Zul-aer /lnzeiger
^scheint seöen werttag.Vezugspreis: monatlich S20 RM. Bei âferungrbehmöerungen durch .tzShecr Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Msprüche. Verlag Friedrich Chrenklau, Au!da, Mitglied des verrlns Deutscher Zeikungsver« ^. Postscheckkonto : Arankftrrt a. M. Nr. 16009
^. 274 —”1930
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal *§ulöaer Kreisblatt
Redaktion und Seschästsstelle: Mühlenstraße 1 ♦ Zernsprech-Anschluß fit. 989 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Mellenangobe »Zuldaer finretg»,' gestattet.
;Fulda, Montag, 24. November
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7. Jahrgang
Gewaltige Stürme
haben in ganz Europa große Verheerungen angerèchtet. Besonders schwer wurde die Wasserkante von dem Orkan heimgesucht. Mehrere Schiffe sind mit der Besatzung untergegangen. Auch im Inland erhebliche Sturmschäden. — Hochwasser der Flüsse und Überschwemmungen.
IMer in der Nordsee gefangen.
Der Dampfer „Louise Leonhardt" der Reederei Leonhardt u. Blumenberg-Hamburg erlitt infolge des schweren Tiurmes bei dem Feuerschiff „Elbe I" Ruderschaden und ist bet Eroßvogelsand gestrandet. Das 3364 Bruttoregister- tonnen große Schiff, das erste 1921 erbaut worden ist und rund 30 Mann Besatzung hatte, ist wahrscheinlich unter- gegangcn, da der von Cuxhafen heute nacht zur Hilfeleistung abgegangene Bergungsdampfer sowie das Cuxhafener Rettungsboot bis zur Stunde auf Funkrufe keine Antwort erhielten und bisher auch keinerlei Spuren gefunden haben.
30 Tote?
Wie die Reederei Leonhardt Blumberg zu der Havarie des Dampfers „Louise Leonhardt", über die wir bereits berichteten, mitteilt, nimmt man an, daß das Schiff bei dem großen Vogelsand auseinandergebrochen und untergegangen ist. Von der 30 Mann starken Besatzung fehlt jede Spur, so daß man leider annehmen muß, daß sie den Tod in den Wellen gesunden hat. Führer des Dampfers, der am Sonnabend früh den Hamburger Hafen verlassen hatte, war Kapitän Karl Hoffmann.
Der Sturm an der Wasserkante.
, Der außergewöhnlich schwere Nordweststurm, der gestern bis in die Nacht hinein an der ganzen Wasserkante tobte, erreichte teilweise Windstärke 12. Auf der Seewarte wurden bis 30 Sekundenmeter, also halbe Orkanstärke, gemessen. In Hamburg mußte die Feuerwehr über 50 mal in Tätigkeit treten, um Personen, in deren Häusern die Keller unter Wasser standen, zu retten. An der Schleuse am Eraskeller drückten die anstürmenden Wassermassen 6 große Schaufenster eines Lederwarengeschäftes ein und schwemmten etwa 60 große und kleine Koffer mit sich fort. Durch das Hochwasser wurden u. a. auch das Postscheckamt, eine Kunsthandlung am Roedings- markt und das Weltwirtschaftsarchiv in der Poststraße in Mitleidenschaft gezogen. Das in die Kellerräume eingedrungene Wasser richtete an den wissenschaftlichen Werken, die hier untergebracht waren, Schaden an.
Die Sturmflut brachte Cuxhafen am gestrigen Nachmittag die seit Jahren nicht erreichte Höhe von 2,70 über normal. Der Sturmwind peitschte mit einer Stärke von 7—10 Sekundenmetern die hochschäumenden Wellen gegen den langgestreckten Cuxhafener Deich. Das ganze Äußendeichgelände, der alte Hafen und die anliegenden Straßen waren völlig überschwemmt. Vielfach sah man kleine Boote in den unter Wasser gesetzten Straßenzügen. Durch Schließen der Schotten ist der Stadtteil Alt-Cux- hafen gegen das Eindringen der Flut gesichert worden. Mit ungeheurer Wucht rollen die hohen Wassermassen heran, und nur noch etwa 1 m fehlte, dann wäre auch die Deichkrone überspült worden.
Deichbruch bei Bergedorf.
