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Nr. 200 - 1930
Fulda, Donnerstag, 28. August
7. Jahrgang
Ungerechtfertigte französische Angriffe.
DremdeOsfiziere um deutscheManöver
Deutschland verlangt Gegenseitigkeit.
In den letzten Tagen hat ein Teil der Pariser Preffe einen lebhaften Feldzug gegen die deutsche Regierung und die deutsche Heeresleitung unternommen. Grund dazu finden die Zeitungen in der Behauptung, die militärischen Mitglieder bei der Botschaft Frankreichs in Berlin seien zu den deutschen Herbstmanövern nicht eingeladen worden, ebensowenig die entsprechenden Beauftragten Polens und Belgiens, während man in Berlin im Gegensatz zu dieser Praxis Engländern, Amerikanern und Italienern die Teilnahme durch Einladung ermöglicht habe.
Das findet man in Paris unerklärlich, zumal man aus Berlin wiederholt den Militärattaches Frankreichs versichert habe, daß sie nach Räumung des Rheinlandes zur Beobachtung deutscher Manöver zugelaffen werden würden. Diese Entrüstung ist vollkommen gegenstandslos, wie es sich alsbald herausstellt durch eine Veröffentlichung von deutscher zuständiger Seite, die in durchaus einleuchtender Weise besagt:
Deutschland kann die Militärattaches derjenigen Staaten, mit denen es sich im Krieg befunden hat, erst dann einladen, wenn auch Deutschland zu den Manövern in den anderen Ländern eingeladen wird. Das ist der Fall bei Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika und Italien sowie verschiedenen anderen Staaten. Da weder Frankreich, Belgien noch Polen Deutschland zu ihren Manövern eingeladen haben und die deutschen Manöver schon in allerkürzester Zeit beginnen, ist davon abgesehen worden, die Militärattaches dieser drei Staaten zur Teilnahme auszufordern.
Damit ist alles gesagt und man braucht dieser Aufklärung nicht das mindeste hinzuzufügen. Deutschland steht tn keiner Weise etwa an zweiter Stelle unter den
Der erfolgreiche Gzeanflug
Der Empfang des deutschen Flugbootes.
Große Begeisterung der Newyorker Bevölkerung.
Über die Ankunft der deutschen Ozeanslieger in New- York werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Die Maschine Gronaus erschien um 20 Uhr 43 M. E. Z. über der Battery-Insel. Fünf Minuten später ging das Flugboot unter dem ungeheuren Jubel der Newyorker Bevölkerung auf dem Wasser nieder.
Die Ankunft Gronaus erfolgte wider Erwarten so früh, daß die Vorbereitungen für den Empfang der Flieger noch nicht beendet waren. Der städtische Dampfer „Macom" mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Armee -und der Marine hatte kurz vor der Ankunft der Flieger an der Freiheitsstatue geankert. Der Jubel der im Batterypark versammelten und aus den Wolkenkratzern rasch herbeieilenden Menschen kannte keine Grenzen. Die Flieger sahen trotz der Anstrengungen der letzten Tage frisch und munter aus. Schleppdampfer der Polizei «rächten das Flugboot zum Batterypark, wo die Flieger wüer dem Geheul der Sirenen offiziell begrüßt wurden. DieHäuser und die im Hafen liegenden Schiffe sind mit deutschen und amerikanischen Flaggen reich geschmückt.
p Der erfolgreiche Flieger hat, wie von zuständiger mitgeteilt wird, seinen Amerikaflug
ohne Kenntnis des Reichsverkchrsministeriums ausgesührr. Es wird jedoch hinzugefügt, daß diese Tal- natürlich nicht daran hindere, daß die nun geschehene Tat auch im Reichsverkehrsministerium Bewunderung errege. Von Reykjavik aus hatte von Gronau ein Telegramm an das Reichsverkehrsministerium gerichtet, m dein er um Erlaubnis zum Weiterflug nach Amerika bat. Als das Telegramm in Berlin eintraf, war von Gronau jedoch bereits abgeflogen. Der Umerikaflug ist also lediglich von der Verkehrsfliegerschule ui Warnemünde bzw. von Gronau selbst vorbereitet und durchgeführt worden. Das Reichsverkehrsministerium hat du dem Flug infolgedessen keinen Anteil. Wie man jedoch un Reichsverkehrsministerium über
die hervorragende Tat
von Gronaus denkt, geht aus dem Telegramm des Reichs- verkehrsmlnisters hervor, in dem von Gronau, der „dem Unsehen unseres Volkes in der Welt einen guten Dienst erwiesen habe", gefeiert wird. Als persönliches Geschenk vom Rcichsverkehrsminister erhält von Gronau eine Prachtausgabe des „Prinz Friedrich von Homs' u r g" von Heinrich von Kleist.
