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Zul-aer Anzeiger

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Re-aktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42❖ Zernfprech-Knschluß N-.4S4 hing hat Zahlung innerhalb 8 Tagen zu erfoU 'egev Postscheckkonto: Krankfurt a. HL Nr. 16009 Nachdruck der mit versehenen Artikel nur mit GueUenansab» »ZulSaer Anzeiger"gestattet. gen » Tag- und Piahvvrschriften unverblnolich.

^1h^7l7"i8M^^^ __________Fulda, Freitag, 8. Mai ____________ 8. Jahrgang

Wettrennen zum Elysèe.

Staatspräsident in Frankreich, dem Geburtsland der Demokratie, zu sein, hat schon immer so etwas wie eine Art politischer Kaltstellung bedeutet. Aber andererseits ist es doch ein außerordentlich repräsentatives Amt, dessen Inhaber sich übrigens auch nicht immer kaltstellen ließ. Man braucht z. B. nur an die Amtszeit Poincarös vor dem Kriege zu denken, um sich erinnern zu können, welch erheblichen politischen Einfluß eine starke Persönlichkeit auf dem Sessel des französischen Staatspräsidenten doch trotz allerparlamentarischen" Zurückhaltung haben kann. Allerdings hat Frankreich bisweilen einige Haare in der politischen Suppe gefunden, die von einem derartigen Präsidenten auf den Tisch gestellt wurde.

Da das französische Staatsoberhaupt nicht wie in Deutschland, das übrigens in dieser Beziehung allein das demokratischste aller Wahlrechte direkte Wahl durch das Volk besitzt, sein Amt dem Spruch der Wähler verdankt, sondern durch dieNationalversammlung" ge­wählt wird, zu der Senat und Deputiertenkammer am 13. Mai zusammentreten werden, so gibt es hier recht oft die auch sonst nicht ungewöhnlichenparlamentarischen" Überraschungen. Ebensowohl übrigens bei diesen etwa 900 Wählern wie bei denen, die alsKandidaten" für den Staatspräsidentensessel durch die Couloirs der Depulierien- kammer und des Senats selbst, durch die Spalten der Zei­tungen oder die Räume politischer Salons oder Klubs spuken. Odergespukt werden", wenn man so sagen darf; denn eine direkte, unmittelbare Bewerbung gibt es hier nicht. Der und jenerwill gern", mag auch mit An­deutungen seinen Freunden gegenüber ebensowenig sparen wie mit Versprechungen, aber würde denÜberraschten" spielen, wenn die Würde des höchsten Staatsamts, das Frankreich zu vergeben hat, nun wirklich um seine vor Rührung bebenden Schultern gelegt wird.

Heißer Favorit" ist diesmal Briand, ohne daß er mit Ja oder Nein bisher darüber ein Ster­benswörtchen verlauten ließ. Und was sich nun in der Tepmiertenkammer bis zum Wahltag abspielen wird, die große außenpolitische Debatte nämlich, die sich um nicht weniger als 12 Interpellationen dreht, hat zum Kern Hiner nur das. Was dann um ±3. Mai vor- sich gehen soll. Das muß man gerade als Deutscher wissen, nicht, bloß deswegen, weil sich formell einige Interpella­tionen auch mit dem deutsch-österreichischen Zollbündnis, der Stellung Frankreichs dazu und den seither unter­nommenen Gegenaktionen gegen dieses Vorhaben beschäf­tigen, sondern weil überhaupt die ganze Außenpo­litik Briands unter die kriti\$e Lupe der Präsidentenwahlprüfung (mtommcn wird. Wie des heutigen französischen Außenministers und mor­gigen Kandidaten Antwort über die Zollunionspläne aus­fällt nun, darüber liegen nicht bloß Worte, sondern Taten aus unmittelbarer Vergangenheit sozusagen alsAuf- takt vor: Briands erste Ausführungen hierüber im Senat, dann die Rede des jetzigen Staatspräsidenten Doumergue, ferner die kürzlich geäußerten Drohungen des Minister­präsidenten Laval. Und schließlich das schroffe Nein des Echo de Paris" in Prag, des tschechischen Außenministers Benesch, der ja genau so tanzt, wie in Paris an den Drähten gezogen wird. Denn bei dem Wettrennen zum E l y s 6 e, dem Palais des Staatspräsidenten, quer durch die Nationalversammlung ist noch einiges andere von Einfluß.

