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Zulöaer Anzeiger

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Nr. 58 1931

Fulda, Dienstag, 10. März

8. Jahrgang

Der Reichswehrminister gegen französische Lügen.

Beratung des Etats des Reichswehrministeriums im Haushaltsausschuh des Reichstags. Gröner gibt dem französischen Kriegsminister die richtige Antwort auf das Schauer­märchen von der deutschen Wehrmacht und kennzeichnet den Abrüstungs-Schwindel.

WM macht keine Konzessionen.

Die Beratungen des Etats des Reichswehrministc riums nahmen im Haushaltsausschuß des Reichstages ihren Ansang. Abg. Stück len (Soz.l erkannte als Berichterstatter dir gewaltige organisatorische Leistung der Reichswehr in den letzten zehn Jahren an und gab zu, daß die Anzahl der Empfänger hoher Bezüge in der Reichswehr nicht groß sei und das; Ä bst r i ch e an diesem Teil des Etats ui ch t möglich wären. Wenn die Franzosen alle U n i f o r m t r ä g e r in Deutschland zusammcnrechneten,

so dürften sie auch die Feuerwehr nicht vergeffen.

Reichswehrminister Gröner betonte in seiner Stellung nähme zum Etat, daß er nicht in der Lage sei, bei dem Etat irgendwelche Konzessionen zu machen. Er führte auë: Ich möchte ausdrücklich betonen, daß mid)

alle Angriffe von links und von rechts

nicht dazu veranlassen können, die von mir von jeher ein gehaltene Linie in der Führung der Reichswehr auch nur um Haaresbreite zu ändern. Denn ich bin der festen Überzeugung, daß die von mir vertretenen Grundsätze allein gewährleisten, daß die Wehrmacht überparteilich und dem politischen Streu entzogen bleibt

Die Wehrmacht dient dem Staate, nicht den Parteien. Daran halte ich unverbrüchlich fest. Ebenso ist cs für mich eine selbstverständliche Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Wehr macht das erhält, was sie für die Erfüllung ihrer Hauptauf gäbe, den Landesschutz, braucht. Der vorliegende Etat ist unter dein Gesichtspunkt ausgestellt, daß bei voller Berücksichti wo der Notlage unseres Polkes und bei strengster Sparsam kit tiefe lebensnotwendigen Forderungen erfüllt werden, und «Hin nicht in der Lage, hierin irgendwelche Konzessionen zu

maus wandte er sich scharf gegen die Ausführungen des imMchen Kriegsministers M a g i n c t.

~« französische Kriegsminister Maginot hatte kürzlich 601 der Französischen Kammer zu der A b r ü st u n g s f r a g e in einer Weise Stellung genommen, die von deutscher Seite "ich unwidersprochen bleiben durfte. Er hatte erklärt, es «ch anerkennen zu können, daß aus dem Abrüstungsgebiete * Völker einen Anspruch auf Behandlung auf gleichem itliße hätten. Maginot erklärte, wenn man in der Welt die internationale Gerechtigkeit zur Herrschaft gelangen lassen wollte, sei es ebenso notwendig wie gerecht und eine Bürg- w für die anderen Nationen, wenn diejenigen Länder, die fte Angreifer gewesen seien, strengeren Beschränkungen Rüstungen unterworfen würden als diejenigen Nationen, keine Angriffe begangen hätten.

. Zu dieser eigenartigen Auffassung des französischen -'aicgsministers erklärte in einer großen Rede im Haushalts- "uöschuß des Reichstages Reichswehrminister Gröner wlgcndes:

Die Versailler These von der

, Alleinschuld Deutschlands

^..längst von der internationalen historischen Wissenschaft w verlegi worden. Wir haben den Spruch eines wahrhaft unparteiisch zusammengesetzten internationalen Gremiums, Zusammentritt die deutsche Regierung von jeher gefor- n^t zu fürchten! Deutschlands Entwaffnung ist im wiaiHer Vertrag damit begründet worden, daß sie die Ein- mning einer

wn.

allgemeinen Rüstungsbeschränkung aller Nationen

N, "Eichen sollte. Deutschland hat diese Vorbedingung er- S Wir sind abgerüstct in einem Maße, das in der Ge- Mle ohne Beispiel ist. Tie anderen Mächte aber haben ^.dEkPflichtet, uns aus dem Wege der Abrüstung zu folg Se» sich hierbei um eine rechtlich verbindliche Ver- M handelt, haben maßgebende Staatsmänner der an- Seite wiederholt bestätigt.

