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Arl-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zulöa- und Haunetal-Zulöaer Kreisblatt
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Fulda, Mittwoch, 29. April
Jahrgang
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Feuertod bei der Arbeit
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Wie wir gestern bereits kurz meldeten, ereignete sich in der Magdeburger Sacharinfabrik vorm. Fahlberg, List u. Co. eine schwere Explosion, durch die acht Personen auf der Stelle getötet und fünf verletzt wurden. Außer sämtlichen Löschzügen der Magdeburger Feuerwehr waren auch je ein Kommando der Reichswehr und der Schutzpolizei zur Hilfeleistung erschienen.
Zu dem Unglück erfahren wir noch:
Die Explosion erfolgte in einem schuppenartigen Gebäude der Fabrik, in dem sog. Horapatronen zur Massenvernichtung von Ratten und Feldmäusen hergestellt wurden.
Eine große Mischtrommel,
in der die Bestandteile für die Herstellung der Patronen gemischt wurden, enthielt außer anderen Chemikalien
' auch Schwefel und S a l p e t e r , die sich durch Reibung und Hitze entzündet und die Explosion verursacht zu haben scheinen. Von den S t i ch f l a m m e n, die bei der Explo-
. Ion hervorschossen, wurden zahlreiche Personen erfaßt; facht von ihnen verbrannten auf der Stelle. Wach einer anderen Meldung soll der Tod der Arbeite
rinnen durch herumfliegende Stücke der auseinander-
gerissenen Mischtrommel verursacht worden sein. Unter Wem Personal der Fabrik brach eine Panik aus, und Meder versuchte, so schnell wie möglich den Fabrikhof zu erreichen.
Unmittelbar nach der Explosion spielten sich auf dem Fabrikgrundstück furchtbare Szenen ab: Im Handumdrehen stand das gesamte Gebäude
in hellen Flammen;
durch die Gewalt der Explosion war eine Seitenwand her- ausgedrückt worden, die gesamte Inneneinrichtung samt allen Möbeln ist vollkommen zerstört. Die Mädchen, deren Kleider durch die Stichflamme in Brand geraten waren, Wwfen gleich brennenden Fackeln auf dem Hof herum.
Das Gebäude, in dem sich der Füllrauni befand, ist M Völlig zerstört. Nur die äußeren Wände stehen, während innen sämtliche Zwischenmauern und die Decken ein- ^sturzt sind. Vertreter der Magdeburger Kriminalpolizei ■ M der Staatsanwaltschaft weilen an der Unglücksstätte Mnd versuchen zusammen mit Sachverständigen und Vertretern der Werkdirektion die Explosionsursache zu er- mitteln.
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Die Sacharinfabrik
vormals Fahlberg, List u. Co. befaßt sich vornehmlich mit der Herstellung von Säuren, Eisenfarben, Düngemitteln und pharmazeutischen Präparaten. Die Direktion der Fabrik befindet sich in Berlin. Wie es heißt, soll die bei der Mischung gefährlicher Chemikalien erforderlich" Sorgfalt ständig beobachtet worden sein.
10 Todesopfer.
Aus Magdeburg wird heute gemeldet:
Zwei von den bei der Explosionskatastrophe in der Sacharin-Fabrik Fahlberg, List u. Co. schwer verletzten vier Arbeiterinnen sind inzwischen im Krankenhaus verstorben. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 10.
Explosion einer Ölquelle in Texas.
12 Personen getötet.
Newyork, 29. April.
(Eigene Funkmeldung.)
Bei Gl adwate r (Texas) explodierte eine Oelquelle. Zwölf in der Nähe beschäftigte Personen wurden getötet. Die aus der Oelquelle aufschiebende Flamme hatte eine Höhe von ungefähr 100 m. Die Explosion wird auf einen durch die Reibung von Metallteilen entstandenen Funken zurückgeführt.
Einzelheiten.
Newyork, 29. April.
