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erscheint seden werktag.Bezugspreks: monatlich 2 20 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag Kriedrich Threnklau, Zulda, Mitglied des Vereins Deutscher Zeltungsver- leger. Postscheckkonto rSrankfurt a. M. Nr. 16009

SZTof 1931

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal Zuldaer Kreisblatt

Re-aktkon und Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-flnschluß Ur. 989

Nachdruck der mit * »ersehenen Artikel nur mit (Quellenangabe .ZulSaer Nnzeiger^geslattet.

Fulda, Samstag, 2. Mai

Mzeigenpreis: Zür Behörden, Genossenschaf- ten/Banken usw. beträgt die Kleinzelle 0.30 Mk., für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für öle Reklamezeile 0.90 M. u. alle anderen 0.15 Mk., Reklamezeile 0.60 Mack Bei Rechnungsstel- hing hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfol­gen Tag- und Plahvorschnsten unverbindlich.

Jahrgang

Der 1. Mai im In- und Ausland.

Im Reiche, abgesehen von Berlin, durchschnittlich schwache Beteiligung an den Demonstra­tionen. Keine größeren Störungen. Nur in Spanien kam es zu ernsten Zusammenstößen.

MffkaversmmlMgen und Umzüge.

Die Maifeiern im In- und Ausland wurden von zahl- reichen allgemeinen oder besonderen Verboten politischer De­monstrationen betroffen. In der N e i ch s h a u p 1 st a d t wai für die gesamte Schutzpolizei erhöhte Alarmbereitschaft angesetzt worden, um die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu gewährleisten. Die Berliner Verkehrsgesellschaft hielt den üblichen Wochentagsbetrieb aufrecht, ebenso auch die Reichsbahn. Der Bank- und Geschäftsverkehr spielte sich im üblichen Rahmen ab.

Zwei große Kundgebungen unter freiem Himmel waren genehmigt worden: eine Kundgebung der Sozial- demokratischen Partei im Lustgarten und die körn- munistische Kundgebung, die gleichfalls für später im Lust­garten angesetzt war. Die Teilnehmer marschierten zu beiden Veranstaltungen geschlossen an. Um einen geschlossenen Ab­marsch hatten nur die Kommunisten nachgesucht. Die Genehmi­gung dazu ist vom Polizeipräsidenten erteilt worden. An- und Abmarsch der einzelnen Demonstrationszüge spielte sicy

unter starkem polizeilichen Schutz

ab. Daneben fand aber auch in allen anderen Stadtteilen, be­sonders auch in den Hauptgeschäftsstraßen, verstärkter Pa- trouillendienst der Polizei statt. Außer den öffentlichen Kund­gebungen der SPD. und KPD. fanden am Abend in ver­schiedenen großen Sälen geschlossene Maifeiern statt.

Auch die Nationalsozialisten veranstalteten eine große Kundgebung im Sportpalast. Ein Antrag der Nationalsozialisten zur Genehmigung eines U m- tuges ist vom Polizeipräsidium abgelehnt worden.

Die Kundgebung der Gewerkschaften und der SPD.

Die Maifeierkundgebung der Sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften im Berliner Lustgarten verlies ohne jeden Zwischenfall. Der weite Platz zwischen Schloß und Museum war mit einer nach Tausenden zählende» Menge an» e, übuchte ein Wall von roten Fahnen nuporraare. Retchs- geokdneler Künstler forderte die Arbeiterschaft zum Kampfe gegen den Faschismus auf. Er schloß die Kundgebung mit dem Rufe:Die deutsche und die internatio­nale sozialistische und Gewerkschaftsbewegung, sie leben höchst Ter Abmarsch vollzog sich im wesentlichen ohne Störungen. Zu kleineren Zusammenstößen kam es zwischen Nationalsozia­listen, die Lieder sangen, und abmarschierenden SPD.-An- Hängern. Polizei griff ein und stellte die Ruhe wieder her.

Die Sowjetflagge auf der Universität.

Nach dem Abmarsch war es offenbar einem Kommunisten gelungen, durch übersteigen einer hohen Gittertür auf das Dach der Universität zu gelangen und dort die Sowjetflagge auf dem Mittel mast zu hissen. Als sich daraufh 1 große Volksmengen ansammelten und zum Dach hinaufschauten, begaben sich einige Studenten unter Führung eines Universi- taisbeamten auf das Dach, wo die Sowjetflagge niedergeholt und vor den Äugen der Menge zerrissen wurde.