Infolge des orkanartigen Nordweststurmes brach in den Abendstunden des Sonntags bei Bergedorf das Verbindungs- Itück zu dem alten und neuen Schleusengraben in einer Länge von etwa 30 bis 40 Meter. Die vor io Jahren gegründete ^riegsbeschädigtenkolonie Nettelnbura ist vom Wässer schwer bedroht. Die 40 Hektar große Fläche mit über 100 Häusern i'egt zwei Meter tief unter Wasser. Die Einwohner sind zum -beil geflüchtet, andere wieder haben ihr Hab und Gut in die Aren Stockwerke gerettet. Da das Wasser von Stunde zu Stunde stieg, war die Rettung des Viehes nur unter größten Schwierigkeiten möglich.
Sturmschäden in Württemberg.
Ein von Gewittern begleiteter Orkan hat in der Nacht öum Sonntag erhebliche Schäden angerichtet. Aus zahl- relchen württembergischen Städten liegen Meldungen über Schäden an Dächern, in Gärten und in den Wäldern so- wie über Unterbrechung von Starkstrom- und Fernsprech- Witungen vor. Besonderer Schaden wurde am Ulmer ü nster angerichtet. Dort wurde das Ausbesserungs- öerüst an einem kleinen Türmchen durch eine vom Sturm umgeworfene Fiale und andere stürzende Eesteinsmassen zerstört, desgleichen einige Stände der Wintermesse, die äeben dem Münster aufgeschlagen waren. Verletzt wurde niemand.
Der Sturm im französischen Küstengebiet.
Immer mehr häufen sich Nachrichten über Schäden, bre das Sturmwetter der Nacht vom Sonnabend auf 6onn= angerichtet hat. In Dünkirchen sind zahlreiche Gebäude und namentlich die dortigen Hafenanlagen stark be- Aadigt worden. Aehnliches wird aus Dieppe berichtet.
Voulogne sur mer wurden mehr als 20 Schiffe von pren Ankerketten losgerissen. In Lorient ist ein Wasser- Uugzeug im Hafen gesunken. Mehrere Schlepper mußten uslaufen, um in Seenot befindlichen Fischkuttern zu ^ eilen. In Etretat wurden einige Fischerboote -'-gen die Mole geschleudert und zertrümmert.
Die iMerfd?wrK;^ im Westen.
Gefahr von Baden bis zum Niederrhein.
Aus allen Teilen B « d e n s, vor allem aus dem Neckartal sowie aus bem Schwarzwald, wird Hochwasser gemeldet. Seit achrundvierzig Stunden gehen fast ununterbrochen katastrophale Regengüsse nieder, tn einem Ausmaß, wie es Baden seit Jahren nicht beobachtet hat.
Rhein und Mosel steigen durchschnittlich fünf vis sieben Zentimeter stündlich. Das Ufergelände in der Nähe von Koblenz ist kilometerweit überschwemmt und zahlreiche Wohnungen wurden von den Bewohnern bereits geräumt. Auch Main und Nahe sind im Steigen begriffen. Da im Gebiet der Vogesen starke Regenfälle zu verzeichnen sind, ist mit einem Stillstand des Hochwassers in den nächsten Tagen nicht zu rechnen An der Lahn sind weite Strecken überschwemmt. Die Saar ist im Steigen begriffen. In Köln sind die Keller teilweise geräumt worden.
Durch einen orkanartigen Sturm wurden in der Nacht auf Sonntag in Nürnberg und Umgebung schwere Zerstörungen an Flughallen, Telegraphenleitungen usw. angerichtet. Sonntag morgen wurden in München die beiden Funktürme der Deutschen Stunde in 25 Meter Höhe abgebrochen und umgelegt. Die Maschinen und Senderäume wurden nicht beschädigt.
Infolge wolkenbruchartiger Regenfälle traten die Flüsse in Belgien über die Ufer. Im Laufe der Nacht überschwemmte die Sambre die niedriggelegencn Viertel zahtrercher Gemeinden in der Umgebung von Charleroi. Eine Fabrik zur Herstellung flüssiger Luft wurde überschwemmt, die dort aufgespeicherte Kohlensäure verband sich mit Wasser, was Gasausströmungen verursachte. Die der Fabrik benachbarten Wohnviertel mußten geräumt werden. Im Laufe des Morgens ereignete sich eine Explosion. Neue Explosionen werden befürchtet.