Zu der Explosionskatastrophe in Eladwater wird noch gemeldet: Infolge der riesigen Hitze ist jede Annäherung an die Explosionsstelle unmöglich. Nur 3 Leichen konnten geborgen werden. Einer der Verunglückten lief eine Strecke weit als brennende Fackel, doch waren seine Kleider derartig mit Petroleum getränkt, daß alle Löschversuche vergeblich waren. Neun andere sah man in dem Flammenmeer verbrennen. Die Explosion erfolgte anscheinend beim Herausholen der Werkzeuge aus dem Bohrloch, das plötzlich zu fließen begann.
Bor der neuen Notverordnung
Reichstag im Juni?
Auf Antrag der Sozialdemokratie.
. "^errichteten parlamentarischen Kreisen nimmt man wie berichtet wird, an, daß der Reichstag nun doch .no$ einmal zu einer kurzen Tagung zu- wird. Der von den Kommunisten vor beiE eingebrachte Antrag auf sofortige Ein- l$«irZ?Z Reichstages werde allerdings keine praktische die Regierungsparteien und die Sozial- g Es Li Z Elchlossen seien, diesen Antrag abzulehnen, "uzunehmen, daß Mitte oder Ende Mai die beruflnia s"en selbst einen Antrag auf Ein- lich ein -M E ^xchstages stellen würden, der dann natür- } M^ehrheit finden werde.
v e r o » aubt, daß die bevorstehenden neuen Not- ■ anbei/" ü ^" für die Sozialdemokraten die I a^simg zu diesem Schritt sein würden, da die
I di/ Ebnungen Bestimmungen enthalten sollen, nehme» Ä behauptet, die Sozialdemokraten nicht Hinsie ".Hue wenigstens den Versuch zu machen,
Die ZZ6 Entscheidung des Reichstages zu beseitigen, schmi^i/ * Sozialdemokraten sei gegenwärtig sehr zum 3 der sozialdemokratische Parteitag, der Tür steh,-* V einberufen worden ist, vor der
statische Ä diesem Parteitag werde die sozialdemo- muffen ebJ^ ihre Haltung rechtfertigen
taoLhneZ’0 yte die neun sozialdemokratischen Reichs- die in der P a n z e r k r e u z e r f r a g e tragen gestimmt haben, ihre Gründe vorwerde Der sozialdemokratische Parteivorstand
Kreisen herV "'M der radikalen Stimmung in weiten E i n h e sozialdemokratischen Partei nachzugeben, auf nehmet des Reichstages dringen. Man kurzen ■ ^ Reichstag dann im Juni zu einer Für di'eson^ " einwochigen Tagung zusammentreten werde, national-» Zusammentritt würden sich auch die Deutsch- erfiareu ni-n^^^Eälsozialisten und die Kommunisten Partei und des sVndv°M ^ $ertreter ber Wirtschafts-
^ie Reichsiagssraküsn der AGDAp. gegen die Notverordnung.
In M °" den Reichspräsidenten. '
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aä| Erlas; der tihLrALU1 b 3 9 gegen die NSDAP. Hal
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Sarmen angenommen, die jeder Beschreivung spotten. Die eichstagsfraktion erhebt gegen diese unerhörten Verfassungs- bruche vor der ganzen deutschen Öffentlichkeit einstimmig und feiernd) Einspruch. Sie versichert und gelobt, nicht zu ruhen und zu rasten, bis diesem Terrorregiment durch Urteil des Volkes legal ein Ende gemacht wird.
Sie ermahnt den Herrn Reichspräsidenten im Ranien von Millionen unterdrückten und terrorisierten Deutschen, entsprechend seiner Pflicht Die Grundrechte der Ver- fastung gegen die Gesetzesbrüche der parlamentarischen Mehrheitskoalition zu verteidigen, oder aber, wenn er das nicht kann oder will, zurückzutreten und den Schutz seiner ehemal, gen Wähler einem neu zu best im wenden nationalen Reichspräsidenten zu überlassen.
Göbbels in München verhaftet.