Blutiger Auftakt zur Maifeier.

In der Nacht zum Freitag stießen in Mettmann zwei gtoße Trupps Kommunisten und Nationalsozialist^. zusammen. dem Zusammenstoß wurden Schüsse abgegeben, "urchdie ein Arbeiter und der kommunistische Stadtverordnete

durch Bauchschüsse verletzt wurden. Ferner haben fünf Personen Kopfverletzungen davon- Die Polizei stellte die Ordnung wieder her. Wegen °>eler Vorkommnisse waren sämtliche Kundgebungen in Mett- NN 1. Mai verboten. Ebenso kam es in der Nacht vor Mai in Königsberg zu Reibereien. Junge Burschen rangen in die evangelische Kirche in Ponarth ein und ^ten aus dem Turmfeuster eine rote Fahne heraus. m^Eineni Umzug der freigewerkschaftlichen Jugend kam es zu oh,, %cn mit Kommunisten. Dabei erhielt ein Polizetmajor man" l e i n w u r f ins Gesicht. Am frühen Morgen fand x.^"en jungen Mann auf, der angab, überfallen worden Er hatte mehrere M e s s e r st i ch e in den Rücken er- ; ucn- Eine abgebrochene Klinge steckte noch in der Wunde.

Zusammenstöße in München.

Mirii®^ sozialdemokratische Maifeier in München ist nicht so her m len, wie es ursprünglich schien. Schon während »iiii»Ä^ '"'ll der sozialdemokratischen Züge kam es zu kom- 'uniaien Störungen. Zum Teil wurden die Straßen mit

Die Landvvllpartei beim Reichskanzler.

Z 0 l l e r m ä ch t i -

des

Für die bäuerliche Vcredclungswirtschaft.

Als Vertreter der Landvolkpariei wurden die Reichstags- »vgeordneten Dr. Gereke, Hepp, Döbrich und Baur sowie der ttuyrer der Landesfraktion, Abgeordneter Vollmer, vom Reichs-

A empfangen. Wie die Landvolknachrichlcn mitteilen, be» a rachen die Vertreter der Landvolkpartei mit Dem Reichs- anjier die politische Lage und insbesondere Die M - »abmen, die aus Grund des Zollermächii - ""hLèllesetzes ergriffen wurden und noch weiter Müien werden sollen. Sie wiesen dabei besonders auf die Wendigkeit hin, sobald wie möglich noch weitere Matz- , en aus dem Gebiete der bäuerlichen Vereve- NO. wirtschaft zu treffen, damit sich die Selbsthilfe- stâhNen der Landwirtschaft, insbesondere auch ans ge- knn'??'^"ichem Gebiet, voll auswirken könnten. Reichs- hiit» < r Brüning betonte die Notwendigkeit einer Selbst- ' besonders auf genossenschaftlichem Gebiet, und hob hcr- d^ Reichsregierung bereit sei, auch durch weitere vavÄ' sprechende Maßnahmen der bäuerlichen Veredelungs- ltmv zu helfen.

über r wurden von Den Landvolkverttetern Beschwerden aehrA^? 5? langsame Durchführung der O st h i l f e vor- Besck§»n< $" Kanzler sagte zu, daß er sich für möglichste apteunigung der Hilfe für den Osten eiusetzen werde.

Gewalt geräumt. Der sozialdemokratische Feflzug mußte schließlich umgelegt werben. Während der Aufmarsch noch im Gange war, näherte sich vom Bavariaring her ein Keiner Zug von Kommunisten dem Festplatz. Schutzmannschaften und Kriminalbeamte griffen ein. Sic wurden mit Steinen be­worfen und beschimpft. FünfKriminalbeamte wurden durch Steinwürfe leicht verletzt. Die Schutzleute sahen sich gezwungen, blank zu ziehen.

Während und nach der Beendigung der Demonstration kam es fortgesetzt zu kommunistischen Störungsversuchen, denen die Polizei mit dem Gummiknüppel ein Ende bereitete. Zahlreiche Kommunisten wurden festgenommen, darunter auch Frauen.

Maidemonstration vor dem Berliner Dom.

Politische Schießerei.

Tragischer Tod eines Unbeteiligten.

Berlin, 2. Mai.

