Zul-aer /inniger
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Äs87 — 1931
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zul-a- und Haunetal* Zul-aer Kreisblatt
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Fulda, Mittwoch, 15. April
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8. Jahrgang
König Alfons von Spanien hat abgedankt!
Das erste republikanische Ministerium gebildet. Die königliche Familie verläßt Madrid.
Aosnrflwg der Republik in Spanien.
Alcalla Zam 0 rra wird Präsident.
König Alfons XIII. hat nach Madrider Meldungen für sich und seine Familie dem Thron entsagt. Das gegenwärtige Kabinett hatte sich Dienstag nachmittag im königlichen Palais, wo die Unterzeichnung der Abdan- kungsurkundc durch den König erfolgen sollte, versammelt. Der abgehende Ministerprüsidcirt Admiral Asnar war dazu ausèrschen, dem künftigen Präsidenten der Republik, Alcalla Z a m o r r a, die staatlichen Gewalten zu übergeben. Nach dieser Übergabe sollte die Republik offiziell in Madrid ausgerufen werden, nachdem das schon in einzelnen großen Provinzstädten vorher der Fall gewesen ist.
SwmischeKundgebungend-rRepubllkaner
Die politischen Leidenschaften in Spanien waren durch die Wahlen aufs äußerste aufgepeitscht worden. Das Wahlergebnis hatte bei den Republikanern einen Rausch der Begeisterung erzeugt, der sich in stürmischen Kundgebungen in den Straßen der Städte Luft schafft. Es kam dabei zu mehreren schweren Zusammenstößen zwischen Monarchisten und Republikanern, bei denen auch mehrere Personen getötet wurden. In der spanischen Hauptstadt besonders durchzogen große Menschenmengen, die Marseillaise singend, die Straßen und der Jubel der republikanischen Menge war unbeschreiblich. Wie immer bei solchen Massenbewegungen war die geschwätzige Fgma emsig am Werk und die wider- sprechendsten Gerüchte durchschwirrten die Stadt. Bald sollte der König abgedankt haben, bald die Diktatur proklamiert sein. Jede Nachricht stachelte die Menschenmenge zu neuen Kundgebungen für die Republik und liegen die Monarchie an.
König Alfons schien noch bis zuletzt entschlossen, nicht mchzugeben und den Thron auf alle Fälle zu verteidigen. Er hatte bereits einen neuen Diktator in der Person des Generals Anida in Aussicht genommen. Die Verhältnisse scheinen denn aber stärker gewesen zu sein und haben ihn zum Thronverzicht gezwungen.
Spanien hatte bereits in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts schon einmal die republikanische Staats- form. Die damalige Königin Isabella wurde von ihrem Thron vertrieben, und die darauf folgenden sechs Jahre hatte das Land unter schweren politischen Wirren zu leiden. Während neun Monate Republikzeit lösten sich vier Präsidenten hintereinander ab, ohne daß es einem gelungen wäre, dem Lande wieder Ruhe und Frieden zu geben.
Katalonien macht sich selbständig.
„..^ erste republikanische Ministerium dürfte folgender- müen aussehen: Ministerpräsident: Alcala Zamora, Weres: Rechtsanwalt Lerroux (Rad. Republ.), Justiz:
de los Rios (Soz.), Inneres: Rechtsanwalt Z°ura (Dem. Republ.). Arbeit: Caballero (Soz.), Finanz. Prieto (Soz.), öffentliche Arbeiten: Rechtsanwalt (Soz.), Unterricht: Lehrer Domingo (Republ.
er£c$r: Rechtsanwalt Barrios, Krieg: Rechtsan- walt Azana (Republ.), Wirtschaft: Bofill (Katalane).
u ^tttoiM und zahlreichen Provinzstädten ist die Re- Volk bereits ausgerufen worden. In Barcelona M.-fsi"" Mcht die spanische, sondern die katalanische, separa- übernomm?n"hat ausgerufen, deren Leitung Oberst Macia sammelten sich im Innern der Stadt unge- Akenschenmassen. Die Polizei verhält sich völlig passiv. Zu Übergriffen der Menge ist es bisher noch nicht „ . gekommen. Entickm"!? -ârchist ischer Seite ist man durch den plötzlichen da mnn Königs, abzudanken, außerordentlich überrascht, zur die Krone werde noch einen letzten Versuch monaâ^ des herrschenden Regimes unternehmen. Mit Tie M^nÄ- Gegenaktionen ist nicht mehr zu rechnen. Qleidimi^ £at sonach nach 150jährigem Bestehen durch die ^" â» ihrer Verteidigung berufenen Kreise auf» inner E,n^.ileren König Alfons wird sich voraussichtlich mit
1 ^âmüie nach England begeben.
