Zul-aer Anzeiger
Erscheint jeden WerkLag.Vezugsprels: monatlich «00 RM. Bei âferungsbehinöerungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Zrieürich Chrenklau, Zulöa, Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungsver- leger. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 16009
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal.Zulöaer Kreisblatt
Reöaktion unü Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zerrrsprech-Rnschluß Nr. 989
Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Duellenangabe.ZuiSaer ftnzeiger'geskattet.
Tinzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaften,Banken usw. beträgt dieSleinzeile 0.30 Hit., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für die Reklamezeile 0.90 Mk. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mark ❖ Bei Rechnungsstellung hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfolgen ❖ Tag. und Plahvorschristen unverbindlich.
Air. 89 — 1931
Fulda, Freitag, 17. April
8. Jahrgang
Politische Osterferien beendet.
Brönings Rückkehr nach Berlin.
Die nächsten Arbeiten deS Reichskabinetts.
Die Osterferien des Reichskabmetts gehen jetzt ihrem Ende entgegen. Reichskanzler Dr. Brüning hatte sich nach Abschluß der Parlamentsarbeiten kurz vor dem Osterfest nach Badenweiler begeben, um sich von den Strapazen seiner politischen Tätigkeit zu erholen. Mitte nächster Woche wird der Reichskanzler wieder in Berlin eintreffen, um dann die Regierungsgeschäfte wieder selbst zu übernehmen.
Große Beachtung schenkt man in politischen Kreisen der Tatsache, daß der Reichskanzler gleich nach seiner Ankunft in Berlin den amerikanischen Botschafter Jackett empfangen wird. Natürlich werden bereits allerlei Kombinationen an diesen Empfang geknüpft, ohne daß indessen von autoritativer Stelle die Vermutungen, die über die Aussprache des Reichskanzlers mit dem amerikanischen Botschafter in der Öffentlichkeit verbreitet werden, ihre Bestätigung finden. Immerhin scheint der Empfang Sacketts bei Brüning politisch um so wichtiger zu sein, als der amerikanische Botschafter kurz nach dem Empfang durch den Reichskanzler Berlin für längere Zeit »erlassen wird, um nach Washington zu reisen, wo er der amerikanischen Regierung über die Lage in Deutschland Bericht erstatten wird. Die Rückkehr Sacketts aus Amerika nach Berlin ist erst für Ende Juni vorgesehen.
Ende der nächsten Woche wird das gesamte Kabinett wieder vollzählig beisammen sein, so daß es dann an die Ausarbeitung der gesetzgeberischen Maßnahmen Herangehen kann, die es, solange der Reichstag tagte, nicht erledigen konnte. In erster Linie wird sich das Reichskabinett mit dem Gutachten der Brauns-Kommission zur A r b e i t s l 0 s e n f r a g e beschäftigen. Es wird angenommen, daß die Reichsregie- rung Verordnungen erlassen wird, die im Sinne des Gut- »chtens der Brauns-Kommission das Arbeitslosenproblem einer Lösung näherbringen sollen. Weiter wird das Kabinett auch Z 0 l l f r a g e n beraten, da Reichsernährungsminister Schiele auf Grund der vom Reichstag gegebenen Zollermächtigung verschiedene Zollerhöhungen verlangt.
Starke Beachtung hat in politischen Kreisen das Schreiben des Führers der Deutschen Volkspartei, Dr. Dingeldey, gefunden, in dem er scharfen Einspruch gegen die Durchführung der Notverordnung durch die preußischen Polizeibehörden erhebt, und für den Fall, daß keine Abhilfe erfolge, mit politischen Folgerungen droht. Worin diese Folgerungen bestehen sollen, wird in dem Schreiben zwar nicht mitgeteilt, es ist indessen kaum schwer zu erraten, daß die Volkspartei bei Versagung ihrer Forderung etwa daran denkt, dem Reichskanzler die Gefolgschaft aufzukündigen. Reichskanzler Dr. Brüning scheint sich im übrigen für eine Ausgleichung der Gegen- Mtze, die bei der Durchführung des Volksbegehrens in Preußen zwischen der preußischen Regierung und dem Stahlhelm entstanden sind, eingesetzt zu haben. Auf seine ^mtiatibe dürfte es zurückzuführen sein, daß einige Maßnahmen der preußischen Polizei korrigiert worden sind, obne daß man allerdinas deswegen anzunehmen braucht.
Unruhen in Spanien.
