Zulöaer Anzeiger
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91r. 57 — 1931
Fulda, Montag, 9 März
8 Jahrgang
Revolte in der Natur.
Erdbeben auf dem Balkan.
Mazedonien besonders schwer betroffen.
In der Nacht zum 7. März wurde Mazedonien von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Die Erderschütte- rungen dauerten eine halbe Stunde. Aus zahlreichen Ortschaften des heimgesuchten Gebietes sind in Belgrad Meldungen über schwere Sachschäden, die durch das Beben vcrursacht wurden, eingelaufen. Nähere Einzelheiten schien noch, da die Telegraphenleitungen zum Teil unter« lachen sind. Aus den Meldungen geht nur hervor, daß auch Hâliser zum Einsturz gebracht wurden.
Das Erdbeben wurde auch in Mittelserbien und in Bulgarien, unter anderem in Sofia, verspürt. Die Erd- bcbmstöße waren von donnerähnlichen Geräuschen begleitet. Der £erb des Bebens liegt wahrscheinlich in Griechenland und muß in der Nähe von Saloniki vermutet werden.
Eine deutsche Erdbebenwarte meldet das Beben.
Das Erdbeben auf dem Balkan ist von den Instrumenten der Hohenheimer Erdbebenwarte (Württemberg) genau ausgezeichnet worden. Man schätzte die Herd- entfernung aus rund 1500 Kilometer und vermutete den Herd sofort in einem der Balkanländer.
*
Unb nun fangt der Winter an!
Mächtige Kältewelle in ganz Deutschland.
Während wir uns auf den Frühling vorbereiteten, hat ganz plötzlich wieder der Winter angefangen, und zwar ein Winter, wie wir ihn während des „richtigen" Winters nicht erlebt haben. Aus dem ganzen Ostsee gebiete werden ausgedehnte Schneefälle gemeldet und m übrigen Dentschland ist es auch nicht viel besser. Nur dir Wintersportler sind restlos glücklich. Die Schneefälle smd aber geradezu eine Harmlosigkeit im Vergleich mit ^ anderen Winterphänomen, das uns mitten im März iAmscht hat: es ist
eine höchst achtbare Kältewelle
über uns hereingebrochen, und Gegenden, die „nur" di MMgrade Celsius zu verzeichnen haben, können sich
- weil nämlich mehrere andere Gegenden schon bei minus 20 angelangt sind. Man weiß nicht, was noch >verdcn mag! Berlin verkündete, daß es vom Freitag zum Zonnabend mit 10 Grad Kälte die kälteste Nacht diejes Winters erlebt habe, aber schon kommen M c cf.l e n burg und Pommern mit minus 18 und 19 Grad w Königsberg i. P r. mit minus 20. Im süd
Ostpreußen aber soll es noch ein bißchen kälter Ähnlich lauten die Nachrichten aus H a m b u r g und aus dem Riesengebirge. Die Prophezeiungen M die nächsten Tage sind auch nicht gerade trostreich: es werden neue Schneefälle und es wird neuer Frost an« gekündigt. Aber vielleicht wird gerade durch diese Prophezeiungen das Wetter wieder verbessert — denn es kommt bekanntlich immer anders!
Sturm bei Gibraltar.
.In und um Gibraltar wütete ein schwerer Süd- ^eststurm, so daß die Schiffe, die im Hafen lagen, zur ^lcherheit Dampf aufmachett mußten, um sofort den wn verlassen zu können Der englische Kreuzer „Zensur" wurde vom Seegang beschädigt. Die Jacht des amerikanischen Milliardärs Pierpont Morgan Q?“ mußte Gibraltar anlaufen, weil sie es auf der See mehr aushalten konnte.
Mehrere Dampfer in Seenot.
An der schwedischen Ostseeküste haben Schneestürme der Mssahrt große Schwierigkeiten bereitet. In kritischer Lage Mmden sich die beiden schwedischen Dampfer Rane" und «rjo", da acht Meter hohe Eiswände ledes Vorwärtskommen Möglich machen. Im finnischen Meerbusen sind die Men deutschen Dampser „C r e m 0 n" und „H ü x t e r aus Hamburg bei Gräsegrund eingefroren. Ihre Lage wird u*5 ernst bezeichnet.
Schneestmm und Lawmen.
Ein böser Märzwinter.
Der diesjährige Märzwinter in Südbayern ist von beispiellosen Härte. Nachdem die letzten Tage eine bis zu 16 Grad Celsius gebracht hatten, schneit es "wrdings ununterbrochen Im bayerischen Gebirge M'en die seit dem 1. März fast unausgesetzt andauernden Meesälle eine Erhöhung der Schneedecke um ^ '5 ein Meter und darüber gebracht und damit eine ^wohnliche Lawinengefahr, die als die über- N gefährlichste des ganzen Winters bezeichnet wird. Bergwacht hat daher eine Mahnung zur größten Vor- an die Skifahrer erlassen.
Im Schneesturm erblindet.
