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Erscheint Jeden wevktag.Vezugsprels: monatlich $.20 Hill. Bel Lieferungsbehin-erungen durch .höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Einsprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Zulüa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver­leger. Postscheckkonto: Zrankstirt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg- Zul-a- un- Haunetal >Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 44 1931

Fulda, Samstag, 21. Februar

8. Jahrgang

Schlagwetter- Explosion im Rheinland.

Bisher 25 Tote, 4 Verletzte gemeldet.

E f ch w e i l e r, 21. Febr. (Eigene Funkmeldung.)

Auf der in Nothberg bei Eschweiler gelegenen Grube Eschweiler-Reserve ereignete sich heute früh eine Schlagwetter-Explosion. Nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten handelt es sich um eine ört­liche Schlagwetter-Entzündung. Nach privater Information hat die Schlagwetter- Explosion auf Grube Reserve eine größere Anzahl Todesopfer gefordert. Bis kurz vor 10 Uhr waren 1 4 Tote und vier Verletzte gemeldet. Weitere 13 Bergleute nach einer anderen Meldung sind es sogar 90 sollen «och in der Grube eingeschlossen sein. Näheres unterLetzte Nachrichten«.

Harmlose und scharfe Schüsse.

Revolverattentat" auf einen Reichstagsabgeord neten mit der Schreckschußpistole. Berlin- Wilmersdorf unter Geschützfeuer. Revolver anschlag auf den in Wien weilenden König von Albanien.

Schüsse im Reichstag.

In der Wandelhalle des Reichstags kam cs zu einem aufregenden Zwischenfall. Ein älterer Herr, der sich dort schon seit längerer Zeit aufgchalien hatte, gab plötzlich auf den neben ihm stehenden Reichstagsabgeordnctcn Külz (U Staatspt.) drei Schüsse ab. Dr. Külz ging aus den Mann zu, darauf legte dieser nochmals an und gab einen weiteren Schutz ab. Dr. Külz übergab daraus den Mann wn herbeieilenden Dienern. Es wurde ihm der Revolver ^tznommen und die Kriminalpolizei verständigt.^

Ter Festgenommene war schon seit mehreren Tagen ^^Wandelhalle erschienen, wie er sagte, als Vertreter

Reichstagsabgeordneter Dr. Külz.

des bayerischen Kleinhandwerkes. Durch sein merkwürdi­ges Wesen ist er dem Abgeordneten Külz aufgefallen, dieser beobachtete deshalb den Mann in unauffälliger Weise.

Durch die Schüsse wurde nach den bisherigen Fest rangen niemand verletzt. Der Schütze ließ sich ohne Widerstand abführen. Es handelt sich scheinbar um die -at eines Geistesaestörten.

Schmidt mit der Schreckschußpistole.

3u dem Vorfall in der Wandelhalle des Reichstags wird be- bunt: Der Täter heißt Georg Schmidt aus Würzburg, der sich Urzeit in einem Berliner Hospiz aufhält. Die Waffe, die er

Oas Agrarprogramm.

Teilweise Einigung. Die noch osfengebliebenen Punkte.

Ergänzung der amtlichen Mitteilung über das bis- Ergebnis der Kabinettsverhandlungen über die Agrar- °e5 Reichsernährungsministeriums wird bekannt, daß »8° wesentliche Punkte noch ossengeblieben sind, so u. a. me M-»^ung der Holzzölle und die Einführung von Gleii- k, iur Butter und andere Milcherzeugnisse. Dagegen darf ^rlängerung der Ermächtigung zur Handhabung der run» ^olle über den 1. April hinaus und für die Verlange- bieM gegenwärtigen Regelung des Einsuhrscheinsystems 'Wnunung des Kabinetts als gesichert gelten Zu her ist man weiter auch über den Grundsatz hjj,!.?chhrung von beweglichen Zöllen für Schweine und mr

-$,e gelangt. Mit Italien sotten über die Einsuhr von im Mmuse und Obst Verhandlungen geführt werden, wöbet w. - ntergrund offenbar der alte Plan eines Südfrucht- 0ls steht. lauen . "°ch offenen Punkte sind diejenigen in den Agrarvor- Hau^,z?^?^ogonen Maßnahmen, die für die deutsche Politik am meisten von Bcdcnmng sind.

s01th Oie Agrarvorlage. abend wieder vor dem Reichskabinett, ^tichit^^ dcn Erwartungen hat Freitag keine Sitzung des stattgefunden. Das Reichskabinett wird am unter dem Vorsitz des Reichskanzlers die Be- °er Agrarvorlage fortsetzen.

benutzte, war eine Schreckschutzpistole. Bei der Festnahme bat Schmidt den Abgeordneten Dr. Külz wegen seiner Tat flehentlich um Entschuldigung. Durch die Schüsse wollte der Festgenommene die Aufmerksamkeit auf sich richten. Er habe längere Zeit vergeblich auf Rücksprache mit Abgeordneten ge­wartet und wollte auf diese Weise seiner Ungeduld Ausdruck geben.