Kein Throoverzicht König Alfons'.
Die Fahne der Republik auf dem Königsschloß.
Der Weiterentwicklung der Dinge in Spanien sieht eimger Besorgnis entgegen. Der Kampf um die ^ t? hEe eine gewisse Einigkeit geschaffen zwischen 0 zjalisten und den bürgerlichen Republi- aber jetzt, nach erreichtem Sieg, scheinen die radi- demente sich gegen die gemäßigten zu wenden, .„^politischen Revolution eine soziale folgen
< Auch die Kommunisten regen sich, und es ^„'n-nberetts aus verschiedenen Orten Nachrichten über fvliu-v Unruhen. Eine dritte Gefahr ist die einer Zer- bet Bewegung durch separatistische Ten- lvNten' erstreb^ ^âdung einer eigenen Republik Kata-
Die republikanische Fahne auf dem Königsschloß.
königlichen Palais in Madrid m Feuerwehr ein großes Plakat an mit der Auf- bir - ' ^'E, respektiere dieses Gebäude, denn es gehört rev'ukili^r^^ln wurde das königliche Wappen mit her dem f,^;1^ Flagge überdeckt. Gleichzeitig ging auf Flao^»^^^ Palais die republikanische 0 6 g e l n d i e H ö h e.
Die Abschiedskundgebung Alfons' XHI.
^fonfxm01^. der Abschiedskundgebung heißt es- a^ci» Volk ist jetzt cingetroffen. In ihr Siebe mX»le Zahlen zeigen mir klar, daß ich heute die ^ugun-i Kalkes verloren habe. Meine über- S ü (tio ist ml-r/ .daß diese Abneigung nicht end- ^fänien?, alles, was ich tat, im Dienste tobst Spongs. dlu König aller Spanier und können Cs- H.R.hätte verschiedene Mittel anwenden '"eine Ewiglichen Vorrechte zu behalten und ^neiden ö» schlagen. Aber ich möchte alles ^Nen $rithmr • nteine Landesgenossen gegeneinander in oeurtea bellen könnte.
daß das Zentrum sich für das Volksbegehren des Stahlhelm einsetzt. Darauf läßt eine scharfe Rede des Führers des preußischen Zentrums, des Abg. Heß, schließen, die er in Koblenz auf einem Parteitag des rheinischen Zentrums gehalten hat und in der er sich scharf gegen das Volksbegehren wandte.
Wie man sieht, sind die politischen Osterferien tatsächlich zu Ende, und die kommenden Frühlingswochen dürften neue politische Kämpfe brinaen.
Mitte Mai Arbeiisnoiversrdnungen.
Arbeiten des vom Netchsaibeitsminister eingesetzter Gutachterausschusses werden frühestens Ende April abae- schlossen werden.
Nach Vorlieae» des ersten Teilaulachtens, das die Kür- rnng der Arbeitszeit empfiehlt, rechnet man für Ende der kommenden Woche mit der Veröffentlichung eines zweite» Gutachtens zu Fragen der produktiven Erwerbs- lvsenfurforge, der Arbeitsdienstpflicht usw. Der dritte und entscheidende Teil der dem Ausschuß gestellten Ge- samtaufgabe, nämlich die Prüfung der Reformmöglichkeilen bei der Erwerbslosenversicherung und Den Arbeitslojenfürsor- gen, wird kaum vor Ende April zum Abschluß kommen. Die S Angelegenheit wird durch diese Verzögerung bis etwa Mai vertagt werden.
Die Aoie Euriius.
Der Eindruck in Genf.
Die Note des Reichsautzenmmisters Dr. Curtius hat in Genfer Völkerbundkreisen stärkste Beachtung gefunden. Man stellt übereinstimmend fest, daß die deutsche Regierung das deutsch-österreichische Zollabkommen beim Punkt 3 der Tagesordnung deS Europäischen Ausschusses — Weltwirtschasts- fragen — zur Sprache bringen will, wodurch zwangsläufig die Aussprache über das Zollabkommen in die Behandlung der allgemein europäischen Wtrtschaftspr 0 bleme eingcgliedert wird. Der sachliche Vorschlag in.der deutschen Note, die gegenwärtigen europäischen Zollverhältnisse nach dem Scheitern der Genfer Zollwaffenstillstandsverhandlungen, sowie das System der Vorzugszölle im Europäischen Ausschuß zur Sprache zu bringen, wird dahin ausgelegt, daß die deutsche Regierung von neuem bestrebt sei, die bisher gescheiterten Versuche des Völkerbundes zu einer allgemeinen Senkung der europäischen Zolltarife und wirtschaftlichen Verständigung zwischen den europäischen Staaten aufzurollcn und damit über das deutsch-österreichische Zollabkommen hinaus die gesamten europäischen Wirtschaftsprobleme in den Vordergrund zu rücken.
