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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a» und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 394 1930

Fulda, Mittwoch, 31. Dezember

7. Zahrg,

Neufahrswünsche 1931.

Hindenburgs Dank

an die Wehrmacht.

Ein Neujahrserlaß des Reichspräsidenten.

An die Wehrmacht!

Am 1. Januar 1931 besteht die Reichswehr ein Jahr­zehnt lang in der Form, die ihr der Vertrag von Ver­sailles bestimmte. In Zeiten tiefster vaterländischer Not wurde sie unter meinem Amtsvorgänger geschaffen. Trotz aller ihr auserlegten Fesseln hat sich die Wehrmacht als Hort des äußeren und inneren Friedens, iiy eiserneKlam m è rde 8 Reiches und als feste Stütze des Staates erwiesen. Das ihr zu treuen Händen übergebene Erbe der alten Armee und Marine hat sic gut verwaltet.

Ich danke der Wehrmacht für die Arbeit dieses Jahr­zehnts und entbiete ihr meine herzlichsten Wünsche zum neuen Jahr. Möge sie weiterhin ihre Ehre dareinsetzen, in Gehorsam und treuer Pflichterfüllung dem Vaterlande zu dienen.

Berlin, den 31. Dezember 1930.

Der Reichspräsident

gez. vo n H i n d e n b u r g. ,

Der Reichswehrminister gez. Gröner.

Jahreswende.

reichre» Herzens lassen Wohl alle Menschen in Deutsch- ---^

nach; denn unser Wünschen blieb ohne jegliche Erfüllung. Als widerwärtigen Pessimisten hätte man jeden gescholten, der bei Beginn dieses jetzt dahingegangenen Jahres prophe'eit hätte, daß wir noch weit, weit tiefer in die Not, die Wirtschaftskrise, die Arbeitslosigkeit, fur$ gesagt: in das Elend hineintauchen müßten, als dies damals der Fall war.

Vor einem Jahre standen wir unmittelbar vor der großen internationalen Konferenz, die unsere aus dem Weltkriege stammenden Lasten anders regeln, in mancher Beziehung auch mildern sollte und heute, nicht einmal ein Jahr später, tönt ohne Unterschied der Parteien von rechts bis links nur der eine Ruf: Revision des ft^uw^tia , . ... .^.iMi»W>> »Vr le-P'*?rS<#'^WT6 ^tKWWC-.»ptLWOTPWWÄ^-niWWMWWWWWKCWWOIWMMMWOWMSÄBliltilWMWiWMM**

Wird Dr. Curtius

AngeblicherVerzicht auf den Vorsitz.

Nach einer Berliner Meldung desJournal de Geneve" hat Reichsanßenminister Dr. CurtiuS auf den Deutschland zu- stehenden Vorsitz aus der Januartagung des Bölkerbundrales verzichtet und den englischen Außenminister H e n d e r - s 0 n ersucht, an seiner Stelle im Januar den Vorsitz im Völker­bund rat zu übernehmen.

Eine amtliche Bestätigung des Verzichts der deutschen Präsidentschaft auf der kommenden Ratstagung liegt im Völkerbundsekretariat noch nicht vor.

Da die Frage des Vorsitzes im Volksbundrate zu irrigen Auffassungen führen könnte, sei hier folgendes festgehalteu:

Mch den Bestimmungen des Völkcrbundpoktes handelt es sich bei der Behandlung der

deutschen Beschwerden gegen Polen vor dem Volkerdundrat keineswegs um ein Verfahren zwischen Deulfcblanv und Polen, sondern lediglich um ein Klageverfahren gegen Polen vor dem Völkerbundrat als solchem. Die deutschen Beschwerden sind satzungsgemäß zu einer Sache des gesamten Völkerbundratcs geworden, vor dem sich Polen zu verantworten hat. Durch einen Verzicht auf die deutsche Präsidentschaft darf unter feinen Umständen der Eindruck entstehen, als ob Deutschland sich in dem Klageverfahren neben Polen als Parier ansieht über die schwebende Beschwerde gegen Polen hat ter Völkerbundrat in seiner Gesamt heit mit Einschluß des deut­schen Ratsmitgliedes zu entscheiden.

Deutsche Wirtschaftsnote in Genf.

