Zul-aer /inniger
Erscheint feöen Werttag-Vezugspreks: monaMch S-20 RM. Bei Liefecungsbehinöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen 6cm Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, Mitglied des Vereins deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 16009
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal ♦ Zulöaer Kreisblatt
Re-aktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernsprech-Anschluß Nr. 484
Nachdruck der mit * versehenen flrükel nur mit Quellenangabe »Fuldaer Anzeiger" gestattet.
Rnzekgenpreis: Für Behörden, Genossenschaften,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.30 H1L, für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezelle 0.90 Mk. u. alle anoeren 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mack ♦ Bei Rechnungsstellung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen ♦ Tag» und Plahvorschriften unverbindlich.
Nr. 59 — 1931
Fulda, Mittwoch, 11. März
Jahrgang
Politik und
Unparteiische Auswahl des Wehrersatzes.
Kein Militär als Arbeiterersatz.
Tie Auswahl, die bei dem Ersatz für die Reichs- w e h^r getroffen wird, ist des öfteren Gegenstand von Angriffen politischer Parteien gewesen. Man hat dem Reichswehrministerium und einzelnen Kommandostellen den Vorwurf gemacht, daß sie bei der Auswahl des Ersatzes nicht allein auf die militärische Geeignetheit der Anwärter Rücksicht genommen haben, sondern auch politische Momente haben mitsprechen lassen. Diese Vorwürfe kamen jetzt erneut bei der Einzelberatung des Webrhaushalts des Reichstages zur Sprache. Reichswehrmini st erGröner betonte dagegen, es sei durch ständige, in verschiedenen Fällen von ihm selbst vorgenommenen Prüfungen die Sicherheit dafür gegeben, daß sowohl der Offiziers- als auch der Mannschaftsersatz auf unparteiische und die persönliche Eignung prüfende Weise erfolge. Von sozialdemokratischer Seite wurde trotzdem die Auffassung aufrechterhallen, daß Leute, die in ihrer Jugend einmal der Arbeitersport- bewegung angebört haben, in die Reichswehr nicht hineinkommen könnten. Der gute Wille des Reichswehrministers, daß er einen unparteiisch gewählten Offiziers- imd Mannschaftsersatz beabsichtige, sei wohl anzuerkennen, aber die unteren Kommando stellen dächten anders und ihr Verfahren entspräche nicht dem Willen des Wehrministers. Auch der Zentrumsabgeordnete behauptete, daß sehr oft Klagen über Parteilichkeit und P r 0 - tekt i 0 n s w e s e n bei dem Mannschafts- und Offiziers ersatz vorgetragen würden. Er ließe es allerdings dahin gestellt, ob diese Klagen sämtlich berechtigt seien. Jeden falls bat er darum, daß der Minister immer wieder den
Wise uni AMMMinm nojiirtidjtnii.
Re Erklärung des NeilhslMdbuvdes.
Ter Bundesvorstand des Reichslandbund es trat in Berlin zusammen, um zum Agrarprogramm und zur Osthilfe Stellung zu nehmen. Die politische, besonders die w i r t s ch a f t s po l i t ij e Atmosphäre, innerhalb deren die Tagung stattfand, ist mit mancherlei Konfliktstoff gesättigt. Die Stellungnahme der einzelnen Landbünde gegenüber dem Agrarprogramm der Regierung, besonders gegenüber dem Reichsernährungs- minifter Schiele, hatte sich in der letzten Zeit nicht einheitlich gestaltet, wie besonders auch die letzten Äußerungen des Präsidenten Bethge zeigten. Es war höchste Zeit, daß über die grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten eine Aussprache der Führer stattfand, um eine gewisse Klärung der Lage zu schaffen. Zu einer Abstimmung, die die Stellungnahme des Reichslandbundes Mr Regierung zum Ausdruck bringt, läßt sich noch fcigeiL daß eine solche Abstimmung des Bundesvorstandes nach einer Schlüsselzahl erfolgt, die teils durch bie Verträge, teils durch die Morgenzahl, teils durch die Mtt- gliederzahl der einzelnen Provinzlandbünde bestimmt wird, so daß die einzelnen Führer der Provinzlandbunde über sehr verschiedene Stimmenzahlen verfügen.
Der Reichslandbund teilt mit: Der Bundesvorstand Reichslandbundes hat den Bericht des geschäfts- suhrenden Präsidenten, Grafen von Kalckreuth, entgegcn- gonommen und billigt die Haltung und die Maß- aahmeu, die das Präsidium in Auswirkung der Kampf- veschlüsse vom diesjährigen Reichslandbundtag ergriffen hat.