Briand nämlich wird von der französischen Rechten mit verhohlenem, oft aber auch gar nicht mehr verhülltem Mißtrauen betrachtet und einige jener Interpellationen, die von der rechten Seite der Deputiertenkammer her stammen, sind durchtränkt vom Geist des Mißtrauens, - dabei der unvermeidliche Franklin-Bouillon, Frank­reichs Vertreter ausgerechnet beim Völkerbund und Vor- lltzmder des Auswärtigen Kammerausschusses, nicht fehlen darf mit allerhand scharfenSpitzen" gegen Briands Politik, ist so selbstverständlich, daß Briand selbst sonst wohl das Auftreten dieses alten Gegners desGeistes von Locarno" vermissen würde. Aber im Senat sieht es po- uchch etwas anders aus als in der Deputierienkammer, me,zum großen Teil Briand und seine frühere ^itBCHDoIitif nicht schätzt, aber nicht weiß, wie und mit wem hier ein Systemwechsel erfolgen foll. Diese Miß- vllugung wird jetzt ja nicht ausgesprochen, weil die Rechte uno die Mitte das Kabinett Laval mitsamt seinem Außen- mnnster stützt nm ein scharfes U m k i p p e n nach 'lnks zu verhindern. Aber im Senat gibt es übcr- vöupl nur eine zahlenmäßig geringe politische Linke; dort wngt die ganze Geschichte stärker nach rechts herüber, Mo darauf muß einKandidat" gebührend Rücksicht ueh- w / ^^"n er ernsthaft nach demHerzogsmantel", dem -unt^des Staatspräsidenten, greift.

^^vlgedessen machte man sich deutscherseits schon auf ^,"vönd gefaßt hinsichtlich dessen, was nun nicht bloß für die Tagung des Europakomitees und des ^"öN'undrates tn Genf ist, sondern vor allem der erste Wettrennens zum Elysee, zur Residenz des fran- cn Staatspräsidenten. Und trotzdem wenn man auch wegen dieses Kampfes mit schärferen, deutliche- ' rücksichtsloseren Waffen auftritt, so macht dabei der -on durchaus nicht allein die Musik. Wir Deutsche hund müssen uns vielmehr nur an dieNoten" die in Paris gespielt und die uns übersandt ?tneRücksichtnahme auf Frankreichs Jnnen- ' ?uf die Präsidentenwahl!" wäre eine Aufsorde- ^iirifA "w Kern der Dinge vorbeigeht und auf fran- wit deutschen Ehamaden antworte» will, wont öloseFlötentöne" in Deutschland würden herzlich Gen? 511 "önen passen, die man uns und Österreich in schlossen ist "b^"bnngen" französischerseits fest ent-

Unwetter über Süddentschland.

Gewaltige Hochwasserschäden. Mehrere Menschenleben sind zu beklagen.

Men, Wtemterg u. UntersrnnLen betroffen.

Am gestrigen Tage sind in großen Teilen SüddeutschlanÄs, besonders in Baden und Württemberg, wolkenbruchartige Regen niedergegangen, diegroßenSchaden verursacht haben. Viele Flüsse sind über die Ufer getreten und haben Städte, Dörfer und weite Flurstrecken unter Wasser gesetzt. Zug- und Omnibusverkehr sind vielerorts unterbrochen worden. An meh­reren Orten mußte die Feuerwehr zur Hilfeleistung ausrücken. In der Gegend von Bretten, die besonders schwer betroffen wurde, hat man seit Menschengedenken kein derartiges Hochwasser mehr erlebt.

4 Tote bei einem Brückeneinsturz.

Gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr entlud sich über dem nahe bei Aschaffenburg gelegenen 3000 Einwohner zählen­den Hösbach ein schweres Unwetter. Aus dem Spessart zwi­schen Wenig-Hösbach und Unterafferbach kamen ungeheuere Wassermassen gestürzt. Auf einer etwa 200 Meter vom Zentrum der Ortschaft gelegenen drei Meter breiten Sandsteinbrücke, standen um %5 Uhr 7 Menschen, um die herankommenden Was­sermengen zu beobachten. Unter dem Druck dieser Wassermen­gen stürzte plötzlich die Brücke ein und ritz die 7 Menschen mit in die Fluten. Einige davon, zum grötzten Teil junge Leute, konnten sich retten, während der 9 Jahre alte Helmut Völker, die 10 Jahre alte Frieda Rettinger und der 20 Jahre alte- Landwirt Anton Stab ertranken. Der 60 Jahre alte Konrad Rausch, der ebenfalls von den Fluten weggerissen wurde, wurde gegen eine Pappel geschleudert und trug eine Gehirnerschütte­rung davon, an deren Folgen er starb.

