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Erscheint jeden werktag.Vezugsprels: monatlich 2.20 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Chrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins Veutscher Zeitungsver. leger. Postscheckkonto: Frankstirt a. M. Nr. 16009

Nr. 42 1931

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal-Zul-aer Kreisblatt Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Fernfprech-finschluß Ar. 989 Nachdruck der mit versehenen Artikel nur mit chpellenangade »Fuldaer flnzetger'gestattet.

Fulda, Donnerstag, 19. Februar

Mzelgenpreis: Für Behörden, Genossenschaf, ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.Z0Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anoeren 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel­lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und platzvorschristen unverbindlich.

8. Jahrgang

Rechtskurs in Spanien

Zivildiktatur.

Durch die Rückgabe des Kabinettsbildungsauftrages durch Sanchez Guerra an den spanischen König ist die politische Spannung im Lande noch verschärft worden. Die Anhänger aller politischen Parteien Demonstrieren für ihre verschiedenen Programme in mehr oder weniger, meist aber mehr, stürmischer Weise. So kam es in Madrid zu schweren Ausschreitungen von Studenten. Eine große Gruppe von Studenten hatte sich zusammengerottet und durchzog die Straßen der Stadt, wobei immer wieder der Ruf ertönte:Tod dem König!" Die berittene Polizei sah sich schließlich gezwungen, mit dem blanken Säbel gegen die Kundgeber vorzugehen, die sich zwar zer­streuten, wenig später aber in einem anderen Stadtteil wieder zusammenfanden. Im Laufe der Zusammenstöße gab es mehrere Verwundete auf feiten der Studenten.

Als die Königin von ihrer Pariser Reise in Madrid eintraf und auf dem Bahnhof von ihren beiden Töchtern empfangen wurde, hatten sich etwa 1000 Men­schen eingefunden, die ihr O v a t i o n e n d a r b r a ch t e n. Auch vor dem Schloß hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, der sich der König und die Königin auf dem Balkon des Palastes zeigten.

Die beiden extremsten Meinungen, von denen die eine für die Fortsetzung der Diktatur, die andere für die Einberufung der verfassunggebenden Nationalversamm­lung ist, mit dem Endziel der Einführung der Repu­blik, prallen hart aufeinander. Eine jede sucht ihren Forderungen durch Aufgebote der Massen den nötigen Nachdruck zu geben, was bei dem heißblütigen spanischen Temperament nicht ohne einigen Lärm abgeht. Das Militär, in sich selbst nicht einig, steht alarmbereit in den Kasernen. Man weiß allerdings bei seiner gespaltenen politischen Einstellung nicht genau, ob um einen Putsch zu unter drücken, oder einen zu machen.

Die Linke droht, für den Fall, daß die Truppen gegen das Volk eingesetzt werden sollten, mit dem Generalstreik.

Ein Kabinett aller Monarchisten.

General Berenguer, dem der König vorher die Kabinettsbildung angetragen hatte, hatte abgelehnt, weil seine Gesundheit zu angegriffen sei, dafür hat er im neuen Kabinett den Posten des Kriegsministers über­nommen.

Die neue Ministerliste.

Die neue Ministerliste enthält folgende Namen:

Premierminister, Admiral Aznar, Innenminister, Marquis Hoyos, der bisherige Bürgermeister von Madrid,

A u fr e n m i n i st e r, Romanoncs,

I u st i z m i n i st e r, Marquès de Alhucemas, Finanzmini st er, Bentosa, K r i e g s m i n i st e r, Berenguer, V e r k e h r s m i n i st e r, La Cierva, A r b e i t s m i n i st e r, Herzog Maura, Wirtschafts mini st er, Bugallal.

)g Maura Bugallal.

Durch die Art der Zusammensetzung des Kabinetts ist die Monarchie ohne Zweifel wesentlich gestärkt aus der Krise hervorgegangen.

letzter Minute wurde die M i l i l ä r o i k t u t u r a b Nasen angesichts der Gefahr eines Ge- Lia hat sich an sämtliche Monarchist! schm Führer gewandt und ihnen ihre Mitarbeit zur Pflicht ge­macht. Es soll nun ein Kabinett aus den konservativen Führern Cierva, Goicoechea und dem Herzog von Maura mit den mon­archischen Liberalen Romanones und Alhuccinassowie mit den Generalen Cavalcanti, Saro und Barrera als Vertreter der be- Mfsneten Macht gebildet werden: eine Zivildiktatur mit militärischem Einschlag. Die Telephonvcrbin- dung mit dem Ausland bleibt aufrechterhalten.

it r e i f 3.