Sinken des Rheinwasserstandes.
Mit Eintritt niedriger Temperaturen haben die Niederschläge, die in der letzten Zeit das Hochwasser des Rheins zur Folge hatten, nachgelassen, bzw. bei aufklarendem Himmel ganz aufgehört. Infolgedessen ist der Rheinwasserstand langsam im Sinken begriffen.
Unerhörter Wahlterror in Polen.
2 Mandate verfügten, erhielten diesmal kein Mandat. Bei Beurteilung dieser Ergebnisse ist der Terror zu berück« rückfichtiyen, der gegen die deutschen Wähler ausgeübt worden ist.
Deutsche Beschwerde an Calonder.
Die deutsche Minderheit in O st 0 b e r s ch ! e s i e u hat eine große allgemeine Wahlterrorbeschwerde an den Präsidenten der gemischten deutsch-polnischen Kommission, C a - l 0 n d e r, gerichtet. Eine besondere Beschwerde ist wegen aufregender Wahlvergewaltigungen gegen die Deutschen in Hohenbirken an Calonder gerichtet worden. Präsident Calonder hat daraufhin sofort außerordentliche Maßnahmen ergriffen. Er wird sich nach Hohenbirken begeben, um die Vorfälle persönlich nachzuprüfen. Calonder hat sowohl den Präsidenten des Deutschen Volksbundes, Fürsten Pleß, als auch den polnischen Staatsvertreter aufgefordert, der Untersuchung beizuwohnen. Der stellvertretende deutsche Generalkonsul ist bereits in derselben Angelegenheit in Hohenbirken gewesen.
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Unerhörte Greueltaten.
In Hohenbirken haben die in einem Auto von auswärts erschienenen sogenannten polnischen Aufständischen stundenlang gehaust und nicht nur den Vertrauensmann der Deutschen Wahlgemeinschaft, Neugebauer, sondern auch eine Reihe weiterer Deutscher auf geradezu bestialische Weise mißhandelt. Neugebauer selbst ist so zugerichtet worden, daß er am ganzen Körper blutunterlaufene d'ckgeschwollene Stellen hat. Nachdem er etwa eine Viertelstunde lang mit Knüppeln und Stöcken bearbeitet worden war, bat er in der Verzweiflung seine Peiniger, ihn zu erschießen. Die Mißhandlungen begannen von neuem, bis Neugebauer bewußtlos zusammenbrach.
In mehreren Nachbarhäusern wüteten die Aufständischen mit der gleichen Roheit. In ähnlicher Weise wurden die Deutschen Kuska, Verasch, Mandrysz, Scholtys, Solich, Fiolka und Surpka mißhandelt. Viele wurden gräßlich zugerichtet. Ihre Wohnungseinrichtungen wurden vollständig' zerstört. Vielfach wurden auch Frauen und Kinder geschlagen. Die Polizei hatte den Mißhandelten auss strengste und unter Androhung von Zuchthausstrafen verboten, irgendwelche Berichte an die deutsche Presse zu geben.
Wahlergebnisse in Ostoberschlesien.
Warschau, 24. November.
Bei den Wahlen zum schlesischen Sejm erhielten die Regierungspartei 19 Mandate (im letzten Sejm 10), Korfanty-Partei 19 (16), die Deutsche Wahlliste 7 (15) und die Sozialisten insgesamt 3 (davon 2 deutsche) (früher 5) Mandate. Die Kommunisten, die im letzten Sejm über
Mosel und Saar führen Hochwasser.
Schwere Sturmschäden in der Eifel.
Das Wasser der M 0 s e l ist stark gestiegen. Nach einer Meldung aus Trier hat die Moseltalbahn ihren Betrieb zwischen Zellingen und Berukaste! eingestellt. Ebenso wurde der ganze Fährbetrieb auf der Mosel eingestellt. Aus der Eifel und vom Hochwald werden schwere Sturmschäden gemeldet. In Trier wurden durch den starken Sturm Bäume entwurzelt und mehrere Dächer abgedeckt. An der unteren Saarburg sind
Felder und Wiesen meilenweit überschwemmt.
In Saarburg wurden infolge des Hochwassers einzelne besonders gefährdete Häuser der Unterstadt von den Be- wohnern geräumt. Am Ausgang des Cochemer Tunnels stürzte die etwa zehn Meter hohe Weinbergsmauer infolge der starken Regengüsse an mehreren Stellen ein.