Ak haben das Recht, zu verlangen, daß die Ungleichheit («Ai. n9' die durch Deut chlands Vorausleistung auf diesem wicte entstanden ist, gcinäst den Vertragsbestimmungen durch .^'"sprechende Nachleistung der anderen Mächte aus- «kglichcn wird.

haben das Recht auf denselben Grad von Sicher- den die anderen Staaten für sich in Anspruch nehmen. rjq,,M"l hat nun darauf hingcwicsen, daß Frankreich der Ab- ^""ll bereits Rechnung getragen ^bc. Es habe die Zahl .r -wisionen gegenüber dem Stande von 1913 herabgesetzt II . 9»be heute weniger Mannschaften bei der Fahne als da- Statt der drciiährigcn habe es die einjährige Dienstzeit fmin-riS1- Wir können diese Organisationsänderungen des Heeres nicht als Abrüstung anerkennen. Es »elt sich vielmehr um

u wohlerwogene Umrüstung,

« lkriegsersahrungcn und der rapiden Entwicklung der ^Mlcchiiik Rechnung tragend die Schlagkraft der franzo- iii ^tmee nicht vermindert, sondern beträchtlich u e r - Vän^ l,al- Der Wert eines Heeres richtet sich nicht nach der

i Dienstzeit, sondern nach der, Intensität der Aus

"och der Stärke der ausgebildeten Reserven, nach der kii'nri^ Güte des Materials. Aufs itef t i " rC ®rmee im vollkommensten Maße

,_____ Heute steht

dennoch beträgt die

Der Wert der Dienstzeit,

"ach der Stärke uu»uw>,------,

der Güte des Materials. All?s dieses besitzt die "NSv ische Armee im vollkommensten Maße. 1912 war sie bc Dienstzeit 640 000 Mann stark Heute steht ein Jahrgang bei der Fahne und dennm., â^drke des Heeres fast ebensoviel! Fa,t die Hälfte des « Mindestens 230 000 Mann, dient über die gesell, che 1 fett hinaus und liefert ein

ßi hochqualifiziertes Ausbildung.: personal

Beamten körper hat den Soldaten die Mobil- ien »»Vorarbeiten, die Verwaltung deS Kriegsmaterials, die ân !? eidienst abgenonnnen. 30 000 Zivilangestellte befreien «»tönten vom Arbeitsdienst. , . , len ^.^ncub wird in einem früher unbekannten Maße a u

"illitardicnst vorbereitet. Daher ist Frankreich heute in

der Lage, auch in der einjährigen Dienstzeit seinen Soldaten eine vollendete militärische Ausbildung zu geben.

Sprechen die Tausende von Tanks, von Flugzeugen, von Geschütze,:, die Zehntausende von Maschinengewehren von Ab­rüstung? Außerdem besitzt Frankreich noch Massen von lagern­dem Material aller Art. Wie viele Verbände es im Kriege aus seinen ausgebildeten Reserven ausstelleii und mit diesem Material bewaffnen kann, das ergibt sich schon daraus, daß

die Zahl der Generale und höheren Stabsoffiziere

trotz der Verminderung der Anzahl der Friedensdivisionen gegen die Vorkriegszeit auf das Anderthalbfache gestiegen ist. Ferner haben sich die Ausgaben der Franzosen für militärische Zwecke seit dem Kriege unaufhörlich gesteigert. 1931 betragen sie 18,2 Milliarden Frank, d. h. fast drei Milliarden Mark.

Alle diese unleugbaren Tatsachen führen den Beiveis, daß Frankreich noch nicht damit begonnen hat, abzurüsten, daß es sich vielmehr durch seine neue Heercsorgonisation das stärkste und schlagfertigste Kriegsinstrument der Welt geschaffen hat.

Noch aus eine Behauptung muß ich eingehen, die während der französischen Kammerverhaiidlungen gefallen ist Der Be­richterstatter Hai

die deutschen Landstreittrafte

auf 100 000 Mann Reichswehr, 1.50 000 Schutzpolizei und 30 000 Mann bewaffnete Zollbeamte berechnet. Diese Ausstellung muß aufs schärfste zurückgewiesen werden. Abgesehen davon, daß die Zahlen falsch sind - wir haben nicht 150 000 Mann Schutzpolizei, sondern nur 105 000 und davon sind 32 000 Mann kaserniert, und ebensowenig haben wir 30 000 Mann bewaffnete Zollbeamte ist es unsinnig, die deutschen Polizisten und Zollbeamten zu den Landstreitkräften zu rechnen.

