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Iulöaer Anzeiger

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Nr. 41 1931

Fulda, Mittwoch, 18. Februar

Jahrgang

Hochspannung in Spanien.

Gerüchte und Alarmnachrichten.

Die durch den Kabinettsweches in Spanien ein- qetretene Hochspannung der politischen Atmosphäre läßt Gerüchte und Alarmnachrichten entstehen, deren Richtigkeit nicht festgestellt werden kann, zumal die Meldungen aus Spanien höchst widerspruchsvoll lauten. Während auf der einen Seite von einer Erhebung und P u tsch ge­lüsten eines Artillerieregiments in der Nähe von Madrid erzählt wird, wird andererseits erklärt, daß die Unruhen, die zu diesem Gerücht den Anlaß gegeben hätten, auf einen unpolitischen Skandal zurückzuführen seien, den eine An­zahl von Soldaten dadurch hcrvorriesen, dass sie sich in einem Tanzlokal bei einer Karnevalsveranstaltung stark betranken, großen Lärm machten und laut johlend durch die Straßen der Garnison zogen.

Jedenfalls scheint es zuzutreffen, daß die monarchisch gesinnte Generalität mit einem St a a t s st r e i ch zur Rettung der Monarchie liebäugelt. Die Beauftragung des reformistischen Revolutionärs Sanchez Guerra mit der Kabinettsbildung und die Annahme seiner Pläne durch den König hat in diesen Kreisen große Erbitterung hervorgerufen. Man glaubt, daß dieses Vorgehen zum Sturz der Monarchie führen wird, und scheint entschlossen zu sein, den Sturz nötigenfalls mit Waffengewalt zu verhindern. Die monarchistische Generalität spielt daher zweifellos mit dem Gedanken der Errichtung einer Militärdiktatur. In neutralen Kreisen glaubt man dagegen, daß ein Staatsstreich mit dem Ziel der Errich­tung einer Militärdiktatur gerade das Gegenteil von dem bewirken würde, was die Monarchisten von ihm erwarten, b. h. eine Schwächung der königlichen Stellung statt einer Stärkung.

Die Schwere der Entscheidungen, vor die König Alfons sich gestellt sieht, geht auch aus dem Gerücht hervor, für das aber eine Bestätigung nicht zu erlangen war, wo­nach Sanchez Guerra vor Annahme des Auftrages zur Kabinettsbildung dem König die Bedingung gestellt habe, Mer Spanien für einige Zeit verlassen möchte.

König Alfons soll jedenfalls durch die Ereignisse der lM Stunden in außerordentlich gedrückter Stimmung An. Er begab sich allein nach dem Escorial an das Grab bet spanischen Könige und verweilte lange Zeit im Gebet m Sarkophag seiner Mutter, der Königin Maria OriSitte.

Sie spanische Kabinettsbildung gescheitert

Sanchez Guerra gibt den Auftrag zurück.

Sanchez Guerra hat dem König den Auftrag zur Kabinettsbildung z u r ü ck g e g e b e n. Er teilte ihm mit, er die Kabinettsbildung ablehnen müsse, da er von Zeiten Kreisen, die er zur Unterstützung für nötig halte, 'm Stiche gelassen worden fei. Sanchez Guerra M der Krone" empfohlen, den noch weiter links netzenden Reformistenführer Melquiades Alvarez mit der Kabinettsbildung zu beauftragen.

Sie Politik der Landvollpartei.

S? .«rund M außerhall

Eine Rede des Abgeordneten Gereke.

, In Kassel sprach in einer Versammlung der Laudvolkpartei siellvertrctcnde Vorsitzende Dr. Gereke. Er behandelte Machst die letzten Vorgänge innerhalb der Partei. Die drei geschiedenen Abgeordneten hätten sich durch ihr Verhalten, M./er.grundsätzlichen Auffassung der Partei zutviderlaufe, W außerhalb der Partei gestellt. Die Geschlossen- der Partei fei trotzdem gewahrt. Die Addolkpartei werde keine unfruchtbare Opposition treiben, Mein innerhalb der Opposition mitarbeiten, da nur durch eine marbeit mit Reichskanzler Brüning, der gerade in letzter ^Meigt habe, daß er Verständnis für die notleidende /wirtschaft habe, die Forderungen derGrünen durchzusetzen seien. Dr Gereke schloß mit einem Ms âur Mitarbeit und dem bekannten Helfsench-Wort: Ä" d e r Not des Vaterlandes dienen wir dem Lgate, so wie er ist." Der deutschen Landwirtschaft sei betn dritten Reich nicht geholfen, wenn sie bereits im cn restlos zusammengebrochen sei.

Das neue StaWelmvollWehren.

Die vorgeschriebene Stimmenzahl überschritten.

