Einzelbild herunterladen
 

Zul-aer /inniger

Erscheint jeden Werktag.Vezugsprels: monatlich 2.20 NM. Bei Lieferungsbehinüerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Kulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Zrankstirt a. M. Nr. 16009

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt Rebaktkon und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-Rnschluß Nr. 9$9 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe »ZulSaer Nnzeiger'gestattet.

Mzeigenpreis: §ür Behörden, Genossenschaf­ten,Banken usw. beträgt die Kleinzeile 0.Z0Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark Bei Rechnungsstel- lung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Plahvorschristen unverbindlich.

Nr. 84 1931

Fulda, Samstag, 11. April

8. Jahrgang

Die gärende Pyrenäenhalbinsel.

Der Madeira-Aufstand greift auf Portugal über. Truppenzusammenziehungen bei Lissabon. Vorläufig Ruhe in Madeira. Auch in Spanien Beunruhigung.

Revolution in Portugal.

Die innenpolitische Lage in Portugal hat sich außer­ordentlich zugespitzt. Nach den bisher vorliegenden Nach­richten ist eine gefährliche Aufstaudsbewegung tm Gange. Bon Madeira ausgehend hat eine Revolte nach Lissabon übergegriffen, die sich gegen die jetzige Regierung richtet.

Schiffe, die von der portugiesischen Hauptstadt nach Madeira abgehen sollten, um den dortigen Aufruhr zu unterdrücken, haben den Hafen noch nicht verlassen können, weil sich anscheinend sowohl Besatzung wie Truppen weigern, auszufahren. Alle öffentlichen Gebäude in Lissabon sind militärisch besetzt. Die Polizei ist in höchster Alarmbereitschaft und Patrouillen und Panzer­autos durchziehen die Straßen. Zahlreiche Verhaftungen sind vorgenommen worden. Um Lissabon herum finden starke Truppenzusammenziehungen statt.

Oie Flieger gegen die Regierung.

Weitere Verschärfung der Lage in Portugal.

Nach den letzten Meldungen aus Portugal ließ die Re- aierung am Freitag den Flugplatz Amadora be­setzen. Die aufständigen Flicgeroffiziere waren jedoch in ihren Flugzeugen trotz einer Notlandung bereits über die panische Grenze entkommen. Politische Verbin- mngen zwischen den Aufständischen in Madeira und dem ruberen Präsidenten Machado sollen nachgewiesen sein.

Portugiesische Politiker in Fühlung mit den Aufständischen?

Lissabon, 11. April.

(Eigene Funkmeldung.)

Die Regierung hat nach einem offiziellen Kommunique meh­rere Funksprüche aufgefangen, die zwischen den Aufständischen bei Insel Madeira und dem früheren portugiesischen Minister- präsidenten Bernardino Machado ausgetauscht wurden. Die ZeitungDiario de Manha" versichert, daß zahlreiche portu­giesische Politiker, die gegenwärtig in Spanien oder in Frank­reich im Exil lebten, ständig in Fühlung mit den Aufständischen M Funchal ständen. Die Regierung warnt die Bevölkerung Mr der Verbreitung falscher Nachrichten.

Augenzeugenberichte aus Madeira.

London, 11. April.

Ueber die Lage in Madeira berichten die Funksprüche zweier Passagiere des DampfersEdinburgh Castle", der gestern auf dem Rückwege von Kapstadt in Madeira anlegte. Der erste Passagier, der die letzten zehn Tage auf der Insel zugebracht hat, bezeichnet die Lage als ruhig, die Revolutionären sind Her­ren der Situation. Dort wohnende britische Untertanen, so

Ein gefährlichesTestament".

Gegen Zoll- und Waffensrieden.

Frankreichs Staatspräsident hetzt.

Der Präsident der Französischen Republik, 3) 0 n suergue, hat es für notwendig erachtet, durch eine Rede m Nizza die Zuspitzung der europäischen Verhältnisse noch su verschärfen. Wenn seine Auslassungen zum großen auch vom französischen innen politischen Stand­punkt ausgewertet werden müssen, so zeigen sie doch klar, wie weit die französische Nation trotz aller schönen Be­teuerungen noch von dem Geiste eines gerechten Friedens entfernt ist. In der ganz unerwarteten Rede des sonst zurückhaltenden Präsidenten hat man in Frankreich eine .Vermächtnis an die Nation" erblickt, uns will aber so scheinen, als ob Doumergue sich dabei nicht als

Sterbender" gefühlt hat, der sein Testament macht, sondern vielmehr als einer, von dem seine Zu- m'.rer sagen sollen:Hei lebet noch! Wir können ihn Mieder bei der jetzt kommenden Präsidentenwahl zum Staatsoberhaupt wählen!"

