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Zulöaer Anzeiger

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È 293 1930

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Zul-a» un- Haunetal > Fuldaer Kreisblatt

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Fulda, Dienstag, 16. Dezember

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7. Jahrgang

Rebellenflugzeuge über Madrid.

Spanien in revolntionäker Bewegung

Die Ausrufung des Generalstreiks.

Die volitische Bewegung in Spanien scheint treu der Bim der Regierung gemeldeten Niederschlagung des Mlitärausstandes von Jaca und der Erschießung der Hauptschuldigen Offiziere den Höhepunkt keineswegs überschritten zu haben. Der Ausrufung des General­streiks in Saragossa schlossen sich die Städte Santander, Bilbao, Valencia, San Sebastian, Sevilla, Cadix, Barce lima und noch einige andere an. Der Bclagerurlgs- zustand ist über das ganze Land verhängt worden. Mili­tärflugzeuge überflogen die Stadt Madrid und warfen über allen Kasernen und wichtigen Plätzen gedruckte Pro­klamationen ad, nach denen in ganz Spanien die Revolu­tion ausgebrochen sein soll. Der abgeworfene Aufruf schließt mit den Worten:Es lebe Spanien, es lebe die Republik!"

Im übrigen heißt es in den Proklamationen:In ganz Spanien ist die so lange erwartete republikanische Bewegung ausgebrochen, erwünscht von allen, die Gerech­tigkeit ersehnen. Volk und Heer haben vereint, die Be­wegung durchgeführt. Die Nachrichten, die man von der schon eingesetzten republikanischen Regierung erhält, be­stätigen den Erfolg, wie er zu erwarten war. Alle müssen sich der Bewegung anschließen, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Tut ihr das, verdient ihr den Dank des Vaterlandes und verhütet, daß unschuldige Opfer fallen. Wenn euch aber eure Schwäche und Ahnungslosigkeit zum Widerstand gegen einen nationalen Willen veranlaßt, so werdet ihr die ersten Opfer sein."

Marottotruppen werden nach Madrid gebracht.

Weitere Verhaftungen.

In Gibraltar ist ciue größere Anzahl von flüchtigen s'/aulscheu Republikanern eingotrofferc. Sie berichteten, daß die Zivilgarde in allen fpanischen Städten in der Nähe von Gibraltar

republikanische Führer verhaftet habe.

Die Madrider Regierung hat eine Abteilung Zivilgarde aus Marokko nach Spanien beordert.

In Gibraltar verlautet, daß die spanische Regierung auch die Absicht habe,

Truppen der Fremdenlegion nach Spanien zu verschicken.

Die Artilleristen hätten jedoch gedroht, jedes Schiff zu beschießen, daß mit Truppen an Bord den Hafen verlassen sollte.

Im Laufe des Tages teilte die Leitung des Gibral- taer Telephondienstes mit, daß die Telephonverbindung mit Spanien unterbrochen sei. Es liegen keine Nachrichten vor, wann die Verbindung wiederhergestellt werde.

Feuer russischer Boischaster bei Hmbeuburg.

Die beiderseitigen Reden.

Reichspräsident von Hindenburg empfing den neu- ernannten russischen Botschafter Chintschuk zur Entgegen­nahme des Beglaubigungsschreibens, mit dem die Sowjet- regierung Rußlands ihren diplomatischen Vertreter in Berlin akkreditiert. An dem feierlichen Empfang nahmen neben der Umgebung des Reichspräsidenten der Reichs- außenmittister Dr. Curtius'und sein Staatssekretär von Bülow sowie der Chef des Protokolls, Graf Tattenbach, teil.

Botschafter Chintschuk wies im Verlauf seiner An­sprache auf den Abschluß des Vertrages von Rapallo hin und sagte, feit damals hätten die Völker der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und Deutschlands den Weg der freundschaftlichen Beziehungen und wirtschaft­lichen Zusammenarbeit beschritten, die einen bedeutenden positiven Faktor in der wirtschaftlichen und politischen Ent­wicklung der Länder und der Politik des Weltfriedens dar- siEeu. Seine Aufgabe werde es sein, die freundschaft- lichen Beziehungen zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und Deutschland nach Kräften fortzuent- wickeln.