Zur Zwangsvorführung zuni Berliner Termin.
Der Reichstagsabgeordnete Dr. Göbbels wurde ant Montag abenb um lü Uhr, als ?r beim Abendessen in einem Münchener Hotel saß, von der Polizei ver- haftet. Göbbels, der schon im Besitz einer Schlaf- wagenfärte war, fuhr um 11 Uhr in Begleitung vor Vollzeibeamien nach Berlin. Die Verhaftung wurde an- geordnet. Weil Göbbels einen Termin in Berlin am Mom tag nicht wahrgenommen, sondern an einer Frakiions- H-0 der Nattonalsozialisten in München teilgenomme»
Einladungen zur Ratstagung.
Österreich, Belgien und die Tschechslvwakci kommen nach Genf. ~ Der Generalsekretär des Völkerbundes hat an die drei Llgnatarstaaten des ersten Genfer Protokolls von 1922, die uicht Mitglieder des Völkerbundrates sind (Österreich, B e l g i c n und Tschechoslowakei) ein Schreiben ge- richtet, in dem darauf hingewiesen wird, daß mit dem âuf der Tagesordnung der Maitagung des Rates stehenden d e u t 1 ch - ö st e r r e i ch i s ch e n Z o l l a b k o m m e n eine ^rage zur Verhandlung gelangt, die diese d.ei Mächte als Dlgnatarstaaten des Genfer Protokolls berührt. Den drei Regierungen wird anheimgestellt, ihre Vertreter für die Verhandlungen des Völkerbundrates zu benennen. Es ist luerbel darauf hinzuweisen, daß das Schreiben des Generalsekretärs lediglich an die Signatarstaaten des ersten Genfer Protokolls gerichtet ist, das die Bestimmungen über bte Unabhängigkeit Österreichs enthält. Die signatarstaaten der beiden anderen Genfer Protokolle, in denen bte allgemeinen A n l e i h e b e d i n g u n g c n fest gelegt und und durch die die Kontrollkommission geschaffen wurde, sind nicht emgeladen worden.
Immer langsam voran!
„Warum denn etwas auf einfachem Wege machen, wenn es kompliziert auch geht!" — an diese heutzutage nicht mehr ungewöhnliche Redensart darf man wohl denken, wenn man hört, daß wegen der geplanten deutsch-österreichischen Zollunion — man kann auch sagen: gegen diesen Plan — noch ein dritter Ausschuß zusammentreten und verhandeln soll. Für den Völkerbundrat ist solch eine Behandlung angemeldet, für das vorher noch tagende Europakomitee hat der deutsche Außenminister jetzt schon das Gleiche verlangt und nun heißt es, daß auch noch jener Kontrollausschuß, der für die österreichische Völkerbundsanleihe von 1922 als Überwachungsinstanz gebildet war, aus einem englischen, einem italienischen und einem französischen Delegierten besteht, im übrigen bisher ein Dasein im Verborgenen führte, nun mit der üblichen Prüfung der Frage beauftragt werden soll, ob denn der deutsch-österreichische Zollplan mit dem damaligen „Protokoll vom Oktober 1922* zu vereinbaren ist oder nicht. Tas wären dann also glücklich drei Instanzen, wozu aber gegebenenfalls noch als vierte — die überhaupt allein ein wirkliches Entscheidungsrecht hat — der Internationale Schiedsgerichtshof im Haag treten würde, von dem die Berufung dann wieder an die Vollversammlung des Völkerbunds selbst gehen könnte. Ta darf man dann auch wohl das bekannte englische Soldatenlied zitieren: „It is a long, long way to Tiperary", was man hier am besten mit „Nur immer langsam voran . . .!" übersetzen kann.