Bekanntlich kandidieren setzt Doumergue ebenso wte Irland energisch für den P r ä s i d e n t e n p 0 st e n , und wird sich diese ihre Anwärterstellung bei ihren Reden nächsten Zeit immer vor Augen halten müssen. Das y® der französischen Wählerschaft verlangt, wie immer, u innen Führern wenigstens die P h r a s e des Chauvi- .^"'us und hört es gern, wenn ihr alsgrande nation" mychmeichelt wird. Und dieser Einstellung tragen bte "" der Kandidaten Rechnung. Nicht unbedenklich ist V rwenn diese Kandidaten gleichzeitig Staats- Uden t oder Außenminister sind und man Wertz, welche von ihren Ausführungen sie als Staats- eter und welche sie als Bewerber machen.

müff? " umergue führte in seiner Rede u. a. aus, man sei ^""kreich lieben, weil es die große Natron kein-» durch keinen Ehrgeiz, keine Rachsucht und witen lasse. Frankreich habe unwiderlegbare Fri-N-» wtner Friedensliebe gegeben. Ein dauerhafter der ^ "der nur möglich, wenn die Sicherheit also völlig gewährleistet sei. Frankreich habe risck» Ä9C der Völkerbund keine ausreichende milrta- fübruHn äu sâer Verfügung habe, um für die Durch­zu Entscheidungen zu sorgen, das Recht, selbst "chtzugeben und nur auf sich zu zählen.

Weil'»« r'5 cr Annahme werde Frankreich noch bestärkt, 3 "w vlötzlich einem brüsken Ereignis gegenüber

heißt es in dem Bericht weiter, sind durch die Anwesenheit des KreuzersLondon" beruhigt. Andererseits verlassen Besucher, die das Schauspiel einer Revolution nicht in ihr Erholungs­programm ausgenommen haben, die Insel. Ein Teil der portu­giesischen Bevölkerung, die ernste Zwischenfälle befürchtet, wenn die Flotte eintrifft, verläßt Funchal, um in den Bergen Schutz zu suchen. Die Angehörigen anderer Nationen erwarten das Eintreffen von Kriegsschiffen ihres Landes.

Ein Hauptverkehrspunkt der Stadt Lissabon, der Praco de Dom Pedro.

Der andere Passagier berichtet, er sei gestern gelandet und habe eine Fahrt um die Insel unternommen, ohne dabei in irgend einer WÄse belästigt worden zu sein. Allenthalben sei das militärische Element vorherrschend. Das Geschäftsleben scheine sich in normaler Weise abzuspielen. Nur wenige Läden sind geschlossen.

In Spanien wieder Erregung.

Franco in einem Ort bei Barcelona?

Die Polizei- und Militärbehörden von Barcelona sind einigermaßen beunruhigt über Gerüchte, die von dem Aufenthalt des Majors a. D. Franco, seines Mechanikers Rada und des Generals de Llano in Lerida bei Barcelona wissen wollen. Die Bürgergarde steht alarmbereit in den Kasernen und ein ausgedehnter Überwachungsdienst vor allem für Spotelë ist eingerichtet worden. Major Franco war be­kanntlich einer der Führer des letzten Fliegeraufstandes in Spanien.

befinde, beffen Bedeutung in der Gegenwart und dessen Folgen für die Zukunft nicht verkannt werden bürsten, weil die Geschichte des Landes, in dem dieses Ereignis vvrgefallcn sei. einen Präzedenzfall aufweise, der lehrreich und den zu vergessen gefährlich wäre.

Er wolle nichts dramatisieren, aber man müsse die Dinge beim rechten Namen nennen. Frankreich brauche nur sich vom gesunden Menschenverstand leiten

Frankreichs Surul»prupDctü Donurergue.

zu lassen, um seinen Weg zu finden. Dieser gesunde Menschenverstand rate ihm zweierlei an:

1. über den guten Zustand der Finanzen ZU wachen, 2. sich von Dem Gedanken leiten zu lassen, daß ein Land, solange cs keine starke internationale Streitkraft gebe, nicht zulasten dürfe, daß man seine eigene materielle Streitkraft unter das Niveau herabsetze, das die Sicher­heit und Unantastbarkeit des Landes erheische. Die jetzt lebenden Generationen trügen vor den künftigen Gene­rationen die Verantwortung hierfür.

Wenn mit der in diesen Auslassungen zutage treten­den waffenklirrenden Stimmung die Vertreter Frank­reichs in den Völkerbundrat kommen sollten, so kann man sich ja auf eine stürmische Sitzung gefaßt machen. Aber es wird wohl nicht ganz so schlimm werden, und bis da­hin noch einiges Wasser in den Wein der Kandidaten­begeisterung fließen. Wenn sich Doumergue auch da­gegen verwahrt, zu dramatisieren, so muß man doch sagen, daß seine Rede stark nach Theater klingt. Wir möchten aber einmal sehen, was Frankreich angeben würde, wenn unser Reichspräsident eine ähnliche Rede halten würde.

Neue Wege der Wirtschaft.

Holland denkt an einen neuen Kurs.