Reichspräsident v o n H i n d e n bürg erwiderte u. a.: ~Herr Botschafter! Ich stelle mit Genugtuung fest, daß ^J Ihrer Ansprache der guten Beziehungen und der Wirt- l'.mftlichen Zusammenarbeit gedacht haben, die sich auf Grund der bestehenden Verträge zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zum Wohle beider Völker und zum Nutzen für den Weltfrieden entwickelt haben, und bitte Sie, die Versicherung cntgegenzunchmcn, daß die deutsche Regierung und ich selbst alles tun werden, um Sie in Ihrem Bestrebet, zu unterstützen, diese Beziehungen weiter zu pflegen und zu vertiefen."

Das neue französische Kabinett.

Mehrheit noch nicht gesichert.

In parlamentarischen Kreisen ist man äußerst gespannt M Zen Kampf, der sich am Donnerstag vor der Kammer ab- n wird. Es steht nämlich noch keineswegs fest, ob Steeg vi r, bcr Unterstützung der Sozialisten die Mehrheit erhalten

Zahlreiche Verhaftungen führender Republikaner wurden in Madrid vorgenommen.

Aus Hendaye von der spanischen Grenze wird mit­geteilt, daß die Spannung im ganzen Lande ungeheuer ist. Bisher sind mehr als zwanzig führende Mitglieder der Republikanischen Partei, darunter der ehemalige Minister Alcala Z a r m o a, der Sohn des früheren Minister­präsidenten Miquel Maura, und Alvaro Albornon ver­haftet worden.

Aus Barcelona wird mitgeteilt, daß die Lage trotz aller Generalstreikberichte normal sei. Die Behörden hätten alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, aber bisher ergab sich keine Notwendigkeit zum Einschreiten.

Auch die Telephonverbindungen zwischen Deutschland und Spanien sind gestört.

Amtlich wird mitgeteilt, daß die Flieger, die Flug­zettel abgeworfen hatten, bei ihrer Landung von regie­rungstreuen Truppen gefangengenommen wurden.

39 die Regierung gefährdet?

Der Generalstreik allein kann die Regierung nicht ge­fährden, da die Arbeiter zum größten Teil ohne Waffen sind. Gefährlicher kann das meuternde Militär werden, das sich nach den Madrider Meldungen sogar im Besitze von Flugzeugen befindet. Anscheinend ha» der Abschluß der Revolte bei Jaca in Nordspanien, deren Ende die standrechtliche Erschießung der führenden Offiziere durch Regierungstruppen bildete, den Auftakt für eine neue Welle von Erregung abgegeben.

Von großer Bedeutung ist die Frage, ob es gelingt, den Eisenbahnverkehr stillzulegen. Die Revolutionäre hoffen, daß sich ihnen das Personal von Post und Tele­graphie in der Hauptsache anschließen wird. Von dem Aufstand in Jaca hat die Regierung anscheinend vorher überhaupt nichts gewußt. Die Polizei hat vollkommen versagt. Wie eigentlich der Vorstoß auf Huesca gescheitert, ist, läßt sich noch nicht feststellen. Behauptet wird, daß die Regierung ihre Verluste verschweige, weil sie den schlechten Eindruck auf die übrigen ihr ergebenen Truppen fürchte. Offenbar ist lange und erbittert gekämpft worden, ehe die Aufständischen von Jaca geschlagen werden konnten.

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Major Franco und andere Aufständische nach Portugal entkommen.

Der Minister des Auswärtigen hat von dem spanischen Bot­schafter in Lissabon ein Telegramm erhalten, das von einer ge­stern erfolgten Landung dreier spanischer Flugzeuge in der Nähe von Lissabon berichtet. An Bord der Flugzeuge befan­den sich zahlreiche aufständische spanische Offiziere, unter ihnen Major Franco und General del Allons, die sämtlich von der Polizei festgenommen und nach Lissabon gebracht wurden.