Man erwartet daher, daß das Schwergewicht der Verhandlungen über das deutsch-österreichische Zollabkommen nicht, wie aus englischer und französischer Seite beabsichtigt, in den Beratungen des Völkerbundrates, sondern vielmehr in der wirtschaftspolitischen Aussprache des Europäischen Ausschusses liegen wird.
Da die Tagesordnung des Europäischen Ausschusses diesmal außerordentlich überlastet ist, so rechnet man mit einer längeren Ausdehnung der am 15. Mai beginnenden Tagung des Europäischen Ausschusses, so daß eine Fortsetzung der Verhandlungen des Europäischen Ausschusses nach dem Schluß der Ratstagung stattfinden wird.
Im Gegensatz zu der Januartaguna soll diesmal eine gleichzeitige Sitzung des Europäischen Ausschusses und des Völkerbundrates nicht stattfindcn.
Ich verzichte aus keines meiner Rechte, denn sie gehören mir nicht allein, sondern sind ein durch die Geschichte zusammengctragencs Depot, und ich werde eines Tages genaue Rechenschaft über ihre Erhaltung abzulegen haben.
Bis das Volk gesprochen hat, gebe ich die Ausübung der königlichen Gewalt auf und entferne mich aus Spanien, um dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß das Volk alleiniger Herrscher über sein Geschick ist."
König und Königin in Paris.
König Alfons XIII. von Spanien ist gestern gegen Mitternacht in Paris eingetroffen.
Die Königin ist in Paris eingetroffen. Auch sie wurde von zahlreichen Freunden und Anhängern begrüßt und war Gegenstand einer herzlichen Ovation. Das königliche Paar hat in einem Hotel ein Stockwerk für sich gemietet. Wie verlautet, soll die Königin ihren
Kronschmuck, der auf etwa 250 Millionen Frank geschätzt wird, mitgenommen haben. Dieser Schmuck besteht aus einer Krone in Gold und einem goldenen Diadem, das mit Diamanten besetzt ist und gelegentlich großer offizieller Zeremonie getragen wurde.
Kein Thronverzicht.
Der Sonderberichterstatter einer französischen Zeitung hatte im Zuge nach Paris mit der Königin von Spanien eine Unterredung. Die Königin, die durch die letzten Ereignisse stark mitgenommen schien, erklärte immer wieder, daß sie die Umwälzung als ein furchtbares Ereignis ansehe. Wenn der König aber Widerstand geleistet hätte, so würde man sicherlich die ganze Familie ermordet haben.
Die Königin wandte sich energisch gegen die Behauptung, daß König Alfons auf den Thron verzichtet habe. Er habe weder verzichtet noch überhaupt die Regierungs- geschäftc übergeben, sondern er sei einfach abgereist.
Die Lage in Spanien.
Italien und der Vatikan zu den Ereignissen.
Die Ereignisse in Spanien werden in Italien mit Interesse verfolgt. In Vatikankreisen wird zunächst noch außer ste Zurückhaltung bewahrt. Das halbamtliche „G l 0 r n a l e d' 11 a l i a" erklärt, die Ereignisse in Spanien seien mit Ruhe und Unparleilichket zu betrachten, da es sich um innere Angelegenheiten Spaniens handele. Das Schicksal des Königs scheine infolge der geteilten Richtungen noch nicht endgültig entschieden zu sein.
Der „Lavoro Fascista" will in der Vatikanstadt erfahren haben, daß der Regierungswechsel den Heiligen Stuhl nicht mit Besorgnis erfülle, da von einigen Vertretern des neuen Regimes bereits Zusicherungen vorlägen. Der apostolische Nuntius bleibe zunächst in Madrid in Erwartung der wetteren Entwicklung, der man im Vatikan mit Optimismus entgegen- sehe.
*
Der Prinz von Wales besucht nicht Madrid.
Mit Rücksicht auf die Ereignifle in Spanien wird sich der Prinz von Wales, der sich auf der Rückreise von Südamerika befindet, nicht Madrid besuchen. Auch hängt die Frage, ob er Lissabon berühren wird, von der weiteren Entwicklung der Dinge in Portugal ab.