Der Köni^

.»umtritt AMar, der neue spanische Ministerpräsident.

An Diktatursreund mit der Kabinettsbildung beauftragt.

Der König hat den Generalkapitän der Kriegsmarine, Adimral Aznar, mit der Bildung der Regierung beaus- ^"gt. Aznar gilt als Repräsentant derer, die eine neue Mueraldiktatur aufrichten wollen.

Der Admiral erklärte beim Verlassen des Schlosses, der König ihm die Bildung einer m o n a r ch i st i - " Konzentrationsregierung übertrage«

Erklärung des neuen spanischen Ministerpräsidenten.

Ministerpräsident Aznar erklärte, das Kabinett werde seine Tätigkeit auf Grund der Gesetze ausiibcn und die versassungs- mäßige Lage wieder Herstellen. Es sei zu hoffen, daß das Land das Regierungsprogramm, das ihm auf demokratischem Wege unterbreitet werden würde, günstig aufnehmen würde.

Keine Wahlbeteiligung der spanischen Konstitutionalisten.

Die Gruppe der Konstitutionalisten beschloß, sich bei den künftigen Wahlen der Stimme zu enthalten. Wie es heißt, hat Sanchez Guerra den Entschluß gefaßt, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen.

Die Arbeitslosenfrage

Äms zur Arbeit Des Glitachteriiiisslhliffes

. Minister a. D. Brauns sprach über Die Ausgaben, die t ?ok der Reichsregierung eingesetzten G u t a ch t e r a u s- AUtz zur Beratung des Arbeitslösenproblems erwachsen.

u'«.: Heute sind rund fünf Millionen Arbeitslose, Familienangehörigen zusammen mindestens

10 Millionen Menschen von der Arbeitslosigkeit

Er mit

. unmittelbar betroffen,

ist etwa ein Sechstel der Gcsamtbevölkcrung. Von -lNdustriearbeiterschast ist heute fast ein Drittel arbeitslos, ein cpÂ^ arbeitet verkürzt, nur etwa die Hälfte der ü^^blichen Arbeiter ist voll beschäftigt. Von den fünf Mil- [i"*n Arbeitslosen werden gegenwärtig mehr als vler^ Mil-

arbeitsfähige Arbeitslose, also mehr als ein Fünftel flamten Arbeitnehmerschaft, in den verschiedenen Formen unterstützt. Das ist eine Not und eine <d??^htzungsleistung, die ihresgleichen in der Geschichte incht. der ')sregierung hat einen Gutachterausschuß emgesetz., Eek»^< hängig und unvoreingenommen prüfen soll, ob in Der

' Webung und Verwaltung nichts versäumt ist, was

der

zur Rettung aus einer solchen Bolksnot beitragen Sein Blick ist auf Deutscher Arb

die konkreten und begrenzten speziellen loS^" ocutscher Arbeitsmarktpolitik und deutscher Arbeits gerichtet. Arbeitsfürsorge und Pftichtarbeit, frei Vai?. ^Arbeitsdienst und Dienstpflicht, Forderung der pri aut ÄWff und Notstandsarbeitcn, Arbeitszeitverkürzung chaltun^chung von Ncueinstellungen, das Problem eurer Au^ werdet ungerechtfertigten Doppelverdtenstcs sollen gcprnst

Wirkens zurückschauen. Die Eröffnungsrede bei der Iubi läumsfeier hielt der Vorsitzende, Reichsvcrkehrsmintster a. D. Dr. Krohne. Mit einem Gedenken an den

königlichen Unternehmer, den ersten Diener nicht nur seines Staates, sondern der Wirt­schaft, Friedrich den Großen, klangen die Bcgrüßungswvrte aus. Die Festrede hielt der Erste stellvertretende Vorsitzende des Reichsverbandcs der Deutschen Industrie, Abraham Fro - mein, der sich das Thema

Wirtschaft und Weltanschauang" gestellt hatte. In seinen Ausführungen erklärte der Vor tragende, daß ein Ausweg aus der Not unserer Zeit nur durch Abkehr von den kurzsichtigen materialistischen Ideen zu finden sei, die heute weite Schichten der Wirtschaft erfaßt hätten.