Kanonenschüffe in Berlin.

Erfinder schießt aus der Wohnung.

Ein einzig dastehender Vorfall ereignete sich im Westen Berlins. Von einer im zweiten Stock des Hauses Pfalz- burgèr Straße 5 gelegenen Wohnung wurden aus

einem Geschütz mehrere Schüsse zum Fenster heraus abgegeben.

Die Detonationen brachten das ganze umliegende Straßen­viertel in Aufregung. Das alarmierte Überfallkommando stellte als Täter den 38jährigen Johannes L a u t k i n fest, der der Kriminalpolizei zugesührt wurde, während Geschütz und Mu« nition der Beschlagnahme verfielen.

Nach den bisherigen Feststellungen handelt es sich bei dem Täter um einen früheren Offizier, der die Schüsse, durch die zum Glück niemand verletzt wurde, anscheinend in geisti­ger Verwirrung abgefeuert hat. Lautkin soll sich seit längerer Zeit mit der N e u k o n st r u k l i o n eines G e s ch ü tz e s be­saßt haben, konnte aber seine Erfindung nicht verwerten. Offen- bar um zu zeigen, daß sein Modell brauchbar sei, kam er dann zu dem seltsamen Schießversuch aus dem Fenster der Wohnung.

Revolverattentat auf König Zogu von Albanien.

Wien 20. Februar.

Auf den König Zogu von Albanien wurde gestern abend, als der König mit feinem Gefolge die Staatsoper verließ, ein Revolver-Attentat verübt, wobei ein Adjutant des Königs ge­tötet und eine weitere Perfon aus dem Gefolge schwer verletzt wurde. Der König selbst blieb unverletzt. Vizekanzler Scho­ber suchte noch abends König Zogu im Hotel auf, um ihm das

Bedauern über die Tat auszusprechen.

Als Attentäter sind die zwei ehemaligen albanischen Offi­ziere Asis Kani und Nok Bjelessi ermittelt und verhaftet worden.

Der preußische Finanzausgleich.

Lockerung der relativen Garantie abgelehnt.

Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages beriet die Verlängerung des Finanzausgleichsgesetzes für 1931. Der Entwurf sieht einen Härtcausgleich für solche Ge meinden vor, die durch die sogenannte relative Garantie benachteiligt sind. Im übrigen hat man von einer gene rellen Neuregelung abgesehen mit Rücksicht darauf, daß im Reich ein abschließender Finanzausgleich in sichere Aussicht gestellt worden ist. Nachdem sich bereits der Preußische Staatsrat gegen die Lockerung der rela tiven Garantie ausgesprochen hatte, lehnte auch der Hauptausschuß des Landtages diese im Gesetzentwurf vorgesehene Neuregelung ab.

Volksabstimmung in Eupen-Malmedy

Ein Antrag der flämischen Nationalisten.

Die Parlamentsfraktion der flämischen Nationalisten nahm eine Vorlage über die Umwandlung Belgiens tn einen Bundesstaat an, wobei bte Verwaltung Flan­derns und Walloniens vollständig getrennt werden soll. In der neuen Vorlage, die in den nächsten Tagen dem Parlament zugehen soll, ist für Eupen-Malmedy eine neue Volksabstimmung über hte Rückkehr dieser Gebiete zu Deutschland vorgesehen.

Ruhe und Besinnung.

Graue Wirklichkeit. Landwirtschaft und Industrie. Spanische Überraschungen.