Kein Rückflug Gronaus.
Kapitän von Gronau hat erklärt, er beabsichtige nicht, mit dem Dornier-Wal nach Europa zurückzukehren. Die Atlantikflieger werden zunächst C h i k a g o besuchen, wo augenblicklich große Wettflüge stattfinden.
Der Amerikaflug des deutschen Fliegers wird von der französischen Presse in allen Einzelheiten wicdergegeben. Der „Quotidien" hebt hervor, daß Gronau einen prachtvollen Flug mit einer vomerkenswerten Pünktlichkeit durchge- fuhrt habe.
Mächten Europas und kann mit gutem Recht volle Gegenseitigkeit verlangen. Wenn in Frankreich in höchst gesuchter Weise auf eine Art Druck hingewiesen wird, den Deutschland wegen des noch nicht geräumten Saargebiets ausüben wolle, oder gar auf eine angebliche Bevorzugung Englands durch den Reichspräsidenten von Hindenburg, ferner auf deutsche Ansprüche wegen der Belgien übergebenen Kreise Eupen-Malmedy oder die Verhältnisse an den Ostgrenzen gegen Polen, so charakterisieren sich solche müßigen Schwätzereien von selbst.
Nächilicher Brückenschlag.
Die „blaue Division" setzt über die Oder.
Bei der großen Übung der drei kombinierten Pionierbataillone aus Küstrin, Stettin und Ulm, die bei Fürstenberg an der Oder begonnen hatte, war angenommen, daß die „rote Partei" schon über das linke Oderufer zurück- gedrängt worden sei. Von den Pioniertruppen war nun möglichst eine angenommene „blaue Division" überzusetzen. Nachdem tagsüber mit vier motorisierten Doppelfähren und einigen Floßsackbooten ein Übersetzbetrieb eingerichtet worden war, wurde der Plan, eine Brücke bei Pollenzig zu schlagen, wegen der Überlegenheit der feindlichen Fliegerkräfte aufgegeben. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wurde südlich Mühlow mit dem Bau einer Brücke für die Infanterie und die Gesechtsfahrzeuge begonnen. Für die schweren Fahrzeuge wurde mit neuartigem Gerät etwas stromunter eine schwere Fähre und die dazugehörigen Landungsbrücken gebaut Der Brückenbau im Dunkel der Nacht bei fast vollständiger Abblendung gegen Fliegersicht war natürlich eine sehr schwere, aber auch sehr interessante Aufgabe. Nachdem gegen 21.10 Uhr mit dem Brückenbau begonnen war, konnte kurz nach 1 Uhr die letzte Doppelfähre in die Brücke eingefahren werden. Das sternenklare Nachtwetter hatte viele tausend Zuschauer angelockt, die die ganze Nacht über ausharrten. Nach dem Ausfahren der Brücke und dem Verladen des Materials konnten die Truppen morgens gegen 7 Uhr in die Quartiere abrücken, wo sie für die Nachtarbeit durch einen Ruhetag entschädigt werden.
„Do X" fliegt nach Amerika.
Das größte Flugschiff der Welt, „Do X", trifft zurzeit auf der Filialwerft Altenrhein der Dornier- Mctallbauten Gesellschaften in Friedrichshafen-Mansfeld seine Vorbereitungen zum Amerikaslug, der tunlichst schon in der ersten Septemberhälfte vor sich gehen soll. Wenn die Wetterverhältnisse eS gestatten, wird „Do X" nach erfolgter Abnahme von Portugal aus zum Amerika- flug starten.
Programmäßig wird es die Route über die A z o r e n nehmen, wo Zwischenwasserung erfolgt. Von dort wird es nach den B e-r m udas fliegen, wo abermals Zwischcustation gemacht wird, und von den Berz mudas unmittelbar nach N e w York. Am Amerikaflug wird aus Ersparnisgründen nur die zehnköpfige Besatzung teilnehmen.
Ein weiteres Flugzeugunglück in Frankreich.