Pomcare lebensgefährlich erkrankt.

Folgen der Operation.

Wie erst jetzt bekannt wird, hat der ehemalige fran­zösische Ministerpräsident P o i n c a r é einen Schwäche­anfall erlitten, der als eine Folge feiner Anfang des

Jahres überstandenen Operation anzusehen ist. Er mußte auf Anraten der Ärzte sofort das Bett hüten. Sein Zu­stand hat sich seither noch verschlimmert. Seit Montag werden bereits ärztliche Berichte herausgegeben, woraus man gewisse Schlüsse aus den Ernst des Zustandes zieht, der um so mehr Anlaß zu Besorgnis gibt, als Poincaro bereits im 71. Lebensjahr steht. Nach dem letzten ärztlichen Bericht hat sich der Schwächezustand nicht gebessert; das Fieber hält an.

Verschlimmerung im Befinden Poincarës.

Nach den letzten Nachrichten soll das Befinden Poincarès zu der größten Beunruhigung Anlaß geben. ..Petit Parisien" will mitteilen können, Poincarè habe eine halbseitige Lähmung.

Gestern abend um 20.45 Uhr ist der Hausarzr Pomcares wieder zu dem Kranken gerufen worden. Der Arzt weigerte sich, irgendwelche Erklärungen abzugeben.

Dunkle Schatten.

Heute ist Spanien durchaus nicht mehr, wie Mephistopheles imFaust" sagt,das schöne Land des Weins und der Gesänge," sondern seit dem Rücktritt des früheren Diktators Primo de Rivera durchbrechen die revo­lutionären, antimonarchischen Strömungen immer wieder die Oberfläche. Ausgedehnte, langdauernde Streiks, nicht selten auch revolutionäre Erhebungen in der Armee selbst bringen den Boden, auf dem der König und eine kaum verhüllte Diktatur stehen, immer von neuem zum Erzittern und die Schüsse, mit denen einzelne Führer der Revolu­tionäre hingerichtet werden, sind nicht bloß eine Art Alarmsignal, sondern sie scheinen kaum eine ab­schreckende Wirkung auszuüben. Geradezu dramatisch muten die Schilderungen an, wie jetzt wieder in der nord­spanischen Provinz Galicien ein solcher Militäraufstand ausbrach und durch regierungstreue Truppen nieder­geschlagen wurde. Aber es sind nicht bloß Teile der Armee, die hier revoltieren, sondern es ist neben der Ar­beiterschaft auch die studierende Jugend, die sich feit langem an den Revolten beteiligt. Was man zunächst erzwingen will, ist ja nichts anderes als freie Wahlen zur Volksvertretung, die schon vor mehr als sieben Jahren von dem Diktator Primo nach Hause geschickt und seitdem nicht wieder zusammenberufen worden ist. Wohl nicht ganz mit Unrecht befürchtet man, daß bei den nun festgesetzten, wenigstens vorläufig versprochenen Neu­wahlen die Regierung einen entsprechenden Druck aus­üben will, um einen gefügigenKongreß" wählen zu lassen. Der jetzt vierundvierzigjährige König Alfons scheint aber letzten Endes selbst bedroht zu sein. Aller­dings steht er dem Treiben der Offizierjuntas" offenbar ziemlich hilflos gegenüber, hat sich übrigens auch die Diktatur Primos 1923 durch eine Offiziersrebellion ebenso abzwingen lassen wie die seitherige Ausschaltung des Parlaments. Sofort, als Primo zurückgetreten war und der Druck der Diktatur wenn auch nicht aufgehoben, so doch gemildert wurde, sind die Rufe nach Abschaffung des Königtums und Einführung einer Republik laut geworden und mußten durch militärisches Dazwischengreifen gewalt­sam gedämpft werden. Eine weit offen stehende, nahe­gelegene Zufluchtsstätte hatten die politischen Flüchtlinge immer an Frankreich und es ist wohl durchaus zutreffend, wenn die spanische Regierung behauptet, daß die Auf­ständischen in den spanischen Nordprovinzen auch über die französische Grenze mit Wassen versorgt werden; das wäre nicht zum erstenmal geschehen!In span'sche Stiefel eingeschnürt," wie auch Mephistopheles einmal sagt, ist freilich das meiste, was an Nachrichten heute aus Spanien herausgelassen wird.