Durcheinander in Barcelona.
Madrid m^^"uische Verbindung zwischen Barcelona und Aus bm ZUs Barcelona gemeldet wird, unterbrochen. Flaaae "Lf,uen Gebäuden Barcelonas weht die republikanische >uit'Sti>i»T»^ Postamt ist geschlossen worden, da die Menge des das Gebäude warf, als der Beseitigung Bilder w a- Appens Widerstand entgegengebracht wurde, derbranni wurden aus den Fenstern geworfen und die Poliro'i herrscht ein allgemeines Durcheinander, weil
5 1 ni“^ iveiß, welcher Regierung sie zu gehorchen hat. Mi?j;,o^publikanischc Regierung ist unter dem Vorsitz des U, a ^prasldenten Alcala Zamorra gebildet worden. Finanimi»;^ x^ Qn als Außenminister Quiroga, als Alaura^te^ Prieto und als Innenminister Miguel
Proklamierung der Republik Katalonien.
Barcelona, 15. April.
ien, in Er^^a hat einen Aufruf an die Katalanen erlas- rlg cjG , ?em die Proklamierung der Republik Katalonien geteilt der iberischen Staatenföderation mit- ^anisckon Einvernehmen mit dem Präsidenten der klärt «^undesrWublik übernehme Oberst Macia, so er- ' provtsortsch die Befugnisse des. Regierungspräsi
denten von Katalonien, bis das spanische und das cata- lanische Volk ihren Willen geäußert haben. Jeder, der die öffentliche Ordnung zu stören versuche, werde als Verräter am Vaterlande angesehen. Die Katalanen müßten sich der Freiheit, die sie erhalten haben, würdig zeigen.
Der König verläßt die Landeshauptstadt.
Wie Havas aus Madrid meldet, hat König Alfons der Regierungsgewalt überhaupt entsagt und nicht etwa zugunsten eines Mitgliedes feiner Familie abgedankt. — Da der König de facto auf den Thron verzichtet hat und un-
Alcalla Zamorra wird Präsident der Spanischen Republik.
mittelbar darauf die Republik ausgerufen wurde, sind keine Abdankungsdokumente unterzeichnet worden. I
Der König hat in Begleitung des Herzogs von Miranda und seines Vetters, des Jnfanten Alfonso, Madrid im Auto verlassen. Heute früh um 4 Uhr traf er mit seinen Begleitern in Cartagena ein und begab sich sofort an Bord des Kriegsschiffes „Principe Alfonso".
Der 14. April ist zum spanischen Nationalfeiertag erklärt worden. — Nach dem Echo de Paris sollen sich in der Hauptstadt Spaniens Straßenkämpfe abspielen.
Werkspionage an der Arbeit.
-etnebsspiouase für Rußland.
Organisation über ganz Deutschland verbreitet.