Ausdrücklich erklärt auch der Bundesvorstand die Wltücm bekanntgewordenen Agrarvorlagen einschließlich
Osthilse für unzureichend, insbesondere wegen Nicht- verüâsichtigung unserer Forderungen auf dem Gebiete allgemeinen Lastensenkung und der inneren wirt- ^wittichc» Maßnahmen sowie des Fehlens jeder Garan- w Tür sofortige und ungeschmälerte Durchführung der öollmasrnahmen.
.Den innerhalb und außerhalb der Reichsregierung Erstarkt zutage getretenen landwirtschaftsfeindlichen Kräf ch gilt nach wie vor unser schärfster Kampf. Eine ©in* Wung auf die Parteien in den gegenwärtigen rein politischen Entscheidungen lehnt des Bundesvorstand ab. "w Verantwortung für bü Lage und bie weitere Gut w'Mung der Gesetzgebung auf wirtschaftlichem und Wisent Gebiet liegt ausschließlich beim Reichskabinett “Ho den Parteien.
Die Entschuldungsaktion des Westens.
Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, halte die s^lchsregierung daran fest, daß die Entschuldungsaktion uoer Mecklenburg hinaus nach Westen nicht vorgenom- ^en werde. Sie habe daher eine Doppelvorlage über bie chuldungsaktion bezüglich der Einbeziehung von ^w2wig-Holstein in diese Aktion eingebrachti Es fei Ooffen, daß am Donnerstag bereits mit der ersten 9 des Gesetzes im Reichstage begonnen werden Vom 25. März ab sei dann wohl mit der Ver "lwlcdung in zweiter und dritter Lesung zu rennen.
Reichswehr.
Truppenkommandeuren die unparteiische Auswahl des Mannschaftsersatzes ans Herz legen solle.
Weiter wurde im Ausschuß von dem Abgeordneten der Deutschen Volkspartei Beschwerde über den in den Mannschaftsstttben ausliegenden Lesestoff geführt, der meist sehr einseitig rechtsradikalen Charakter trage. Für das Reichswehrministerium erwiderte General von Schleicher darauf, den Reichswehrangehörigen stehe die Wahl ihres Lesestoffes frei. Mit Verboten habe man meist das Gegenteil von dem erreicht, was man erzielen wollte.
Von kommunistischer Seite waren zahlreiche Anträge eingegangen, die der Ablehnung verfielen, darunter auch ein Antrag auf Streichung des Gehaltes des Wehrministers. Angenommen wurde dagegen, und zwar unter Zustimmung des Reichswehrministers, ein Antrag, wonach Angehörige des Reichsheeres und der Marine nicht als Ersatz für streikende oder ausgesperrte Arbeiter verwendet werden dürfen.
Bei bcm Kapitel „Pf e r d eers a tz" beanstandete der sozialdemokratische Berichterstatter, daß der Dur cs; schnittspreisfürdieRemonten von 1350 Mark auf 1500 Mark gesteigert worden sei. Tas Reichswehr Ministerium begründete dies damit, daß die ostpreußische Pferdezucht immer mehr zur Kaltblutzucht übergegangen und daß die Zucht der allein militärbrauchbaren warmblütigen Pferde nur dann zu erhalten sei, wenn den Züchtern der Zuschuß, der ihnen vorübergehend aus der Osthilfe gezahlt, jetzt aber weggefallcn sei, durch eine Erhöhung des Durchschnittspreises ersetzt würde. Schließlich wurde eine Entschließung angenommen, wonach mit Zu. stimmung des Reichswehrministers Geräte (Aus- stattrlngsgegenstände) für unpolitische soziale Zwecke zur Steuerung der Erwerbslosigkeit Jugendlicher unentgeltlich leihweise" überlassen werden können. Damit war der Reichswehretat erledigt.
politische Gegenwartsfragen.
Erklärungen des Neichsfinanzministers Dietrich in Augsburg.
In einer geschlossenen Versammlung der Ortsgruppe der Deutschen Staatspartei sprach Rèichsfmanzmittister Dietrich über politische Gegenwartsfragen. Der Ausschuß für Die Arbeitslosenfrage könne die Probleme Der Arbeitslosigkeit nicht lösen. Das könnte die Reichsregierung, dazu brauche sie aber etwas Ruhe im Sommer.
Zur Neparationsfrage erklärte der Minister, sie kranke nicht daran, daß man nicht die nötige Einsicht hätte, sondern daran, daß man die politischen Möglichkeiten nicht kenne
Der Uoung-Plan gehe von Voraussetzungen aus, die die anderen nicht erfüllten.