Vorbereitung auf Genf.

Die Außenminister nisten zur Ratstagung.

Der Kampf um die Zollunion kann beginnen.

Reichsaußenmini st er Dr. Curtius wird am nächsten Mittwoch zur Tagung des Völkerbundrates nach Genf abreisen, wo schwierige Aufgaben seiner toasten. Er wird anzukämpfen haben gegen die Angriffe, die Frank­reich gegen das deutfch-österreichifche Zollab­kommen machen wird. Daß es ein Kampf bis aufs Messer werden wird, das zeigen die immer wiederholten Vorstöße oft nicht ganz einwandfreier Art, die Frankreich bisher bereits unternommen hat, um diesen Versuch einer Zoll­union bereits im Keime zu ersticken. Wahrscheinlich wird noch in dieser Woche eine Sitzung des Reichskabi- n e t t s stattfinden, die sich mit den Vorbereitungen und Jnstruktionserteilungen an Dr. Curtius befassen wird.

Die Abreise des englischen Außenministers Henderson zu den Verhandlungen in Genf ist auf den 12. Mai festgesetzt worden. Er wird seine Reise in Paris unterbrechen, wo er Besprechungen mit Briand haben wird. Seine Weiterreise nach Genf erfolgt voraus­sichtlich am 14. Mai

Soweit die Verhandlungen über die deutsch- österreichischen Zollvereinbarungen in Frage kommen, stehen dem Außenminister Henderson zur Beurteilung der juristischen Seite das Gutachten der englischen Kronjuristen und die Auffassungen der. Rechtssachverständigen des englischen Außenamtes als Unterlage zur Verfügung. Die Kronjuristen vertreten die Ansicht, daß das neue österreichisch-deutsche Abkommen in keiner Weise in Widerspruch zu den Bestimmungen der Verträge von Versailles und St. Germain stehe. Hinsichtlich der Beziehungen des Zollabkommens zu dem Genfer Protokoll von 1 9 2 2 über die öster­reichische Völkcrbuudanleihc konzentrieren sich die Ausfüh­rungen der Kronjuristen auf den in dem genannten Proto­koll enthaltenen Begriff derwirtschaftlichen Un­abhängigkeit" Sstereichs. der nach ihrer Ansicht keine

Der GesriexsiLisch-Millionenprozeß.

Die Schadenersatzklage gegen das Reich abgcwirscn.

Die 36 Zivilkammer beim Landgericht I Berlin wies die Klage des Reichsverbandes für deutsche Geirterfleischeinsuhr, des Verbandes Deutscher Kühlhäuser und des Zeulralver- bandes Deutscher Kousumgeuosseuschasten gegen das Deutsche Reich aus Sofien der Kläger ab Bekanntlich batten diese drei Verbände

gegen das Deutsche Reich eine Schadenersatzklage angestrengt, die sich vorläufig aus je 10 000 Mark erstreckte, wenn auch die wirkliche Schadenersatzsorderung, die nur der Kosten wegen nicht sofort in vollem Umfange eingeklagt worden war, in die M i l l i o n e n ging. Die Klage stützte sich be­kanntlich daraus, daß die klagenden Verbände große Kapitalien in Kühlhäusern und Kühlschiffen investiert hätten, und zwar im Vertrauen aus die Verordnung vom 3. November 1923, in der

eine zehnjährige Schutzfrist für die Gefriersleischetnsuhr vorgesehen war. Durch das neue Gesetz, das eine weitere Gesriersleischeinsuhr verboten habe, sei den Verbünden großer Schaden entstanden.

In Baden find von dem Hochwasier besonders schwer heim- gesucht worden Bruchsal, das Oostal, Karlsruhe, Durlach, Pforz­heim, Bretten und Maulbronn.

In Württemberg wird Hochwasier aus Ettlingen, Zell bei Etzlingen, Ebersbach und Kirchheim gemeldet. Schwer be­troffen find ferner grotze Teile von Unterfranken und dem Taunus. Die Gewalt der Fluten ritz Dämme ein und drang in die Häuser. Die Bewohner haben fich im großen und ganzen in Sicherheit bringen können. Dagegen ist viel Vieh er­trunken.