Christentum und moderne kapitalistische Wirtschaft seien keine Gegensätze, sondern ließen sich wohl vereinen. Die christliche Weltanschauung fordere allerdings vom Unternehmer wie vom Arbeitnehmer hohes Verantwortungs­gefühl und gegenseitiges Verstehen. Die M a s ch i n e sei nicht der Feind der Menschheit, als die sic oft dargestellt werde, sondern, richtig betrachtet, ein Mittel zu ihrer Höherentwicklung, wenn man sic beherrsche und sich nicht von ihr beherrschen lasse.

Die Rettung der Landwirtschaft.

Nach Fertigstellung des nunmehr zweiten Gesetz­entwurfes für die Osthilfe liegt dem Kabinett dèr bereits feit längerem angekündigteGesamtplan zur Ret­tung der Landwirtschaft" vor; bei den Be­sprechungen mit den Vertretern derGrünen Front" diente er als Grundlage, fand Zustimmung, aber auch jetzt schon weitgehende Kritik, die ihn alsunzulänglich" be­zeichnet. Zweck dieses Planes ist hauptsächlich eine Wiederherstellung der landwirtschaft­lichen Rentabilität, soweit dies noch nicht für einzelne Teile durch die frühere Steigerung z. B. der Ge­treidezölle erreicht worden ist, und diese aus dem Reichs­ernährungsministerium stammenden Vorschläge werden in der nächsten Zeit ganz imVordergrundederwirt- schaftspolitischen Auseinandersetzungen stehen, zumal, da Gerüchten zufolge sie auch im Reichs­kabinett selbst auf erheblichen Widerspruch gestoßen sind.

Zunächst soll nach den bisherigen Verlautbarungen in diesen Vorschlägen gefordert werden, daß die Reichs­regierung ihre am 31. März ablaufende Vollmacht ver­längern soll, wonach die Erhöhung oder die Ermäßigung der Getreidezölle entsprechend den Getreidepreisen auf dem Weltmärkte zu erfolgen hat; auch die Ermächtigung zur Regelung des Einfuhrscheinsystems durch den Reichs­ernährungsminister soll jetzt auf unbefristete Zeit verlän­gert werden. Und schließlich wird noch verlangt, daß auch für Vieh, Fleisch, Molkereiprodukte und Holz solcheglei­tenden Zölle" eingeführt werden, die noch durch eine Zollerhöhung auf Hülsenfrüchte zu ergänzen sind. Was erreicht werden soll, ist also die Lösung der bisher be­stehenden festen Zollbindungen für den größten Teil der Agrarprodukte und gleichzeitig die Beseitigung des Prin­zips der Meistbegünstigung in den Handelsverträgen mit den anderen Staaten. Weiter soll der Verwen­dung s z w a n g , der bereits für mehrere landwirtschaft­liche Produkte besteht, nun noch ausgedehnt werden z. B. auf die Verwendung von Holz innerhalb der Bauwirt­schaft. Eine solche Ausdehnung wird übrigens auch für das Einfuhrscheinsystem vorgeschlagen, das für bestimmte bolzerzeugende Gebiete in Wirkung setzen wäre.