Die Reichsregierung werde handeln, wenn sie es für zweckmäßig halte. Die Dinge würden sich zwangsläufig entwickeln, und man solle Vertrauen haben zur Reichsregierung, die tun werde, was sie nach reiflicher Überlegung für notwendig erachte. Heraus aus der Lage können wir nur, wenn das Volk begreife, daß wir uns nicht gegenseitig den Schädel einschlagen dürfen, sondern an den großen Aufgaben der Gegenwart mitarbeiten müssen.
Grenzfonds von 15 Millionen.
Erklärungen Severings im Hauptausschuß oes Preußischen Landtages.
Sm Hauptausschuß des Preußischen Landtages nahm bei cratung des Haushalts des Innenministeriums im Laufe der Aussprache Minister Severing das Wort. Gegenüber dem allgemein geäußerten Wunsch, wieder einen Grenzfonds - in den preußischen Haushalt einzustellen, erklärte der Minister, er hoffe, daß sich die Wiedereinstellung von 15 Millionen Mark durch Ersparnisse im Haushalt ermöglichen lassen werde. Zur Notlage der Gemeinden betonte der Minister, daß die Gemeinden nicht in der Lage wären, die Wohlfahrtserwerbslosen aus eigenen Mitteln zu unterstützen. Es seien Verhandlungen zwischen Reich und Preußen über die Bereitstellung von Mitteln an Die Gemeinden im Gange, doch könne er Einzelheiten noch nicht bekanntgeben
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen bestritt der Minister entschieden, das Volksbegehren absichtlich verschleppt zu haben. Es sei seine Pflicht gewesen, festzustellen, ob die nötige Zahl der Unterstützenden im Stahlhelm vorhanden gewesen wäre, um so mehr, als bekannt gewesen sei, daß in der Stablhelmleitung über die Frage der Zweckmäßigkeit des Volksbegehrens die Meinungen geteilt gewesen wären.
Zur Übernahme der W a s s e r s ch u tz o s s i z i e r e erklärte der Minister, daß von amtlichen Stellen Bedenken gegen die Einstellung einiger Offiziere laut geworden seien. Deshalb sei die Prüfung pflichtgemäß erfolgt In Preußen genüge kein Lippenbekenntnis zur Verfassung, sondern die Beamten müßten durch ihre Handlungen und Haltung den Stach- weis erbringen, daß sie voll und ganz zur Verfügung des Staates und des Reiches stehen
Im Hauptausschutz des Preußischen Landtages erinnerte bei der Beratung des Forsthaushaltes Landwirtschaftsministcr Steiger Daran, daß insbesondere im letzten Vierteljahr 1931) die Holzpretse katastrophal gesunken feien Der Bauholzmarkt liege noch völlig still Der ganze Holzinarkt lebe von der Hand in den Mund. Die deutschen Zellstoffabriken litten unter den zu hohen Preisen der mit Rußland getätigten Abschlusse Wenn in Deutschland das deutsche Holz mehr bevorzugt würde, so würde der Absatz erleichtert werden.
Recht und Macht.
Es ist besser, Tatsachen ins Auge zu sehen, auch wenn sie noch so bitter sind, als sie zu beschönigen zu versuchen. Und wir müssen es in Deutschland heute schon als Tatsache bezeichnen, daß wir uns in der Weltabrüstungsfrage einer geschlossenen Front der Siegermächte gegenüber befinden, die allmählich auch die letzten Rücksichten auf Deutschland fallen läßt. „Um den Anfang einer allgemeinen Beschränkung der Rüstungen zu ermöglichen, verpflichtet sich Deutschland . . ./ — so beginnt der 5. Teil des Versailler „Friedens"diktats. Aber es hat kaum noch einen Zweck, sich darüber zu streiten, ob juristisch aus jenem Satz eine Verpflichtung der Gegenseite hervorgeht, nun zu einer Beschränkung der Rüstungen zu schreiten, nachdem Deutschland seinerseits die ihm auferlegten Verpflichtungen erfüllt hat. Denn das ist keine juristische, sondern nur eine Machtfrage. Von einer Gleichberechtigung Deutschlands soll keine Siebe sein und unser Hinweis darauf, daß wir als praktisch wehrlose „Macht" dem militärischen Zugriff jedes, auch des kleinsten Nachbarn offen stehen, wird vom französischen Kriegsminister Maginot mit der kalten Erklärung beantwortet, gerade wenn man in der Welt „die internationale Gerechtigkeit zur Herrschaft gelangen lassen wolle, sei es ebenso notwendig wie gerecht und eine Bürgschaft für die anderen Nationen, wenn diejenigen Länder, die die Angreifer im Weltkriege gewesen seien, strengeren Beschränkungen der Rüstungen unterworfen werden, als diejenigen Nationen, die keine Angriffe begangen hätten".
