte, die die Versammlung auseinandertrieb und zahlreiche Landarbeiter verhaftete.
Im Kreise Armawir im Nordkaukasus haben Bauern einen bereits beladenen Eisenbahnzug mit Getreide in Brand gesteckt. Das Getreide war bei den Bauern durch staatliche Aufkäufer zwangsweise eingetriebcn worden. Die Bauern hatten für das Getreide Jndustricwarcn verlangt, aber nur Papiergeld erhalten.
Ltm die Arbeitzeit der Metallindustrie. Mitteldeutscher Metallschiedsspruch von den Arbeitnehmern abgelehni.
Die in Kösen tagende Bezirkskonferenz des Deutschen Melallarbeiterverbandes hat den Berliner Schiedsspruch vom 6. August bezüglich der Neuregelung der Arbeitszeit in der mitteldeutschen Metallindustrie abgelehnt und die Haltung der Organisationsleitung gebilligt. Die Arbeitgeber haben den Schiedsspruch' angenommen
Steine Zeitung für eilige Leser.
* Reichspräsident von Hindenburg ist zu einem dreiwöchigen Erholungsaufenthalt in Dietramszell (Oberbayern) cinge- troffeu.
* Die von französischen Blättern gebrachte Meldung, der deutsche Botschafter von Hoesch habe sich bei Briand wegen der kürzlichen Rede des Ministers Treviranus entschuldigt, war falsch. In der Unterredung Hoesch—Briand wurde die Rede nur nebenbei erwähnt.
* Zn Grün« in Sachsen erschoß ein Lehrer wegen dienstlicher Differenzen seinen Kollegen und dann sich selbst.
* Der Allgemeine Niederländische Verband des Molkerei- wesens hat den kürzlich verkündeten Boykott gegen deutsche Waren vorläufig wieder aufgehoben.
* Während in den Vereinigten Staaten infolge der Dürre Hungersnot und Seuchen auszubrechen drohen, verwüstet eine Riesenuberschwemmung in China weite Gebiete und fordert zahlreiche Todesopfer.