Karneval und Aschermittwoch liegen hinter uns, die vierzigtägige Fastenzeiit hat begonnen und die Gläu­bigen der katholischen Kirche nahmen das Zeichen der ge­weihten Palmenasche die Zeit der Buße ist angebrochen. Ach, wir brauchten gar kein äußeres Zeichen, und das Summen der Geigen kam nur schwach an unser Ohr. Die lustige Faschingszeit traf diesmal auf eine traurige Welt, der Aschermittwoch war da, ehe das Treiben sich entfalten konnte. Wir standen längst in einer grauen Wirklichkeit, und nur gedämpft konnte durch den Nebel, der über allem Land und allen Leute lastete, sich das fröhliche Gebimmel des Schalksnarren durchringen. Zurückhaltender und be­scheidener als früher gingen denn auch diesmal die Fest­lichkeiten vor sich und wo ehedem wilde Ausgelassenheit herrschte, traten diesmal Ruhe und Besinnung an ihre Stelle. Die Stunden sind nicht dazu angetan, in trunkener Heiterkeit über die Abgründe hinwegzutanzen, die uns täglich bedrohen. Die Sorgen sind zu schwer, um yintangestellt zu werden, wir dürfen sie nicht übersehen, selbst wenn wir uns des tröstenden Wortes erinnern, daß es doch einmal Frühling werden muß. Die ersten leichten Vorzeichen davon bringt uns die Natur. Aber noch drohen mit voller Tücke die schwarzen Wolken, und viel Heil versprechen sie nicht.

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War denn auch dort, wo der Karneval von alters her auf deutschem Boden seinen Glanz in voller Stärke zu entfalten pflegt, viel von heller Freude zu bemerken? In Köln hielt sich der Trubel in durchaus mäßigen Grenzen, und in München stellte die Besitzerin des Deutschen Theaters, die auch einige Kleinkunstbühnen umfaßt und die berühmten Faschingsbälle veranstaltet, kurz nach dem Abschluß der Tage ihre Zahlungen ein.

*

Aber noch mehr als von diesen Unzuträglichkeiten wird die Öffentlichkeit in Anspruch genommen von der Agrarkonferenz der Reichsregierung, die sich in diesen Tagen mit dem Hilfsprogramm des Ernährungs Ministers Schiele für die Landwirtschaft lebhaft beschäftigt. Schon Mittwoch rief der Reichskanzler seine Getreuen zu­sammen, abermals am Donnerstag und den folgenden Tagen. Nicht leicht ist der Kampf, der sich innerhalb des Kabinetts abspielt. Daß der deutschen Landwirtschaft auf diese oder jene Weise geholfen werden muß, ist zweifellos, und bei keiner Partei macht sich in dieser Beziehung Wider­spruch bemerkbar. Aber w i e das geschehen soll, darüber sind die Ansichten verschieden. Auch die I n d u st r i e und ihre leitenden Kreise sind durchaus der Meinung, die Land­wirtschaft dürfe in ihrem Verzweislungskampf nicht allein gelassen werden. Denn in einer lebensfähigen Landwirt­schaft sieht das deutsche Volk noch immer die beste Gewähr für seine Zukunft. Aber die Industrie meint, daß man über die Sanierung der Landwirtschaft nicht ihre Inter­essen ganz vergessen dürfe. Zu den wichtigsten Voraus­setzungen für eine glückliche Innen- und Außenpolitik ge­hört insbesondere eine enge Zusammenarbeit zwischen In dustrie und Landwirtschaft. Diese letzte müsse unbedingt ihre Rentabilität wiederhaben, aber auf keinen Fall dürfe, so meint die Industrie, die Möglichkeit * Exports da durch gefährdet werden. Auf ihm beruhe nun einmal tue deutsche Industrie und mit ihm die Hilfe beim Arberts- losenproblem. Möge ein guter Geist über den Vcr Handlungen schweben, damit wenigstens auf diesem Ge biet der sonst so gefährdete innere Frieden nicht die Kosten bezahlen muß.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Eine schwere Schlagwetter-Explosion ereignete sich heute früh bei Eschweiler. Bis jetzt sind 25 Tote und 4 Verletzte geborgen.

* Ueber die unruhige innenpolitische Lage äußerte sich Reichs­innenminister Dr. Wirth im Reichstagsausschuß in einer aus­führlichen Rede.

* Auf dem Untergrundhahnhof Onkel Toms Hütte im Grune­wald bei Berlin raubten sechs maskierte bewaffnete Männer in der Nacht etwa 130 Mark. Die noch anwesenden Beamten wurden von den Räubern mit vorgchaltenen Revolvern in Schach gehalten.

Uebe, 12 000 »«beerdigte französische Zöldaten liegen nach neuen Feststellungen noch Lei Verdun.