.... Der Lokomotivführer Karl Beckmann aus Lyck wurde der Strecke Lyck-SenSburg von einem heftigen Betreiben überrascht. Kurz vor Arys geriet er in eine ? " eewehe, die so stark war, daß sie d a s F e n st e r J Lokomotive eindrückte. Durch tue Glas- Rer wurde der Lokomotivführer erheblich an beiden verletzt. Es ist zu befürchten, daß er durch den a '®D sein Augenlicht verlieren wird. r cr ^ordentlich starke Schneefall hat sich tn der ganzen bJsein verkehrshindernd bemerkbar gemacht. In Jje von Elbing haben sich in Hohlwegen Schnee-
Lrn bis zu vier Meter Höhe gebildet.
Furchtbare Panik auf sinkendem Schiff.
Zehn Todesopfer eines Schiffszusammenstotzes.
In der Nacht ereignete sich auf der Donau, die zurzeit starken Wellengang aufweist, ein folgenschweres Schiffsunglück. Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache stießen in der Nähe von Belarnd der Vasiaaierdamvker
Ein breiter Eisgürtel
säumt an der deutschen Ostseeküste den Strand und macht den schweren Beruf der Fischer nur noch schwerer.
Die seelische Not der Nation.
Das mißhandelte Deutschland.
Reichskanzler Brüning verlas aus einer Kundgebung des deutschen Studentenwerkes in Berlin eine Kundgebung des Reichspräsidenten, in der dieser seiner Anerkennung für die Arbeit des Studentenwerkes aussprach. In seiner Ansprache wandte sich der Reichskanzler gegen die Radikalisierung der studentischen Jugend und schloß mit den Worten: Es genügt nicht, in patriotischer Begeisterung den Schwur abzulegen, daß man bereit sei, sein Letztes, sein Leben für das Vaterland einzusetzen. Mag auch bie materielle Not in anderen Ländern groß sein, viel schlimmer ist die seelische Not einer Nation, die infolge der Bedrängnisse des vergangenen Jahrzehntes den Glauben an eine vernünftige nnd gerechte Ordnung bei Welt zu verlieren beginnt. Leider besteht in der gesamten Welt wenig Verständnis dafür, was es für eine Nation bedeutet, wenn sie sich für zwei Menschenalter mit schweren Kriegstributen belastet fühlt, wenn deutsches Land vom lebenden Körper des Reiches getrennt, deutsches Volkstum mißhandelt und unterdrückt wird und die Voraussetzungen für die Einleitungen von Verhandlungen, die zum Friedensvertrag führten, nirgendwo erfüllt sind. Der Reichskanzler forderte zum Schluß die Studentenschaft auf, festzuhalten an dem ihr von der Frontgeneration übermittelten kameradschaftlichen Geist und auf der sittlichen Grundlage der Dienstbereitschaft für den Aufstieg unseres Vaterlandes zu wirken.
Helft helfen!
Aus bet bitteren N 0 t der Zeit.
Die deutsche Liga der freien Wohlfahrtspflege wendet sich trotz - oder gerade wegen der schweren Wirtschaftsnot an die Öffentlichkeit mit oem dringenden Appell, ihr in dem Kampfe gegen das Elend zu helfen:
„Gebt für die örtlichen Sammlungen, die fast überall zur Bekämpfung der Not eingerichtet sind! Helft solche Einrichtungen schaffen, wo sie noch nicht bestehen; besonders für die Speisung, Erwärmung, Bekleidung der Notleidenden! Gebt, was ihr an Kleidern, Wäsche, Schuhzeug irgend entbehren könnt, an geeignete Sammelstellen! Gebt Nahrungsmittel — gebt Kohlen! Denkt an die besondere Not der Kinder und Jugendlichen! Denkt an die Jungen und Mädchen, die trotz guten Willens keine Arbeit, keine Lehrstelle finden können und von der Gefahr der Verwahrlosung und Arbeitsscheu bedroht sind, wenn sie jahrelang ohne Beschäftigung bleiben. Sorgt für Arbeit und Beschäftigung auch im kleinen. Helft mit, eine mächtige Welle der Hilfsbereitschaft, der Selbsthilfe durch das ganze Volk zu wecken! Keiner darf sich ausschließen!"
Die Reichsregierung unterstützt diesen Aufruf mit folgenden Worten: „Aus der Not der Zeit durch helfende Liebe zu neuem Aufstieg! Hilfsbereitschaft ist vaterländische Pflicht und Dienst am Volkstum. Wer helfen kann, muß helfen!"
Die Notlage Sachsens.
Die sächsischen Industriellen beim Reichskanzler.
Der Reichskanzler empfing in Gegenwart des sächsischen Finanz- und Wirtschaftsministers Dr Hedrich und weiterer Vertreter der sächsischen Regierung eine Abordnung des Verbandes sächsischer Industrieller An diesem Empfang nahmen ferner teil der Relchsverkehrsmintster von Guèrard, der Staatssekretär des Rcichswirischaftsministeriums Dr. Trendelenburg und Vertreter der beteiliaien Reick srekkons.
„Agram" und der in entgegengesetzter Richtung fahrende Dampfer „Marschall Franchet d'Esperry" zusammen. Letzterer erlitt durch den Zusammenstoß in der Höhe des Maschinenraumes ein so gewaltiges Leck, daß er sofort zu sinken begann.