Qy den Veröffentlichungen über die Werkspionage in den I. G. Farben- und anderen deutschen Betrieben wird amtlich mitgeteilt: „Schon seit längerer Zeit ist den zuständigen Behörden bekannt, daß Angehörige der Kommunistischen Partei Deutschlands mit Angestellten rind Arbeitern größerer Betriebe in verschiedenen Städten Deutschlands unter dem Vorwand der
Beschaffung günstiger Arbeitsgelegenheit in Rußland in Verbindung traten. Wahre Absicht war aber die, durch sie in den Besitz wertvoller B e t r i e b s g e h e, m n i f j e zu kommen. Die 'durch die Polizei Ludwigshafen lofort , gepflogenen Erhebungen führten zunächst zur Verhaftung eines früheren Werkschreibers der J. G. Ludwigshaien, Hans S ch m i d. Die bei ihm vorgenommene Hausdurchsuchung und seine Einvernahme ergaben stark
belastendes Material gegen kommunistische Führer, mit denen Schmid in engem Verkehr stand, um ihnen gegen reichliche Zuwendungen wertvolle Betriebsgeheimnisse der J. G preiszugeben. Im Zusammenhang damit konnten Erich Steffen- Berlin und Karl Dienstba ch - Frankfurt am Main anläßlich einer verabredeten Zusammenkunft mit Schmid in Ludwigshafen am 22. März festgenommen werden Beide führten einen umfangreichen Briefwechsel und anderes schriftliches Material mit sich, wodurch sie im Zusammenhang mit den bei den Haussuchungen Vorgefundenen Urkunden ebenfalls schwerbelast et wurden. Insbesondere geht daraus hervor, daß ihnen Schmid schon eine Reihe wichtiger Betriebsgeheimnisse in der Form schriftlicher Berichte zugangig gemacht hatte. Die bisherigen Ermittlungen ergeben einen erheblichen Anhalt dafür, daß es sich um eine
über ganz Deutschland verbreitete Organisation handelt, die dem Zwecke diente, wirtschaftliche Spionage zu treibeii. Als deren Haupt erscheint Erich Stesftn, einer der maßgebenden Führer der RGO, (Revolutionäre Gewerkfchafts- opposition). Für Südwestdeutschland bediente er sich dabei der Vermittlung des Karl Dienstbach, der von seiner früheren Tätigkeit im Werk Höchst der J. G. P^s^ll^e Beziehungen zu Chemie-Arbeitern und -angestellten hatte. Steffen verfügte sicherlich auch über
gute Beziehungen zu rufsifdjen Stellen in Berlin, was schon daraus erhellt, daß seine Frau als Privatsekretärin bei der russischen Handelsdelegation angestellt ist. Die an der Werkspionage beteiligten Perfonen, insbesondere Steffen und Dienstbach, verfügten über r e t ch l t a) e @ e l o - mittel. Ani 10. April wurde noch der Sekretär der Kommunistischen Partei Deutschlands der Pfalz, Eugen Herbst, feftgenommen. Die J. G. Farben hat, wie verfchiedene andere Betriebe, gegen die an der Straftat beteiligten Personen Strafantrag gestellt."
Eine allgemeine Amnestie in Spanien.
Wie verlautet, veröffentlicht die Regierung der Spanischen Republik ein Amnestie-Gesetz, wonach für alle politischen, sozialen und Pressevergehen weitgehendster Straferlaß gewährt wird. Gleichzeitig wird die Vorbereitung einer allgemeinen Amnestie für alle Verurteilten angekündigt.
*
Die Freudenkundgebungen in den Straßen der Hauptstadt, an denen zahlreiche Frauen teilnahmen, verlaufen ohne Störung der Ordnung. Nach den letzten Meldungen sind der König und die Königin gemeinsam abgereist.
Der letzte König von Spanien.
Der letzte König von Spanien, Alfons XIII., wurde am 1 1686, sechs Monate nach dem Tode seines Vaters,
des Königs Alfons XII., geboren und am Tage seiner Geburt zum König ausgerufen. Seine Mutter, Maria Christine, eine geborene Erzherzogin von Österreich, übernahm für das unmündige Kind die Regentschaft Nach einer strengen Erziehung wurde Alfons am 17. Mai 1902 für volljährig erklärt und übernahm die Regierung. 1906 heiratete der König die Prin-
.Viktoria Eugenie von Battenberg, eine Enkelin der Königin Viktoria von England.
Auf den Hochzeitszug des Königspaares fand ein Bomben- attentat statt, bei dem 15 Personen getötet wurden.