Jnfani Juan Carlos, der dritte Sohn des Königs von Spanien, ist an Bord eines spanischen Zerstörers in Gibraltar eingetroffen.
Spanien und der Völkerbund.
Der Verlauf des Umsturzes in Spanien wird in führenden Kreisen des Völkerbundes mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Eine Stellungnahme hierzu erfolgt selbstverständlich nicht. Es wird lediglich festgestellt, daß der spanische Botschafter in Paris Quinones de Leon, der seit Jahren Spanien im Völkerbundrat vertreten hat und als ein ausgesprochener Anhänger Frankreichs bekannt war, in Zukunft nicht mehr an den Genfer Verhandlungen teilnehmen wird.
Quinones de Leon war vom Völkerbundrar zum Berichterstatter für die gesamten Abrüstungsfragen ernannt worden und hatte auf der letzten Ratstagung des Völkerbundrates im Januar den Auftrag erhalten, gemeinsam mit dem Generalsekretär des Völkerbundes die vorbereitenden Verhandlungen für die Abrüstungskonferenz zu führen. Man nimmt hier allgemein an, daß der neue spanische Außenminister Lerroux persönlich Spanien auf der Maitagung des Europäischen Ausschusses und des Völkerbundrates vertreten wird. Über die Haltung, die die neue spanische Regierung zum Völkerbund und insbesondere zu der Abrüstungsfrage einnehmen wird, liegen hier noch keinerlei Anhaltspunkte vor.
politische Rundschau
Deutsches Reich
Stapellauf des Panzerschiffes „A".
Vom Reichswehrministerium wird mitgeteilt, daß das Panzerschiff „A", wie vorgesehen, am 19. Mai vom Stapel laufen werde. Der Name des Panzerschiffes werde erst am Tage des Stapellaufs bekanntgegeben werden.
Die Fürsorge für jugendliche Arbeitslose.
Die von der Reichsanstall für Arbeitslosenversicherung im Zusammenwirken mit den Ländern und Gemeinden durchgeführten beruflichen Bildungsmaßnahmen für jugendliche Arbeitslose haben nach Mitteilungen der Reichsanstalt gute Erfolge gehabt. Allein an den Lehrgängen der Reichsanstalt haben in den Monaten Januar bis März 1931 etwa 80 000 jugendliche Arbeitslose — darunter etwa 68 000 junge Arbeiter — teilgenommen.
Aus In- und Ausland
Berlin. Der Landvolkführer Gereke hat erneut bei Staatssekretär Pünder in der Reichskanzlei vorgesprochen, um wegen Der Handhabung der Notverordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen durch die preußischen Behörden vorstellig zu werden.
Mainz. Die ehemaligen 88er (2. Nassauisches Infanterieregiment 88) planen für den 22. August 1931 eine Wiedersehensfeier in Mainz. Am 23. August soll vor der alten Kaserne das Denkmal für das Regiment und feine -m großen Kriege Gefallenen enthüllt werden.
Paris. Nachrichten aus Lissabon zufolge ist der Aufruhr auf den Azoren noch keineswegs niedergeschlagen. Ein portu- gicsisches Schiff soll jetzt Truppenverstärkungcn nach den Azoren bringen.
Ein eigenartiger Aufruf.
Deutsche Flüchtlinge aus Kriegsgefangenenlagern gesucht.
Von der englischen Rundfunkgesellschaft geht zurzeit eine lebhafte Suche nach Deutschen aus, denen es gelungen ist, während des Krieges aus englischen Gesänge n e n l a g e r n zu entfliehen. Es ist geplant, eine Reihe solcher Selbsterlebnisse ehemaliger deutscher Militärper- sonen zu veröffentlichen, doch hat die Gesellschaft bisher keine entsprechenden Personen ausfindig machen können. Sie hat jetzt Anzeigen in verschiedenen Zeitungen erlassen, um Angebote zu erhalten.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Bei Osnabrück wurden neue Raketenflugversuche gemacht; sie nahmen einen überaus günstigen Verlauf.'
* Im Kürten-Prozeß kam es bei der Vernehmung der Zeugen zu dramatischen Szenen.
* König Alfons von Spanien hat in einer Abschiedskund- gebung an sein Volk erklärt, daß er auf keines seiner Thronrechte verzichtet habe.