Neben der jugoslawischen ist beim Völkerbundsekretariat in Genf eine kurze Note der deutschen Regierung, die aus die Tagesordnung des Europakomitees am 16. Januar Bezug nimmt, crngegangen. In der Note wird erneut der Stand­punkt vertreten, daß an den Arbeiten des Studienkomitees für die Europäische Union auch die europäischen Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, also Rußland und die Türket, beteiligt werden sollen. Die Januartagung des Komitees wird also über diese Frage, die bis letzt offen- gelassen worden ist, zu entscheiden haben.

Die deutsche Note hält sich in den Gedankengängen der Antwort, die seinerzeit von der Reichsregierung aus das Briandsche Memorandum betr. das Paneuropa gegeben wurde, und regt in erster Linie die Festlegung des Arbeitsprogramms des Europaausschusses an. Ferner wird in der Note daraus hingewiesen, daß die Ergebnisse der letzten europäischen Z 0 l l- w a f f e n st i l l st a n d s k 0 n f e r e n z in das Arbeitspro- grancin mit ausgenommen werden müßten. Die deutsche Re­gierung behält sich vor, aus der Januartagung ihren Stand­punkt zu den einzelnen Fragen darzulegen und Anträge zu stellen. Über diese allgemeine Stellungnahme Humus enthält nie deutsche Note keinerlei Anträge oder Vorschläge politischer "der wirtsthqftsvoli tischer Ar^ 2 t» Note soll in einigen Tagen veröffentlicht werden.

N 0 ung - Plaus. In Jahresfrist machte er die Welt­krise zur schwersten Gefahr für Deutschlands Bestehen. Aus der beabsichtigten Befriedung der Welt, zum mindesten Europas, wurde eine Notzeit, wie dieselbe Welt sie noch niemals seit dem Ende des Weltkrieges sah.

Und es ist, als fei eine Reaktion gegenüber der Hochspannung des Krieges eingetreten, nicht bloß bei uns in Deutschland, sondern überall in der Welt. Eine seelische Müdigkeit nach dem Ungewöhnlichen, was gefordert und geleistet wurde von allen Menschen, die damals in den furchtbaren Strudel hineingerieten. Trotz­dem wir Deutsche doch in eine zweite, die schwere Not der Inflation gerieten, haben wir das Münchhausen-Märchen wahr gemacht, uns am eigenen Schopf aus dem Sumpfe herauszuziehen. Denn uns half niemand. Langsam er­oberten wir uns wirtschaftlich und dann auch politisch den Platz in der Welt zurück, der einem lebendigen Volk von 65 Millionen im Herzen Europas auf die Dauer nicht ver­sperrt bleiben kann. Und einer der wenigen Lichtblicke im vergangenen Jahre ist es gewesen, daß demgemäß das Rheinland endlich von den fremden Besatzungs­truppen geräumt wurde. Aber die Hoffnung trog, daß auch über dem Saaraebiei die Fahnen der Befreiung wehen würden. Ebenso wie die andere, daß wir durch Entgegenkommen, durch eineLiquidation des Welt­krieges und seiner Folgen" auch unseren Volksgenos­sen außerhalb der Reichsgrenzen Erleichte­rung schaffen könnten. Auch auf ihnen lastet der Druck stärker als je zuvor. Vielleicht muß erst ein die Zukunft bestimmendes Schicksal auch im kommenden Jahre die Menschen Europas noch schärfer in die Schule, in die Er­ziehung nehmen.

Hart schon schwingt es die Rute der Wirtschafts­krise über den Kontinent und dumpf grollt der Boden lütter heimlichem Erzittern. Denn langsam, aber unauf- haltsam geht der Pessimismus, die Midigken. die Reaktion auf die frühere Hochspannung über in eine bisher nur dumpfe Verzweiflung. Sie ist vorläufig nur seelischer Art, ist bis zu Taten noch nicht fortgeschritten, wenn man nicht als Tat den Ausbruch dieser seelischen Verzweiflung, die innenp 0 litisch so bedeutsamen Ereignisse der deutschen Reichslagswahl betrachten will. Eine Wirkung nach außen hin in der vielleicht erhofften, vielleicht nur instinktiv gewollten Richtung hatten sie nicht Noch fester schloß sich der Ring der Gegner im Osten, Süden. Westen, und eine der übelsten Enttäuschungen des vergangenen Jahres ist es gewesen, daß auch England in der Ab­rüstungsfrage sich in die Gefolgschaft Frankreichs begab. So müßte sich jene dumpfe, aber doch lebendige Verzweif­lung, jenes Anrenneu an die Mauer, die uns umaibt. and»

Ratsvorsitzender?