Beim Nachbar, in Frankreich, kriselt es auch trotz Bildung des neuen Ministeriums munter weiter. Der Senator Steeg, dem es gelungen ist, ein Kabinett zu­sammenzubringen, steht erst noch vor der Feuerprobe der parlamentarischen Abstimmung. Er tat einen Schritt nach links, stützt sich hauptsächlich auf die größte Partei der Kammer, auf die Radikalsozialen, ohne aber eine klare Mehrheit zu besitzen. DieAffäre Oustric" schwebt als dunkler Schatten über den brodelnden politischen Gewässern und der Vorsitz in dem parlamen­tarischen Ausschuß, der diese Affäre mit der ÜberschriftPo­litik und Geschäft" zu untersuchen hat, liegt in den Händen Marins, des Führers einer rechtsradikalen Gruppe und damit der Opposition überhaupt. Auch Tardieu, der Gestürzte und seinen Sturz führte die demokratisch­radikalsozialistische Mehrheit des Senats herbei ist erbitterter Gegner des neuen Kabinetts, obwohl zu diesem sogar mehrere seiner bisherigen politischen Freunde ge­hören. Aber sie werden von der Rechten alsVerräter" undÜberläufer" beschimpft, und es ist sehr fraglich, ob sie genügend parlamentarische Helfer mitbringen, um die neue Regierung jene Feuerprobe bestehen zu lassen. Briand, der Unverwüstliche, hat auch diesen Kabinetts­wechsel überstanden, bleibt Außenminister und sehnt sich vermutlich keineswegs übermäßig nach Tardieu zurück. Im übrigen trifft er sich im Kabinett wieder mit dem jetzigen Handelsminister Louchcur, dem bekannten Groß­industriellen, der allerdings zusammen mit Briand 1922 dem Ansturm Poincaros weichen mußte, um sich ein Jahr später aber mit ihm wieder zu vertragen! Parla­mentarisch-politische Krisen in Frankreich haben nämlich ein eigenartiges Gesicht, das vor allem sehrpersönliche" Züge trägt.

Kleine Zeitung für Mge Leser.

* Der ehemalige französische Ministerpräsident Poincarë ist so schwer erkrankt, daß mit seinem Ableben gerechnet werden muß.

* Die aufständische Bewegung in Spanien scheint um sich zu greifen. Rebellenslugzeuge kreisten über Madrid.

* Der neue russische Botschafter wurde vom Reichspräst-- denten empfangen. Von beiden Seiten wurden freundschaftlich« Reden ausgetauscht.

. "Der Preußische Landtag ist zu einer kurzen Beratung vor der Werhnachtspause zusammengetreten.

* Reichsaußenminister Dr. Curtius hat sich nach Königsbera begeben um mit den Vertretern der Provinz Ostpreußen Füh­lung über bie Ostsragen zu nehmen.

, * 0 Nürnberg ist es bei einer Revue-Aufführung im Apol- lotheater ,u einem großen Theaterskandal gekommen, in dessen Verlauf lau e Eier, weiße Mäuse und Stinkbomben auf d Buhne geworfen wurden. '

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Auf dem Hauptbahnhof von Aqram fuhr ein Rangierzug rn eine Gruppe von Bauern und Bäuerinnen. Mehrere Ber- jonen wurden getötet. Per-

* An der Küste von Florida sank ein amerikanischer Ber^