In der Huttenstraße, Ecke Ufnaustraße kam es heute nacht 1.30 Uhr zu einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Die Kommunisten versuchten, ein Lokal, in dem sich etwa 8 Nationalsozialisten befanden, zu stürmen. Dabei kam es auf der Straße zu einer Schießerei. Der 20- jährige, an dem Vorfall gänzlich unbeteiligte Erwin Ziemke, der in der Nähe des Tatortes wohnte, und sich in feinem im 2. Stockwerk gelegenen Zimmer befand, hörte die Schießerei und begab sich auf den Balkon. Dort wurde er durch eine Kugel in die Halsschlagader getroffen und getötet. 11 Per­sonen wurden festgenommen. Eine Person wurde durch Schläge im Gesicht verletzt.

Blutige Zusammenstöße in Spanien.

Madrid, 2. Mai.

Wie aus Bilbao gemeldet wird, ist es dort gestern bei einem kommunistischen Umzug zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Es wurden eine Anzahl Schüsse gewechselt, durch die 20 Personen verletzt worden sind, Nach einer Mel­dung aus Barcelona sind gestern bei Zusammenstößen ein Polizist getötet, ein weiterer schwer und drei leichter verletzt worden. Von Gewerkschaftsmitgliedern wurden 3 sehr schwer verletzt. Die Zahl der Verletzten betrügt insgesamt 15. Meh­rere Personen wurden verhaftet.

Wann treten die neuen Zölle in Kraft?

DieAusführungdesKabinettsbeschlusses

Die Verordnung zur Ausführung des Kabinetts- beschlusses über die neuen Zollsätze wird am Sonnabend veröffentlicht werden. Die Zollsätze für Hafer und Speisccrbsen treten am 3. Mai, die übrigen Zollsätze am 10. Mai in Kraft. Der Termin für die Aufhebung der Zwischenzölle für Speck und Schmalz ist noch nickst festgesetzt worden.

Reform der Arbeiislosenversicherung.

Eine Entschließung ves Deutschen Lanvgemcindctagcs.

Der Gesamtvorstand des Deutschen Landgemeindetagcs faßte bei einer kürzlichen Besprechung tu B a D e n Ba d e n eine Entschließung zur Arbeitslosenversicherung. Darin wird eine Änderung Der bisherigen Handhabung in der Woblfabrls- erwerbslosensürsorge durch eine beschleunigte Reform Der Arbeiislosenversicherung gefordert Besonders dringlich wird die Schaffung einer R e i ch s arbeitslosen» für s o r g e angesehen, in der Die bisherige Krisen- und Wohl- fahrtsenverdslosensürsorge zusaminengefaßi ist. An den Kosten sollen das Reich mit 50, die Länder mit 35 und die Gemeinden mit 15 Prozent beteiligt sein.

Dor der Abrüstungskonferenz.

Die deutschen Tabellen in Genf überreicht.

Reichsaußenminister Dr. Curtius hat zur Tagesord­nung der Maitagung des Völkerbundrates, in dem eine obli­gatorische Veröfsentlichung des gegenwärtigen Rüstungsstandes der einzelnen Länder auf Grund gleichartiger Schemen bean­tragt worden war, dem Generalsekretär des Völkerbundes nun­mehr eine Note überreicht, in der die in allen Einzel­heiten ausgearbeiteten Tabellen für die Veröffentlichung des Nüstungsstandes enthalten sind. Die deutschen Tabellen um­fassen bis in alle Einzelheiten die gesamten aktiven Reserve­truppen, die Ausbildungszeit sowie das gesamte aktive und lagernde Kriegsmaterial der Land-, Lust- und Seerüstungen.

Frankreich für Verschiebung der Abrüstungskonferenz.

In diplomatischen Kreisen soll gegenwärtig eine Verschie- bung der Abrüstungskonferenz erwogen werden. Man sei der Auffassung, daß sich die allgemeine politische Lage seit der Ein­berufung der Abrüstungskonferenz auf der Januartagung des Völkerbundrates infolge der letzten Flottenverhandlungen und des deutsch-österreichischen Zollabkommens grundsätzlich verändert habe, so daß eine Verschiebung der zum 2. Februar 1932 einberufenen Abrüstungskonferenz ins Auge gefaßt werden müsse.