Zwei Opfer des Hochwassers in Württemberg.

Aus Stuttgart wird gemeldet: Aus dem ganzen Lande treffen fortgesetzt neue Nachrichten über Hochwasierverheerungen ein. In Untertürkheim ist beim Treibholzfischen ein 3ÜjLhriger Mann vor den Augen seiner Frau ertrunken. In Feuerbach fiel ein 16 Jahre alter Jüngling ebenfalls beim Holzfischen ins Wasser, wurde von einem Strudel erfaßt und ertrank.

Das Unwetter in Uvterfranken.

Wie aus Würzburg gemeldet wird, wütete über Iphofen fast zwei Stunden lang ein heftiges Gewitter. Gewaltige Wassermengen ergossen sich meterhoch über die Fluren dem Städtchen zu. Sie wurden dort von den Stadtmauern aufge­halten und füllten die Wallgräben. In Bergtheim haben ebenso wie in Güntersleben die wolkenbruchartig niedergrgan- genen Negenmassen an den Feldern große Schäden angerichtet. Schwer helingesucht sind die Felder am Obersfeld. Auch aus Klingenberg und Fechenbach werden groge Wasserschäden ge­meldet.

brauchbare Unterlage für eine endgültige juristische Auf­fassung abgebe, dawirtschaftliche Unabhängigkeit" ein Begriff sei, der sich selbst widerspreche Die endgültige Be­griffsbestimmung würde also letzten Endes eine politische Anaeleaenbeit bleiben.

Der Kampf gegen die Zollunion.

Einberufung des Kontrollausschusses für die österreichische Völkerbundanleihe.

Der Kontrollausschutz für die österreichische Völker- bundanlcihe von 1922 ist nach Mitteilung seines Vorsitzen­den, des italienischen Staatsrats Brocchi, für den 12. Mai nach Genf einberufen worden. Da das Telegramm erst am Mittwoch abend im Wiener Autzenministerium am Ball- Hausplatz eingetroffen ist, sind noch keine endgültigen Ver­fügungen über die Vertretung Österreichs in dieser Sitzung getroffen worden. Wahrscheinlich wird Sektionschef Schüller dazu abgeordnet werden.

Die Einberufung des Kontrollausschusses für die österreichische Völkerbundanleihe komm! nicht überraschend Sie gehört zu den vielen von Frankreich veranlaßten Maßnahmen, die das Zustandekommen der deutsch-österreichischen Zollunion behindern sollen, Der Kontrollausschuß darf nur dann eingreifen, wenn der Zinsendienst der Völkerbundanleihe gefährdet wird Das geschieht durch die Zollunion jedoch nicht. Die österreichischen Zolleinnahmen werden sich infolge der Zollunion sogar erhöhen Ebenso ist anzunehmen, daß die Zollunion voraussichtlich eine Stärkung der österreichischen Wirtschaft mit sich bringen und so auch aus die Finanzen einen günstigen Einfluß haben wird. x

Man kann somit diesem französischen Ma­növer, das lediglich der Stärkung Briands bei der französischen Präsidentenwahl dienen soll, mit Ruhe ent­gegensetzen. Eine Entscheidung gegen die deutsch-öster­reichische Zollunion wäre jedenfalls nur unter Bruch der völkerrechtlichen Voraussetzungen möglich, unter denen die Völkerbundanleihe seinerzeit abgeschlossen wurde.

Abbruch der deutsch-rumänischen Verhandlungen.

Große Aufregung in Bukarest.

In hiesigen politischen Kreisen herrscht große Aufregung über den Abbruch der deutsch-rumänischen Wirrschaftsverhand- lunaen. Der neue Außenminister Chika versuche, unter dem Einfluß von Benesch und der Franzosen die Verhandlungen zu hintertreiben. Ein dauernder Abbruch der Verhandlungen mit Deutschland würde die Verwertung der Ernte und damit die Staatseinkünfte stark bedrohen.

Kleine Zeitung für eilige Leser.

* Schwere Unwetter haben gestern in Süddeutschland, beson- ders ,n Baden und Würtiemberg, große Verheerungen an- gerrchter.

* Die Schadenersatzklage in dem Gefrierfleisch-Millionen- prozeß gegen das Retch wurde abgewiesen.

, *7?°/.japanische Kurort Yamanaka wurde durch eine Feuers­brunst fast völlig vernichtet. °