Zollpolitisch treffen diese Vorschläge also drei Seiten der Agrareinfuhr: Obst, Gemüse und Südfrüchte, dann Vieh, Fleisch, Molkerei- und Fleischprodukte und schließlich das Holz. An die Einführung eines Südfrucht­monopols, wie es bereits mehrfach gefordert worden ist, scheint der Gesamtplan nicht herangetreten zu sein. Wohl aber würde die Schaffung der gleitenden Zölle für diese Früchte, für Obst und Gemüse zu einer Aufhebung der Handelsverträge mit Italien und Spanien sowie zu einer Korrektur der mit Frankreich und Holland bestehenden Ver­anlassung geben. Eine Erhöhung der Holzzölle wird von der Forstwirtschaft ganz besonders deswegen gefordert, weil für sie das russische Holeinfuhrdumping geradezu unerträglich geworden ist. In das Gebiet der Jndustriezölle hinein reicht nun aber schon der Vorschlag, die Holzwarenzölle zu erhöhen, das könnte allerdings dann leicht zur Folge haben, daß nun auch andere schwer bedrängte deutsche Industriezweige eine Steigerung der sie begünstigenden Einfuhrzölle verlangen. Übrigens bestehen auch bei den Holzwarenzöllen vertragliche Bindungen mit einer Reihe von auswärtigen Staaten.

Besonders vordringlich betrachtet das Reichsernäh rungsministerium die durch eine Zollerhöhung herbei zuführende ZurückschraubungderEinfuhrvon M o l k e r e i p r o d u k t e n. Trotz der bekannten Zoll steigerung auf Butter ist nämlich 1930 deren Einfuhr mengenmäßig nur recht wenig zurückgegangen; daß wert- mäßig ein Sinken um 20 Prozent eintrat, ist ja nur dem starken Rückgang des Butterpreises auf dem Weltmarkt zu verdanken. Gleiches hat sich übrigens auch bei der Käse einfuhr gezeigt und am wenigsten hat die Zollerböhung, obwohl hier eine fünffache Steigerung eintrat, bei der Eiereinfuhr geholfen.

Die Gründe für den Widerstand d e r i n d u - striellen Kreise gegen diese Vorschläge und damit auch wohl für den Widerspruch im Kabinett selbst liegen in der Befürchtung, daß einerseits durch eine Verwirk lichung dieser zollpolitischen Absichten fast unser ganzes Handelsvertragssvstem äußerlich und innerlich eine starke Erschütterung erfahren und dadurch auch unsere Aus­fuhr überaus gefährdet werden würde. Andererseits glaubt man in Industrie und Handel damit rechnen zu müssen, daß bei Verwirklichung jener zollpolitischen For derungen eine Verteuerung der Lebensmittel eintreten würde, die nun sehr schnell wieder eine Welle von Sobn steigerungen in der Masse der Konsumenten und damit auch eine Erhöhung der Produktionskosten auslösen könnte. Die Interessen der beiden Seiten stehen pm asto in scharfer Trennung gegenüber; denn auf der anderen Seite ist eine Wiederherstellung der Rentabilität unserer Landwirtschaft eine Lebensfrage geworden, der man auf anderem Wege nicht beikommen zu können glaubt. Damit ist aber auch die Schwierigkeit und die Wichtigkeit der Ent­scheidung gekennzeichnet, vor die sich das Kabinett ge stellt sieht.

Wirtschaft und Weltanschauung.

Die Stellung des Christentums zum Kapitalismus.

S U < cXn Zur Förderung des Gewerbe- iv Berlin, her sich Friedrich den Groß«, als wählte konnte auf 110 Jahre fruchtbaren

Wetterführung der Hütte Ruhrort-Miderich. Ein Drittel der Arbeiter für den Werkvorschlag.

Nach Mitteilung des Städtischen Pesseamtes liegen

von

den rund 9000 jetzigen und früheren Belegschaftsmitgliedern der Hütte Ruhrort-Meiderich 3000 zusagende Erklärungen vor. Da­mit hat pch rund ein Drittel der befragten Gesamtbelegschaft für die Wetterführung der Hütte unter den Be­dingungen der Verleitung ausgesprochen

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Zu schweren Tumulten und blutigen Zusammenstößen ist es in verschiedenen Orten gekommen, ein Mann wurde im Gasthaus durch das Fenster hindurch erschossen.

* Der neue französische Marineetat fordert eine um über eine Milliarde höhere Summe als im Borjahr für die Flotte.

* Zn Spanien hat Admiral Aznar ein monarchistisches Kon- zentrationskabinett gebildet.

* MsZnteMStvnâ MtâaMlâ'BErikg Ne^lm 1931" ist heute «Mnest Worden.