Es ist bekannt, daß schon seit einiger Zeit in Kreisen der französischen Regierung eine Verschiebung der Abrüstungs­konferenz gewünscht wird,

da der Verlauf der Flottenverhandlungen sowie die grundsätz­liche Haltung der deutschen Regierung in der Abrüstungsfrage einen den französischen Wünschen entsprechenden Verlauf der Abrüstungskonferenz als fraglich erscheinen lassen.

Es muß demgegenüber darauf hingewiesen werden, daß eine Verschiebung der Abrüstungskonferenz in der gegen­wärtigen Lage völlig ausgeschlossen ist. Ein Abänderung des auf der Januartagung einstimmig erfolgten Einberufungs­beschlusses der Abrüstungskonferenz zum 2. Februar 1932 würde neue Verhandlungen im Völkerbundrat und eine neue den alten Beschluß umwerfende Entschließung notwendig machen, die kaum die Zustimmung Englands. Deutschlands und Italiens finden dürfte.

Briand,. der Harmlose.

Kein Plan gegen die Zollunion.

Der französische Plan zur wirtschaftlichen Organisie- rung Europas ist jetzt fertiggestellt worden. Die diplo­matischen Vertreter -Frankreichs haben bereits Anweisung erhalten, mit den interessierten Regierungen Rücksprache zu nehmen und das Ergebnis dieser Rücksprachen unver­züglich dem Auswärtigen Amt mitzuteilen.

Dieses dementiert die Berichte von einem Memoran­dum der französischen Regierung über den deutsch- österreichischen Z 0 lIpakt. Es handele sich ledig­lich um einen wirtschaftspolitischen Plan der deninter­essierten" Regierungen zur Erörterung zur Verfügung gestellt worden fei. Man darf daraus gespannt sein, ob zu dieseninteressierten" Regierungen auch Deutsch­land und L st e r r e i ch gehören werden.

Die Regelung der Weizenzollsrage.

Zur Sicherstellung der Versorgung.

Amtlich wird mitgeteilt: Infolge der im Interesse der deutschen Getreideverwertung notwendigen starken An­spannung des Weizenzolles ist die W e i z e n e i n f u h r im Vergleich zur gleichen Zeit des Vorjahres wesentlich zurückgegangen. Es hat demgegenüber ein Verbrauch von Jnlandsweizen stattgefunden, der über das durch den Vermahlungszwang bedingte Maß hinausgeht, so daß die Vorräte von Jnlandsweizen im Vergleich zum Vorjahre nicht unerheblich gesunken sind. Zur Sicher­stellung der Versorgung ist daher eine stärkere Heran­ziehung von Auslandsweizen für den Rest des Getreide­wirtschaftsjahres erforderlich.

Die Reichsregierung hat deshalb beschlossen, den er- nährnngspolitischen Erfordernissen unter voller Wahrung der Interessen der Landwirtschaft im Wege einer i n - direkten Einfuhrkontingentierung über die Mühlen mit Zollvergütungen Rechnung zu tragen. Die amtlichen Bekanntmachungen sind erst in einigen Tagen nach Abschluß der notwendigen Vor­bereitungen zu erwarten.

Durch bereits eingeleitete Verhandlungen mit den Mühlen und dem Bäckergewerbe wird sicher­zustellen sein, daß der Konsum in den Genuß der Zoll­vergütung kommt.

Außerhalb des Rahmens dieser Regelung verbleibt es bei den bisherigen Zöllen für Weizen und Weizen­mehl, so daß auf der einen Seite eine Verbilligung für das aus dem Auslande eingeführte Mahlgut eintritt, auf der anderen Seite aber eine für die Landwirtschaft nach­teilige Wirkung auf dem deutschen Markt ausgeschlossen und eine gesunde Überleitung in das neue Erntejahr sichergestellt ist.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Dr. Eckener äußerte sich in Paris deutschen Pressevertretern gegenüber über neue Luftschiffahrtspläne.

* Bei den Maifeiern kam es mehrfach zu Zusammenstößen zwischen politischen Gegnern und der Polizei.

* Heute morgen um 7 Uhr wurde der Versicherunasmörder Tetzner ,m. Hof des Eerlchtsgefängnisses Regensburg durch das Fallbeil hrngerichtet. »

. * 3*t einem Hause in Berlin-Schönebera wurde ein Keld- bkleftrager ermordet und beraubt. H w

französische Auswärtige Amt erklärt, daß der neue S® Ä^ ni* Segen die deutsch-öfter-