Weder im Fricdcn noch im Kriege sind sie zum militärischen Dienst bestimmt noch dazu befähigt.

Ihre Orgauisation ist durch die Interalliierte KontroÜlom Mission unter beut GegchtspuuK der. Sicherstellung ihres zivilen Charakters festgesetzt worden. Weder hierauf noch aus ihre Ausbildung hat das Reichswehrministerium den ge° riuasten Einfluß.

Parteien nnö Wehrmacht.

Im Haushaltsausschuß des Reichstages nahmen bei Be ratung des Haushaltes des Reichswehrministeriums nach dem Reichswehrminister die Vertreter der Parteien das Wort.

Abg Kippenberger «Komm.» erklärte, die Antisowjelfront gegen Rußland habe sich jetzt geschlossen. Alles deute auf das Bestehen einer geheimen Militärkonvention zwischen Deutsch land und Polen hin

Abg Döbrich «Landvolk, äußerte die Ansicht, daß Erspa­rungen beim Reichswehretat nicht mehr in größerem Umfange möglich seien Wenn die anderen Völker nicht abrüften wollten, so mülle Deutlcbland die A u k r ü si u n a v e r l a n a e n

Erdbeben in Europa und Asien.

Die Katastrophe in Südserbien.

200 Tote und 600 Verletzte.

Die Erdbebenkatastrophe, die das südliche Serbien heimgesucht hat, scheint doch viel größer gewesen zu sein, als man urspri'tngsich zugcbcn wollte. Nach den im Bel grad vorliegenden Lkachrichèen hat man mit mindestens 200 Toten zu rechnen. Die Zahl der Schwerverletzten wird mit 600 angegeben, die der eingestürzten Häuser mit über 1000. Der jugoslawische Ministerrat hat beschlossen, der Bevölke­rung des von der Katastrophe betroffenen Gebietes die Erdbebcnschädcn ans der Staatskasse zu ersetzen. Obwohl das Rote Kreuz alle seine Mittel zur Verfügung gestellt hat, fehlt cs im Erdbcbcngcbict an Ärzten und Nkedika- mcHten. Die Verwundeten liegen zum großen Teil im Freien auf Tragbahren.

Am schwersten betroffen wurde nach den bisherigen Nachrichten die Gegend südlich von Skoplje (früher üsküb),

Das Erdbebcngebiel auf dem Balkan.

Das Beben ging von der Gegend der griechischen Städte Drama und Cavala aus und setzte sich in nordwestlicher Richtung nach der griechisch-bulgarisch-jugoslawischen Grenze fort, wo der größte Schaden angerichtet wurde. <Die Heim gesuchten Gebteic finb punktiert, die Namen der betreffen den Siädte unterstrichen.)

""" Westarp tKonserv.l' erklärte, von einer Rustungsglcichheil zwilchen Frankreich und Deutschland könne man unter den gegebenen Verhältnissen überhauvl nicht tprechen. Die anderen Staaten hätten nun einmal zehn Jahr gange von ausgebildeten Mannschaften, die Deutschland ' nieb' habe Ferner hatten sie in den letzten zehn Jahren

an Kriegsmaterial zusammengerafft und zusammengebaut, was nur irgend möglich gewesen fei Deshalb müsse für ^eutfdilanb die Parole lauten: R ü st u n g s s r c i h c 11

Abg Künstler (S03.) behauptet, daß bei den Pächtern von Truppenlagern zum großen Teil national- ÄÄ»

Grfing <Ztr > hielt es für anerkennenswert, daß der Minister und der Chef der Heeresleitung alles tun, um die whelEhr auâ ber parteipolitischen Atmosphäre herauè- Aba. Sachsenberg (Wirtschaftv.) betonte, daß die Frage der Zustimmung zum Haushalt des Reichswehrministerums eine Vertrauensfrage sei.