Der König zeigte hierbei, wie auch später bei den zahl- reichen auf ihn unternommenen Attentaten, große Unerschrocken-
Der Ehe des Königs entsprossen sechs Kinder, darunter vier Sohne, die jedoch sämtlich körperlich nicht gesund sind. Tie innere wie die äußere Politik Spaniens unter Alfons XIII. war hauptsächlich durch seine Marokkopolitik bestimmt. 1912
ein franjöFiW’fpanif^es Abkommen geschlossen, durch das Marokko zwischen diesen beiden Staaten geteilt wurde. Die Marokkopolitik erregte zeitweise die Unzufriedenheit des Volkes, die verschiedentlich zu schweren Ausschreitungen führte. Die kEgerischen Unternehmungen Spaniens in Marokko dauerten ^.1926,.ehe es mit Hilfe der Franzosen gelang, im spanischen Gebiet die Ruhe herzustellen.
Die entscheidendste Handlung Alfons XIII. fiel in das Jahr 1923, als er sich für die Proklamation derDiktaturPrimo .Riveras einsetzte. Gegen die Regierung Primos, der völlig selbständig handelte, kam es immer zu neuen Militär- r e v s l t e n, die aber jedesmal unterdrückt wurden. Auch ge- lang es Primo, die Meinungsverschievenheiten mit dem Könige immer wieder auszugleichen. Erst im Januar 1930 gelang es, den angebotenen Rücktritt des Diktators anzunchmen Er er- nannte dessen größten Feind, den General Berenguer, zu seinem Nachfolger, doch konnte er ebensowenig wie sein Nachfolger, Generalkapitän der Flotte Aznar, die vcrfassunqsmStzt- gen Zustände in Svanien Herstellen.
Wie die Spione von Ludwigshafen verhaftet wurden.
Über die Verhaftung der beiden Haupibeteiligten an der Werkspionage bei der JG. Farben-Jndustrle wird letzt folgen- des bekannt: Dienstbach und Steffen trafen sich in Frankfurt. Steffen war von Berlin im Flugzeug angefommen. Beide fuhren dann gemeinsam im Schnellzug nach Ludwigshafen, um hier von einem dritten Material in Empsana zu nehmen. Schon bet ihrer Ankunft auf dem Ludwigshafener Hauptbahnhof wurden sie von Kriminalbeamten beobachtet. Sie bestiegen dann einen Kraftwagen, in dem sie nach einer Straße im nördlichen Teil der Stadt fuhren. Als sie den Wagen verließen, wurden sie von anderen Kriminalbeamten verhaftet.
Nr.Sahm Oberbürgermeister von Berlin.
Der neue Magistrat wurde gewählt.
In der Stadtverordnetenversammlung von Berlin wurden die Neuwahlen des Magistrats durchgeführt. Zum Oberbürgermeister wurde der ehemalige Präsident des Danziger Senats Dr. Sahm mit 110 von 209 Stimmen im ersten Wahlgange gcwäblt. Nach der Wahl des Oberbürgermeisters wurden die Kandidaten für die Posten im Magistrat ebenfalls gewählt.
Als Kandidaten waren ausgestellt worden: für den Oberbürgermeisterposten Dr. Sahm (Vp.), für die beiden Bürger- meistervosten Lange (Soz.) und Dr. Elsaß <Dem.), für den Kämmerer Asch (Soz.), für die unbesoldeten Stadtrats- Posten Ahrens und Ortmann (Soz.), Linrweiler (Dtn.), Jursch (Vp.), Kinscher (Wp.) sowie ein Kommunist.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Die Untersuchungen in der Werkspionageassäre in den J. E. Farbwerken haben zur Aufdeckung eines über ganz Deutschland verbreiteten Spionagenetzes geführt.
* Die Verhandlungen über die 300 Millionen Mark Russenaufträge an die deutsche Industrie sind zum Abschluß gekommen.
* Im Kürten-Prozeß wurde, als Kürten die grauenhaften Einzelheiten seiner Verbrechen schilderte, die Oefsentlichkeit ausgeschlofien.
* König Alfons von Spanien hat auf den Thron verzichtet. Spanien wird Republik.
* Bei einem Tunnelbrande in Chikago fanden zahlreiche Arbeiter den Tod. Acht Tote und dreißig Verletzte wurden» geborgen; die Zahl der Toten dürfte jedoch noch größer sein.