In Utrecht wurde eine Vertreterversammlung der Anti­revolutionären Partei durch den früheren holländischen Mi- nisterpräsidenlen Collssn eröffnet. Collim, der Vorsitzender der Genfer Zollwassenstillstanvskommission war, erklärte zu der europäischen Wirtschaftskrise u. a.. man verhehle sich hollän­discherseits nicht, daß

andere Maßregeln notwendig würden, wenn nicht bald eine durchgreifende Änderung eintrete.

Man wisse noch nicht, welches die Rückwirkungen der weiteren Entwicklung der deutsch-österreichischen Pläne und des russischen Fünsjahresplanes in Europa seien und welche Richtlinien Eng­land einschlagen werde Jeder dieser Umstände für sich und bestimmt sie alle zusammen könnten eine solche durchgreifende Veränderung der Wirtschaftslage herbeisühreu, daß man sich auch in Holland überlegen müßte, ob man nicht einen anderen Kurs einschlagen solle. Er müsse anerkennen, daß unter völlig veränderten weltwirtschaftlichen Verhältnissen und bei dem zu­nehmenden Streben der meisten Staaten nach wirtschaftlicher Selbständigkeit im Interesse der holländischen Volkswohlfahrt ein anderer Kurs notwendig werden könne

*

Englische Kreise geben im Hinblick auf die Nervosität von Paris ganz klar und eindeutig zu verstehen, daß an der eng­lischen Einladung zu einem Besuch des Reichskanzlers und des deutschen Außenministers in England nicht mehr zu rütteln sei. Diese Angelegenheit sei eine rein englisch-deutsche, und es bestehe auch nicht der geringste Grund für das übrige Ausland, in der Einladung etwa eine Spitze gegen andere Länder zu sehen und sich daher einzuinifchcn.

Das Vundesorgan des Stahlhelms verboten.

Wegen Beschimpfung der preußischen Regierung.

Wegen eines Artikels des Bundeskanzlers des Stahl­helmsAußenpolitik und Preußen-Volksbegehren" Inder Osternummer des Stahlhelm hat der Berliner Polizei­präsident das Vundesorgan des Stahlhelms auf Grund der Notverordnung aus drei Monate verboten. Da der Erscheinungsort des Stahlhelm Berlin ist und das Ver­bot sich auf Reichsgesetz stützt, gilt es damit auch für daS gesamte übrige Reich.

In der Begründung heißt es u. a.: Der beschimp­fende Inhalt ist darin zu erblicken, daß der preußischen Regierung eine äußerst schimpfliche Hand­lungsweise vorgeworfen wird. Es wird von ihr be­hauptet, sie sei völlig ungeeignet zur Abwehr der pol­nischen Gefahr, sie habe die Sabotage des Ruhr­kampfes auf dem Gewissen. Sie werde stets ein Ver­bündeter Frankreichs und damit Polens sein und werde stets suchen, aus ihrem Haß gegen jede stolze Regung der Nation heraus Volk und Reich zu ent­machten. Der preußischen Staasregierung wird weiter vorgeworfen, daß sie außenpolitisch die Reichsregie­rung bremse und, anstatt abstützend, ausweichend auf sie wirke und daß dadurch das Ausland bei seinen Verhand­lungen mit der Reichsregierung in Genf hoffen könne, die preußische Regierung werde dem Reich in den Rücken fallen. *

Die Beschlagnahme der Stahlhelmzeitschrift vom 5. April gerichtlich bestätigt.

Berlin. Die Justizpressestelle teilt mit: Auf Beschluß des Amtsgerichts Berlin-Mitte vom 10. April ist die durch den Polizeipräsidenten Berlin ausgesprochene Beschlagnahme der Nr. 13 der Zeitschrift Der Stahlhelm vom 5. April b e - (tätigt woroen. Die Beschlagnahme erfolgte aus Grund des § 5 Ziffer 1 des Republikschutzgesetzes und des § 185 Strafgesetzbuch wegen des ArtikelsAußenpolitik und Preußenvolksvegehren" von dem Bundeskanzler Major a. D. Wagner. Dieser Artikel enthält dem Inhalt und der Form nach böswillige Verächtlichmachungen der preußischen Staats­regierung.

*

Beschwerde gegen das Zeitungsverbot.

Der erste Vundesführer des Stahlhelms hat an den Polizei­präsidenten von-Berlin Erzesinski ein Schreiben gerichtet, in dem er gegen das Verbot der ZeitungDer Stahlhelm" Be­schwerde einlegt.

Eine Beleidigung sei in keiner Weise erkenntlich und auch nicht beabsichtigt, auch keine Beschimpfung der Reichs- oder einer Landesregierung oder eines einzelnen Mitglieds derselben.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Zn Portugal ist eine gefährliche Aufstandsbewegung aus­gebrochen.

* Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist heute morgen aus seiner' Aegqptenfahrt bei Kairo gelandet. '

* Die Zeitung des Bundes der Frontsoldaten,Der Stahlhelm", ist auf die Dauer von drei Monaten verboten worden.

* Die Eoang. Reichselterntaguna in Bad Harzburg hat mif einer großen Kundgebung ihren Abschluß gesunden.