Der Europäische Ausschuß.

Programm der am 16. Januar beginnenden Tagung.

Das Sekretariat des Völkerbundes hat zur Vorbereitung der am 16. I a n u a r b e g i n n e n d e n z w e i t e n T a g u n g des E u r 0 p ä i s ch e n A u s s ch u s s e s sämtlichen im Ausschuß vertretenen europäischen Regierungen eine Denkschrist über­mittelt, die in erster Linie einen europäischen Charakter tragen. Im allgemeinen nimmt man an, daß der Europäische Aus­schuß auf der Januartagung, im wesentlichen deutschen An- regungen folgend, sich mit nachstehenden Fragen beschäftigen wird:

1. Bildung eines Bureaus; 2. Aufstellung etneé allgemeinen Arbeitsprogramms; 3. die Zuziehung der europäischen Nicht­völkerbundmitglieder (Sowjetrußland und der Türkei); 4. wirt­schaftspolitische Fragen.

Den Vorsitz auf der Januartagung des Europäischen Aus­schusses führt Briand. Generalsekretär ist der stellvertretende französische Generalsekretär des Völkerbundes, A v e n 0 l.

Neue Dorftbidee Dr. Hugenbergs.

Entschuldung der Landwirtschaft.

In Ergänzung ihres Antrages über die Entschuldung der Landwirtschaft haben Dr. Hugenberg und Dr. Ober­sohren namens der deutschnationenen Reichstagsfraktion einen weiteren Antrag eingebracht, nach dem die Reichs­regierung im Interesse der notleidenden Landwirtschaft folgende Maßnahmen durchführen soll:

1. Als Übergangsmaßnahme bis zum Inkrafttreten eiii<r allgemeinen Senkung der öffentlichen Lasten für die land-, forst- und garlenwirtschaftlichen Betriebe besonders gefährdeter Gebiete die laufenden Reichssteuern ganz oder mindestens- zu einem erheblichen Teile außer Hebung zu setzen; 2. die erforderlichen Mittel int Reichs­haushalt bcreitzustellen, um eine Senkung der kommu­nalen Reichssteuern sowie der Unfallversicherungslasten herbeizuführen; 3. auf Preußen dahin einzuwirken, daß eine entsprechende Senkungsaktion bezüglich der staat­lichen Grundvermögensstcuer und eine angemessene Be­teiligung Preußens bei der kommunalen Lastensenkung erfolgt; 4. ferner auf Preußen dahin einzuwirken, daß eine günstigere Verteilung der Schullasten auf dem platten Lande, insbesondere im Osten, unter besonderer Berück­sichtigung der Kinderkopfzahl, vorgenommen wird, und wn« geeignete Maßnahmen beim Finanzausgleich die Er- retwuna dieses Zieles zu sichern.

gegen jene richten, die in Deutschland an verantwortlic Stelle stehend das rings von starrenden Klippen 1 geben« Staatsschiff weitersteuern, nicht stranden la! sollen. Zu einer Riesenwoge hob sich das Wünschen, Verzweiflung eines ganzen Volkes, instinktiv, leidensch lich, ohne langes überlegen, und vermochte das Sc doch nicht über jene Klippen der Wirklichkeit hinüber tragen in das offene, freie Wasser.

Uns Deutschen, unseres Reiches Leitung vor all bleibt nur das mühsam-schrittweise Weilerkämpfen ge die widrigen Elemente. Mit grellem Leuchten steht über der deutschen Wirtschaft, die heute nur höchstens 60 Prozent ihrer Erzeugungsmöglichkeit r arbeiten kann: Gleiches Schicksal verbindet den Arb geber und den Arbeitnehmer! Ein Blick in das i gangene Jahr zurück lehrt uns: In der Wirtschaft ei lebenden Volkes gibt es kein Blühen für den einen W schaftszweig, während ein anderer verdorrt! Unter t Stocken der Säfte müssen alle, aber auch alle Äste leiden Baum der Volkswirtschaft! In schwerster Stunde, eine ganze Welt die Waffen gegen uns erhob, haben erkannt, daßwireineinzigVolkvonBrüde sind; auch das vergangene Jahr wieder, die steige Not, das gleiche, uns alle umfassende Schicksal hat 1 immer deutlicher diese Verbundenheit enthüllt.