Der Zusammenstoß ereignete sich bei undurchdringlichem Dunkel und heftigem Sturm. Der flußabwärts fahrende Dampfer wurde so heftig gerammt, daß das Schiff entzweigeschnitten wurde. Sofort legte sich der havarierte Dampfer zur Seite und begann zu sinken. Die erschreckten Passagiere stürzten in wilder P an i k auf Deck Trotz der sofort eingeleiteten Rettungsaktion kamen nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen zehn Menschen bei dem Unglück zu Tode, und zwar vier Bäuerinnen, der Steuermann des gerammten Schiffes, ein Gendarm und vier Sträflinge, die mit den Händen aneinander gefesselt waren. Die Zahl der Opfer wäre sicher bedeutend größer gewesen, wenn es nicht der Besatzung gelungen wäre, durch Aufreißen der Decksplanken eine Anzahl von Reisenden aus dem bereits halb unter Wasser stehenden Salon zweiter Klasse zu retten. Nach dem Bekanntwerden des Unglücks ordnete der Hafen- kommandant von Belgrad an, daß alle im Hafen liegenden Schiffe die Flagge auf halbmast setzten. Eine Untersuchung des Unglücks ist eingeleitet.
Sechs Tote bei einer Keffelexplosion.
Das Schiff in Splitter gerissen.
Auf einem Schlepper im Newyorler Hasen ereig« wie sich eine Keffelexplosion. durch die das Schiff buch- tâblich in Splitter gerissen wurde. Secks Personen -urden getötet, drei schwer verletzt.
Der Vorsitzende des Verbandes, Direktor Wittke, legte die dringende Notwendigkeit dar, den sächsischen Notstandsgebieten sofortige Hilfe zu bringen Es folgte eine Aussprache.
Reichskanzler Brüning stellte fest, daß die Notlage Sachsens allen beteiligten Neichsressorts Anlaß geben werde, engste Fühlung mit der sächsischen Industrie zu halten Tie Reichsregierung sei bereit, zu helfen, eine wirksame Hilfe hänge abei in erster Linie von einer Stabilität der politischen Ordnung in Deutschland ab.
In einer Besprechung im Neichswirtschaftsministcrium unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Trendelenburg wurden für das sächsische Notstandsgebiet wichtige Fraaen aeklärt.
Das Ergebnis von Wien.
Das Reichskabinett wird Stellung nehmen.
ReichSaußenminister Dr Curtius und Staatssekretär Dr. Pünder erstatteten dem Reichskanzler Bericht über den Verlaus der Beratungen in Wien Im Anschluß hieran hielt der Reichsminister des Auswärtigen dem Reichspräsidenten Vortrag über das Ergebnis der Verhandlungen mit der österreichischen Bundesregierung. Im Laufe dieser Woche wird wohl das Reichskabinett zu dem Bericht des Reichsaußenministers über die Wiener Reise Stellung nehmen.
„Heraus aus der wirtschaftlichen Enge!"
Bet der Eröffnung der 20 Wiener Messe hielt Bundespräsident M i k l a s eine Ansprache, in der er erklärte. es sei bedauerlich, daß die unermüdliche Aufklärungsarbeit der österreichischen Staatsmänner innerhalb und außerhalb der Grenzen bisher nicht genügt habe, um die führenden Kreise des Aus- landes davon zu überzeugen, daß die heutige Enge des Staats» ivcsens keine Möglichkeit für die wirtschaftliche Entfaltung Österreichs biete Österreichs Devise müsse auch weiterhin sein, heraus aus der Enge der wirtschaftlichen Verhältnisse.
Es dürfe so lange nicht rasten, bis sich die Erkenntnis durch- zesetzt habe, daß zur Gesundung Europas ein
großes Wirtschaftsgebiet in Mitteleuropa zefchassen werden müsse, damit den einzelnen Völkern die Möglichkeit der Entfaltung ihrer wirtschaftlichen Kräfte gesichert veröc.
Österreich ist optimistisch.
Dr. Enver über die Wirtschaftskrise.
Der Österreichische Bundeskanzler Dr. Enver gab im Nationalrat einen Überblick über vie Maßnahmen Ver Regierung zur Bekämpfung ver Arbeitslosigkeit. Er meint, wenn Nicki alle Anzeichen trügen, so dürfe man erwarten, daß der Tiefpunkt ver Wirtschastsdeprefsion bereits überwunden ist. Er verwies aus das Sinken der Zahl der Arbeitslosen in Österreich, das seit langer Zeit zu in erstenmal zu verzeichnen sei. Die Regierung wird dcmnäckst eine Vorlage über die gesetzliche Regelung der Frage der Doppelverdiener vorlcgcn.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Ueber Deutschland hat sich eine Kältewelle ausgebreitet, die manchen Gegenden bis zu 20 Grad Frost gebracht hat.
* Ein sranzöfisches Munitionslager ist infolge der Explosion von mehreren taufend Tonnen Pulver in die Luft geflogen.
* Makedonien wurde von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Das Beben wurde auch in Mittelserbien und i« Bulgarien verspürt.