In der gleichen Nacht, in der durch den Absturz eines französischen Bombenflugzeuges bei Chartres 6 Militärflieger ums Leben kamen, ereignete sich bei Dijon ein weiterer schwerer Flugzeugunfall.
Ein viermotoriges Bombenflugzeug, an dessen Bord sich sechs Militärflieger befanden, sollte in der Nacht einen Prüfungsflug aussühren. Als der Apparat Dijon erreicht hatte, zerbrachplötzlichdieHöhen- st e u e r u n g. Der Apparat stürzte, da der Pilot ihn nicht wieder in die Gleichgewichtslage bringen konnte, über einem Dorf in der Nähe von Dijon ab. Vier von den Insassen, sämtlich Unteroffiziere, wurden auf der Stelle getötet; die beiden anderen, die noch Zeit zum Abspringen mit dem Fallschirm hatten, wurden jedoch beim Aufschlagen auf die Erde schwer verwundet.
Todessprung aus dem Flugzeug.
Gestern nachmittag gegen 16.45 Uhr sprang aus dem Verkehrsflugzeug der Deutschen Lufthansa D 529, welches den Flughafen Frankfurt a. M. planmäßig um 16.35 Uhr in Richtung Erfurt-Halle-Leipzig verlassen hatte über dem Ort Kilianstädten in selbstmörderischer Absian eine Dame ab. Es handelt sich um eine Frau Amlinger, deren Gatte vor einigen Tagen durch einen Unglücksfall ums Leben gekommen ist. Ausgangs des Dorfes Kilianstädten welches zwischen Vilbel und Windecken liegt, schlug der Körper etwa 25 Schritt von einem Landwirt, der dort auf seinem Acker arbeitete auf. Obgleich in der Kabine des sechssitzigen Flugzeuges, Typ Dornier-Merkur, noch weitere drei Fluggäste sich befanden, blieb der Vorfall im Flugzeug unbemerkt. Allerdings hatte der Flugzeugführer an der betreffenden Stelle ein leichtes Schwanken der Steuerorgane bemerkt, diesem aber keine Beachtung geschenkt, da es häufig dann auftritt, wenn ein Fluggast den im Hinteren Teil des Flugzeug- rumpfes befindlichen Toilettenraum aussucht. Bei der Landung in Erfurt wurde das Fehlen der Dame sofort bemerkt, zugleich aber sestqestellt, daß die Einsteigtür in der Kabine sowie der Notausgäng, der sich im Dach des Toilettenraums befindet, fest und ordnungsgemäß verschlossen waren. Die Dame kann das Flugzeug nur durch das Fenster, neben welchem sie Play genommen hatte, verlassen haben. Daß Selbstmord oor- liegt, geht aus einer Notiz hervor, welche Frau Amlinger tn ihrer Handtasche mit der Bitte um Verständigung der Ange- Säriaen h-ntk-tosst- hat We Hsndtssche mit fernem Mschie-s- br.es und einem Testament hatte sie im Flugzeug zuruckgelassrn.
Die Zauberkur.
Das Problem der Reichsreform ist vor den drängenden Fragen der Finanzreform zunächst in den Hintergrund getreten. Aber für eine durchgreifende Änderung und Verbesserung unseres Finanzsystems, das ja auch die finanziellen Auseinandersetzungen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden umfaßt, ist eine Reform im Reichsausbau die notwendige Untermauerung. Auch eine durchgreifende Verwaltungsreform wird erst möglich werden, wenn an eine Nachprüfung der Verfassung herangegangen wird, um Viel-, Doppel-, Neben- und Gegeneinanderarbeit in der Verwaltung, wie sie in dem jetzigen Verhältnis des Reiches zu den Ländern besonders gegeben ist, zu vermeiden. Der einzelne Staatsbürger glaubt häufig von der Frage der Reform des Reiches nur wenig persönlich berührt zu sein und sieht in ihr gern nur einen Streit zwischen Reichszemralen und Länderzentralen, eine mehr bureaukratische Angelegenheit, deren staatsrechtlicher Charakter für ihn von geringerem Interesse ist. Und doch sind es Fragen des täglichen Lebens, die durch die Art der Einordnung der Länder in das Gebäude des Reiches in hohem Maße angeschnitten werden. Ohne daß es ihm als Folge der jetzt bestehenden Anordnung bewußt wird, empfindet mancher Bürger das Unbefriedigende des gegenwärtig herrschenden Zustandes z. B. in dem Wirrwarr der zahllosen Behörden und Instanzen.