Abg. von Secckt iDt Vp.) ging im Verlaufe seiner Aus­führungen u. a auf den

Leipziger Hochverratsprozeß gegen die Ulmer Reichswehroffiziere

ein und erklärte, er fei nach reiflichem überlegen zu der An- Ncht gekommen, daß dieser Prozeß eigentlich nicht not­wendig gewesen sei Selbstverständlich hätten die Schul­digen unbedingt bestraft und die Unwürdigen ebenso unbedingt aus dem Heere entfernt werden müssen Aber das alles hätte aus disziplinarische und kameradschaftliche Weise erledigt wer- können Durch die öffentlichen Verhandlungen 'fei ein schlechter Eindruck nicht nur außerhalb, sondern auch in der Reichswehr selbst entstanden. Selbstverständlich sei Gehorsam und Disziplin völlig unerläßlich, aber das Vertrauen zur Truppe und zur Führung müsse erhalten und gepflegi werden. , Abg Dr Külz lStaatspartei, bezeichnete den Reichswehr- haushalt als einen lebensnotwendigen 5>aushalt

Abg Loibl ,B Vp.': Die Reichswehr müsse im Volke un­bedingt Ansehen genießen. Für den Fall der Nichtabrüstung der anderen Staaten forderte der Redner Rüstungsfreihcit

Abg Dr Köhler iZtr.) stellt fest, die heutige Aussprache habe ergeben, daß sich das Vertrauen zur festen und zielsicheren Führung des Reichswehrniinisters allgemein verstärkt habe

Nach Beendigung der allgemeinen Aussprache erklärte Reichswehrminister Dr Gröner in dem Schlußwort, daß die

Reichswehr fest in der Hand ihrer Führer sei.

Es bestehe nicht der geringste Zweifel, daß sie gegen jeden, gleichgültig ob rechts oder links, der im Slraßenkamps mit der Waffe die Macht erobern wolle, ihre Pflicht tun werde

General von Schleicher wies daraus hin, daß das Reiche Wehrministerium bei der Beurteilung bet Frage, welche Par­teien als staatsfeindlich anzusehen und von der Reichswehr auszuschließen wären, nicht selbständig vorgehen könne, son­dern sich stets an die Entscheidung der Reichsregierung gehalten habe. Die Weiterbcratuna wurde auf Dienstag vertagt.

insbesondere der Bezirk Demirkapu. Das Dorf Ptrava

tvurde

dem Erdboden gleichgemacht.

Man hat dort 19 Tote und 22 Schwerverletzte geborgen. Die Dörfer Karadjevo, Udovo, Tragaz, Mirowze und die Stadt Balandovo wurden zum größten Teil zerstört. Die Bahnhöfe von Demirkapu, ildovo und Mirowze wurden \ in Trümmer gelegt. Die Eisenbahnbrücke über den Vardar stürzte in den Fluß. Außerdem wurden sämtliche Brücken im Vardartal schwer beschädigt.

Der König und der Ministerpräsident sind in das Erd- bebengebiet abgereist, um sich von dem Umfange der Kata­strophe selbst zu überzeugen. Der König ordnete an, daß alle Soldaten aus Südserbien sofort beurlaubt werden, da- "nt sie ihren Familien beistehcn können.

Siarkes Erdbeben in Japan.

In London cingctroffcne Berichte besagen, daß die Städte H a k 0 d a t e und Aomori in Japan durch Erd- erschüttcruttgcn schwer beschädigt ivordcn sind. Der Ein­wohner hat sich eine Panik bemächtigt; sie fliehen in großen Scharen aus dem Erdbebcngcbiet. Nähere Einzelheiten über die Ausmaße dieses neuen Erdbebens fehlen noch.

Wie das Erdbeben auf dem Balkan, wurde auch dieses japanische Erdbeben von den Instrumenten der deut- s ch c u E r d b c b e n w a r t e Hohenheim ausgezeich­net. Man schätzte die Herdentfernung auf 93(>0 Kilometer itnb vermutete sofort, daß die Erde im nördlichen - ipan gebeut habe. Die Aufzeichnung der Bebenwellen durch die Instrumente dauerte fast zwei Stunden.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Reichswehrminister Gröner wandte sich im Haushaltsaus­schuß des Reichstages scharf gegen Ausführungen des franzö­sischen Kriegsministers über Frankreichs angebliche Abrüstung und DcutWands Wehrmacht.

* Die Zahl der Todesopfer bei dem Erdbeben in Süd, serbien beträgt nach den neuesten Meldungen 200, die bei Schwerverletzten 600.

Aus Japan meldet man ein Erdbeben, von dem besonders schwer die Städte Hakodate und Aomori betroffen worden sind.