Briand hatte ja vor kurzem auch wieder einmal von der deutschen Schuld a m K r i e g e gesprochen; Maginot befindet sich also mit jenem Satz in der Gesellschaft eines Mannes, der die Verantwortung für die französische Außenpolitik trägt. Infolgedessen war es zur Notwendigkeit geworden, daß man deutscherseits diese Wiederaufwärmung des alten „S ch a u g e r i ch t s" von der Schuld Deutschlands am Weltkriege nicht stillschweigend hinnahm. Der Reichswehrminister tat es kräftig und deutlich, er macht das Recht auch auf deutsche Sicherheit geltend, verlangt in diesem Punkt gleiche Berechtigung, fordert, daß die andern Mächte uns auf dem bis zum bitteren Ende ge- gangenerl Weg der Abrüstung folgen gemäß den Vertragsbestimmungen, verweist auf die Bestätigung des deutschen Rechts auf unsere Forderung durch die Staatsmänner der Gegenseite, — und weiß doch, daß alles eben nur ein Recht bleibt, das durchzusetzen uns die Front der Gegner unmöglich macht.
Wir können in Deutschland an die „Furch t" Frankreichs vor unserer militärischen „Stärke" einfach nicht glauben; wenn man in Paris immer wieder allerhand „Berechnungen" darüber aufstellt — ein treffendes, aber leider auch bitteres Wort hierüber fiel im Anschluß an die Rede Gröners, man solle doch in Frankreich bei diesen Additionen der deutschen „Streitkräfte" nicht die F e u e r- w e h r vergessen —, so setzte der Neichswehrminister auf einen Schelm anderthalbe und zeigte nun an der Hand der amtlichen französischen Mitteilungen, wie sich unser Nachbar im Westen das stärkste und schlagfertigste Kriegsinstrument der Welt geschaffen hat. Und diese wohlerwogene, der Entwicklung der Kriegskunst und -technik angepaßte Umrüstung wird dadurch nicht zur „Abrüstung", daß man ein paar Divisionen aufgelöst hat.
So war es nicht mehr auffallend, daß im Haushaltsausschuß des Reichstages, wo der Etat des Reichswehr- ministeriums beraten wurde, „militärpolitisch" auch nur eine Stimme'bei allen Parteien zum Ausdruck kam: unser Recht, von den anderen Mächten eine Verwirklichung der Abrüstung zu verlangen, soll und muß bleiben, damit der Friede in Europa endlich den Schritt vom Wort zur Tat machen kann. Freilich wissen wir auch, daß dies alles nur eine „einseitige Diskussion" ist und daß die kommende „Abrüstungs"konferenz ein Spiel um Worte nach der einen Seite, Deutschland gegenüber aber nur eine neue Festlegung und Verewigung unserer Entwaffnung werden kann. Und das alles zwölf Jahre nach jenem Satz, daß diese Entwaffnung den „Anfang einer allgemeinen-Beschränkung der Rüstungen" darstellen soll!
desriedigendes Ergebnis der AuKlandfahrt
N e u a u f t r ä g e für die deutsche Industrie.
Tie deutschen Industriellen, die auf Einladung des Obersten Wirtschaftsrates zu Besprechungen und Besichtigungen in Moskau und Leningrad waren, reisten nach Berlin zurück.
Über bie Besprechungen wird eine gemeinsam ver einbarte Erklärung ausgegeben, die fe ff stellt, daß die Aussprache zu beiderseits befriedigendem Er- g e b u i s geführt habe. Das gilt sowohl hinsichtlich einer Reihe von B e s ch le e r den, bie sich im bisherigen Ruß- landgeschäft ergeben haben, ivie auch für grundsätzliche geschäftliche Aussprache über ziemlich bedeutsame neue r u f M s ch e Bestellungen, die von den Siuffen in absehbarer ZeU an die deutsche Schwerindustrie vergeben werden sollen.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Reichswehrminister Gröner betonte in einer Rede im Haushaltsausschutz des Reichstages, daß die Auswahl des Ersatzes für die Reichswehr streng überparteilich erfolge.
* Der Vorstand des Reichslandbundes nahm in einer Tagung in Berlin Stellung zum Agrarprogramm und zu der Osthilfe der Reichsregierung.
* In Polen und in Belgien werden die Bcamtengehiilter um 15 bzw. 6 Prozent gekürzt.