Man doktert ja schon seit langem an der Reichs- r e f o r m herum. Vereinigungen haben sich gegründet, deren Ziel der Neuaufbau des Reiches ist. Man hat theoretisiert, Programme aufgestellt — für die Praris ist noch nicht viel dabei herausgekommen. Inzwischen hat sich auch die Länderkonferenz eingehend mit dieser schwierigen und heiklen Frage beschäftigt. Aus ihren Reihen werden jetzt Vorschläge der Öffentlichkeit übergeben.
Was nach Durchsicht dieser Vorschläge sofort hervortritt, ist die Tatsache, daß es nach dem Wunsch der Länderkonferenz kein Einheitsreich geben soll. Die Länder bleiben besteben, allerdings in wesentlich veränderter Form. Es zoll künftig alte Länder und „Länder vereinfachter Verwaltungsreform" geben, für die man auch den Namen „Länder verstärkter Gemeinschaft" in Vorschlag bringt. Nach dem Plan der Länderkonferenz würden allerdings nur Bayern, Württemberg, Sachsen und Baden als alte Länder fortleben, während die übrigen Länder sozusagen eine Zauberkur durchmachen und in neuer Gestalt im Deutschen Reich erscheinen würden. Eine der Hauptfragen, was mit Preußen geschehen solle, ist dahin gelöst worden, daß auch die preußischen Provinzen in Länder vereinfachter Verwaltung umgewandelt werden.
Natürlich ist diese Umwandlung nicht nur mit der Umbenennung erschöpft. Regierung und Parlamente der neuen Länder würden fortfallen. Die preußischen Ministerien und die preußische Staatsverwaltung sollen auf das Reich übergehen, während in den anderen vereinfachten Ländern hie Landesminister sich in Landesdirektoren verwandeln. Die Machtfülle des Reiches wird in den neuen Ländern bedeutend gestärkt. Während Polizei-, Justiz- und Kultusangelcgen- heiten bisher der Gesetzgebung der Länder unterlagen, sollen diese Fragen in den neuen Ländern durch Reichsgesetze geregelt werden. Diese neuen Länder würden dann vollkommen in der Obhut des Reiches sein und als Reichsländer angesprochen werden können. Auf eine kurze Formel gebracht, würde also die Gesetzgebung von den neuen Ländern vollkommen auf das Reich übergehen, während den Ländern nur noch Aufsicht und Verwaltung zustehen würden. Neben den grundsätzlichen Bestimmungen sind natürlich auch für die Übergangszeit Maßnahmen vorgesehen, die eine möglichst reibungslose Umwandlung ermöglichen sollen.
Wieweit nun diese Pläne zur Reichsreform Verwirklich finden werden, läßt sich jetzt noch schwer sagen. Die Reichsregierung legt Wert darauf, zu betonen, daß es sich bei diesen Plänen lediglich um „die private Arbeit eines Mitgliedes der Länderkonferenz" handelt. Die Arbeit sei lediglich den verschiedenen Mitgliedern der Länderkonferenz, nicht aber dem Reichskabinett, das nicht die Absicht habe, sich mit der Sache zu befassen, zn- gegangen. Es sei zunächst Aufgabe der Länderkonferenz selbst, zu dieser Arbeit Stellung zu nehmen.
Die Reichsregierung distanziert sich also zunächst von diesen Vorschlägen, und welche Aufnahme sie bei den Ländern finden werden, ist noch schwer ersichtlich. Und obwohl das Sehnen nach einer Reichsreform vielfach sehr stark ist, läßt es sich kaum sagen, ob diese Vorschläge schon in die Tat umgesetzt werden oder ob sie das Los so vieler Reformwünsche teilen werden, im Schreibtisch der Regierungen oder gar in ihrem Papierkorb zu verschwinden.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Pariser Beschwerden über die Nichteinladung französischer Offiziere zu den deutschen Manövern beantworten zuständige Stellen in Berlin damit, daß die Einladungen unter Beobachtung voller Gegenseitigkeit geschehen. Deutsche Offiziere wurden zu den französischen Manövern ebenfalls nicht eiu- geladcn.
* Die Regierung Litauens kündigt eine Anzahl von Maßnahmen zur vollen Entdeutschung des Memellandes an.
* In Frankreich ereignete sich ein neues Flugzeugunglück. Seist Absturz eines Bombenflugzeuges mürben vierter Insassen getötet.