Weder Deutschland noch Österreich können und wollen jenen Kontrollausschuß in seinem Vergnügen stören, wenn er wirklich diese „Arbeit" des Nachprüfens in Angriff nimmt. Denn was er dabei produzieren würde, gleichgültig, ob es ein Ja oder ein Nein wäre, entbehrt jeder Rechtsverbindlichkeit. Und man geht wohl auch nicht ganz fehl in der Annahme, daß die Anregung zu dieser neuesten Zwischenuntersuchung aus Paris stammt, weil die englischen Kronjuristen die Nichtverletzung des Protokolls von 1922 durch den Zollunionsplan und seine Durchführung festgestellt haben sollen.
Also wird schleunigst nach einem anderen Strohhalm gegriffen, besonders da man außerdem auf der sranzösisch-tschechisch-polnischen Gegenseite ausdrücklich daran festhält, daß in Genf die deutsch-österreichischen Vereinbarungen durchaus nicht nur vom juristischen, sondern gerade und vor allem vom politischen Standpunkt aus behandelt werden sollen.
Das hat der tschechische Außenminister Benesch vor kurzem in seiner vierstündigen Rede vor dem Ausschuß des Prager Parlaments wieder einmal scharf und wiederholt unterstrichen. Er hat aber noch viel mehr geredet. Aber er beschränkte sich nicht nur auf Kritik und Ablehnung des deutsch-österreichischen Vorvertrages nebst der Einladung an die Tschechoslowakei, selbst dieser Zollunion beizutreten. Auch der ist nicht der wichtigste Hinweis, die Rechte der Meistbegünstigung würden ebenso von französischer wie tschechischer Seite auch gegenüber einer deutsch-österreichischen Zollunion geltend gemacht werden, weil und so lange die im Vorverträge vorgesehenen Zwischenzölle zwischen Deutschland und Österreich bestehen. Sondern Benesch produziert nun in Grundzügen auch den Gegenplan seines „großen Freundes" Briand. Di« Beziehungen zwischen Paris und Prag sind ja jetzt sehr intim; gerade hat die Tschechoslowakei eine Anleihe von 40 Millionen Dollar aus Frankreich erhalten und zum Dank dafür hat nun jene besondere Abteilung im Prager Außenministerium eifrig und brav gearbeitet, wo man mit größter Sorgfalt alles registriert, was irgendwie nach „Anschluß" riecht. Dort ist so etwas wie die Zentrale der Offensive, die man von Paris, Prag, Warschau aus gegen Berlin-Wien eingeleitet und energisch vorwärtsgetrieben hat.
Mit dem Gegenplan sicht es im Hinblick auf die ihn behandelnden Darlegungen Beneschs aber mehr als dürftig aus. Es sind wirklich nur „olle K a m e l l e n", die da vorgebracht werden: Präferenzzölle gegenüber den südost- europäischen Agrarstaaten — aber ohne Gegenkonzessionen auf industriellem Gebiete —, Verständigung zwischen den Industriestaaten über Nichterböhung bzw. Angleichung der Zölle, zwischenstaatlicher Ausgleich in der industriellen Erzeugung und in der Absatzverteilung, dann Abbau der Zölle von Bordeaux bis Bukarest und von Hammerfest bis Messina — kurz das gleiche, was unter dem Namen „Vereinigte Staaten Europas" nicht mehr ganz neu ist und bei seinem ersten Schritt als „Zollwaffenstillstand" bekanntlich in Genf vollkommen hoffnungslos die Arme und Beine brach.
Wenn dies die Ausführung eines Wortes ans der Rede Beneschs sein soll, „die Regierungen von Berlin und Wien haben ein Recht darauf, zu verlangen, daß mar? in einer konstruktiven Weise an eine europäische Zusammenarbeit herangehe," so ist der Gegenplan ungefähr das Gegenteil dieser Forderung. Und daran kann selbst eine dreifache „Behandlung" der deutsch-österreichischen Vereinbarungen nichts ändern, weil man auf der Gegenseite zwar in der Kritik und Ablehnung groß ist, um so dürftiger aber an positiven, durchführbaren Gegenvorschlägen
Kleine Zeitung für eilige Leser.
* Das Neichskabinett hat sich in seiner Sitzung weiter mit den Zollfraaen beschäftigt.
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