811»?^ Stahlhelm teilt mit:Die Anzahl der beim Gesamt des Stahlhelms schon aus Teilen der beiden UnB Berlin und Brandenburg eingelaufenen tzau.Ansten der Zulassungsanträge zum Volksbegehren ij.,?.bereits am Sonntag ' 35 000 überschritten. (20 000 bekanntlich nur notwendig.)

torift ° ^cm "och stündlich Tausende von weiteren Unter- J»lten emlaufen, wird die vom preußischen Minister des Dom forderte Ergänzung des bereits am 4. Februar sta^L ^elm an sich glaubhaft genug begründeten Au- lösm,»."^Zulassung des VolksbegehrensLandtngsaus- sofort cingereicht."

in' 11 Vundessiihrer des Stahlhelms hat die bisher einge- t»83a {" 42 207 Unterschriften für das VolksbegehrenLand­ls ^ng dem preußischen Minister des Innern zugehen

Vor der Diktatur.

König Alfons hatte eine entscheidende Besprechung mit ver­schiedenen Generalen gehabt und nach deren Zustimmung sich entschlossen, unmittelbar nach dem Eintreffen der Königin die Militädiktatur ausrufen zu lassen. Das Direk­torium soll sich aus den folgenden Generalen Cavalcanti, Saro und Barrera zusammenseücn. Die Nachricht ist noch nicht be­stätigt.

Nachdem Sanchez Guerra dem König die Beauftragung von Alvarez zur Kabinettsbildung vorgeschlagen hatte, erklärte

Sanchez Guerra verläßt das Schloß, nachdem er dem König seinen Auftrag zur Kabinettsbildung zurückgegeben hat.

Dieser, sein Erscheinen t m Kabinett hatte keinen Sinn. Alvarez stände auf dem gleichen Standpunkt wie Sanchez Guerra. Die Politiker Romanones und Alhucemas gingen zum Palais, um neuerdings vom König konsultiert zu werden. Romanones erklärte, es gäbe nur noch eine Lösung, die der extremen Linken unter Alvârez. Er begab sich also in> Palais, wurde aber vom König nicht mit der Kabinetts-- b i l d u n g beauftragt. Die Pressezensur ist wieder eingeführt.

Heute Regierungsbildung?

Eine neue Meldung aus Madrid besagt:

Nach einer Erklärung Graf Romanones' werde Spanien am Mittwoch eine neue Regierung haben, und es würden auch die verfassunggebenden Cortes einberufen werden. Für heute vor­mittag sei eine Zusammenkunft der monarchistischen Führer im Kriegsministerium vorgesehen.

Der neue finnische Staatspräsident.

Ein guter Freund Deutschlands.

Der Name des neuen finnischen Präsidenten Sv in­st u f v u d ist mit der Geschichte der Befreiung Finnlands aufs innigste verwachsen. Der neue Präsident ist ein guter Freund Deutschlands. Man erinnert sich an seine kühne Tat im Jahre 1918. Damals floh Svinhufvud als

Präsident Svinhufvud.

Arbeiter verkleidet mit wenigen gleichfalls verkleideten Be­gleitern auf einem E i s b r e ch e r, dessen bolschewistische Besatzung auf hoher See überwältigt und in Eisen gelegt wurde, nach dem damals von deutschen Truppen besetzten Reval, um zum deutschen Hauptquartier zu eilen. Dort erbat er für das durch Kommunisten schwer heimgesuchte Finnland deutsche Waffcnhilfe. Präsident Svinhufvud hat also unmittelbar Anteil an der im Frühjahr 1918 dank deutsch-finnischer Waffenbrüderschaft erfolgten Befreiung Finnlands von der bolschewistischen Herrschaft.

DasDonnerstagkränzchen".

Fast hat es den Anschein, als ob wir hinsichtlich der Wirtschaftskrise doch allmählich denWinter unseres Miß­vergnügens" enden sehen; denn es fehlt nicht mehr so absolut an Zeichen kommender Besserung wie bisher und einzelne Optimisten wagen sich hervor. Vor allem aber beginnt doch das pessimistische:Ach, es hilft ja doch nichts!" nach und nach zu verstummen, ohne daß man nun gleich, frei nach demselben Shakespeare, einenglorreichen Sommer" zu prophezeien wagt. Aber es regen sich doch dieKräftedesWiderstandesgegendieHoff- nungslosigkeit. Und daß dabei dieGeldkräfte' vornanstehen, die Leiter unserer großen Finanz- institute, ist natürlich besonders wertvoll. Man schließt sich enger aneinander und es ist daher ein finanziell rechtgewichtiges" Beisammensein, zu dem sich die Ver­treter der Deutschen, der Danat-, der Commerz- und Privat-, der Dresdner Bank allwöchentlich einmal ein­finden; nur Kaffee trinken wird man ja auf diesemDon­nerstagkränzchen", wie der Börsenwitz es nannte, auch gerade nicht. Das Ziel ist natürlich engste Zusammen­arbeit der vier Großen im Reiche des Geldes und Kredits, weil die Zeit es verbietet, gegeneinander offene oder stille Konkurrenz zu treiben. Und TeilsDer Starke ist am mächtigsten allein" trifft für die deutschen Großbanken auch nicht mehr zu, seit über ihnen sehr viel Stärkere stehen, Geldkräfte selbst, aber auch Wirtschaftsentwicktttngen, deren jede von ihnen allein nicht Herr zu werden vermag.