Auch die S a a r ist weiter im Steigen begriffen. Der Hochwasserstand vom W. Oktober d. ist bereits um zwanzig Zentimeter überschritten, so daß diesmal weit größere Schäden zu befürchten sind. Der Fischbach hat die Gärten und Keller eines ganzen Straßenzuges überschwemmt. In Ludweiler ist der Damm eines Weihers geborsten. Die Wassermassen bahnten sich den Weg ins Dorf und drangen in Keller und Wohnungen ein.
Opfer der Ostsee.
'Lrei Skiffe mit Besatzung und Passagieren untergegangen.
Die Nachforschungen nach dem vermißten schwedischen Dampfer „Tanja", die" durch Militärflugzeuge von Karlskrona aus betrieben wurden, sind als aussichtslos eingestellt worden. Es ist anzunehmen, daß die „Tanja" vic sich mit 14 Passagieren auf dem Wege von Danzig nach Trollhâttan befand, un t c r g c g a » g e n ist.
Auch der Kutter „Alfa", der am 9 November von Karlö- bamm nach Trelleborg abging, wird verloren gegeben. Die Besatzung bestand aus zwei Personen - Schließlich bestätigt es sich, daß das Motorschiff „Gunhild aus Mariaham <AalandSinseln> untergegangen ist In den Schären von Aaland wurden Wrackstücke aufgefunben, die von der »Eun- Hild" herrühren.
Giaat und Kirche.
Preußens Zuschüsse andre Kirchen.
Der preußische Haushaltsplan für 1931, der jetzt dem Preußischen Staatsrat zugegangen ist, enthält im Haushalt des Kultusministeriums für die Kirchen aller Konfessionen einen Gesamtzuschuß von 76 321 420 Mark.
Die evangelische Kirche
erhält auf Grund des Gesetzes über die einstweilige Regelung der Kosten für die Verwaltungsbehörden der evangelischen Landeskirchen vom 15. Oktober 1924 Renten in Höhe von 3 544 800 Mark. Dazu treten Beihilsen zur Pfarrbesoldung und zur Versorgung der Ruhestandspsarrcr und Pfarrhinter- bliebenen sowie zur Vorbildung von Kandidaten der evan- gelischen Theologie für das geistliche Amt, soweit die Vorbildung nicht in Seminaren erfolgt, in Höhe von 45 818 980 Mark.
Für die katholische Kirche .
sind an Zuschüssen zur Psarrdesoldung und zur Versorgung der Nuhestandspsarrer und Dotationen für die katholischen Diözesen und Diözesananstalten einschließlich der Besoldung der Bischöfe usw. 19 426 580 Mark eingesetzt. Die alt- katholische Kirche bezieht vom Staat Zuschüsse zur Psarrdesoldung und zur Besoldung der Nuhestandspsarrer und Pfarrhinterbliebenen sowie einen Bedürfniszuschuß einschließlich der Besoldung des Bischofs von zusammen 160 000 Mark.
Die Synagsgengemeinden erhalten widerrufliche Bedürfniszuschüsse zur Besoldung ihrer Rabbiner und zur Versorgung ihrer Nuhestandsrabbiner und Hinterbliebenen ihrer Rabbiner in Höhe von 81 000 Mark.
Der Rest des Staatszuschusses verteilt sich auf Neubau und Unterhaltung der Kirchen, Pfarr-, Küsterei- und Schul- gebäude aller stonfeffior.cn, soweit dazu eine rechtliche Verpflichtung vorliegt, und auf Unterstützungen für Geist- liche und ausgeschiedene Geistliche aller Bekenntnisse sowie für Hinterbliebene von Geistlichen und Kirchenbeamlen im Betrage von insgesamt 4 459 460 Mark
Kleine Zeitung für Mge Leser.
* Aus ganz Europa laufen Meldungen über schwere Sturmund Hochwasserschäden ein.
* Die Bezüge der Reichstagsabgeordneten sollen nach einem Vorschläge des Reichstagspräsidenten Löbe von 750 auf 600 Mark pro Monat heruntergesetzt werden.
* 3m südlichen Albanien wurden bei einem Erdbeben 30 Menschen getötet.