Im Lichte der Zeit und an der Jahreswende i mag der Einsichtige weiterzublicken als nur auf ein p Wochen vorwärts und rückwärts braucht man es 0 nicht so furchtbar tragisch zu nehmen, daß man bei uns Willen zum Emporkommen, zum Herausarbeiten aus Not nun im vergangenen Jahr sich gegenseitig ärger bi Kampf um den richtigen Weg in die Haare geriet früher. Für alle, die sich so bitter befehden, ist das ; ja doch dasselbe undviele Wege führen nach No Die Hauptsache bleibt ja doch, daß jeder seinen Platz, den ihn Das Schicksal gestellt hat, richtig und nach be Kräften ausfüllt. Jahreswende das ist nicht bloß Tag des Rückwärlsblickens, sondern mehr noch des T wärtsschauens. Jugendfrisch tritt das neue Jahr in m Leben und was uns das alte versagte, erhoffen wir 1 dem neuen. Gewiß nicht dasgroße Wunder", von t manche träumen. Und sich mit dem Hoffen allein zu gnügen, bringt keine Erfüllung. Unser deutsches t saß schon in tieferer Not als jetzt; aber immer hat es emporgearbeitet, gearbeitet, denn nur

Niemand sich beugen, Kräftig sich zeigen, Führet die Arme Der Götter herbei!"

Die Maffenvergistung in der Wäschesab

Die Gefährlichkeit geruchloser Abgas,

Vierunddreißig Plätterinnen einer großen B, liner Wäschefabrik erkrankten bei der Arbeit g plötzlich unter Ve.giftungserscheinungen, Kopfschmer Ohnmachtsanfälle das sind die äußeren Anzeichen. 9 dem Anlassen der Entlüftungsanlage in dem gro Arbeitsraume erholt sich die Mehrzahl der Erkrank aber acht Frauen sind immerhin so krank, daß sie r dem Krankenhause gebracht werden müssen. Und 1 erhebt sich die Frage:

Was ist die Ursache

der geheimnisvollen Erkrankungen? Die Feuerwehr rasch mit einer glaubhaft klingenden Erklärung bei Hand: von den zahlreichen Gasschlauchleitungen, die bi den Plättraum gehen, werden eben mehrere undicht worden sein. Also Gasvergiftung! Anderen Sach! ständigen aber erscheint diese Erklärung durchaus nich ohne weiteres annehmbar, zumal da vorher keinerlei E geruch in dem Raume zu spüren war, und zumal, da üi dies die sofort überprüften Gasleitungen als durchaus Ordnung befunden worden sein sollen. Und da hat r denn die andere Erklärung, daß sich an unbekannter D und in noch unbekannter Zusammensetzung

geruchlose Abgase

gebildet haben könnten. Diese Abgase sind darum gefährlich, weil man sie eben vorher mit dem Geruch' nicht wahrnehmen kann. Abgase, auch Abhitze gena nennt man Gase, die aus Feuerungen, Ofen usw. weichen und aus irgendeinem Grunde nicht den Weg Freie finden, sondern zurückgedrückt werden, zum S spiel infolge starken Nebels.

$Mdne Zeitung für eilige Leser.

* Der Reichspräsident hat einen Neujahrserlaß an Reichswehr gerichtet, in dem er ihr seinen Dank für ihre A im letzten Jahrzehnt und die Glückwünsche für 1931 aussp

* Beim Völkerbundsekretariat in Genf ist eine Note deutschen Regierung eingetrofsen. die Vorschläge über Programm der Januartagung des Völkerbundes enthält.

* Die Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau mi ergebnislos abgebrochen werden.

* Der Schweinebestand hat nach der letzten Zählung w eine erschliche Steigerung gegenüber Hers Sorjshr erfahre - * Die bâr W-öKeharten«, BolizeikottsuMschüsiK Rmches tut Thüringen sind nach dart übermittelt morden.