Und die Zeit verbietet es auch, Prestigepolitik nach altem Muster zu treiben; allzuhart hatten auch die Banken mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Das weiß doch jeder, daß es in diesem Kampf auch für sie schwere Verluste gab und gibt, und da heißt es nur, ganz nüchtern allerhand Illusionen zerstören, wenn man z. B. den langjährig geübten Brauch einer immer gleichmäßig bleibenden Dividendenzahlung in diesem Jahre aufgeben und gerade so wie bei zahlreichen Industrie- unternehmungen mit der Dividende heruntergehen wird. Auch das scheint auf demDonnerstagkränzchen" verein­bart worden zu sein; denn schon seit einiger Zeit wurde davon gesprochen, ohne daß sich deswegen etwa an der Börse irgendwelche Aufregung zeigte. Ist doch allent­halben das Kursniveau so tief gesunken, daß selbst ge­ringere Dividenden immer noch eine gute Verzinsung der Aktien darstellen.Stille Reserven" zu haben, ist empfeh­lenswerter als einen vielleicht übermäßig hohen Ertrag herauszurechnen; auch die Rente muß ja unter dem stocken­den, stolpernden Lauf der Wirtschaft leiden.

Esgeht" ja so manches, was man noch vor gar nicht langer Zeit fürunmöglich" erklärte! Schüchterne hier und da auftauchende Versuche, durch Verkürzung der Arbeitszeit dem Steigen der Arbeits­losenziffer entgegenzuwirken, stießen zuerst fast überall auf ablehnende Kritik und allenthalben hörte man das Wort:Unmöglich." Jetzt hat die gesamte Ber­liner M e t a l l i n d ust r i e auch für ihre Angestellten die auf fünf Tage verkürzte Arbeitswoche eingeführt, nachdem für die Arbeiter schon längere Zeit die Notmatznahme der Kurzarbeit besteht. Genau so wie man infolge derÜber­produktion" oder des Absatzmangels zu einer Ein­schränkung auf vielen Gebieten der Erzeugung schreiten mutzte, die Maschinen langsamer laufen läßt, ist man genötigt, zu einerRestriktion", zu einerlangsameren" Arbeit des produzierenden Menschen zu greifen. Freilich ist das nicht dieFünftagewoche", die der amerikanische Autokönig Ford empfohlen hat! Aber als Notmaßnahme soll zum mindesten das eine erreicht wer den, daß die Zahl der Unbeschäftigten nicht mehr wächst. Das hat also nichts damit zu tun, ob in der modernen Erzeugungsweise praktisch in fünf Tagen, also bei einer längeren, dazwischenliegenden Erholungszeit, genau die gleiche Menge erzeugt werden kann wie in sechs Tagen. Hier sprechen andere, aus der schweren Krisenzeit ge­borene,überwirtschaftliche" Erwägungen ein ernstes Wort: Vergeßt über die Maschine nicht den Menschen!

Wie weit sich dieseFünftagewoche" durchführen lassen kann, hängt aber trotzdem auch davon ab, daß eine Verteuerung der Produktion nicht durch sie veranlaßt tverben darf. Denn eine solche würde unsere gesamtwirt­schaftliche Lage, mithin auch unsere Existenzgrundlage ge­fährden.Nur kein Schema!" gilt auch hier, und bei den Saisongewerben, also vor allem bei der Landwirtschaft, ist etwas Derartiges wirklich eine Unmöglichkeit. Die Natur läßt sich nun einmal durch menschliche Gesetze nicht kom­mandieren und daher auch nicht jene Wirtschaftszweige, die von ihr abhängig sind und daher mit ihr rechnen müssen.

All das bedeutet aber auch schwere Opfer, nicht zuletzt bei den Arbeitern, da ja gewöhnlich dieArbetts streckung" anch eine Lohnkürzung in sich schließt, und dies obendrein noch in einer Zeit an sich schon sinkender Löhne! Aber es wird dadurch wenigstens bei so manchem verhindert, daß er das bittere Brot der Arbeitslosenrente verzehren mutz. Härter als wir jemals ahnten, ist der Kampf ums Dasein geworden, für den einzelnen Menschen ebenso wie für uns alle als Volk: den einzelnen würde er zermalmen, und nur eine alle f e st z u s a m m e n s ch l i e- tzende Front kann uns vor dem Untergang bewahren.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* In den nächsten Tagen sollen neue Reichsbantnoten zu 10 Reichsmark in den Verkehr gegeben werden. Sie tragen auf der Vorderseite das Bildnis des großen Landwirtschafts-- lehrers Albrecht Dan. Thaer.

* Rittergutsbesitzer von Lochow-Petkus, der durch feine Saatzuchtmusterbetriebe weltbekannte Landwirt, ist gestorben.

* Aus Spanien kommen Alarmnachrichten über Staats­streichpläne zugunsten des Königtums.